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Galerie: Test Cadillac Escalade

Test: Cadillac Escalade

Ein dickes Ding

09.01.2008

Groß, größer, Escalade - der Cadillac stellt selbst automobile Riesen wie Audi Q7 und Mercedes GL in den Schatten. Doch nicht nur in Sachen Größe übertrifft der Ami die meisten Konkurrenten. Auch beim Verbrauch lässt das Schwergewicht die Mitbewerber weit hinter sich.

Über 5,15 Meter lang, mehr als zwei Meter breit und fast 1,90 Meter hoch. Ich fühle mich klein neben dem Cadillac Escalade - und das passiert bei 1,93 Meter Körpergröße nur selten. Filigrane, geschwungene Linien sucht man vergebens, das Design wird dominiert von bulligen Formen: Riesige Fensterflächen, ein Kühlergrill mit armdicken Luftöffnungen, kindskopfgroße Außenspiegel und üppige Scheinwerfer.

Jede Menge Hubraum

Galerie: Test Cadillac EscaladeAuch der Motor ist für hiesige Verhältnisse überdimensioniert: 6,2 Liter Hubraum lassen sich nicht mit europäischen Umweltschutzvorstellungen vereinbaren. Satte 409 PS entwickelt der voluminöse Achtzylinder, der bei 4.000 Umdrehungen 565 Newtonmeter auf die Kurbelwelle stemmt. Die Kraft geht serienmäßig an alle vier Räder und wird mittels 18-Zoll-Räder mit 265er Reifen auf die Straße gebracht.

Bevor es losgeht, gilt es allerdings in den Wagen zu klettern: Großgewachsene können den Cadillac aus dem Stand entern, für kleinere Passagiere wurden extra Trittbretter angebracht. Wer sich auf einen der beiden großen Sitze in der ersten Reihe gewuchtet hat, fühlt sich wie im heimischen Wohnzimmersessel; Seitenhalt ist dem bequemen Ledergestühl dafür ein Fremdwort.

Platz für acht Personen

Galerie: Test Cadillac EscaladeFürstlich geht es auch in Reihe Zwei zu. Serienmäßig ist hier eine Dreierbank verbaut, auf Wunsch sind zwei Einzelsitze erhältlich. Ganz hinten verfügt der Escalade immer über drei unklappbare Plätze und kann somit insgesamt bis zu acht Personen mitnehmen. Wer sich allerdings in die dritte Reihe quetschen muss, kann selbst im Cadillac von Platzfreiheit nur noch träumen. Je nach Bestuhlung schluckt der Ami stolze 3.084 Liter Gepäck.

Das Cockpit zeigt sich aufgeräumt, wenige Tasten erleichtern die Bedienung. Großen Schnickschnack findet man - wie so oft bei US-Autos - nicht. Praktisch: Die Ingenieure haben den Automatik-Wählhebel von der Mittelkonsole ans Lenkrad verbannt und so noch mehr Platz für die ohnehin reichlich vorhandenen Ablagen und Fächer geschaffen. Der üppige Einsatz von Holz und Leder sorgt für Wohlfühlambiente.

Kein Sprinter

Galerie: Test Cadillac EscaladeNun ist es an der Zeit, den mächtigen V8 zum Leben zu erwecken. Mit einem tiefen grummeln gibt dieser zu Verstehen, dass er abfahrbereit ist. Obwohl über 400 Pferde unter der Haube werkeln, setzt sich der Escalade ausgesprochen gemütlich in Gang. Sofort wird klar: Ein Sprinter will der Cadillac nicht sein, wenngleich er vielleicht könnte. Viel mehr liegt dem Ami - und auch hier bedienen wir wieder ein Klischee - das entspannte Cruisen gemäß des „American Way of Drive“.

Ruhig bollert das Triebwerk vor sich hin, ohne einen Hauch von Anstrengung zu zeigen. Ein beherzter Tritt aufs Gaspedal, zum Beispiel beim Überholen, sorgt erstmal für hektische Schaltarbeit seitens der sonst sehr sanft agierenden Sechsgang-Automatik. Erst wenn diese sich neu sortiert hat, wird der Gasstoß in eine heftige Vorwärtsbewegung umgesetzt. Allerdings auch nur bis zu 170 km/h - dann ist der Motor elektronisch abgeregelt.

Weich wie Butter

Galerie: Test Cadillac EscaladeDoch 170 Sachen sind mit dem Cadillac auch mehr als genug. Zum einen wird es bei hohem Tempo ob der Windgeräusche ziemlich laut. Schließlich ist der Escalade in etwa so aerodynamisch wie eine Schrankwand. Zum anderen hält einen die Kombination aus extrem weicher (zugegebenermaßen sehr komfortabler) Federung und ungenauer Lenkung von solchen Geschwindigkeiten ab.

Damit disqualifiziert sich der Escalade auch gleichzeitig für eine flotte Tour über die Alpenpässe. Sicher, man kommt entspannt am anderen Ende der Berge an, aber beileibe nicht flott. Der Cadillac schaukelt und wankt fröhlich wie ein Kinderkarussel und erzieht seinen Fahrer damit spielend zu einer gemächlichen Gangart. Hinzu kommt das ernorme Gewicht von über zweieinhalb Tonnen das in jeder Biegung mit Nachdruck zum Kurvenrand drängt.

Er säuft und säuft…

Galerie: Test Cadillac EscaladeDie Sache mit der flotten Fahrt regelt sich aber auch noch auf eine ganz profane Art von selbst. Wer zum ersten Mal an der Tankstelle gut 98 Liter Superbenzin in den Escalade laufen lässt und sich dann wundert, warum die Menge nicht mal für 500 Kilometer gereicht hat, der fährt zukünftig automatisch langsamer. Angegeben ist der Durchschnittsverbrauch mit 16,2 Litern je 100 Kilometer - realistisch ist ein Wert von 20 Litern. Und im Stadtverkehr dürfen es gern noch mal fünf Liter mehr sein…

Neben den finanziellen Sorgen beim Blick auf die unbeirrt nach unten wandernden Tanknadel stellen sich schnell auch Gewissensbisse hinsichtlich Umweltschutz ein. Um die 400 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer sind jenseits von Gut und Böse. Dieser Missstand ist mittlerweile zum Glück auch den amerikanischen Ingenieuren aufgefallen. Sie arbeiten derzeit auf Hochtouren an einer Hybridversion des Cadillacs, der noch 2008 auf den Markt kommen soll und sich mit vorbildlichen acht Litern je 100 Kilometer zufrieden geben soll. Ob das sparsam Dickschiff auch nach Europa kommt, ist allerdings noch ungeklärt.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Cruisen auf höchstem Niveau ist für den Escalade ein Kinderspiel. Das weiche Fahrwerk und die ungenaue Lenkung verzeiht man dem Ami gern. Neben dem Komfort bietet der Cadillac vor allem eins: Jede Menge Platz, sowohl für Passagiere als auch für Gepäck. Der Preis dafür sind mindestens 69.750 Euro für die gut ausgestattete Basisversion. Und ein dermaßen hoher Verbrauch, der einem sogar die Lust am Cruisen vergehen lässt…
 

Galerie: Test Cadillac Escalade

 

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