Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
Nach diesem Kombi drehen sich die Leute um: Der riesige Grill ist vollverchromt, glänzt wie ein überdimensionaler, weißgoldener Schild in der Sonne. An Front und Heck blitzt der Edelstahl-Unterfahrschutz unter dem Fahrzeug hervor, dunkel abgesetzte Schweller und Radhausverbreiterungen machen den Audi Allroad noch größer als, er ohnehin schon ist.
Analog zum A6 Avant misst der Allroad stolze 4,93 Meter. Die innerstädtische Parkplatzsuche macht damit keinen Spaß, zumal der vordere Karosserieüberhang konstruktionsbedingt - bei Audi sind die Motoren extrem weit vorne eingebaut - sehr lang ist.
Doch spätestens beim ersten großen Ausflug mit der Familie lernt man die Riesenkiste schätzen. Drinnen herrscht Platz im Überfluss, selbst fünf Erwachsene können es sich gemütlich machen. Die straffe Polsterung und die an allen Plätzen ausgezeichnete Oberschenkelauflage garantieren ermüdungsfreies Reisen. Die leisen Wind- und Abrollgeräusche unterstreichen die Langstreckenqualitäten.
Lademeister mit Einschränkungen
Der Kofferraum mit einem regulären Ladevolumen von 565 Liter kann sich sehen lassen, vier Koffer plus Taschen sind schnell verstaut. Als Edel-Lieferwagen taugt der Allroad nur bedingt. Zwar ist die Ladekante angenehm breit und niedrig. Eine vollständig ebene Ladefläche lässt sich jedoch nicht herstellen. Und so gut 1.660 Liter maximales Fassungsvermögen auch klingen, der Transport von sperrigem Gut scheitert an der schräg stehenden Heckklappe.
Bestnoten kassiert der Audi für die Cockpitgestaltung, die Material-
und Verarbeitungsqualität. Der Fahrerplatz ist übersichtlich gestaltet, das Lenkrad in einem weiten
Bereich längs und höhenverstellbar, die Bedienung sämtlicher Funktionen - von der Heizung über das Radio
bis zur Navigation - selbsterklärend.
Die serienmäßigen Stoffsitzbezüge hinterlassen einen geschmackvollen und zugleich robusten Eindruck, ebenso die Aluminiumzierleisten. Der zweifarbig gesprenkelte Teppich ist dagegen nicht jedermanns Sache. Nicht optimal gelöst: Auf schlechten Straßen scheppert die (optionale) Teleskopstange für das (serienmäßige) Schienensystem im Gepäckraum.
Kleines Kraftpaket
Basismotorisierung für den Allroad quattro ist ein V6-Turbodiesel
mit 2,7 Liter Hubraum. Angesichts eines Leergewichts von fast 1,9 Tonnen, permanentem Allradantrieb
und serienmäßigem Automatikgetriebe klingt das erst einmal nach nicht besonders viel. Doch bereits nach
wenigen Metern überzeugt das Audi-Aggregat den Skeptiker. Bullig, drehfreudig und durchzugsstark liefert
der kleine V6 ordentliche Fahrleistungen. In gut neun Sekunden beschleunigt der Allroad quattro
2.7 TDI auf Tempo 100 und erreicht locker die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h.
Das Geheimnis: Das maximale Drehmoment von 380 Nm liegt bereits bei 1.400 U/min an und bleibt konstant aufrechterhalten bis 3.300 Touren. Just bei dieser Drehzahl dann erreicht das Aggregat seine maximale Leistung von 180 PS, die wiederum bis zum Begrenzer bei 4.500 Touren anhält. Die sanft schaltende Sechsstufenautomatik stellt immer den passenden Gang bereit und unterstützt so das Gefühl vom immerwährenden Schub.
Der Preis der Fülle
Auch in Sachen Laufruhe und Geräuschentwicklung benimmt sich
der 2,7-Liter-V6 mustergültig. An der Tankstelle kommt allerdings Ernüchterung auf: Selbst bei zurückhaltender
Fahrweise ist mit acht bis neun Litern Diesel je 100 Kilometer zu rechnen, im sportlichen Betrieb und
bei schneller Autobahnfahrt fließen elf bis 13 Liter durch die Einspritzdüsen. Spätestens hier machen
sich der permanente Allradantrieb und das hohe Gewicht bemerkbar.
Die serienmäßige Luftfederung bietet verschiedene Modi, von sportlich straff über komfortabel bis hin zum erhöhten Kraxelmodus mit 18,5 Zentimeter Bodenfreiheit. In 90 Prozent der Fälle ist jedoch die „auto“-Stellung die beste Wahl, zumal sich die adaptiven Stoßdämpfer ohnehin selbsttätig an Straßenzustand und Fahrweise anpassen. Zusammen mit der leichtgängigen, dennoch sehr gefühlvollen Lenkung macht der Allroad auf kurvigen Strecken eine ebenso gute Figur wie beim stoischen Geradeausbolzen auf der Autobahn.
In schwierigem Gelände hat der Allroad nichts verloren. Anders als beim Vorgänger wurde auf ein Untersetzungsgetriebe verzichtet. Losen Untergrund und verschneite Straßen meistert er souverän. Doch im Grunde ist der Quattroantrieb mit dem selbstsperrenden Mittendifferential auf Fahrdynamik ausgerichtet, hilft die frontlastige Gewichtsverteilung zu kaschieren.
Fazit
Der Audi Allroad ist ein Blender, im Gelände kann er nur unwesentlich
mehr als ein herkömmlicher A6 Avant quattro mit Luftfederung. Doch in aller Regel reicht das auch völlig
aus, denn mit permanentem Allradantrieb ist der Ingolstädter Businesskombi ohnehin ein Alleskönner.
Was den Allroad ausmacht ist seine opulente Optik, die fast schon brutale Präsenz.
Wer gerne etwas auffälliger unterwegs ist, macht mit dem Allroad dann auch nichts falsch. Denn die rund 3.000 Euro Aufpreis gegenüber einem entsprechend angetriebenen, herkömmlichen A6 Avant verrechnen sich größtenteils mit der Mehrausstattung der Offroad-Variante (Luftfederung, 17-Zoll-Aluräder, Scheinwerferreinigungsanlage).
Die Antwort auf die Frage nach der passenden Motorisierung ist einfach: Das Diesel-Basismodell 2.7 TDI für 49.050 ist absolut ausreichend, mehr Motor braucht kein Mensch.
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