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Galerie: Test Audi R8 Spyder 5.2 FSI

Test: Audi R8 Spyder 5.2 FSI

Autos machen Leute

21.03.2012

Wer nicht gerne im Mittelpunkt steht, sollte sich besser fern halten vom offenen Audi R8. Der Spyder stellt seinen Fahrer schonungslos ins Rampenlicht und präsentiert ihn ob fehlendem Dachs den neugierigen Blicken. So wird auch aus einem einfachen Motorjournalisten ein im wahrsten Sinne des Wortes angesehener Mann - zumindest für kurze Zeit.   

Jedes Auto sagt etwas über seinen Besitzer aus. Der Saab-Fahrer ist automatisch ein leicht alternativ angehauchter Architekt, der VW Beetle identifiziert den Alt-68er oder Möchtegern-Hippie und eine Mercedes E-Klasse signalisiert traditionsbewussten Konservatismus. Reinrassige Sportwagen hingegen rücken ihre Lenker gern in ein leicht schummeriges, oft rotstichiges Licht – schwingt doch immer die Frage mit, ob der Wagen ehrlich verdient wurde.

Zweifel an der Redlichkeit kommen einem freilich auch beim Audi R8 in den Sinn, doch weichen diese meist schnell der Bewunderung – ob der ausgesprochenen Schönheit, der gleichermaßen vor Kraft strotzenden und doch eleganten Statur und freilich auch der nahezu perfekten Technik wegen. In der Ingolstädter Flunder können sich auch erfolgreiche Ärzte oder der fleißige Betreiber einer gut gehenden Herrenboutique sehen lassen – ist ja schließlich ‘n Audi. In einem Topf mit den halbseidenen Gestalten am Lenkrad eines Ferraris oder Lamborghinis wird man nicht so leichtfertig geworfen.

Italienische Verwandtschaft

Galerie: Test Audi R8 Spyder 5.2 FSI Dabei ist der Audi R8 gar nicht so weit entfernt vom Lamborghini, ist sozusagen die alemannische Schwester des Gallardo. Ingolstadt und Sant‘Agata Bolognese haben bei der Entwicklung ihrer Sportwagen eng zusammengearbeitet. So teilen sich beide neben dem Allradantrieb nicht zuletzt auch den Motor, einen hinlänglich bekannten Zehnzylinder, der bei Audi auch schon in so manchem S-Modell seinen Dienst verrichtete. Anders als Lambo bietet Audi neben dem V10 mit 525 PS auch noch einen 430 PS starken V8 an.  

Dass der etwas über 1,7 Tonnen schwere Spyder rund 100 Kilogramm mehr wiegt als sein geschlossener Bruder, ist eine Randnotiz, wartet der offene V10 doch immer noch mit einem Leistungsgewicht von nur 3,3 Kilogramm je PS auf. Das ist so viel Kraft, dass man bereits nach knapp über vier Sekunden auf der Landstraße geblitzt werden könnte.  Eine durchaus immanente Gefahr übrigens, denn der R8 verführt mit unmittelbarer Gasannahme und einem fulminanten Konzert aus zwei ovalen Endrohren, das so manche Rockband in den Schatten stellt, zum Beschleunigen.

Kein Leisetreter

Leise kann der R8 nicht wirklich: Bei niedrigen Touren bollert er tief und sonor vor sich hin, um sich mit steigender Drehzahl immer mehr einer hochfrequenten Arie hinzugeben. Am besten zu hören freilich bei geöffnetem Dach. Von der gut gefütterten Stoffmütze, die bei Bedarf bestens vor Wind und Wetter schützt, befreit sich der R8 in weniger als 20 Sekunden; die gläserne Heckscheibe bleibt in der Regel stehen, denn als praktisches Windschott mindert sie Turbulenzen im Innenraum. Sturmerprobte können sie aber auch per Knopfdruck einfach versenken.

Galerie: Test Audi R8 Spyder 5.2 FSI Auf das optionale schnöde Kunststoffwindschott sollte man besser gleich verzichten, das würde jeglichen Respekt im Nu eliminieren. Der Verdeckmechanismus funktioniert übrigens auch während der Fahrt bis zu 50 km/h. Das auszuprobieren erfordert aber eine gehörige Portion Selbstbeherrschung, zu schnell zeigt der Tacho mehr als das in der Stadt erlaubte Tempo an.       

Der fulminante Antritt ist auch darin begründet, dass schon knapp über der Leerlaufdrehzahl die maximal 530 Newtonmeter Drehmoment anliegen. Einem Hochdrehzahl-Sauger, dessen roter Bereich erst jenseits der 8.500 Umdrehungen beginnt, gebührt dafür ordentlich Respekt. Und in Zeiten wie diesen, in denen der Turbomotor sich unaufhaltsam verbreitet, ist direkte Umsetzung des Gaspedals in Vorwärtsdrang - ohne Verschnaufpäuschen - gleich ein doppelter Genuss. Sie wissen schon, von wegen Hubraum sei durch nichts zu ersetzen...

Smart-Feeling

Galerie: Test Audi R8 Spyder 5.2 FSI Verleiden kann einen das Fahrvergnügen allerdings die Schaltung: Zumindest das R-Tronic getaufte automatisierte Schaltgetriebe, das Audi alternativ zum knackigen Handschalter mit offener Schaltkulisse anbietet. Im Automatikmodus erinnert der R8 mit Sechsgang-R-Tronic leider zu oft an einen Smart und wird sich manch‘ Passant am Straßenrand wundern, warum der Typ da im Audi so ruckelig fährt. Und auch als Fahrer ist man das ewige Nicken beim Gangwechsel schnell leid.

Ein wenig ausmerzen lässt sich dies Manko, in dem man die Gänge manuell wechselt, entweder per Schaltwippen oder mit dem handschmeichelnden Wählhebel aus kühlem Metall auf der Mittelkonsole. An das Schaltvergnügen des manuellen Getriebes kommen diese Gangwechsel allerdings nicht ran, zumal allein das markante Klacken, wenn der Schalthebel flink durch die Gassen eilt, fehlt. Die knapp 6.000 Euro für die R-Tronic sind anderweitig besser investiert.  

Kurvengierig

Was den R8 das R-Tronic-Getriebe an Punkten kostet, holt der durchtrainierte Sportler mit seiner Agilität um ein Vielfaches wieder rein. Fahrwerk und Lenkung arbeiten extrem direkt und mit beeindruckender Präzision und der förmlich auf der Straße klebende Allrad-Spyder giert nach Kurven wie die Katze nach Mäusen. Kostenfrei tauscht Audi übrigens das adaptive Serienfahrwerk gegen das einmalig abgestimmte Sportfahrwerk aus; kein schlechter Handel. Egal aber, für welches Fahrwerk man sich entscheidet: Messerscharfe Kurvenstriche sind garantiert.    

Ein jähes Ende setzt dem Fahrspaß meist der zwingend nötige Tankstopp. Die 14,9 Liter Normverbrauch, die Audi für den R8 Spyder angibt, dürften jedem seiner Fahrer nur ein Lächeln entlocken. Wer es schafft, den Boliden mit weniger als zwanzig Liter Benzin einhundert Kilometer weit zu bewegen, darf sich als Spritsparkönig fühlen; aber auch 25 Liter sind bei erhöhtem Fahrspaß gut zu schaffen.

Für einen kurzen Augenblick

Galerie: Test Audi R8 Spyder 5.2 FSI Der Halt an der Zapfsäule gibt immerhin anderen die Möglichkeit, sich den R8 einmal aus der Nähe anzusehen. Auf der Autobahn werden ihn die meisten wohl nur für kurze Zeit erblicken. Erst im Rückspiegel, wo der böse Blick des einzigen auf Anhieb exakt identifizierbaren Audis – der V10 hat sogar serienmäßig LED-Scheinwerfer – in der Regel genügt, um die Spur frei zu räumen. Und dann für einen kurzen Augenblick von hinten, ehe die roten, quadratischen Rückleuchten am Horizont verschwinden. Bei maximal 313 km/h gibt es nicht mehr viele, die mithalten können.

Dass trotz der satten Straßenlage des R8 die Autobahn bei mehr als Tempo 300 verdammt eng wird, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Anders als etwa im Mercedes SLS AMG wähnt man sich in solchen Momenten zwar auch im Audi in Sicherheit, doch gibt einem die Mittelmotorflunder mit ihrem noch direkteren Kontakt zur Straße durchaus das Gefühl, dass das, was man gerade tut, nicht ganz unriskant ist und man nun besser keinen Fehler macht. Auch wenn der R8 dank seines Visco-Allrads auch in Extremsituationen bestens beherrschbar ist, kann Audi die Physik schließlich nicht ausschalten.

Keine freie Sicht

Galerie: Test Audi R8 Spyder 5.2 FSI Apropos Motor: Das Frischluftvergnügen bezahlen die Spyder-Fahrer mit dem ungehinderten Blick auf das Zehnzylinder-Triebwerk. Der im Coupé fast schon museal unter einer Glasabdeckung zur Schau gestellte Motor muss im Cabriolet unter dem schnöden Verdeckkasten-Deckel sein Dasein fristen. Zwar gibt es eine kleine Klappe zum reingucken, außer dem Luftfilterkasten sieht man dort allerdings nicht viel. Das hindert Audi aber nicht, für 3.000 Euro eine Karbon-Motorraumabdeckung anzubieten. Fast schon ein Schnäppchen ist dagegen die Alcantara-Auskleidung des hundert Liter fassenden, Kofferraum genannten Staufachs unter der endlos langen Haube – sie gibt es schon für 1.700 Euro.

Neben diesen eher überflüssigen Extras, zu denen übrigens auch die für den Straßenalltag schlicht zu giftige Keramikbremsanlage zählt, gibt es ein paar Punkte in der Ausstattungsliste, die man unbedingt ankreuzen sollte. Zum Beispiel die Rückfahrkamera, denn die Sicht nach hinten über das mächtige Heck ist bei offenem Dach mäßig, bei geschlossenem nicht möglich. Ebenfalls empfehlenswert sind die Schalensitze: Passt man ob seiner Leibesfülle hinein, umklammern einen die Sessel wie eine zweite Haut und will man so schnell gar nicht mehr aussteigen. Für Technik-Freaks ein Muss ist dagegen die Bluetooth-Freisprechanlage mit in den Gurten integrierten Mikrofonen, damit auch bei offenem Dach sogar einigermaßen verständlich telefoniert werden kann.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Es ist faszinierend, was ein Auto aus seinem Fahrer macht. Auch wer denkt, vor postpubertärem Status-Gehabe gefeit zu sein, wird im R8 schnell zur Überzeugung gelangen, dass er eigentlich der König der Welt ist. Anders als bei den meisten Extrem-Sportlern darf man dieses Gefühl im Audi aber genießen, ohne sich in eine Schmuddelecke gedrängt zu fühlen.

Um es richtig auszukosten, sollte es auf jeden Fall der tiefe Einblicke gewährende Spyder sein. Doch damit dieses Gefühl, anders als bei mir, länger als nur ein paar Tage anhält, muss erst einmal eine nicht zu geringe Hürden genommen werden. Und die ist mindestens 159.300 Euro hoch.
 
 

Pariser Autosalon 2014

Wir werfen einen Blick auf die Neuheiten vom Auto Salon in Paris.

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