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Galerie: Test Fiat 500

Test: Fiat 500

Gepünzeltes Design-Tütü

23.01.2008

Irgendwie ist es doch wundervoll, wenn der Partner noch nach Jahren überraschen kann. Obwohl sich meine Frau rein gar nicht für Autos interessiert, musste sie unerwartet dieses eine Mal darüber reden. Das große Ereignis für mich: Meine Lebensabschnittsgefährtin geht geistig fremd. Das große Ereignis für die Autowelt: Der neue Fiat 500 ist da.

Einige Monate nach dieser Zäsur rollte der nunmehr zum Medienstar avancierte 500 zu uns in die Redaktion. Und auch hier provozierte der Neuzeit-Klassiker eine nicht alltägliche Situation. Vom süßen Südländer entzückt, pilgerten gleich bündelweise AutoScout24-Mitarbeiterinnen in unsere Redaktionsräume. Ihr Wunsch: Den knuffigen Kleinwagen einmal selbst zu fahren. Drei Mitarbeiterinnen erfüllten wir diesen Traum. Wie Bettina, Melanie und Anett den 500 erlebten, lesen Sie in der Infobox weiter unten. Ebenfalls lesenswert: unsere Fahreindrücke im hier folgenden Text.

Herzensbrecher

Galerie: Test Fiat 500Die Art, wie der 500 ein modernes Kleinwagen-Layout mit historischen Designzitaten kombiniert, fasziniert. Mit dem aktuellen Familiengesicht von Fiat hat der Retro-Star übrigens nichts gemein. Der Kleine schlägt insofern völlig aus der Art und ist doch großer Traditionalist. Und statt schwarzes Schaf ist er „everybody’s Darling“. Mit seinen Kulleraugen und der weißen Lackierung wirkt der 500 zwar, als könnte er kein Wässerchen trüben. Doch im Handstreich bricht er die Herzen selbst der stolzesten Frauen.

Galerie: Test Fiat 500Was fasziniert dich am Fiat 500?
Ich bin ein absoluter Fan von seinem Vorgänger. Dieses Auto, auch der Neue, hat für mich Kult.

Wie begeistert bist du jetzt nach der Testfahrt?
Ich bin sehr begeistert. Lässt sich auf kurzen Strecken sehr schön fahren und ist für die Stadt ideal.

Hattest du während der Testfahrt ein besonderes Erlebnis?
Sehr hoher Flirtfaktor. Wenn Frau einen Mann kennenlernen will, dann am besten in diesem Auto - an der Ampel, im Stau... die Telefonnummern fliegen einem zu - ein absoluter hingucker - noch!

Kaufinteresse?
Ich würde ihn sofort kaufen, ist aber leider zu teuer!

Galerie: Test Fiat 500Was fasziniert dich am Fiat 500?
Stylischer, netter Kleinwagen. Interessanter Preis. Ansprechende Marketingaktionen.

Wie begeistert bist du jetzt nach der Testfahrt?
Schon noch begeistert, allerdings nicht mehr ganz so wie vorher. Extras und Sonderausstattung treiben den Preis hoch. Türen und Kofferraumdeckel erinnern mich an meinen alten Fiat Panda L. Dafür ist die Innenausstattung sehr fancy und modern. Man sitzt super und hat einen guten Überblick. Einfach ein „niedlicher“ Kleinwagen. Super zum Einparken.
Das Rückfenster war für mich ungewohnt klein.

Hattest du während der Testfahrt ein besonderes Erlebnis?
Nein.

Kaufinteresse?
Jein. Mit den ganzen Sonderausstattungen ist er mir zu teuer. Vielleicht als jungen Gebrauchten…

Galerie: Test Fiat 500Was fasziniert dich am Fiat 500?
Das ganzheitlich Runde. Man beachte: Alles in der Innenausstattung ist rund. Retrostyle. Minimalismus im Innenraum

Wie begeistert bist du jetzt nach der Testfahrt?
Gut für die Stadt. Doof für die Autobahn, da ziemlich laut = Lautstärke tut meinem Herzen weh.

Hattest du während der Testfahrt ein besonderes Erlebnis?
Alle Blicke auf sich ziehen. Flirt- und Knutschkugel.
"Darf ich mal anfassen?"

Kaufinteresse?
Was für eine Frage? Ja. Wenn nicht so teuer.

Um an dieser Stelle einmal fantasievolles Kreativdeutsch zu verwenden: Der 500 ist ein gepünzeltes Design-Tütü. Trotz seiner extravaganten Außenhaut ist er zudem noch alltagstauglich. Unter anderem mit einem ordentlichen Platzangebot kann der 3,55-Meter-Mini überzeugen. Vorne ist in alle Richtungen selbst für große Passagiere trotz erhöhter Sitzposition ausreichend Raum. Im Fond können noch kleinere Menschen beziehungsweise Kinder bequem reisen. Und der leicht eingeschränkte Viersitzer hat zudem einen 180 bis 600 Liter großen Kofferraum.

Design-Tempel

Galerie: Test Fiat 500Darüber hinaus ist der Innenraum beeindruckend schick. Besonders sehenswerte Details sind das Armaturenbrett in Wagenfarbe, das zentrale Kombiinstrument, die schicken Polster, die großen Türöffner aus Metall und diverse Chromringe. Und trotz viel Hartplastik wirkt der Rest ebenfalls ansehnlich und zudem ordentlich verarbeitet. Man sitzt gut und findet sich leicht zurecht. Etwas störend waren allerdings die überfrachtete und unübersichtliche Tachoeinheit, die harten Kopfstützen und der in Längsrichtung nicht richtig arretierende Fahrersitz. Bei Lastwechseln ruckte man entsprechend leicht nach vorn oder hinten.

Trotz viel PS nicht überzeugend

Drei Motoren bietet Fiat für den 500. Ein 1,3-Liter-Diesel leistet 75 PS. Etwas schwächer ist der 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS. Der von uns getestete 1,4-Liter Benziner kann mit üppigen 100 PS aufwarten. Diese Leistung müsste den 500 eigentlich zum wilden Kraftzwerg qualifizieren. Doch unser Testwagen versteckte seine Muskeln lieber. Laut Datenblatt sind es 10,5 Sekunden für den 100-km/h-Sprint und 182 km/h Spitze. Gefühlt ist der 500 sogar noch langsamer. Der gleich motorisierte und sogar 50 Kilo schwerere Panda 100 HP kommt deutlich schneller vom Fleck.

Galerie: Test Fiat 500Obwohl drehfreudig, wirkt der Motor im 500 von unten raus zugeschnürt. Spür- und hörbar zum Leben erwacht der Vierzylinder erst jenseits von 3.000 Umdrehungen. Bei knapp 7.500 U/min endet der Vortrieb. Der nahe zur Hand liegende und leichtgängige Schalthebel unterstützt spontane Gangwechsel. Wer besonders flott unterwegs sein will, muss auf Akustikkomfort verzichten. Ab etwa 120 km/h wird der Zwerg innen laut. Im sechsten Gang kann man die Knutschkugel auf 190 km/h treiben.

Ein Sparmobil ist der 500 mit dem großen Benziner nicht. 6,3 Liter genehmigt sich der Wagen laut EU-Verbrauch. In der Praxis haben wir 7,6 Liter vertankt. Das liegt auf etwa dem Niveau gleichstarker Mitbewerber wie dem Renault Twingo oder dem Mini One.

Agil und hart

Galerie: Test Fiat 500Apropos Mini: Sollte die Fahrwerksabstimmung des 500 ein Versuch sein, dem Retro-BMW in Sachen Agilität nachzueifern, dann wurde dies mit übertriebener Härte erkauft. Vor allem im Stadtverkehr nervte das italienische Retromobil mit nervösem Rumhoppeln bei bereits kleinen Unebenheiten. Allein an den großen 16-Zoll-Felgen mit 195/45-Reifen kann das nicht liegen.

Dafür ist der 500 kein Spielverderber, soll es flott durch Kurven gehen. Die Seitenneigung ist gering. Im turbulenten Grenzbereich verhält er sich zudem sehr gutmütig, schiebt sanft über die Vorderräder, um alsbald vom optionalen ESP eingefangen zu werden. Die Lenkung reagiert neutral und setzt die Lenkbefehle spontan um. Allerdings könnte die Lenkung selbst noch in der Servoeinstellung Sport etwas präziser arbeiten. Zudem ist der Wendekreis viel zu groß. Dafür reagieren die Stopper direkt auf den Bremspedaltritt, mit viel Biss bringen sie den Eintonner souverän zum Stehen.

Attraktiver Preis

In gewisser Weise ist der Fiat 500 ein Schnäppchen. Klar, es gibt viele günstigere Kleinstwagen. Doch normalerweise muss man italienisches Kultdesign teuer bezahlen. Da sind 10.500 Euro für einen Kleinwagen im exquisiten Italo-Dress fast bescheiden. Den Preis treibt man auf 12.500 Euro, wählt man die 100-PS-Version. 14.500 Euro werden daraus für die von uns gefahrene Ausstattung Sport. In dieser Version sind viele Extras Serie. So sind sieben Airbags, ESP, Bordcomputer, Sportlederlenkrad, elektrische Fensterheber und Spiegel, eine Bluetooth-Freisprechanlage, ein CD-Radio, eine Klimaanlage und vieles mehr an Bord.

Fazit

Galerie: Test Fiat 500Der Fiat 500 provoziert einen riesigen Rummel. Die eigentlich schon totgesagte Retrowelle hat also eine neue Ikone. Mit dem Revival des Cinquecento-Mythos gibt Fiat dem Spiel mit historischen Formen wieder mächtig Zunder. Sogar bei meiner Frau sorgte es für Flammen der Begeisterung. Als ich ihr allerdings davon berichtete, dass ich den Fiat 500 teste, wusste sie nicht einmal mehr, von welchem Auto ich rede.

Soviel dazu. Erst als sie ihn in echt sah, zeigte sie wieder helle Begeisterung. Wie alle anderen Frauen übrigens auch. Vor allem als Womanizer ist der Retro-Zwerg famos. Doch sieht der kleine Fiat nicht nur gut aus, er fährt sich auch so. Das harte Fahrwerk der Sportversion, der schlapp wirkende Motor und der für einen Kleinwagen etwas hohe Verbrauch trüben den positiven Eindruck leicht.

Galerie: Test Fiat 500

 
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