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Galerie: Test Audi RS6 Avant

Test: Audi RS6 Avant

Herrlich sinnfrei

20.11.2013

Ein einschlägiges Wörterbuch schreibt dem Adjektiv “sinnfrei” zwei Bedeutungen zu; „ohne erkennbaren Sinn“ und „nicht hinterfragend“. Beides trifft auf den Audi RS6 Avant zu. Und der ist damit ein Paradebeispiel dafür, dass nicht alles einen Sinn haben muss.

Tatsächlich ist der Sinn eines von einem 560 PS starken, Vierliter-V8-Biturbo angetrieben Kombis nicht zu erkennen, was wohl schlichtweg daran liegt, dass er keinen Sinn hat. Einen Kombi baut - und kauft - man, um mehr Platz zu haben: für die Familie, für das Golfgepäck oder die Handelswaren. Nicht, um damit Rundenrekorde aufzustellen. Dafür gibt es Sportwagen. Den Audi R8 zum Beispiel.

Nicht nach dem Sinn fragen

Galerie: Test Audi RS6 AvantWer sich dem RS6 Avant jedoch mit diesen Gedanken nähert, der sollte ihn gleich in der Garage stehen lassen und lieber zu Fuß gehen. Er würde an der Sinnsuche schier verzweifeln; sich über den Lärm des Motors, die Unwirtlichkeit der 21-Zoll-Räder, das Quietschen der noch kalten Keramikbremsen und den viel zu hohen Benzinkonsum nur unnötig ärgern.

Der von der Quattro GmbH verantwortete Rennkombi ist eher für die Fraktion gedacht, die nicht hinterfragt. Einsteigen und genießen, lautet die Devise. Wobei das Genießen auch schon vor dem Öffnen der schweren Türe beginnt. Erste Glücksgefühle vermögen sich bereits einstellen, wenn man sich dem Stellplatz in einer düsteren Ecke der engen Tiefgarage nähert, und der fast fünf Meter lange Audi sein Näschen keck zwischen den Säulen hervorstreckt. Gerade so weit, dass der riesige Kühlergrill mit Wabendesign und dezent-auffälligem Quattro-Schriftzug sichtbar wird und die mattchrom lackierten Streben in den unteren Lufteinlässen hervorblitzen.

Dezente Sportlichkeit

Galerie: Test Audi RS6 AvantInnen erwartet einen kein harter Schalensitz, sondern ein höchstkomfortables Fauteuil, auf dem trotz integrierter Kopfstütze auch großgewachsene Fahrer spielend Platz finden. Das weiche Leder zieren Kontrastnähte in ebenjenem Wabenmuster des Kühlergrills, und damit niemand vergisst, in was er sich gleich reinsetzt, prangt auch der Modellname auf der Rückenlehne. Ansonsten weisen nur das Aluminiumdekor rund um den Automatikwählhebel und ein paar weitere RS-Logos darauf hin, dass man nicht in einem beliebigen Vertreterkombi sitzt, sondern mindestens 108.000 Euro hinlegen musste. Im Falle unseres Testwagens sogar 140.000 Euro, denn selbst in dieser Preis-Liga bietet Audi dem Kunden noch reichlich teure Individualisierungsoptionen an.

Macht man davon Gebrauch, darf man sich über Extras wie den Nachtsichtassistenten, ein Head-up-Display, schlüssellosen Zugang oder eine komplette, zeitgemäße Sicherheitsausstattung freuen. Oder über das Fixierset für den Kofferraum, welches mit Schienen, Schiebern und Gurten das Ladegut gut festhält. Das ist auch wichtig, denn in das 1.680 Liter große Gepäckabteil geht jede Menge rein, und all das verrutscht gerne mal, wenn der Fahrer seinen Gasfuß nicht unter Kontrolle hat.

Über 300 km/h

Galerie: Test Audi RS6 AvantSchließlich reichen dem RS6, aus dem Garagengefängnis befreit und aufs freie Land manövriert, 3,6 Sekunden, bis der digitale Tacho drei Stellen benötigt. Andersrum geht’s dank der extrem fest zupackenden Stopper ähnlich zügig, was wiederum mit immensen, auf Passagiere und Gepäck einwirkenden, Kräften verbunden ist. Doch liegt der Reiz des RS nicht allein in der schnellstmöglichen Beschleunigung. Mindestens so beeindruckend wie das, nach einer kurzen Turbo-Verzögerung, brachiale Herfallen der 700 Newtonmeter Drehmoment über alle vier Räder, ist das crescendoartig anschwellende Bollern des Achtzylinders, wenn man langsam an Fahrt aufnimmt.

Wer noch ein paar Euro zusätzlich investiert, kann den A6, ganz gleich ob in Windeseile oder gemächlich, nicht nur bis auf Tempo 250 treiben, wo üblicherweise der elektronische Riegel vorgeschoben wird. Je nach eingeworfenem Geldbetrag sorgt das Dynamikpaket für eine Anhebung der Geschwindigkeitsbremse auf 280 km/h oder sogar 305 Sachen, mit dem Dynamikpaket plus. In den 13.000 Euro, die dafür fällig werden, sind immerhin die Voll-LED-Scheinwerfer, die Keramikstopper und ein noch etwas strafferes Fahrwerk enthalten.

Klebt auf der Straße

Galerie: Test Audi RS6 AvantLetzteres tauscht die serienmäßige Luftfederung gegen Stahlfedern mit adaptiven Dämpfern aus und die integrierte Dynamic Ride Control sorgt dafür, dass Nick- und Wankbewegungen auf ein Minimum reduziert werden. Dass tut sie so vorbildlich, dass der Allrad-Audi selbst in äußerst schnell gefahrenen Kurven sich nur geringfügig zur Seite neigt und schon fast gespenstisch stoisch die Biegung durcheilt. Grenzen scheint dem Allradler nur sein Gewicht aufzeigen zu können, immerhin wollen über zwei Tonnen ums Eck gebracht werden; das geht nicht ohne spürbaren Drang zum Kurvenrand von statten. Dass der Avant aber von der mit fast schon zu direkter Lenkung anvisierten Linie abweicht, passiert dennoch so gut wie nie.

Wie üblich, kann der Fahrer bei Audi Einfluss auf verschiedene Parameter nehmen und Dämpfer, Gasannahme und Achtgang-Automatik individuell zwischen sportlich und komfortbetont variieren. Ist die Wunscheinstellung gefunden, werden die meisten den Drive-Select-Schalter aber weitgehend unberührt lassen und nur hin und wieder den Automatikwählhebel auf S stellen, um ein wenig mehr Wumms zu haben. Damit wird übrigens auch die Stopp-Start-Automatik deaktivert, die zwar der Umwelt und dem grünen Gewissen förderlich sein mag, zu einem Supersportler wie dem RS6 Avant aber nicht so recht passen will. Und ob sie den Praxis-Durschnitt von rund 14 Litern je 100 Kilometern wirklich deutlich senken kann, sei dahingestellt; ein beherzter Gasstoß treibt den Wert genauso schnell wieder in die Höhe, wie ihn ein paar Sekunden Motoraus an der Ampel senken.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Der Audi RS6 Avant räumt mit dem Vorurteil auf, dass Familienkombis immer spießig seien. Es gibt wohl kaum eine aufregendere Möglichkeit, Kind und Kegel zu kutschieren – wenngleich sich wohl, zum Glück, nur die wenigsten Väter vollbepackt an die 300-km/h-Grenze wagen werden; spätestens der menschliche Begrenzer namens Mama auf dem Beifahrersitz dürfte vorher Einhalt gebieten.

Doch braucht es gar keine Vmax-Ritte, um die herrliche Lust an der Sinnfreiheit zu erleben, die der Audi verkörpert wie kein anderer. Dieses herzzerreißende Bollern, wenn man das Gaspedal nur sachte drückt; das Quieken der Kleinen auf der Rückbank, wenn sie beim Ampelstart in die Ritzen der weichen Rückbank gedrückt werden. Und der böse Blick der Beifahrerin, wenn man die eigentlich schon gelbe Ampel doch noch bei Grün erwischt hat. Das kann einem schon einmal über 100.000 Euro wert sein.
 
 

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