Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Test Audi A8 4.2 TDI

Test: Audi A8 4.2 TDI

Das große Achtmalacht

10.12.2010

Acht Zylinder, acht Gänge, achthundert Newtonmeter Drehmoment – der Audi A8 4.2 TDI steht ganz im Zeichen der Kubikzahl. Konnte Audi zuletzt mit seiner Oberklasselimousine kaum jemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken, soll die seit Anfang 2010 erhältliche Neuauflage wieder eine solvente Klientel in die Schauräume locken; in der christlichen Zahlensymbolik steht die Acht schließlich für Neubeginn und Wiedergeburt. Doch kann der große Ingolstädter auch unabhängig allem Hexeneinmaleins der Konkurrenz das Wasser reichen?   

Ginge es nur um die Größe, hätten Mercedes S-Klasse und 7er BMW das Nachsehen. Mit nicht enden wollenden 5,14 Metern positioniert sich der Audi A8 vor den Dickschiffen aus München und Stuttgart; auf Wunsch strecken die Ingolstädter ihn sogar auf 5,27 Meter. Doch kommt es eben nicht nur auf die Länge an. Zum einen ist das Platzangebot nicht größer als bei den Mitbewerbern und auch der Kofferraum schluckt nur 510 Liter, zum anderen wirkt der A8 deutlich unscheinbarer, als es die Abmessungen vermuten ließen.

Das Designer-Team rund im Stefan Sielaff ging mit wenig Risikobereitschaft ans Werk, ein Chris Bangle würde wahrscheinlich von unkreativ reden. Der A8 folgt konsequent der Audi-Designlinie und reiht sich nahtlos ins Modellprogramm ein. So ist zwar die Markenidentität gesichert, doch sehen wenig autoaffine Verkehrsteilnehmer oft keinen Unterschied zu den anderen As. So erinnern die uninspirierten Rückleuchten stark an den A4 und das Tagfahrlicht gleicht dem des A7. S-Klasse und 7er fallen im Straßenalltag deutlich stärker auf – es sei denn, man ordert die markanten LED-Scheinwerfer, die in der Tat ein Hingucker sind.

Unhandlich in der Stadt

Galerie: Test Audi A8 4.2 TDIFakt ist, das allein seine schiere Länge den A8 für die Langstrecke auf der Autobahn qualifiziert; in der Stadt sind 514 Zentimeter einfach hinderlich. Und die 12,3 Meter Wendekreis des serienmäßig mit dem Allradantrieb quattro ausgestatteten Audi machen das Rangieren auch nicht gerade einfach. Apropos Rangieren: Audi hat im A8 einen schicken, an einen Schubhebel erinnernden Automatikwählhebel installiert, der aber leider beim Wechseln zwischen vorwärts und rückwärts gern über R hinausschießt in die Parkposition.

Doch Schluss mit der Schwarzmalerei, freilich kann der A8 in der automobilen Oberklasse mitspielen; alles andere wäre bei einem 100.000-Euro-Wagen auch fatal. Glänzen kann der Ingolstädter, wie man es von Audi gewohnt ist, mit Verarbeitungsqualität – vor allem im Innenraum. Feinstes Leder, edles Holz und nobles Aluminium wurden in perfekter Manier zu einem wohnlichen Ambiente zusammengefügt. Die großen, zigfach verstellbaren Sitze – im Fond auf Wunsch nur zwei – dürften jedem Körperbau Genüge tun; bei Bedarf wird geheizt, gekühlt und auch massiert.

Eingabe per Fingerstreich

Galerie: Test Audi A8 4.2 TDIDie Bedienung des Dickschiffes ist kinderleicht, zumindest für Audi-Fahrer, denn das A8-Cockpit kommt im klassischen Audi-Design daher.  Einzig das Touchpad wurde mit dem A8 neu eingeführt; es erlaubt die Eingabe von Buchstaben und Zahlen für das Navigationssystem per Fingerstreich und erkennt selbst krakelige Handschriften.

Zudem wartet der A8, klassenüblich, mit einer Armada von Fahrerassistenzsystemen auf; allerdings legt Audi hier nicht vor, sondern zieht der Konkurrenz nur nach. Auf Wunsch bremst der Audi autark, bringt mit einer Wärmebildkamera Licht ins Dunkel, überwacht den Toten Winkel, liest Tempo-Schilder und warnt vor versehentlichen Spurwechseln. Nur selbsttätige Lenkeingriffe unternimmt der A8 (noch) nicht.

Exklusiv mit acht Zylindern

Galerie: Test Audi A8 4.2 TDIWar einst die Aluminiumkarosserie (2,1 Tonnen) Alleinstellungsmerkmal des A8, so muss er sich diesen Trumpf seit 2003 mit dem Jaguar XJ teilen. Was ihn aber von den Mitbewerbern unterscheidet, ist sein Acht-Zylinder-Diesel. Jaguar und VW Phaeton hatten so etwas noch nie, Mercedes und BMW haben inzwischen – ob zu geringer Nachfrage – von den großen Selbstzündern wieder Abstand genommen. Doch ist der 4.2 TDI im A8 ein Meisterstück deutscher Motorenbaukunst.

Nur leise säuselt der kultivierte 4,2 Liter große Selbstzünder vor sich hin und brummt nur kurz auf, wenn der Fahrer allen 350 Pferdchen die Sporen gibt, die bei 4.000 Umdrehungen anliegen. Doch sind das Drehzahlsphären, in die man nur selten vordringt. Denn das noch mehr als die PS-Zahl beeindruckende Drehmoment von sage und schreibe 800 Newtonmetern liegt bereits bei 1.750 Touren an und treibt den Audi mit Nachdruck nach vorne und die Passagiere beim Kickdown tief in die Ledersitze.

Großer Motor, kleiner Verbrauch

Galerie: Test Audi A8 4.2 TDIWie bereits erwähnt, verwaltet eine Acht-Gang-Automatik die Kraft, die jederzeit die richtige Übersetzung findet und die Gänge sanft wechselt. Niedriger Spritverbrauch scheint oberste Priorität bei der Entwicklung des Wandlerautomaten gewesen zu sein, nur selten dreht der TDI über 2.000 Touren. Das merkt man an der Tankstelle: Auf gut 2.000 Kilometern verbrannte unser Testwagen im 100-Kilometer-Durchschnitt unter zehn Liter. In Anbetracht von Leistung und Gewicht ein formidabler Wert.

Jeder Audi A8 rollt serienmäßig mit Luftfederung vom Band, die über das Drive Select auf die Modi Comfort und Dynamic eingestellt werden kann oder im Auto-Betrieb die Abstimmung dem Computer überlässt. Das System nimmt außerdem Einfluss auf Gaspedal- und Schaltkennlinie und passt die Lenkunterstützung zwischen Audi-typisch leichtgängig und sportlich straff an.

Zu straff für Komfortverwöhnte

Galerie: Test Audi A8 4.2 TDIMögen die Anpassungen bei der Lenkung noch ganz reizvoll sein, sind sie in Sachen Fahrwerk eigentlich überflüssig. Dynamic ist der hilflose Versuch, aus einer Luxus-Limousine durch übertriebene Federhärte einen Sportwagen zu machen; fast alle Fahrer werden dem Comfort-Modus den wählen. Und selbst dann ist der serienmäßig auf 18-Zöllern stehende A8 noch straff genug; Komfortverwöhnte mögen behaupten, für diese Fahrzeugklasse zu straff. Eine S-Klasse oder ein 7er BMW bügeln Unebenheiten schlichtweg besser aus, die Audi-Abstimmung passt eher zu den sportlicheren Modellen A7 oder A6.

Ganz und gar auf Oberklasseniveau ist dagegen der Geräuschpegel im Innenraum. Gerade dann, wenn man die Doppelverglasung geordert hat dringt kaum Lärm von der Außenwelt in das abgeschottete Interieur. So lässt sich selbst Händels Harfenkonzert störungsfrei genießen; erst recht, wenn die 1.460 Watt starke Bang&Olufsen-Soundanlage an Bord ist.

Galerie: Test Audi A8 4.2 TDISoundsystem, LED-Licht, Massagesitz, Nachtsichtgerät – der Audi A8 lässt sich mit technischen Spielereien noch und nöcher bestücken. Dass die nicht gratis sind, versteht sich von selbst. So packt der durchschnittliche A8-Käufer Sonderausstattung im Wert von rund 28.000 Euro in seinen Wagen, der – im Falle des 4.2 TDI – ohnehin schon mit einem Grundpreis von 90.800 Euro in der Preisliste steht.  Eine Endsumme von 120.000 Euro ist da schnell erreicht.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Audi A8
    4.2 TDI quattro
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   4.134 / V8
Leistung (kW (PS) / U/min)   258 (350) / 4.000
Drehmoment (Nm / U/min)   800 / 1.750 - 2.750
Antriebsart   Allradantrieb
Getriebeart   automatisches 8-Gang-Getriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.137 / 1.949 / 1.460
Radstand (mm)   2.992
Wendekreis (m)   12,3
Leergewicht  (kg)   2.070
Kofferraum (Liter)   510
Bereifung Testwagen   235/55 R 18
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (Liter/100km)   7,6
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   199 / Euro 5
AS24-Verbrauch (Liter/100km)   9,4
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   5,8
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   90.800 Euro
Empfohlene Extras   Metallic (1.080 Euro), Komfortsitz-Paket (2.710 Euro), Massagesitze ( 1.610 Euro) Doppelverglasung (1.190 Euro), LED-Scheinwerfer (1.800 Euro), Navi Plus (2.900 Euro),  Bang&Olufsen-Soundsystem ( 6.500 Euro), Klapptische im Fond (1.100 Euro), Standheizung (1.520 Euro), Nachtsichtassistent (2.200 Euro)
 
Vergrößern
Verkleinern
 

Fazit

Natürlich kann der A8 in der Oberklasse mitspielen. Die Qualität ist tadellos, der Motor ein Sahnestück, die Technik, seien es Fahrerassistenzsysteme oder Komfortextras, ist auf neuestem Stand und ob das Fahrwerk nun zu straff oder gerade richtig ist, liegt im Ermessen des jeweiligen Fahrers. Schade ist, dass Audi trotz der enormen, teils unhandlichen Abmessungen nicht mehr Platz bietet als die Mitbewerber. Und: Dem A8 fehlt optisch einfach das gewisse Etwas, das ihn von der Konkurrenz abhebt. Es sei denn, man steht auf Ingolstädter Einheits-Design.

Galerie: Test Audi A8 4.2 TDI

 
3
127

Pariser Autosalon 2014

Wir werfen einen Blick auf die Neuheiten vom Auto Salon in Paris.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

AutoScout24-TV
Bericht: Amis machen Ur-Mustang elektrisch

Frage der Woche

E-Smart im Dauertest

Wie lebt es sich mit einem Elektroauto?

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.