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Galerie: Test BMW 120d Coupé

Test: BMW 120d Coupé

Malen nach Zahlen

20.10.2009

Das BMW 1er Coupé ist definitiv kein Bestseller. Weltweit entscheiden sich lediglich etwa zehn Prozent der Einser-Käufer für diese besondere Variante und beweisen damit vor allem viel Charakter. Ein Auto wie das Einser Coupé gibt es derzeit kein zweites Mal – danke BMW, für diesen Sonderling.

Wenn meine fünf Jahre alte Nichte ein Auto malt, sieht das ungefähr so: Strich senkrecht hochziehen, Frontend ist fertig; Strich ein längeres Stück waagerecht ziehen, Motorhaube ist fertig; Strich diagonal ziehen, A-Säulen samt Windschutzscheibe sind fertig, dann kommt das Dach, die Heckscheibe und der Kofferraum in derselben Manier. Wo vorne und wo hinten ist, wird später entschieden. Das Ergebnis könnte zweifelsohne als Prototyp des Einser Coupés durchgehen.

Das Besondere

Galerie: Test BMW 120d CoupéVor allem die steil stehende Windschutz- und die ebenso steil stehende Heckscheibe machen das Besondere dieses Coupés aus – beides sind untypische Details für ein elegantes Coupé, das normalerweise mit fließenden, flachen Formen zu betören weiß. Aufgrund der kantigen Form ergibt sich neben der besonderen Optik mindestens ein weiterer Vorteil: Der Innenraum bietet aufgrund der hoch aufragenden Passagier-Kuppel (Gesamthöhe 1,42 Meter) vier Erwachsenen ausreichend Platz. Egal ob Kopf, Schulter, Beine oder Knie, im Einser sitzen selbst normal gewachsene Mitteleuropäer bequemer als in vielen größeren Coupés – auch auf langen Strecken. Und in den Kofferraum passt mit 370 Liter Gepäck mehr Stückgut als in ein VW Golf-Heck. Lediglich das Armaturenbrett nimmt, speziell auf der Beifahrerseite, etwas zu viel Platz ein.

Am Innenraum gibt es grundsätzlich nicht viel zu mäkeln. Die Verarbeitung und Materialauswahl ist der Preisklasse entsprechend, lediglich die hintere Mittelarmlehne aus Billig-Schaumstoff will nicht ins Bild passen. Die Bedienung gelingt kinderleicht – sofern auf das iDrive (im Navigationssystem enthalten) verzichtet wurde. Und nur mit diesem Verzicht sieht auch das Armaturenbrett wirklich schön aus, denn die Doppelhutze (einmal Tacho und daneben Navi-Bildschirm) fehlt in dieser Konfiguration. Mehr als 3.000 Euro für ein Navigationssystem auszugeben, ist in diesem Preissegment sowieso nicht zu rechtfertigen.

Viel Kleinzeug

Galerie: Test BMW 120d CoupéApropos 3.000 Euro. Die Aufpreisgestaltung im von Haus aus knapp 30.000 Euro teuren 120d Coupé ist ohnehin unverschämt. So werden fast 1.000 Euro für die manuelle Klimaanlage fällig. Eine Klimaautomatik kostet Schwindelgefühle-erregende 1.540 Euro. Unsinnig ist das Motor-Start-System, bei dem zuerst der Schlüssel in ein Fach gesteckt werden muss, um danach den Knopf darüber drücken zu können, denn erst dann startet das Aggregat. Sinnvoll ist das System erst, wenn man den Komfort-Zugang für happige 600 Euro ordert und der Schlüssel stets im Hosensäckel verbleiben kann.

BMW verlangt selbst für Velours-Fußmatten 100 Euro und Sportsitze gibt es in diesem Sport-Coupé nicht wahlweise kostenlos, sondern nur für knapp 600 Euro. So kommt es, dass ein grundehrlich ausstaffiertes 120d Coupé rund 36.000 Euro kostet. Zu bedenken ist jedoch, dass ein 120d in langweiliger Kompaktbauweise mit ebenfalls zwei Türen ausstattungsbereinigt lediglich rund 1.000 Euro günstiger ist und kaum Mehrwert bietet, wohl aber Spaß- und Imageverlust bedeutet.

Galerie: Test BMW 120d CoupéDie beste Diesel-Wahl

Keinerlei Verlust in jeglicher Hinsicht bedeutet es, wenn man zum Zwei-Liter-Diesel mit 177 PS greift, was beim Coupé die meisten Käufer auch tun. Zwar geht ihm der eingängige Sechs-Zylinder-Klang eines 125i ab, dafür ist der Vier-Zylinder-Diesel aber eine Universalwaffe und gibt in kaum einem anderen BMW-Modell eine so tolle Figur ab wie im Einser Coupé. Aufgrund des vergleichsweise geringen Gewichts von nicht ganz 1,5 Tonnen schnellt das Coupé in rund siebeneinhalb Sekunden auf Tempo 100 – vorausgesetzt, man verhaspelt sich nicht in dem etwas störrisch zu schaltenden Getriebe. Der Vortrieb endet erst bei Tacho 245 km/h, was echten 230 entspricht.

Technische Daten
 
    BMW 120d Coupé
Ausstattungsvariante    
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.360/1.748/1.423
Radstand (mm)   2.660
Wendekreis (m)   10,7
Leergewicht (kg)   ab 1.450
Kofferraum (Liter)   370
Bereifung Testwagen   205/55 R17 Bridgestone Potenza RFT
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.995 / 4, Reihe
Leistung Kw (PS)   130 (177)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   350 zwischen 1.750 - 3.000
Antriebsart   Heck
Getriebeart   6-Gang-Handschaltung
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,8
CO2-Emissionen (g/km)   128 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   7
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   7,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   7,6
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   37,1
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   228
Preise    
ab (Euro)   29.500
Empfehlenswerte Extras   Connectivity Paket mit Freisprecheinrichtung und USB-Schnittstelle (790 Euro), Metallic-Lack (660 Euro), Sportsitze (580 Euro), manuelle Klimaanlage (980 Euro), Velours-Fußmatten (100 Euro), Sport-Lederlenkrad (290 Euro), Tempomat (280 Euro), Xenonlicht (870 Euro), 17-Zoll-Aluräder (ab 500 Euro)
 
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Dass dabei der Verbrauch (im durchweg flotten) Testbetrieb bei sieben Litern lag, ist bemerkenswert. Selbst Autobahn-Bolzerei, die mit einer nach Bordcomputer angezeigten Durchschnittsgeschwindigkeit von 178 km/h über annähernd 300 Kilometer endete, wird nicht bestraft. Denn mit gemessenen 9,4 Liter kann der schnelle Einser auch in dieser Disziplin als sparsam gelten. Und wer es drauf anlegt, schafft Werte von unter fünf Liter pro 100 Kilometer.

Galerie: Test BMW 120d Coupé17 Zoll bitte

Damit den 350 Newtonmeter Drehmoment genügend entgegen gesetzt werden kann, empfehlen sich 225er-Hinterreifen, die es entweder als Mischbereifung (vorne 205er) in 17 Zoll oder in 18 Zoll gibt. Ab Werk stehen alle Einser Coupés mit weniger als 200 PS auf 16-Zoll-Aluminiumrädern. Das ist eine Reifengröße, die zwar Komfortfreunde und im Grunde auch Dynamiker befriedigt. Vom Design her ist diese Dimension jedoch ein Fauxpas. Denn schon meine Nichte malt – völlig unbewusst – große Räder ans Auto, weil’s eben besser aussieht. Und das sollte man auch beim Einser Coupé bestellen. Auf das Sportfahrwerk sollte indes verzichtet werden.

 
Fazit
 

Michael Blumenstein

Recht hat sie – meine Nichte, meine ich – schöne Autos sind einfach gezeichnet. Zu viel Schnickschnack stört und lässt Design schnell altern. Daher, und aufgrund der geringen Verbreitung von weltweit lediglich 15.000 Einser Coupés pro Jahr, darf davon ausgegangen werden, dass dieser BMW ein Klassiker wird. Bis es so weit ist, kann es seine Käufer mit dem erstklassigen Dieselmotor, mit seinem trotz der Karosserie-Nachteile hohen Nutzwert und vor allem mit seiner Einzigartigkeit begeistern.
 

Galerie: Test BMW 120d Coupé

 
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