Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
Der BLS ist das neue Einstiegsmodell von Cadillac. Selbst diese günstigste Baureihe der US-Nobelmarke schindet noch Eindruck. Doch handelt es sich bei dem BLS nicht um einen typischen Ami-Blender. Davon konnten uns die Fahrkünste der Kombiversion Wagon mit 180-PS-Diesel überzeugen.
Trotz seiner eleganten, zurückhaltend sportlichen Aura fällt der BLS mit einem scharfkantigen Blechkleid auf. Sein technischer Zwillingsbruder Saab 9-3 erzeugt wesentlich weniger Aufmerksamkeit. Vielleicht liegt dies aber vor allem auch am Markenimage. Zumindest sorgt der Name Cadillac für eine gewisse Grundehrfurcht. Diese erhabene Strahlkraft wird allerdings nicht vom BLS-Zündschlüssel vermittelt. Dem Einheits-Gummipümpel fehlt jegliches Prestige.
So einfach wie die Optik ist auch die Funktion des Schlüssels: Per klassischem Dreh rechts vom Lenkrad wird der 180 PS starke 1.9 TiD gestartet. Der dann zum Leben erwachte Vierzylinder fällt zunächst durch ein raues Naturell auf, das über die Warmlaufphase präsent bleibt. So lässt das kräftig nagelnde Triebwerk im Stand stets das Lenkrad vibrieren.
Druckmacher
Darüber hinaus beeindruckt der Starkdiesel mit Durchzug. In Kombination mit der komfortabel schaltenden Sechsgang-Wandlerautomatik reagiert der Antrieb bei spontaner Leistungsabfrage zunächst etwas verhalten. Turboloch und Schaltvorgang sorgen zusammen aus dem Drehzahlkeller für spürbare Trägheitsmomente. Doch wenn Kraftschluss und Drehmoment voll aufgebaut sind, geht die Post ab.
Laut Cadillac soll der BLS Wagon den 100-km/h-Sprint in zehn Sekunden beenden; bei unseren Messungen haben wir eine Sekunde weniger gebraucht. Auch bei der Endgeschwindigkeit kann der BLS mit fast 220 km/h auf der Autobahn sehr gut mithalten.
Etwas durstig
Beim Verbrauch konnten wir die optimistischen Werksangaben nicht ganz einfahren. Die von Cadillac veranschlagten sieben Liter haben wir nur bei zurückhaltender Fahrweise erreicht. Im Schnitt gingen auf über 2.000 Autobahnkilometern gut 8,5 Liter pro 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen. Nach längeren Vollgas-Etappen zeigte der Bordcomputer auch zweistellige Verbrauchswerte an.
Auf den meist langen Autobahnetappen hat uns der BLS-Unterbau mit gutem Federungskomfort überzeugt. Bei gröberen Unebenheiten, vor allem im Stadtverkehr, reagierte das Fahrwerk allerdings stößig und poltrig. Nicht ganz gelungen ist auch die etwas indirekte Lenkung, zumal die 17-Zoll-Räder mit 235er-Reifen gerne Spurrillen nachlaufen.
Durchschnitts-Fahrwerk
Ebenfalls Unruhe ins Volant bringen die bis zu 370 Newtonmeter Drehmoment vor allem beim Beschleunigen aus Kurven. Ein Allradantrieb ist zumindest für die Diesel-Versionen der Baureihe nicht verfügbar. Dieser ist allein den besonders dynamischen Benzinern vorbehalten. Ein betont kurvenaktives Auto ist der frontgetriebene BLS ohnehin nicht, dennoch überzeugt er beim flotten Kurvenstrich und schneller Autobahnfahrt mit satter Straßenlage.
Aktiv sorgt zudem ein zeitgemäßer Fahrhilfen-Komplex für gehobenes Sicherheitsniveau. So relativieren ESP, Stabilitätskontrolle und ABS die Gefahren des Grenzbereichs. Bei der Negativbeschleunigung reichte es bei unserer Messung für ein noch befriedigendes Ergebnis: Knapp über 39 Meter Bremsweg aus 100 km/h ist kein Traumwert. Sollte es einmal krachen, schützen aktive Kopfstützen und sechs Airbags die Insassen. Dies entspricht dem aktuellen Standard seiner Klasse, doch viele Mitbewerber verfügen bereits zusätzlich über einen Fahrerknieairbag.
Zum Wohlfühlen
Die Top-Ausstattung Sport Luxury unseres Testautos lässt ansonsten nur wenige Wünsche offen. Hier sind Klimaautomatik, Tempomat, Volllederausstattung, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz und vieles mehr an Bord. Trotz der optional Zusatzausstattung ist der BLS-Innenraum mit vorbildlich übersichtlich und einfach zu bedienen. Allerdings machte das betagte DVD-Navi (über 3.000 Euro Aufpreis) mit ungünstig platziertem Display wenig Freude.
Gut platziert sind dafür die Insassen – vorne wie hinten. Die nur mäßig konturierten Sitze sind bequem, hinterlassen nach längerer Fahrzeit allerdings einen etwas durchgesessenen Eindruck. Trotz der insgesamt guten Verarbeitung und großzügiger Softoberflächen wirken die Materialien etwas altbacken, zumindest wenn man das BLS-Interieur mit dem des referenzverdächtigen Audi A4 vergleicht.
Groß und trotzdem klein
Der Kofferraum des BLS Wagon ist groß und leicht erweiterbar. Allerdings ist die maximale Raumausbeute mit 1,3 Kubikmetern angesichts der Fahrzeuggröße bescheiden. Eine niedrige Ladekante, vier solide Verzurrösen und ein ebener Ladeboden sind die bemerkenswerten Vorzüge des variabel nutzbaren Gepäckabteils.
Während man sich im BLS-Inneren gut zurechtfindet, ist die Übersicht nach draußen eher schlecht. Die Außenspiegel sind zu klein, das Sichtfeld für den Schulterblick eingeschränkt. Für den gut 4,70 Meter langen Wagon sollte man auf jeden Fall die 400 Euro teure Einparkhilfe dazubestellen.
Kein Schnäppchen
Diese macht etwa einen Prozent vom Gesamtkaufpreis des BLS Wagon in der Top-Ausstattung Sport Luxury mit 180-PS-Diesel aus. Wer zusätzlich noch die Sechsgang-Automatik ordert, liegt bei gut 42.000 Euro. Wer keinen Wert auf eine umfangreiche Komfortausstattung legt, kann die von uns getestete Motorisierung in der Basisausstattung für rund 10.000 Euro weniger bekommen.
Obwohl es sich beim BLS um die günstigste Cadillac-Baureihe handelt, ist er markenübergreifend kein Schnäppchen. Kombiversionen des Ford Mondeo, Renault Laguna oder VW Passat kosten mit vergleichbarer Motorisierung jeweils um etwa 2.000 Euro weniger.
Fazit
Der BLS Wagon ist kein typischer Cadillac. Modelle mit Dieselantrieb und Kombiheck gab es von der US-Marke bislang nicht. Der BLS ist aber ohnehin kein Ami sondern eine Optik-Variante des Saab 9-3. Dennoch wird der schicke Mittelklässler als Cadillac wahrgenommen und bietet zudem einen praktischen und großen Kofferraum, der allerdings im Vergleich zu seinen Mitbewerbern etwas knapp ausfällt.
Das Fahrwerk des BLS dürfte den meisten Ansprüchen europäischer Autofahrer an Komfort und Dynamik gerecht werden, könnte aber etwas ausgewogener sein. Viele elektrische Helferlein sorgen für ein hohes Sicherheitsniveau, allein der Bremsweg ist etwas lang. Schade auch, dass es für den etwas rauen aber sehr starken Diesel keinen Allradantrieb gibt.
Preislich ist der Cadillac trotz guter Serienausstattung keine wirkliche Alternative. Zumindest gibt es eine Reihe von Mitbewerbern, die bereits für einige tausend Euro weniger zu haben sind. Nun, Individualität hat seinen Preis.
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23.05.2012
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21.05.2012
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