Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
Immer diese neugierigen Nachbarn. Neulich war es einer, der sich über das eigenwillige Markenlogo am Citroën-Testwagen wunderte. Nein, nicht über den Doppelwinkel, sondern das zusätzliche DS-Signet war gemeint. Und eigentlich hatte er wohl schon eine Ahnung und wollte nur reden. Und zwar über seine Göttin, seinen ultimativen Schatz, seinen großen Moment automobiler Individualität, der bereits in den Siebzigern auf dem Schrottplatz landete. Der Neuzeit-DS mit Zusatznummer 4 wird ihm das Kultmobil junger Jahre allerdings kaum ersetzen können.
Die einzige Gemeinsamkeit von Alt- und Neu-DS: Beide Franzosen wecken mit einer besonderen Note, mit Extravaganz und einer Extraportion Luxus Begehrlichkeiten. Doch handelt es sich beim DS4 keineswegs um ein Oberklasse-Modell als vielmehr um einen umgekrempelten C4-Ableger mit expressiver Außenhaut, eigenwilligen Designlösungen und nobel tapeziertem Interieur.
Vor allem mit der Karosserie hebt sich der DS4 vom Einerlei wohltuend ab, bietet einen derzeit einzigartigen Mix aus viertürigem Coupé, Steilheckfahrzeug und SUV-Elementen. Garniert wurde die leicht hochbeinige Karosserie mit extraviel Chromzierrat, schicken Leichtmetallrädern, getönten Rückleuchten und LED-Tagfahrakzenten. Auch das Heck mit einem in die Schürze integriertem, riesigem Designer-Auspuff oder die optisch kaschierten Fondtüren verleihen dem Fahrzeug ein gewisses Etwas. Vielleicht kein Halsverdreher, ist der DS4 aber dennoch ein wohlinszenierter Hingucker.
Nichts für Klaustrophobiker
Enger Einstieg, mäßige Bein- und Kopffreiheit, eine schlechte Sicht nach hinten – der DS4 ist andererseits kein Auto, das sich einer pragmatisch orientierten Denke anbiedern will. Vielmehr sollen Autokunden angesprochen werden, die sich vom Einerlei in der Kompaktklasse abheben wollen, zum Beispiel kinderlose Paare, die noch ein paar Extraeuro locker machen können, um ihrem besonderen Geschmack mehr Ausdruck auch im Straßenverkehr verleihen zu können.
Nichtsdestotrotz lässt sich mit dem DS4 auch der Familienalltag bewältigen. Der Platz für Kinder ist hinten immerhin ausreichend und stellt der Einstieg durch die engen Öffnungen für kleinere Menschen kein Problem dar. An Klaustrophobie sollten die Fondgäste allerdings nicht leiden, denn die Fensterflächen sind klein und die Seitenfenster hinten lassen sich nicht einmal öffnen. Ein variabler Kofferraum mit 360 bis 1.000 Liter Fassungsvermögen bietet ein ordentliches Kompaktklasse-Niveau. Allerdings müssen schwere Gegenstände etwas umständlich über eine hohe Ladeschwelle gewuchtet werden.
Schöne und praktisch Lichtspiele
Die vornehmliche Bestimmung des DS4 ist allerdings, die vorderen Insassen mit Stil, Komfort und Technik-Nettigkeiten zu verwöhnen und zu unterhalten. Eine feine Lederlandschaft, ein Super-Navi, eine klangvolle Audioanlage von Deno oder Massagesitze vorne – der Markt der Möglichkeiten ist höchst verführerisch. Viele Extras, wie zum Beispiel die verschiedenen Farben der Tachobeleuchtung oder eine Auswahl unterschiedlicher Blinkertöne, gehören zwar eher in die Kategorie Spielereien, mit denen das voll ausgestattete Exemplar aber dennoch beeindrucken kann.
Beeindrucken kann auch das Qualitätsniveau. Ein geschmackvoller und abwechslungsreicher Oberflächen-Mix schmeichelt sowohl Hand als auch Auge und die vielen Zierleisten in Metalloptik vermitteln eine überzeugende Edeloptik. Darüber hinaus sorgt das Nachtdesign für eine lichtintensive, farbenreiche Informations-Vielfalt und wohnliche Stimmung. Wer sich allerdings bei Nachtfahrten aufs Wesentliche konzentrieren will, kann einfach mit einem Knopfdruck die Lichtquellen auf Tacho und Ambientebeleuchtung reduzieren. Vor allem bei längeren Nachtfahrten ist dies eine gerne genutzte Option, die entspannt und auch der Sicherheit zuträglich sein dürfte.
Viel Sicherheit
Apropos: Bei den sicherheitsrelevanten Assistenz-Systemen lässt sich der Nobel-Kompakte zeitgemäß aufrüsten. Neben ABS, ESP, intelligenter Traktionskontrolle und Berganfahrhilfe gibt es noch einen Spurhalte-Assistenten oder einen Tote-Winkel-Warner. Auch praktische Dinge wie eine Bluetooth-Freisprechanlage oder Parkpiepser hinten sind dabei. Und sogar ein Notrufknopf ist an Bord, mit dem man Hilfe anfordern kann, die dann wiederum via GPS-Lokalisierung zum verunfallten DS4 ohne Ortsangabe findet. Beim erfolgreichen Fünf-Sterne-Crashtest hat EuroNCAP diese Notruf-Funktion im DS4 lobend erwähnt.
Auch fahrdynamisch fährt der DS4 mit dem 163 PS und 340 Newtonmeter starken Topdiesel in der Kompaktklasse recht weit vorne mit. Der Sprint des Fronttrieblers in Kombination mit der manuellen Sechsgang-Box dauert 9,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 212 km/h. Herrlich sämig ist der Durchzug, der für einen Diesel angenehm laufruhige und akustisch gut abgekapselte Vierzylinder hält bei Zwischenspurts auf der Autobahn stets erfreulich kräftigen Schub bereit. Der theoretisch recht günstige Normverbrauch von 5,1 Liter ist praktisch kaum erreichbar. Bei zurückhaltender Fahrweise waren es bei unseren Testfahrten knapp über sechs Liter, bei etwas flotteren Fahrten pendelte der Verbrauch gar zwischen sieben und acht Liter.
Kein taumeliger Franko-Softie
Den historischen DS machte einst sein superweiches hydropneumatisches Fahrwerk legendär und zur Enttäuschung vieler vermittelt der Unterbau des DS4 rein gar nichts mehr vom legendären Fahrgefühl der Göttin. Das konventionelle Fahrwerk des DS4 mit immerhin 18 Zoll großen Rädern gibt sich zwar angenehm feinfühlig und durchaus komfortabel auf asphaltiertem Untergrund, doch bei Querfugen und auf Holperstrecken macht sich das wahre Naturell der dynamischen Auslegung bemerkbar, werden Unebenheiten spürbarer als es vielen Freunden französischer Autobaukunst lieb sein dürfte.
Dafür lässt sich der spitz ausgelegte 1,4-Tonner zielgenau ums Eck zirkeln, man kommt erst spät in den Grenzbereich, bei dem der Wagen leicht quietschend und gut berechenbar über die Vorderräder zu schieben droht. Störend beim Rausbeschleunigen aus Kurven können allerdings die Antriebseinflüsse auf die Lenkung sein. Und an das lupenreine Handling eines sportlich ausgelegten Golfs kommt der DS4 auch nicht ganz heran.
Technische Daten |
| Marke und Modell | Citroën DS4 165 HDi | ||||
| Version / Ausstattung | SportChic | ||||
| Motor | |||||
| Hubraum (ccm) / Bauart | 1.997 / R4-Turbodiesel | ||||
| Leistung (kW / PS) | 163 / 120 | ||||
| Drehmoment (Nm) / Umdrehungen | 340 / 2.000 | ||||
| Antriebsart | Frontantrieb | ||||
| Getriebeart | manuelle Sechs-Gang-Schaltung | ||||
| Abmessung und Gewicht | |||||
| Länge/Breite/Höhe (mm) | 4.275 / 1.810 / 1.526 | ||||
| Radstand (mm) | 2.612 | ||||
| Wendekreis (m) | 11,9 | ||||
| Leergewicht (kg) | 1.395 | ||||
| Kofferraum (Liter) | 360 - 1.021 | ||||
| Bereifung Testwagen | 225/45 R 18 | ||||
| Verbrauch | |||||
| Krafstoffart | Diesel | ||||
| Kombiniert laut Werk (l/100km) | 5,1 | ||||
| CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm | 134 / Euro 5 | ||||
| AS24-Verbrauch (l/100km) | 7,5 | ||||
| Fahrleistungen | |||||
| Werksangabe 0-100km/h (s) | 9,3 | ||||
| AS24-Sprint 0-100km/h (s) | k.A. | ||||
| AS24-Bremstest 100-0km/h (m) | k.A. | ||||
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 212 | ||||
| Preise | |||||
| ab (Euro) | 28.650,00 | ||||
| Empfohlene Extras | Navisystem (950 Euro) | ||||
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Auf gehobenem Preisniveau
Wie alles Schöne, so hat auch der DS4 einen gehobenen Preis. Mit dem 120-PS-Benziner in der Basisausstattung Chic geht es erst ab 20.700 Euro los, während der 163 PS starke Top-Diesel mit der mittleren Ausstattung Sport ab 27.000 Euro zu haben ist. Im höchsten Ausstattungsniveau SportChic werden für den HDi weitere 1.500 Euro Aufpreis fällig. Und in der ultimativen Wunschlos-Glücklich-Konfiguration unseres Testexemplars kann man den Preis maximal auf fast 33.000 Euro treiben. Lücken weist der DS4 dann ausstattungsseitig allerdings keine mehr auf.
Das klingt zwar irgendwie nach viel Geld, doch müsste man für einen entsprechend ausgestatteten VW Golf in der sportlichen Dieselversion GTD rund 5.000 Euro mehr hinblättern. So gesehen steht der DS4 mit 163-PS-Diesel in der Premium-Liga sogar vergleichsweise günstig dar.
Zwar muss man dabei auch einige kleinere Nachteile in Kauf nehmen (enger Fond), doch dürfte der Luxus-Kompakte seinen Besitzern dennoch viel Freude bereiten und ihnen ein Auto bescheren, mit dem man sich ein Stück weit vom klassischen Kompaktklasse-Niveau abheben kann. Allerdings muss man dafür auch einen etwas abgehobeneren Preis hinnehmen.
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