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Galerie: Test Audi RS6 Avant

Test: Audi RS6 Avant

Ein schneller Gentleman

29.08.2008

Eigentlich sollen Kombis vor allem eins sein, nämlich praktisch. Und in der Regel sind sie mit einem durchzugsstarken, sparsamen Dieselmotor genau richtig motorisiert. Überragende Fahrleistungen stehen meist an zweiter Stelle. Was nun also ein fast 600 PS starker Zehnzylinder in einer Familienkutsche verloren hat, darüber lässt sich vortrefflich diskutieren. Im Test: der Audi RS6 Avant.

Schon der normale Audi A6 Avant bringt es auf bis zu 350 PS, geleistet von einem 4,2 Liter großen Achtzylinder. Wer meint, das sei zu wenig, findet im S6 die potentere Alternative: 5,2-Liter-Zehnzylinder mit satten 435 PS. Doch selbst der wirkt gegenüber dem RS6 Avant noch harmlos.

Der stärkste Serienkombi der Welt wird von Sage und Schreibe 580 PS angetrieben. Das ist mehr als Audis Supersportler R8 zu bieten hat und positioniert den RS6 als stärkstes Fahrzeug in der Ingolstädter Flotte.

Dezentes Äußeres

Doch bevor wir das mächtige Triebwerk zum Leben erwecken, betrachten wir den Sport-Laster von außen: Breite Kotflügel, üppige Lufteinlässe in der Frontschürze, Kühlergrill im Wabendesign und zwei armdicke Auspuffendrohre zeigen auf eine angenehme Art an, dass es sich um das Topmodell handelt. Keinesfalls aber wirkt der RS6 protzig, zu dezent sind die Modifikationen. Feine Details wie das LED-Tagfahrlichtband und die Türgriffe aus Aluminium geben dem Über-Kombi den letzen Schliff.

Galerie: Test Audi RS6 AvantDer Innenraum wartet mit der von Audi bekannten, hochwertigen Anmutung auf. Während Klavierlackdekor für den elegante Touch sorgt, stellen Aluminiumapplikationen und Karbonoptik sicher, dass der sportliche Anspruch gewahrt wird. Die Tachoskala hinter dem unten abgeflachten Dreispeichenlenkrad reicht im Gegensatz zu den Serienmodellen bis 320 km/h und unterstreicht damit den Anspruch, Audis stärkster zu sein.

Großes Lob verdienen die serienmäßigen Sportsitze. Sie sind mit feinsten Tierhäuten bezogen und haben Fahrer und Beifahrer fest im Griff – ohne dabei unangenehm eng zu sein. Auch auf längeren Strecken macht das sportliche Gestühl einen guten Eindruck. Zusammen mit dem üppigen Laderaum ist der RS6 also ein perfekter Reisebegleiter und optimaler Dienstwagen für Handelsreisende. Damit erfüllt der Kombi schon mal die erste Hälfte seiner von Audi selbst gewählten Beschreibung, der ultimative Business-Sportler zu sein.

Rennsport-Technik

Galerie: Test Audi RS6 AvantDen zweiten Teil der Prophezeiung müssen nun Motor und Fahrwerk erfüllen. Der fünf Liter große Zehnzylinder arbeitet mit Benzindirekteinspritzung und zwei Turboladern. Technik, die bereits in Le Mans erfolgreich getestet wurde und direkt Einzug in das neue Triebwerk erhalten hat. Allerdings bringt das Aggregat rund 280 Kilogramm auf die Waage und mit über zwei Tonnen Leergewicht übertrifft der RS6 Avant seine schwächeren Brüder um bis zu 500 Kilogramm.

Doch schon nach den ersten Metern wird klar, dass es dem schnellen Kombi nicht an Leistung mangelt, um sein üppiges Gewicht in Gang zu setzen. Wer es drauf anlegt, kann den RS6 Avant in nur 4,6 Sekunden auf Tempo 100 katapultieren. Gut zehn Sekunden später fällt dann auch die 200-km/h-Marke problemlos. Mit einer ungeahnten Leichtigkeit galoppiert der Audi davon, um bei Tempo 250 unschön vom elektronischen Begrenzer gestoppt zu werden.

Tempo gegen Aufpreis

Galerie: Test Audi RS6 AvantWem das nicht reicht, der kann gegen einen Aufpreis von 1.600 Euro die Höchstgeschwindigkeit ab Werk auf 280 km/h anheben lassen und auch die erreicht der RS6 ohne große Anstrengung. Ausreichend Auslauf vorausgesetzt. Als nettes Beiwerk bringt die Anhebung ein Carbon-Designpaket mit - für den Motorraum.

Anders, als etwa BMW im M5, setzt Audi bei seinem Zehnzylinder nicht auf hohe Drehzahlen sondern auf bäriges Drehmoment. Den beiden Turbos sei Dank, liegt das maximale Drehmoment von 650 Newtonmeter toujours zwischen 1.500 und 6.250 Umdrehungen an. Nachteil: Wie fast alle aufgeladenen Motoren gönnt sich auch der RS6 eine klitzekleine Turbo-Gedenksekunde, bevor es richtig zur Sache geht.

Sanfter Gentleman

Auch legt der Ingolstädter nicht die aus München bekannte Bissigkeit an den Tag, sondern verhält sich, ganz Gentlemen, eher zurückhaltend. Das gelassene Dahingleiten liegt dem Audi bestens, mit dem guten Gewissen, einen mächtigen Trumpf im Ärmel beziehungsweise Motor zu haben. Denn bei Bedarf stellt der RS6 einen atemberaubenden Durchzug bereit, der die Passagiere fest in die Sitze presst und jedes Überholmanöver zum Kinderspiel werden lässt.

Begleitet wird das Schauspiel von einem herrlichen Motorsound. Bei jedem Gasstoß verwandelt sich der dumpfe, satte Klang in ein klangvolles Aufröhren. Das allerdings vernehmen nur die anderen Verkehrsteilnehmer und Fußgänger, im Inneren des RS6 bleibt es überraschend leise

Kein sparsamer

Galerie: Test Audi RS6 AvantBei forcierter Fahrweise steigt naturgemäß nicht nur das Vergnügen, sondern auch der Durchschnittsverbrauch schnell an: Audi gibt den RS6 mit 14 Litern je 100 Kilometer an, unser Testdurchschnitt lag bei 17,8 Litern. Es ist aber auch keine Kunst, den Wert auf gut zwanzig Liter hochzuschrauben. Immerhin: Der hochgezüchtete Zehnzylinder muss nicht mit Super Plus gefüttert werden, ihm reicht Kraftstoff mit 95 Oktan.

Serienmäßig verwaltet im RS6 ein sechsstufiges Automatikgetriebe die enorme Kraft und leitet sie an alle vier Räder. Im Sportmodus agiert das Getriebe noch flinker und gibt beim Gangwechsel brav Zwischengas. Der permanente Allradantrieb ist im Normalfall leicht Hecklastig ausgelegt. Je nach Bedarf können aber bis zu 65 Prozent der Kraft an die Vorderachse oder maximal 85 Prozent zu den Hinterrädern geschickt werden.

Zu schwer für die Rennstrecke

Galerie: Test Audi RS6 AvantIm normalen Straßenverkehr sorgt der Allradantrieb stets für festen Halt und sichere Straßenlage, auch in schnell angegangen Kurven. Unser Erstkontakt auf der Rennstrecke zeigte aber, dass in Extremsituationen auch das quattro-System dem hohen Fahrzeuggewicht seinen Tribut zollen muss (… mehr). Spürbar drängt der Audi zum Kurvenrand. Ambitionierte Fahrer werden sich freuen, dass das früh einsetzende ESP einen Sport-Modus bietet, indem die Bremseingriffe erst deutlich später zugelassen werden.

Ebenfalls gegen Aufpreis bietet Audi – wie in anderen Modellen – das Sportfahrwerk Plus an (950 Euro). Der Fahrer kann dann über das MMI-Bediensystem drei vorkonfigurierte Abstimmungen anwählen. Der als Comfort titulierte, weichste Modus ist in der Regel die erste Wahl, ist er doch der einzige, der den Bandscheiben der Insassen noch ein wenig Schonung zukommen lässt. Unebenheiten schlagen aber auch hier schon deutlich spürbar durch.

Zu hart für den Alltag

Galerie: Test Audi RS6 AvantDeutlich härter geht es im Dynamik-Modus zur Sache, der für den Alltagseinsatz eindeutig zu wenig Komfort bietet. Ganz zu schweigen von der dritten Stufe, der Sport-Einstellung. Nahezu ungefedert poltert der mit 20-Zöllern (ab 1.800 Euro) bestückte RS6 dann über die Straße und macht wirklich nur noch hartgesottenen Puristen Spaß. Alle anderen sollten sich diesen Modus für einen Ausflug auf die Rennstrecke aufsparen. Ebenfalls nur dort lohnt sich der happige Aufpreis für die optionale Keramik-Bremsanlage. Die High-End-Stopper schlagen mit satten 8.200 Euro zu Buche.

Ob dieser Zuschlag in Anbetracht der Gesamtkosten allerdings überhaupt eine Rolle spielt, sei dahingestellt. Mindestens 107.800 Euro müssen Sie schon auf den Tisch legen, wollen sie einen RS6 Avant ihr Eigen nennen. Auch wenn der in seiner Serienkonfiguration schon üppig ausgestattet ist, bleibt immer noch Spielraum nach oben. Extras wie das DVD-Navigationssystem, Kurvenlicht oder der Fernlichtassistent kosten nach wie vor Aufpreis. Wer alles reinpackt, landet bei einem Endpreis von knapp unter 140.000 Euro.

Fazit

Den Anspruch, der ultimative Business-Sportler zu sein, erfüllt der Audi RS6 voll und ganz. Auch als Top-Modell bleibt er ein recht komfortables, äußerst geräumiges Langstreckenmobil. Allerdings mit mächtig Dampf unter der Haube. Das optische Understatement überträgt sich auf angenehme Art und Weise auf den Motor: Der hat Power ohne Ende und kann, bei Bedarf, den Kombi zur echten Rennsemmel machen. Im Normalfall aber verhält sich das Aggregat dezent zurückhaltend und hetzt seinen Fahrer nie. Zumal der Audi ein paar Kilo zuviel auf den Rippen hat, um als reinrassiger Sportwagen zu gelten.

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