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Galerie: Test Audi A6 2.0 TDI

Test: Audi A6 2.0 TDI

Dicke Eleganz

20.10.2011

Der in den vergangenen Jahrzehnten mit jedem Modellwechsel einhergehende Wachstumswahn hat sich verlangsamt. So auch beim Audi A6, dessen Neuauflage im Vergleich zum Vorgänger nur noch minimal zugelegt hat. Praktisch zeigt der A6 aber in vielfacher Weise deutlich mehr Größe. Selbst sein Basisdiesel 2.0 TDI bietet unerwartete Stärken bei dennoch kleinem Durst. Eine überzeugende Paarung mit Niveau, wie wir finden.

Neues Design? So wirklich neu wirkt der im Frühjahr 2011 eingeführte A6 auf den ersten Blick eigentlich gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Neuauflage den Limousinenbrüdern A4 und A8 recht ähnlich sieht und deshalb der Unbedarfte auf den ersten Blick gar nicht so recht weiß, welche dieser drei Audi-Limousinen er nun gerade vor sich hat.

Und doch setzt das perfekt anliegende Blechkleid des A6 auch ganz eigene Akzente. Der Kühlergrill, die Proportionen, die Lichtkanten und vor allem die Leuchteinheiten vorne und hinten – wer sich genauer mit den optischen Feinheiten der Audi-Welt beschäftigt, wird viele markante Unterschiede feststellen.

Größe, die man nicht zunächst nicht sieht

Galerie: Test Audi A6 2.0 TDIUnd auch die Größe des neuen A6 ist zunächst nicht offensichtlich. Dass es sich um ein fast fünf Meter langes Riesenschiff handelt, wird erst deutlich, wenn der A6 neben anderen Autos steht oder man sich auf Parklückensuche begibt. Die Limousine liegt eben doch um gut einen halben Meter über dem durchschnittlichen Längenniveau. Zum Glück sind Parkpiepser und Rückfahrkamera an Bord und verschaffen dem Fahrer einen sicheren Überblick.

Beim Einstieg hat man das zweite Aha-Erlebnis, denn dank des um acht Zentimeter gewachsenen Radstands haben hier die Insassen viel Raum und selbst große Passagiere werden keine Probleme haben, sich entspannt in diese großzügig dimensionierte Wohlfühllandschaft einzupassen. Vor allem im Fond freuen sich Passagiere über viel Bein- und Kopffreiheit. Ein Manko ist dort allerdings der wuchtige Kardantunnel, der sich im Fußraum extra breit macht.

Mit Transporttalent

Galerie: Test Audi A6 2.0 TDIDoch nicht nur den Passagieren bietet der neue A6 großzügige Platzverhältnisse, auch Gepäck passt reichlich hinein. 530 Liter lassen sich in den Kofferraum einladen, der zudem noch einen besonders gut nutzbaren Zuschnitt bietet und dank der umklappbaren Rückbank zudem den Transport längerer Gegenstände ermöglicht. Eine Urlaubsfahrt mit viel Gepäck stellt also keine Herausforderung dar, wobei hierfür eigentlich der Avant der Experte ist.

Den vielleicht größten Eindruck schindet der neue A6 aber mit seinem Interieur, das hinsichtlich Architektur, Funktionalität und vor allem der akribischen Qualitätsanmutung das Maß der Dinge ist. Der Arbeitsplatz ist technisch hinreißend modern durchgestylt, stilsicher bis ins Mark und alles gruppiert sich weitgehend perfekt um den Fahrer herum – einsteigen, wohlfühlen und leicht zurechtfinden lautet hier die Devise. Allerdings dominiert in unserem Interieur die Farbe Grau und dieser Umstand schafft eine leicht unterkühlte Atmosphäre. Doch lässt sich ein A6 hinsichtlich der Farben und der Dekor-Materialien auf den individuellen Geschmack hin fein abstimmen.

Großes Kino

Galerie: Test Audi A6 2.0 TDIEin besonders prunkvolles Detail ist die MMI Navigation plus in Kombination mit MMI touch (3.500 Euro). Allein wie das Riesendisplay beim Start aus seinem Versteck im Armaturenbrett heraus surrt ist eine Show für sich. Und dann beeindruckt der ausgefahrene Bildschirm noch mit elegantem Design und brillanter Grafik. Hinter dem übersichtlichen Menü verbirgt sich eine enorme Vielfalt an Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten und doch findet man alles Wichtige meist auf Anhieb und im Zweifelsfall problemlos auch wieder zum Ausgangspunkt zurück. Ungeübte werden bei diesem Navi-Multimedia-Überflieger vor keine größeren Probleme gestellt.

Und steuern lässt sich alles mit einer kompakten Bedieneinheit. Um einen zentralen Dreh- und Rückstellknopf in der Mittelkonsole gruppieren sich noch einige hilfreiche Zusatzschalter und ein kleines Touchpad, das die Möglichkeit bietet, die Buchstaben für die Navi-Zieleingabe mit dem Finger zu zeichnen. Diese Touchpad-Eingabe erkennt selbst die Buchstaben einer unsauberen Schrift eindeutig und liest zum Abgleich jeden Buchstabeneintrag nochmals vor;  so kann der Fahrer das Ziel eingeben und weiterhin die Fahrbahn genau im Blick behalten. Bedientasten am Lenkrad ergänzen dieses zugleich übersichtliche wie bedienungsfreundliche Highend-Arrangement.

WLAN-Hotspot und Nachtsichtgerät

Es gibt im A6 noch weitere für den Autoalltag und darüber hinaus recht hilfreiche Lösungen. Das iPhone lässt sich im Staufach der Mittelarmlehne problemlos per Kabel verbinden und auch gleich noch laden. Per Bluetooth lassen sich Tablet-PCs mit dem optionalen WLAN-Hotspot verbinden, wodurch die Passagiere während der Fahrt im Internet surfen können. Und dann gibt es noch diverse optionale Helferlein, die für mehr Sicherheit sorgen. So gibt es einen Tote-Winkel-Warner, eine Tempolimit-Anzeige und einen Nachtsichtassistenten, der bei Dunkelheit hilft, Fußgänger sichtbarer zu machen. Und das, obwohl die Xenon-Plus-Scheinwerfer die Nacht in bereits eindrucksvoller Weise zum Tag machen.

Neben diesen vielen und leider auch bisweilen recht teuren Extras bietet Audi optional außerdem noch eine 1.190 Euro teure Dämmglas-Frontscheibe, die zusammen mit dem hervorragend niedrigen cW-Wert 0,26 für feinste Akustik-Manieren sorgt. Den A6 erlebt man entsprechend als höchst entspannten Gleiter, dessen eigentlich etwas rauer Vier-Zylinder-Diesel dank zweier Ausgleichswellen ebenfalls weitgehend ruhig im Hintergrund seine Verbrennungsarbeit verrichtet. Wobei auch dieser Motor sein bisweilen unfeines Dieselnaturell nicht ganz vor den Insassen verbergen kann.

Kleiner Vier-Zylinder, aber große Performance

Auf immerhin 177 PS hat Audi die Leistung des Selbstzünders gebracht, was angesichts der nur noch 1,7 Tonnen Fahrgewicht für durchaus gute Fahrleistungen sorgt. Der Sprint dauert 8,5 Sekunden, und selbst die Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h kann man einigermaßen zügig erreichen. Die verbleibende Lücke zu den magischen 250 km/h vermisst man nur selten, denn realistisch gesehen hat man selbst in Deutschland kaum noch Gelegenheiten auch mal schneller als 230 zu fahren.

Galerie: Test Audi A6 2.0 TDIAls durchaus druckvoll erlebt man den 2.0 TDI dank seines hohen Drehmoments. Die 380 Newtonmeter stehen schon ab 1.750 Touren zur Verfügung und in dem Drehzahlbereich, in dem man meistens fährt, ist stets ein kraftvoller Durchzug abrufbar. Überholmanöver kann man mit dieser Power recht lässig absolvieren und selbst mit der Basismotorisierung des A6 bewegt man sich auf angemessen souveränem Niveau.

Andererseits unterstützt der Motor auch ein besonders niedertouriges und damit sparsames Fahren, was einen Praxisverbrauch nahe am Normverbrauch (4,9 Liter) möglich machen könnte. Bei unserer Testfahrt (viel Autobahn und Klimastress aufgrund sommerlicher Hitze) waren es dann noch angemessene 6,9 Liter, was uns angesichts des 75-Liter-Tanks sogar Praxis-Reichweiten von über 1.000 Kilometer ermöglichte.

Bestens austariertes Standardfahrwerk

Galerie: Test Audi A6 2.0 TDITrotz des hohen Drehmoments des Dieselmotors sind die 18 Zoll großen Vorderräder in keinem Moment selbst bei voller Leistungsabfrage überfordert, wird der Gasbefehl auch ohne Quattro stets sauber in Vortrieb umgesetzt. Antriebseinflüsse auf die besonders leichtgängige und besonders exakte Lenkung stören also nicht. Vielmehr fährt sich der überaus langstreckentaugliche Ingolstädter eigentlich wie auf Schienen, die auch gerne mal scharf nach links und rechts verlaufen dürfen, denn einer lustbetonten Kurvengaudi gegenüber gibt sich der A6 erstaunlich offen.

Unser mit dem Standard-Stahlfahrwerk ausgestattete A6 ist eine unbedingte Empfehlung. Luftfederung und das adaptive Drive Select braucht es nicht. Vielmehr wird schon das Basisfahrwerk gehobenen Ansprüchen an Fahrspaß und Komfort gerecht. Der Unterbau ist nicht ganz so supersoft wie bei Mercedes, das Komfortniveau ist aber dennoch tadellos und der verblüffend handliche Riese zudem noch für den flotten Kurvenstrich bestens austariert. Mit seiner leichtfüßigen und einfach beherrschbaren Art kann der neue A6 es dynamisch locker mit einem BMW 5er aufnehmen. Erst spät geht der Ingolstädter ins Untersteuern, wirkt fein ausbalanciert und stets gut beherrschbar.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Audi A6
Version / Ausstattung   2.0 TDI
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   1.968 / R4-Turbodiesel
Leistung (kW / PS)   130 / 177
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   380 / 1.750 - 2.500
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.915 / 1.874 / 1.455
Radstand (mm)   2.912
Wendekreis (m)   11,9
Leergewicht (kg)   1.650
Kofferraum (Liter)   530 - 995
Bereifung Testwagen   245/45 R 18
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   129 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   6,9
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   8,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   228
Preise    
ab (Euro)   38.500,00
Empfohlene Extras   Frontscheibe in Dämmglas (1.190 Euro), MMI Navigation plus mit MMI touch (3.500 Euro)
 
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Gute Basisausstattung, gewaltiges Aufpreis-Potenzial

Nicht nur fahrwerksseitig kann der A6 bereits auf Basisniveau überzeugen, auch bei der Ausstattung ist schon viel geboten. So verfügt der A6 grundsätzlich bereits über ein vollständiges Sicherheitspaket, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Licht- und Regensensor, 16-Zoll-Alus, eine Klimaautomatik, ein Multifunktions-Lederlenkrad, Tempomat und ein MMI-Radio. Im Fall des 2.0 TDI werden dann mindestens 38.500 Euro fällig.

In unserem Testfahrzeug steckten zudem noch für fast 20.000 Euro Extras. Allein die Ledersitze und das MMI Navigation plus machen gut ein Viertel dieser Aufpreis-Orgie aus. Selbst das Basismodell lässt sich preislich also fast schon auf Oberklasse-Niveau bringen. Der Käufer bekommt dann in mehrfacher Hinsicht aber auch Oberklasse-Niveau geboten.

 
Fazit

Mario Hommen

Autos müssen nicht mit jeder neuen Modell-Generation wachsen, um besser zu werden. Trotz seiner nahezu unveränderten Länge hat der Audi A6 einen insgesamt großen Sprung nach vorne gemacht. Im Segment der oberen Mittelklasse zeigt der Ingolstädter damit herausragende Größe, und das bereits mit seiner recht genügsamen Basismotorisierung 2.0 TDI.
 
 

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