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Galerie: Test Dacia Duster dCi 90 2WD

Test: Dacia Duster dCi 90 2WD

Gar nicht duster

14.10.2010

Duster sieht die Zukunft der rumänischen Renault-Tochter Dacia mal gar nicht aus. Eher rosig, denn auch der letzte Wurf aus dem Osten der EU kann als gelungen gelten. Der Dacia Duster macht vieles gut, manches so lala und nur ganz wenig wirklich schlecht. Gemessen am Preis relativiert sich das Meiste. Das sehen auch die Kunden so und produzieren lange Lieferzeiten.

Mindestens vier Monate dauert es aktuell, bis ein 08/15 ausgestatteter Dacia Duster von der Vertragsunterzeichnung zum Kunden rollt. Das kennt man noch aus den 90ern, als Mercedes SLK und andere erreichbare Exklusiv-Autos reißenden Absatz fanden. Doch die Zeiten ändern sich. Jetzt ist es ein Billigauto, das viele haben wollen. Derzeit rangiert der Duster in der Verkaufshitparade der SUV mit rund 850 Fahrzeugen auf Platz fünf. Mehr gelangen aus produktionstechnischen oder marktstrategischen Gründen nicht nach Deutschland.

Ab 12.000 Euro

Galerie: Test Dacia Duster dCi 90 2WD Der Grund für den reißenden Absatz: Der Duster ist eben anders und doch so konventionell, irgendwie kennt man ihn, denn rund 50 Prozent der Teile stammen von Sandero und Logan. Vor allem aber ist er billiger als die Konkurrenz, die es eigentlich gar nicht gibt. Der Preis ist sein Alleinstellungsmerkmal – in der Welt der SUV. 12.000 Euro, da beginnt der Duster-Spaß. Für den getesteten 1.5 dCi mit rund 90 PS und Frontantrieb werden sparsame 14.390 Euro fällig. Hinzu sollte das Klang & Klima-Paket für mindestens 850 Euro und die Sitz- und Lenkradverstellung für weitere 300 Euro gewählt werden. Fertig ist das Vollwertauto.

Wirklich fertig? Jein. ESP gibt es auch nach der gerade erfolgten Mini-Aufwertung ausschließlich für den Top-Diesel. Die Mini-Aufwertung war nötig, denn mit der bislang verwendeten Technik wäre das Aus noch Ende 2010 gekommen. Euro 5 lautet das Stichwort. Das erfüllte der Duster bislang nämlich nicht. Erst durch den Einsatz eines Rußfilters, den der stärkere Diesel schon immer besitzt, und der Modifizierung des Motorsteuergerätes inklusive Anhebung der Leistung auf 90 anstatt 86 PS erreicht der Duster den Freifahrtschein für 2011. Neuwagenkäufer und deren Hinterherfahrende freuen sich über nichtexistente Rußwolken – endlich.

Galerie: Test Dacia Duster dCi 90 2WD 90 PS reichen

Am Motor selbst merkt man freilich nichts. Der kleine Fünfzehnhunderter zieht den rund 1,3 Tonnen-Duster ordentlich an. Als Diesel-Grundmotorisierung erledigt er seine Aufgabe sogar bravourös. Klar, 90 PS schaffen es nicht, sportlichen Ansprüchen gerecht zu werden und die Klangkulisse ist eher wenig dezent. Dafür reichen dem 156 km/h schnellen Duster weniger als sieben Liter Sprit für 100 Test-Kilometer.

Und so wirklich schnell sollte man mit dem Rumänen sowieso nicht fahren. Erstens ist das ESP, wie bereits erwähnt, nicht da, zweitens kosten Seitenairbags im Paket 600 Euro, drittens sind die Bremsen wenig standfest. So verlängerte sich der Weg beim obligatorischen 100-0-km/h-Stopp von bescheidenen 41,1 Meter beim ersten Mal auf beschämende 45,4 Meter ab dem fünften Mal – Trommelbremse hinten sei Dank.

Galerie: Test Dacia Duster dCi 90 2WD Zum Glück aber animiert der Dacia Duster nicht zur forcierten Gangart. Die Lenkung ist indirekt und verhärtet bei schnellen Richtungswechseln, das Fahrwerk ist weich, teilt aber dennoch kleine Unebenheiten den Insassen mit und lässt viel Seitenneigung in Kurven zu. In Extremsituationen kommt schonmal das Heck in Wallungen. Aber: Alles kündigt sich frühzeitig an und der Fahrer weiß, dass es nun in Richtung Limit geht und kann Tempo rausnehmen. Ein Tipp für Allrad-Freaks: Diesen braucht’s fürs Offroad-Fahren nicht zwangsläufig. Wer nicht im Matsch unterwegs ist, kommt auch mit dem hochbeinigen, frontgetriebenen Duster weiter als gedacht.

Nicht viel drumrumreden

Gar nicht viel drumrumreden muss man beim Thema Design. Der Duster ist ein gefälliges 4,30 Meter-SUV und sieht besser aus als viele andere Kompakt-4x4. Auch der Blick in den Innenraum bereitet Freude, denn neben dem guten Platzangebot im Fahrgast- und Kofferraum wirkt der Duster robust und hemdsärmelig. Zwar versprühen die Plastikteile im Innenraum wenig Charme, vieles stammt aus Sandero und Logan, aber hier ärgert man sich nicht über verkratzten Kunststoff (was leicht passiert), über grobes Haptikerlebnis und über diesen sonst längst verloren gegangenen Purismus.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Dacia Duster dCi 90 FAP
    Ambiance
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   1.461 / R 4
Leistung (kW / PS)   66 / 90
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   200 / 1.750
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   manuelles Fünf-Gang-Getriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.315 / 1.822 / 1.695 (mit Reling)
Radstand (mm)   2.673
Wendekreis (m)   10,44
Leergewicht (kg)   ab 1.265
Kofferraum (Liter)   475 - 1.636
Bereifung Testwagen   215/65 R16
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   130 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   6,9
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   14,5
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   41,1
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   156
Preise    
ab (Euro)   14.300,00
Empfohlene Extras   Klang & Klima-Paket MP3 (900 Euro), Modularitäts-Paket inklusive höhenverstellbarem Fahrersitz, Lenkrad und Gurte sowie Fond-Lehne 30:70 umklappbar (300 Euro)
 
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Die Spiegel? Die stellt man manuell ein, beheizt werden sie sowieso nicht. Eine Tipp-Wisch-Funktion gibt es ebenso wenig wie eine Tipp-Blink-Funktion, ganz zu schweigen von Licht- und Regensensor, Bordcomputer, USB-Anschluss und Automatikschaltung. Das manuelle Fünf-Gang-Getriebe hakelt zwar ein wenig, stört aber nicht, man lässt sich halt etwas mehr Zeit beim Schalten. Der Kofferraumdruckknopf am unverkleideten Heckdeckel funktioniert so, wie ein Druckknopf eben funktioniert und die Kofferraumabdeckung versteckt das Transportgut, nicht mehr und nicht weniger.

Galerie: Test Dacia Duster dCi 90 2WD Wer ordentlich(er) im Duster sitzen will, kann das Modularitäts-Paket ordern, denn ohne eine Sitzhöhen-, Lenkrad- und Gurtverstellung hockt man im Duster wie der bekannte Affe. Zudem lässt sich dann die Fond-Lehne getrennt umklappen. 300 Euro ist’s wert. Schön wäre noch, wenn Dacia dem Duster größere Scheibenwischer spendieren würde. Platz an der Windschutzscheibe ist vorhanden und auf diese zwei Zentimeter kommt es beim Preis wohl kaum drauf an. Bei der Sicherheit wohl, und um die ist es ja nicht extrem gut bestellt.

Fazit

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Der Dacia Duster bringt SUV-Fahren auf den Punkt – auch mit Frontantrieb. Angesichts seiner Talente (14.300 Euro für den kleinen Diesel) und seinem gefälligen Äußeren ist es nicht verwunderlich, dass der Duster ein Verkaufsrenner ist. Er hat wenig mit der Billigoptik eines Logan Stufenheck zu tun, auch wenn die Technik und viele Bauteile diesem entsprechen.

Der Duster ist hip und verkörpert vielleicht den Trend der Zeit, der nicht mehr „Geiz ist geil“ heißt, sondern „Bewusst kaufen ist clever“. Denn mehr Auto braucht’s in den meisten Fällen nicht. Dass jedoch so wichtige Dinge wie ESP und standfeste Bremsen fehlen, ist mehr als nur kritikwürdig, das gehört verbessert.

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