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Galerie: Test Audi RS6 Avant

Test: Audi RS6 Avant

Hört auf die Fans

03.12.2014

Eigentlich schade, dass Audi den RS6 Avant des neuen Jahrgangs (ab 109.200 Euro) kein bisschen stärker gemacht hat. Dabei geht es sowieso nicht um Notwendigkeit oder Vernunft. Es geht auch nicht darum, ob der Kombi 0,3 Sekunden schneller auf 200 km/h beschleunigt. Aber die solvente RS-Fangemeinde hätte sich gefreut und einen triftigen Grund gehabt, das Topmodell rasch auszutauschen. Audi jedoch scheint überzeugt, dass die Klientel das trotz gebliebener 560 PS macht. Und das liegt weder an der Reduktion des CO2-Ausstoßes um 6 Gramm noch an den jetzt serienmäßigen LED-Scheinwerfern.

Zumindest erhält der Kunde gegen 960 Euro Aufpreis eine am RS6 echte Neuheit: Dann gibt es die im Konzern bereits länger bekannten LED-Matrix-Lampen, die das Licht auf Kamerabasis präzise anpassen und entgegenkommende Fahrzeuge ausblenden können, ohne das Fernlicht abzuschalten. Das sieht darüber hinaus auch noch gut aus, und enthalten in dieser Option sind die erstmals bei Audi eingeführten dynamischen Blinker, die wie ein Leuchtband durchlaufen, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Dabei hat der potente Achtzylinder da ganz andere Möglichkeiten. Die Auspuff-Endrohre zum Beispiel sehen nicht nur gewaltig aus, sondern klingen auch so.

Sounddesign schließlich gehört bei den Highend-Sportmodellen zu den wichtigen Aufgaben. Und die Audi-Leute wissen ganz genau, wie man die Passanten zum Hingucken animiert. Wem das Bollern eines RS6 von der Stange noch zu mild ausfällt, kann mit einem 1.000 Euro teuren Sportauspuff gerne nachhelfen. Will man dagegen alle Register ziehen, sind weitere 14.000 Euro zu überweisen – dann rollt der Ingolstädter mit einem so genannten Sportdifferenzial, einem noch drahtiger abgestimmten Fahrwerk inklusive Wankausgleich, Keramikbremse sowie variabler Lenkübersetzung an. Außerdem wirkt die elektronische Geschwindigkeitsbegrenzung dann erst bei 305 km/h.

Ob man mit dem Zweitonner in der Praxis wirklich über den Rennkurs fegt, sei dahingestellt. Außerdem fällt die Längsbeschleunigung gefühlt beeindruckender aus als die Querperformance des Edellasters. Wenn die beiden Turbos des auf vier Liter Hubraum beschränkten V8 einmal tief Luft holen, stockt dafür der Atem der Insassen. Dank Allrad nahezu schlupffrei katapultieren die 700 Nm den Audi gen Horizont und treiben ihn flugs auf Maximaltempo, während der hochgezüchtete Direkteinspritzer bassig brüllt. Man muss als Fahrer aufpassen, auf der Landstraße nicht beiläufig zum Kriminellen zu werden, denn hohe Geschwindigkeitsübertretungen passieren hier schneller als gedacht.

Dabei kann der stets mit 20-Zöllern bestückte Avant auch ganz ruhig. Die Kraftübertragung erfolgt dank Achtstufen-Wandlerautomatik seidenweich, die Gangwechsel genauso; und adaptive Luftfedern wiegen den Oberbayern sanft, so dass er selbst gefürchtete Kanaldeckel weitgehend ohne zu poltern überrollt. Lange Autobahnetappen spult der Baureihenstärkste souverän und stressfrei ab bei stoischem Geradeauslauf. Das Platzangebot ist auch nicht schlechter als bei den schwächeren Modellen – alleine die Stühle sind üppiger dimensioniert wegen der mächtigen Wangen. Hier gerät so schnell niemand aus der Sitzmittelbahn, auch nicht bei hastiger Kurvenfahrt. Falls man den RS6 einmal zweckentfremden und ein bisschen Ladegut mitnehmen möchte – warum nicht? Immerhin ist die Rücksitz-Lehne ebenso umklappbar wie beim Basis-Diesel, und dann verbergen sich hinter der elektrischen Heckklappe (790 Euro) fast 1.700 Liter Stauvolumen.

Auch der Innenraum entspricht bis auf den Tachoskalen mit markantem RS6-Logo und überarbeiteten Zifferblättern als dezentem Hinweis weitgehend den zivilen Modellen. Natürlich finden sich im Menü ein paar weitere Einstellungen zu den Performance-Features, das war es. Wer mit dem Audi-System vertraut ist, wird sich sofort zurecht finden, Neueinsteiger sind schnell in der Materie.

In puncto Verarbeitung geht der teuerste Kombi aus Ingolstadt keine Kompromisse ein und bietet feinste Qualität. Nur das mit den 560 PS, das wird an den Fans nagen. Zumal diese sich ja schon leise Hoffnungen auf einen RS6 Plus gemacht haben mit 600 galoppierenden Pferden. Doch jetzt kommt erstmal das Facelift auf den Markt, und dann darf wieder etwas spekuliert werden. Vielleicht werden die RS-Liebhaber ja auf einer der nächsten großen Automessen überrascht, und es gibt doch noch ein kleines Leistungsplus. Dann muss das Auto eben nochmal getauscht werden. Audi wird’s freuen, die Fans auch. (sp-x)

 
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