Cabrio-Special 2013
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Galerie: Test BMW 640i Cabriolet

Test: BMW 640i Cabriolet

Aphrodites Fingerzeig

09.08.2011

In der Welt der griechischen Gottheiten steht Aphrodite für Schönheit und sinnliche Liebe. Müsste sie sich aus dem langen Reigen aktueller Automodelle für eines entscheiden, dann könnte ihr Finger beim BMWs 6er Cabriolet stehen bleiben. Denn angesichts der hier gebotenen Beauté und Leidenschaft bleibt dem Fahrer nur eines: sich zu verlieben.

Allein schon der optische Auftritt, der in puncto Eleganz den etwas kruden Vorgänger um Längen schlägt, sorgt für erhöhte Herzfrequenz. Wirkte der bisherige 6er noch etwas streng, kühl und stellenweise plump, kann die zweite Generation mit deutlich weicheren und organischeren Linien gefallen. Gestreckter und flacher, mit extralangem Radstand gesegnet sowie mit fein gezeichneten Lichtkanten im Blechkleid kommt der neue 6er göttlicher Vollkommenheit schon recht nahe.

Soweit der Gesamteindruck, doch vermag der offene Beau-lide auch noch mit einigen Details betören. Extra-Ausstrahlung verleihen ihm die neuen LED-Corona-Ringe, die in den Rückspiegel des Vordermanns einen auffällig selbstbewussten Blick zaubern. An LED-Tagfahrlichtern wie sie bei vielen aktuellen Modellen für mehr Überholprestige sorgen sollen, hat man sich hingegen schon satt gesehen und irgendwie den Respekt verloren.

Überraschend kleiner Fahrerkopf

Galerie: Test BMW 640i CabrioletAuch die mächtigen 19-Zoll-Räder mit 275er-Reifen unseres Testexemplars schinden für sich gesehen viel Eindruck, doch relativieren sie zugleich die üppigen Abmessungen des 6er Cabriolets. Immerhin 4,90 Meter lang und 1,90 Meter breit ist das Riesenschiff, was man allerdings erst in der Seitenansicht aufgrund eines fast schon verloren wirkenden Fahrerkopfes auch so wahrnimmt.

Trotz des 2,90 Meter langen Radstands bleiben beim 6er Cabriolet raumökonomische Wunder aus. Vorne sitzt man zwar sehr großzügig, während es hinten für Erwachsene schon etwas beengter zugeht. Doch durchschnittlich große Fahrgäste werden selbst bei geschlossenem Doch nicht gleich Thrombose-Alarm schlagen. Und im Segment-Vergleich (Jaguar XK, Maserati Gran Cabrio) ist der 6er-Fond damit sogar großzügig geschnitten.

Technik für den Alltag

Galerie: Test BMW 640i CabrioletGroßzügig ist auch die Luxusausstattung unseres Testexemplars. Die besonders wohnliche Lederlandschaft wurde mit vielen Feinheiten und praktischen Technik-Schmankerl aufgewertet. Wieder einmal gut gefallen hat uns das Head-up-Display, das wichtige Informationen direkt ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Auch das große, feststehende Farbdisplay für Navi und Multimedia kann nicht nur viele nützliche Informationen aufbereiten, es verleiht der fahrerorientierten Kommandozentrale sogar noch eine noble Hightech-Note.

Doch wenden wir uns kurz noch profaneren Funktionsbereichen zu: Mit 350 Liter ist der Kofferraum bei geschlossenem Dach durchaus alltagstauglich. Mit geöffnetem Dach wird das Gepäckvolumen zwar leicht eingeschränkt, doch für Sonnenschein-Genießertouren, bei denen man wohl selten den halben Hausstand dabei haben wird, reicht auch das allemal.

Gleitet sanft wie ein Wal

Galerie: Test BMW 640i CabrioletUnd genießerisch Cruisen kann man mit dem großen Gleiter in vorzüglichster Weise. Da wäre zum einen der 320 PS starke Sechs-Zylinder-Turbobenziner, der in höchst kultivierter und leiser Manier das Freiluftvergnügen ohne Störakustik vorantreibt. Serienmäßig ist der herrliche Turbo zudem an eine sowohl sanft als auch schnell schaltende Acht-Gang-Automatik gekoppelt. Allein die kleine Gedenksekunde, die sich die serienmäßige Start-Stopp-Automatik genehmigt, wenn man mit dem Fuß vom Brems- aufs Gaspedal wechselt, empfindet man beim Ampelstart gelegentlich als störend.

Wer einfach nur dahingleiten und genießen will, den dürfte die besonders lässige Art dennoch sehr vereinnahmen. Kraft, das spürt man selbst beim sanften Streicheln des Gaspedals, ist stets im Überfluss vorhanden. Ebenfalls dem lässigen Cruisen zuträglich ist das Fahrwerk, das im Comfort-Modus ohne störende Härten die ansonsten sehr steife Offenkonstruktion über gröbere Unebenheiten in erhabener Weise hinweg schweben lässt.

Präzise, agil und schnell

Galerie: Test BMW 640i CabrioletSelbst im per Tastendruck aktivierbaren Sportmodus gleicht der dann extraharte Unterbau geschickt und feinfühlig die Unzulänglichkeiten im Straßenbau weitgehend folgenlos für den Rücken aus, liegt der Wagen zudem präzise wie ein Brett auf der Straße. Gasannahme, Gangwechsel, Lenkung  - auch diese Variablen vermitteln dem Fahrer dabei den Eindruck, ein besonders sportliches Auto zu pilotieren. Wer kurvige Landstraßen gerne zügig durcheilt, wird den Sportmodus wohl bevorzugen.

Angesichts der souveränen Fahrwerte erübrigt sich eigentlich die Frage, ob man nun den von uns gefahrenen 640i oder die einzig verfügbare Alternative 650i mit knapp über 400 PS kaufen sollte. Mit 320 quicklebendigen PS und 450 Newtonmeter liefert bereits die „Basis“-Version mehr als ausreichend viel Druck. Der mit 5,7 Sekunden kurzweilige Standardsprint des Zweitonners wird zudem von einer emotional-sportlichen Akustiknote begleitet. Auch der Durchzug bei Zwischensprints ist phänomenal und erreicht man die maximal möglichen 250 km/h mit verblüffender Leichtigkeit. Angesichts der häufigen Blutleere im Vorderkopf wird der ambitionierte 640i-Fahrer also gar nicht erst auf den Gedanken kommen, eine stärkere Version fahren zu wollen.

Hoher Akustikkomfort

Galerie: Test BMW 640i CabrioletWas übrigens bei extraschnellen Autobahnfahrten beeindruckt, ist der besonders hohe Akustikkomfort der mehrlagigen und vollautomatisch sich öffnenden und schließenden Stoffpelle: Auch noch jenseits Tempo 200 kann man sich entspannt unterhalten. Erst nahe der 250 km/h gesellt sich ein dann sogar aufdringliches Peitschgeräusch hinzu. Doch angesichts des Klimawandels sollte Top-Speed ohnehin ein nur äußerst seltener Fahrzustand sein und könnte zudem Offenfahren in Deutschland wettertechnisch künftig Konjunktur bekommen.

Apropos Klima: Als besonders sparsam hat sich der 640i nicht erwiesen. Trotz Start-Stopp und vieler weiterer Effizienz-Maßnahmen lag der Spritkonsum mit 10,7 Litern um 2,8 Liter über dem von BMW proklamierten Normverbrauch. Doch in dieser Leistungsliga sind Verbrauchswerte um zehn Liter die Regel, nicht die Ausnahme.

Heftige Preisansage

Ohnehin ist beim Kauf eines 640i ein grundsätzlich verschwenderisches Naturell gefragt, denn allein der Basispreis von mindestens 83.300 Euro verlangt danach. Die eingangs erwähnte Aphrodite dürfte das hingegen kaum stören, denn bei der griechischen Beauftragten für Liebe und sinnliche Vergnügungssucht sollten derart selbstbewusste Preisansagen keine Irritationen auslösen.

Wer beim  Budget allerdings andere Maßstäbe ansetzt, könnte auch mit der ersten Generation des 6er Cabriolet Vorlieb nehmen. Schon ab 22.900 Euro finden sich gebrauchte Fahrzeuge in der deutschen AutoScout24 -Börse.

Technische Daten
 
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   2.979 / R6
Leistung (kW / PS)   235 / 320
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   450 / 1.300
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   Acht-Gang-Automati
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.894 / 1.894 / 1.365
Radstand (mm)   2.855
Wendekreis (m)   11. Jan
Leergewicht (kg)   1.915
Kofferraum (Liter)   300 - 350
Bereifung Testwagen   275/45 R 19
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   185 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   10,7
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   83.300,00
Empfohlene Extras   Head-up-Display 1.390 Euro
 
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Fazit

Wer bereits dem alten 6er-Cabriolet zugeneigt war, dürfte nach der Neuauflage gar göttliches Verlangen verspüren. Optisch ansprechender, für den Alltag noch besser gerüstet und mit einer besonders gut spürbaren Fahrwerks-Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit, bietet der offene Riesen-Bayer deutlich mehr aphrodisierende Momente als bisher. Selbst die von uns getestete Basisversion vermag mit Anmut und Potenz im Überfluss begeistern.

 
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