Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
6,9. 11,1. 7,7. Nein, hier handelt es sich nicht um Sprintwerte. 7,4 Sekunden braucht der Alpina D3 für den Spurt von Null auf 100 km/h. Die erstgenannten Zahlen sind Verbrauchswerte in Liter je 100 Kilometer. Unsere Praxiswerte wohlgemerkt, keine unter klinischen Bedingungen ermittelten Liest-sich-gut-für-den-Prospekt-Werte. Und wir haben unsere Testfahrten durchaus zügig gestaltet, eben so, wie es sich für einen Alpina gehört.
Man nehme einen x-beliebigen Feierabend an einem Wochentag, quäle sich durch die Stadt auf die Autobahn, schwimme dort 70 Kilometer lang in der linken Spur mit der Tacho zeigt zwischen 120 und 160 km/h und drehe dann den finalen Heimkehrschwung über ein kurzes, hügelig-kurviges Landstraßenstück. Der Verbrauchsrechner kommt auf einen Schnitt von 6,9 Liter.
Dieselbe Strecke zu nachtschlafender Zeit. Die Autobahn ist leer, das Gaspedal latent bis zum Bodenblech gedrückt. Bis auf ein kurzes, auf 120 Km/h limitiertes Teilstück, bewegt sich Tachonadel stets zwischen 220 und 250 km/h (die offizielle Höchstgeschwindigkeit wird mit 238 km/h angegeben). Der Bordcomputer zeigt einen Schnitt von 11,1 Liter.
Nun fahre man den Alpina D3 zwei Wochen täglich, mal sportlich, mal verkehrsbedingt zurückhaltend, gezwungenermaßen oft in der Stadt, häufig auf der Autobahn und ab und an - aus purem Spaß an der Freud’ - über Alpenpässe. Dann nehme man die Kilometerstände, die Tankrechnung, Stift und Taschenrechner. Und siehe da, der Testverbrauch beträgt exakt 7,7 Liter je 100 Kilometer.
Das kann nur ein Diesel
Diese außergewöhnliche Sparleistung geht freilich nur mit einem Diesel. Als Basisaggregat dient Alpina der 2,0-Liter-Vierzylinder von BMW, der unter anderem im 120d und 320d zum Einsatz kommt und dort 163 PS leistet. Nach der Überarbeitung in Buchloe (neuer Turbolader, Veränderungen an Einspritzung, Brennverfahren, Ladeluftkühlung und Abgasnachbehandlung) kommt der Vierzylinder bei unverändertem Hubraum auf 200 PS. Und auf ein maximales Drehmoment von 410 Nm, was dem Niveau eines Achtzylinder-Benziners entspricht.
Beinahe Benziner-würdig ist auch die Laufkultur. Wunderbar leise schnurrt der Selbstzünder vor sich hin und dreht bei Bedarf freudig bis an den Begrenzer bei 4.500 U/min. Unter 1.800 Touren hat der Diesel allerdings nicht viel Feuer. Und das Turboloch lässt sich auch nicht wegdiskutieren, obwohl die Alpina-Mannen versichern, dass es nicht größer sei als beim Serienaggregat.
Doch man gewöhnt sich schnell daran, rechzeitig vor dem Erreichen des niedertourigen Bereichs herunterzuschalten. Macht ja auch jede Menge Spaß mit dem bekanntermaßen knackigen BMW-Sechsgangschaltgetriebe. Und auf langen Autobahnetappen kann 90 Prozent der Wegstrecke getrost im höchsten Gang abgespult werden, denn ab 120 km/ zieht der D3 auch im Sechsten unwiderstehlich los.
Komfortsportfahrwerk
Traditionell wurde auch am Fahrwerk gefeilt. Ergebnis: Obwohl in der Grundauslegung etwas straffer ausgelegt und serienmäßig mit 18-Zoll-Rädern kombiniert, wirkt der Alpina D3 insgesamt sogar einen Tick komfortabler als das Serienpendant. Hauptgrund hierfür ist der Verzicht auf die mitunter stößigen Runflat-Reifen.
Die Sportlichkeit kommt aber bei Gott nicht zu kurz: Ohne nennenswerte Seitenneigung carvt der D3 durch Kurven. Die Kraft geht an die Hinterachse, die Lenkung arbeitet BMW-typisch superpräzise und die optimale Gewichtsverteilung von 50:50 Prozent je Achse sorgt für ein höchst neutrales Fahrverhalten.
Fast zivile Optik
An der Karosserie wurde kaum etwas verändert. Bis auf den etwas altmodisch anmutenden Frontspoiler (den es auch ohne Aufkleber gibt) und die armdicken Doppelendrohre unterscheidet sich der D3 nicht vom 320d. Der bei unserem Testwagen montierte Heckspoiler und die Sonderlackierung gehören zur Wunschausstattung. Wer will, kann also beinahe heimlich einen Alpina fahren.
Oder anders: Wer will, kann mit vergleichsweise geringen Anschaffungskosten zu einem Alpina greifen. Auf 35.900 Euro kommt der D3 (Touring: €37.650), womit er ziemlich genau zwischen den Serien-BMWs 320d und 330d angesiedelt ist.
Fazit
Schnell, kultiviert, ungemein fahrdynamisch und beeindruckend sparsam: Mit dem D3 ist Alpina ein in jeder Hinsicht überzeugendes Gesamtpaket gelungen. Und das auch noch zu einem überaus fairen Preis: Denn ausstattungsbereinigt - 18-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Mischbereifung, ein Sportfahrwerk, Lederlenkrad und Veloursfußmatten sind serienmäßig an Bord - kostet der Alpina nur noch rund 1.500 Euro mehr als ein 320d.
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23.05.2012
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