Cabrio-Special 2011
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Galerie: Test Daihatsu Copen

Test: Daihatsu Copen

Das Monte Carlo-Feeling

03.07.2006

Er ist klein, knuffig und zieht Blicke magisch an.
Grace Kelly hätte ihn geliebt und wäre mit ihm sicher den ganzen Tag die Croisette entlang gedüst. Obwohl er nur geringfügig größer ist als eine ihre Handtaschen, hätte die spätere Fürstin von Monaco wahrscheinlich sogar jeden Porsche links liegen lassen. Für ihn: Den Daihatsu Copen.

Copen, eine Wortneuschöpfung aus Coupé und Open, steht für parklückenfreundliche 3,40 Meter reinen Fahrspaß. Länger ist der knuffige Daihatsu mit runden Kulleraugen nämlich nicht. Dementsprechend hält sich auch das Platzangebot des Copen in Grenzen. Die Beinfreiheit für die beiden Passagiere ist zwar überraschend groß, doch bei geschlossenem Dach wird’s nach oben eng. Also nicht lange fackeln, und Dach auf.

Oben ohne

Galerie: Test Daihatsu CopenMit zwei simplen Handgriffen ist das Verdeck entriegelt, der Rest geht automatisch. In nur 20 Sekunden öffnet sich das Aluminium-Dach und verstaut sich samt Heckscheibe im Kofferraum, den in der neuen Generation ein kecker Heckspoiler ziert. Von Gepäck-„Raum“ ist allerdings nicht mehr zu sprechen. Das Volumen sinkt von akzeptablen 210 Litern im geschlossenen Zustand auf quasi nicht vorhandene 14 Liter. Die Kreditkarte passt problemlos rein, das edle Grace-Kelly-Handtäschchen muss auf den Beifahrersitz.

Doch es geht hier auch nicht um Komfort, Platz oder sonst irgendeinen Schnickschnack. Nein, der Punkt ist das unbeschreibliche Gefühl, dass einem der Copen vermittelt. Plötzlich fühlt man sich wie etwas ganz Besonderes, wie einer der Schönen und Reichen, die an der Französischen Riviera ihren Sommer verbringen. Man weiß, jeder schaut auf einen - auch wenn es das Auto ist, das die Blicke anzieht.

Bitte recht freundlich

Egal, wo das Bonsai-Cabrio auftritt, es ist der Hingucker schlechthin. Der Daihatsu ist ähnlich kommunikationsfördernd wie ein Hund. Natürlich war der Exoten-Bonus der ersten Copen-Generation, die nur als Rechtslenker erhältlich war, noch größer. Aber nach wie vor passiert es, dass während einer Rotphase das Fenster neben einem runter gekurbelt wird und eine neugierige Stimme fragt, was das denn für ein Auto sei.

Galerie: Test Daihatsu CopenNicht nur von außen ist der Copen sprichwörtlich eine runde Sache. Der Innenraum des Roadsters ist ansprechend gestaltet. Schön gezeichneten Instrumente versorgen den Fahrer mit allen wichtigen Informationen und die Materialien überzeugen in Optik und Haptik. Störend ist das Fehlen einer Armauflage in den Türen. Und: Das Fach in der Mittelkonsole bietet zwar ausreichend Stauraum, öffnet aber zum Fahrer hin und zwingt diesen damit zu Verrenkungen.

Flotter Antritt

Galerie: Test Daihatsu CopenDer Kleine ist nicht nur schön, sondern auch flott. Kaum schaltet die Ampel auf Grün, flitzt der Roadster davon und lässt sich dank der direkten Lenkung agil durch den Stadtverkehr bewegen. Die überarbeitete Version des Westentaschen-SLK wird von einem 1,3-Liter-Vierzylinder angetrieben. Immerhin fast doppelt so viel Hubraum und ein Brennraum mehr als das 0,7-Liter-Motörchen des Vorgängers. Allerdings haben die Ingenieure nun auf einen Turbolader verzichtet.  

Doch auch ohne die Zwangsbeatmung macht das Aggregat eine gute Figur. Das maximale Drehmoment von 120 Newtonmeter liegt zwar erst bei hohen 4.400 Touren an, für den drehfreudigen Motor ist das aber kein Problem. Bei 6.000 U/min steht das volle Potenzial von 87 PS zur Verfügung, dafür kreischt das kleine Aggregat dann ziemlich hochfrequent. Immerhin kann der Copen mit einem respektablen Leistungsgewicht von 9,6 Kilogramm pro PS aufwarten.

Knie oder Schalthebel

Geschaltet wird mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe mit kurzen Wegen. Leider ist es nicht immer garantiert, in unpräzisen Box den richtigen Gang zu treffen. Nach kurzer Gewöhnungsphase sieht man darüber hinweg. Große Fahrer werden sich dann vielmehr über ihr eigenes Knie ärgern, das stets den Zugriff auf den ziemlich klein ausgefallenen Schalthebel versperrt.

Galerie: Test Daihatsu CopenUm auf Tempo 100 zu kommen, gönnt sich der Japan-Floh 9,5 Sekunden, die Spitze ist bei 180 km/h erreicht und der Verbrauch hält sich mit rund sechs Litern Normalbenzin sehr in Grenzen. Viel interessanter als die Zahlen sind aber die Blicke der anderen Autofahrer. So mancher traut seinen Augen nicht, wenn die kleine Rennsemmel auf der Autobahn problemlos mit den Großen mithält.

Cruisen statt Rasen

Jemand wie Grace Kelly würde mit einem Copen aber niemals rasen. Wenngleich der Kleine auch bei hohen Geschwindigkeiten stabil in seiner Spur bleibt, macht es doch mehr Spaß, mit gemütlichem Tempo über traumhafte Küstenstraßen an der Cote d’Azur zu gleiten. Selbst ausgewachsene Serpentinen können dem Daihatsu nicht viel anhaben. Bis auf ein leichtes Untersteuern bei allzu flotter Fahrt folgt er treu der vorgegebenen Linie. Und das ohne ESP!

Das serienmäßige Sportfahrwerk hat allerdings auch seine Nachteile. Es gibt aufgrund der harten Federung jede Bodenunebenheit unverblümt an die Passagiere weiter. optionalen Sportsitze können naturgegeben nicht viel gutmachen. Der Seitenhalt überzeugt zwar durchaus, auf längeren Strecken vermisst man aber eine besser Lordosenstütze.

Abgesehen davon mangelt es dem Copen an wenig. Die Serienausstattung ist nahezu mustergültig. Aluräder, Nebelscheinwerfer, Klimaanlage, Momo-Sportlenkrad und Sitzheizung gehören stets zum Programm. Optional stehen nur noch die erwähnten Sportsitze, Lederausstattung und Perleffektlackierung in der Aufpreisliste des 17.200 Euro teueren Copen.

Fazit

Der Preis des Japaners ist im Gegensatz zum Wagen richtig ausgewachsen. Für eine monegassische Fürstin mag dies nicht der Rede Wert sein. Doch wer, der nicht in der Bel Etage eines Palastes residiert, gibt so viel Geld für ein Auto aus, das de facto keinen Nutzwert hat? Wenige, und das ist gut so: Denn indem Daihatsu den Copen nicht zu Spottpreisen verschleudert, bleibt der Exot stets etwas Besonderes, und wird seine Besitzer auch noch nach Jahren noch Glücklich machen: mit dem unbeschreiblichen Monte Carlo-Feeling.

Galerie: Test Daihatsu Copen

 
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