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Galerie: Test Chrysler Crossfire SRT-6

Test: Chrysler Crossfire SRT-6

Spieltriebwerk

07.01.2005

M-GmbH, AMG und Quattro-GmbH heißen die Haustuner von BMW, Mercedes-Benz und Audi. Seit exakt zwei Jahren hat auch Chrysler eine eigene Straßenrennsport-Schmiede: SRT steht für „Street and Racing Technology“. Sportlichstes Modell nach der Viper ist der Chrysler Crossfire SRT-6. Doch ist er auch ein echter Sportwagen?

Es ist nach wie vor etwas Besonderes, wenn ein Testwagen mit mehr als 300 PS angekündigt ist. Die Erwartungshaltung steigt noch einmal, wenn es sich nicht um eine schwere Limousine, sondern um einen knackigen Zweisitzer mit außergewöhnlichem Design handelt - wie eben beim Chrysler Crossfire SRT-6. Und schließlich kennen wir das Auto bereits in der zivilen Ausführung mit „nur“ 218 PS, womit es gewiss nicht untermotorisiert ist.

Der SRT-6 bietet 117 Pferde mehr, kommt auf eine Spitzenleistung von 335 PS. Der Motor ist im Grunde der aus dem Crossfire, ein V6 mit ebenfalls 3,2 Liter Hubraum. Die Leistungssteigerung wird über einen Kompressor erreicht.

Bescheidener Proll-Faktor

Galerie: Test Chrysler Crossfire SRT-6Optisch ist der Sprung zum Top-Modell vergleichsweise dezent ausgefallen: Feingliedrige 15-Speichen-Aluminiumgussräder, eine etwas tiefer gezogene Frontspoilerlippe und ein fest installierter Heckflügel sind die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale. Der Flügel gefällt mit Sicherheit nicht jedem, soll jedoch für eine bessere Bodenhaftung bei hoher Geschwindigkeit sorgen. Im Wageninneren sind es in erster Linie die mit dem prägnanten Kürzel bestickten Alcantara-Sportsitze, die den SRT-6 zu erkennen geben.

Bereits auf den ersten Metern wird man daran erinnert, dass ein Crossfire vom Fahrer einen gefühlvollen Umgang mit dem Gaspedal verlangt. Schon die 218-PS-Variante hatte mit den „schmalen“ 225er Winterreifen so seine liebe Not. Beim SRT-6 ist es noch heftiger: An feuchten Kreuzungen reicht ein Zucken im rechten Bein, um das Heck zum schwänzeln zu bringen. Dank ESP passiert dabei nicht viel - außer einem kleinen Schreck im ersten Moment. Fakt ist: Die 255er Sommerschlappen stehen dem Crossfire nicht nur besser, sie verbessern auch deutlich die Traktion. Im Sommer…

Trocken und gerade heraus

Galerie: Test Chrysler Crossfire SRT-6Im Winter lässt sich die maximale Beschleunigung nur bei trockenem Asphalt und schnurgerader Straße auskosten. Was beim Kick-Down im „S“-Modus der 5-Gangautomatik passiert, lässt sich nur unzureichend in Worte fassen: Der V6 brüllt los, dreht zweimal kreischend bis weit über 6.000 Touren - und schon sind Tempo 100 überschritten: 5,3 Sekunden dauert der Sprint exakt, also in etwa genauso lange, wie es dauert, diesen Satz zu lesen. Das Sprinter-Talent endet nicht bei 100 km/h, sondern erst bei knapp Tempo 260. Dann regelt die Elektronik den Vortrieb abrupt ab.

Fahrten mit Vollgas sind auf Dauer jedoch kein Spaß. Zu laut ist der Motor, zu ungenau die Lenkung in der Mittellage, zu hart und stößig die Fahrwerksabstimmung. Und Spurrillen läuft der SRT-6 nach wie ein junger Hund der Wurstverkäuferin. Zudem fließen unter Volllast an die 20 Liter Super durch die Einspritzdüsen. Auch die harten Sitze und die Crossfire-typischen Schaukelbewegungen der Karosserie sprechen gegen lange Autobahnetappen.

Fester Griff

Galerie: Test Chrysler Crossfire SRT-6Das Metier des SRT-6 ist eindeutig die Landstraße, gerne natürlich eine mit vielen Kurven. Die durcheilt der stärkste Crossfire sicher und zügig, wobei einen die Sportsitze perfekt fest halten. Nur am Grenzbereich verlangt der SRT-6 den festen Griff einer geübten Hand. Trotzdem: Im Vergleich zum 3.2 ist das Handling des SRT-6 weniger agil ist als erwartet. Ein Lob verdienen die hart aber herzlich zupackenden Bremsen.

Zwischensprints sind das reine Vergnügen. Einerseits reagiert die Fünfgangautomatik gut dosierbar und direkt auf die Befehle des Gaspedals. Gangwechsel sind meist nicht nötig, denn der Kompressor-V6 stellt im breiten Drehzahlbereich von etwas über 2.000 bis 6.000 Touren mindestens 90 Prozent seines maximalen Drehmoments (420 Newtonmeter) zur Verfügung.

Verchromtes Orchester

Galerie: Test Chrysler Crossfire SRT-6Zum satten Durchzug gesellt sich ein famoser Klang: Der Motor und die extrabreiten, verchromten Auspuffrohre harmonieren wie ein perfekt eingespieltes Orchester. Bei niedrigen Drehzahlen brabbelt der Sechser kernig vor sich hin. Unter Last trompetet es freudig aus den dicken Tüten und kurz vor dem Drehzahlbegrenzer kreischt der Crossfire wie ein E-Gitarrentrio unter Starkstrom. Schön, dass sich der Kompressor im normalen Gebrauch dagegen stets akustisch zurückhält.

Man kann den SRT-6 nicht nur fahren, sondern auch nutzen. Für die Tour zum Supermarkt beispielsweise taugt der Sportler allemal. Zwar ist der Kofferraum aufgrund der hohen Ladekante etwas umständlich zu erreichen, doch fasst er immerhin 215 Liter - genug für einige Einkaufstüten.

Fazit

Der SRT-6 sieht klasse aus, bietet Leistung ohne Ende und bringt dabei einen nicht zu verachtenden Alltagswert mit zumindest im Vergleich zu anderen Sportlern mit über 300 PS. Zum reinrassigen Sportwagen reicht es allerdings nicht: Da passt einfach keine gewöhnliche Wandlerautomatik, und in Sachen Handling sind ihm Konkurrenten wie Porsche Boxster oder BMW M3 überlegen. Der Anschaffungspreis von etwas über 50.000 Euro ist nicht gerade günstig, doch dafür gibt es ein Triebwerk, dass jedem Spieltrieb gerecht wird.

 
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