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Galerie: Test Dodge Caliber SRT4

Test: Dodge Caliber SRT4

Hart am Limit

13.02.2009

Über mangelnde Leistung kann beim Dodge Caliber SRT4 wahrlich niemand klagen. Über fehlende Traktion schon eher. Immerhin wollen 295 PS auf die Straße gebracht werden - allein über die Vorderräder!

Mein erster Gedanke war: Haben die Ingenieure den Allradantrieb vergessen? Wohl kaum, schließlich sitzen die Jeep-Experten im gleichen Haus wie die Dodge-Entwickler. Und der „normale“ Caliber wird in Amerika mit Vierradantrieb angeboten.

Es ist allerdings mehr als fraglich, ob das dort verbaute System die enorme Kraft des 2,4-Liter-Turbo-Aggregats im SRT4 vertragen hätte. Wahrscheinlich hätte es zumindest eines großen Aufwands bedurft, den Allradantrieb an die 363 Newtonmeter des SRT4 anzupassen - was sich dann vor allem im Preis widerspiegeln würde. So aber bleibt der Caliber mit 29.890 Euro gerade noch unter der Dreißigtausender-Marke - und hat das Potenzial zur Mini-Viper.

Nicht jedermanns Sache

Galerie: Test Dodge Caliber SRT4Und genau deswegen sollte man den Dodge mit Vorsicht genießen. Denn: Der SRT4 ist kein Spielzeugauto, sondern ein giftiger Kompaktsportler, der seinem Fahrer Einiges an Fingerspitzen-, pardon, Zehenspitzengefühl abverlangt und bei falscher Behandlung durchaus zickig reagieren kann.

Sein Herzstück ist ein 2,4-Liter-Vierzylinder, der einer Kooperation mit Hyundai und Mitsubishi und der DaimlerChrysler-Ära entstammt. Mittels Turboaufladung wurde die Leistung auf 295 PS aufgeblasen. Und damit rangiert der Caliber SRT4 in seinem Segment vor den Altmeistern Golf R32 und Audi S3. Nur der Ford Focus RS übertrifft ihn mit 305 PS - die übrigens auch über die Vorderräder an die Straße gehen.

Kraftvoller Klang

Galerie: Test Dodge Caliber SRT4Gestartet wird der SRT4 wie jeder Caliber per Schlüsseldreh. Doch der kernige, tiefe Klang verrät sofort, dass hier etwas Besonderes unter der Haube steckt. Wer jetzt meint, mit Volllast loslegen zu müssen, wird schnell eines Besseren belehrt: Zuviel Gas sorgt für durchdrehende Vorderräder, ein Reißen am Lenkrad und heftige ESP-Eingriffe. Selbst im zweiten und dritten Gang ist es ein Leichtes, den 19-Zöllern mit 225er-Reifen die Traktion zu entziehen. Wer noch dazu auf nassem oder schlechtem Straßen unterwegs ist, sollte das Gaspedal nur vorsichtig streicheln.

Nach den ersten Schreckmomenten entdeckt man ganz andere Seiten. Unter der protzigen, muskulösen Schale steckt ein weicher Kern. So kann man sich zum Beispiel das ausgeprägte Turboloch zu Nutze machen: Unterhalb von 2.000 Umdrehungen ist die Kraftentfaltung zäh, in diesem Bereich treten auch keine Traktionsprobleme auf.

Zwei Seiten

Galerie: Test Dodge Caliber SRT4Gibt man sanft Gas, setzt sich der Caliber zahm und friedlich in Bewegung. Geradeaus läuft er tadellos und überzeugt auch auf längeren Strecken. Vor allem das nicht zu straffe Fahrwerk des Dodge werden die Passagiere zu schätzen lernen. Es federt komfortabel ein und neutralisiert Unebenheiten besser, als man es dem Giftzwerg auf den ersten Blick zutraut. Speziell für Autobahnetappen wurde der sechste Gang des mit etwas Nachdruck zu handhabenden Getriebes lang ausgelegt. Das hilft beim Spritsparen und soll den Konsum auf 8,9 Liter drücken. Unser Testverbrauch: gut zehn Liter, was in Anbetracht der Leistung akzeptabel ist.

Abseits der Autobahn lassen sich Fahrspaß und Spritkonsum natürlich schnell steigern. Wobei die indirekte Lenkung nicht unbedingt zur Kurvenhatz einlädt. Egal: Wer kraftvoll aus der Kurve raus beschleunigt, braucht sich sowieso  nicht wundern, wenn der Dodge den Richtungsvorgaben nicht mehr folgt. Gefahr für Leib und Leben besteht allerdings nicht, das ESP greift spät, aber zielsicher ein und hält den Caliber auf Kurs.

Ohne Lebensretter

Galerie: Test Dodge Caliber SRT4Man sollte es sich schon genau überlegen, den elektronischen Schleuderschutz zu deaktivieren. Ohne ESP ist nämlich Schluss mit lustig, und der Caliber mausert sich zu einer Spaßmaschine, die keine Fehler verzeiht. Erst jetzt fällt auf, welch guten Job das ESP sonst leistet. Und dass das Fahrwerk für eine sportliche Gangart etwas straffer ausgelegt sein dürfte.

Was dem Dodge auf der Autobahn zu mehr Komfort verhilft, geht im Kurvengeschlängel nämlich zu Lasten der Fahrstabilität. Obwohl der SRT4 zwei Zentimeter tiefer liegt als die Soft-Versionen, neigt er sich spürbar zur Seite. Und auch die groß dimensionierten Bremsen dürften etwas beherzter zupacken.

Sportliche Optik

Galerie: Test Dodge Caliber SRT4Sportlichkeit zu signalisieren, wofür äußerlich der Heckspoiler, die Luftöffnung auf der Motorhaube und der noch weiter aufgerissene Kühlergrill zuständig sind, erledigen im Innenraum Pedale im Alu-Look, stärker konturierte Sitze und neu angeordnete Instrumente. Wie es sich für einen Sportler gehört, ist der Drehzahlmesser in die Mitte gerückt, und ein Zusatzinstrument informiert über den Ladedruck des Turboladers.

Noch spannender ist die erweiterte Multifunktionsanzeige: Neben dem ganzen Verbrauchs-, Fahrzeit- und Temperatur-Schnickschnack zeigt das Display auch Längs- und Querbeschleunigung an und dient als Stoppuhr für den rund sieben Sekunden dauernden Sprint von Null auf 100.

Fazit

Auffallen leicht gemacht! Nicht nur wegen der Stückzahl von nur einhundert Einheiten im Jahr 2008 ist der Caliber SRT4 der Hingucker unter den Krawall-Kompakten. Seine martialische Optik stellt sämtliche Golf GTI, Astra OPC und Audi S3 in den Schatten. Dass sie ihm in Sachen Fahrwerk, Lenkung oder Qualität überlegen sind, dürfte die exklusive Käuferschicht nicht stören. Die kaufen den Dodge ohnehin nicht aus rationalen Beweggründen, sondern wollen ein Stück Individualität. Und da übersieht man kleine Schwächen gerne...  Galerie: Test Dodge Caliber SRT4

 
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