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Galerie: Test Ford Focus ST

Test: Ford Focus ST

Heimlicher Heizer

13.07.2006

Zwei Leute, zwei Meinungen: Ein alter Schulfreund, seines Zeichen absoluter Autolaie, findet den Wagen einfach nur „schön“. Dass es ein Ford ist, überrascht ihn. Der andere, dem ich den Focus ST präsentiere, ist da schon etwas versierter. Und reagiert enttäuscht: Ja und, ein Focus? Dachte wohl, ich käme mit einem Porsche vorbei. Jedenfalls: Neidisch ist mir keiner der beiden. Der ST hat den ersten Test bestanden.

Denn der 225 PS starke Focus ist nichts für Angeber, besonders in Silber bietet er Understatement pur. Die wuchtigeren Schweller und Radhäuser fallen in der einstigen Trendfarbe nur wenig auf, 18-Zoll-Felgen und dicke Niederquerschnittsreifen sind inzwischen auch nichts Besonderes mehr und auf den größeren Heckspoiler kann man verzichten - zumal er Aufpreis kostet. Gut, die zweiflutige Auspuffanlage mit den verchromten Endrohren sticht ins Auge. Aber die hat auch ihren Sinn.

Galerie: Test Ford Focus STLaden wir unsere Testpersonen zuerst noch zum Probesitzen ein. Bis auf die Recaro-Sportsitze mit den etwas zu weichen Mittelbahnen, die drei Zusatzinstrumente auf dem Armaturenbrett (Öltemperatur, Öldruck und Ladedruck), das dicke Sportlenkrad und etwas Alu-Zierrat ist das ST-Interieur so nüchtern wie das des Standard-Focus. Wirkt alles sehr solide, aber nicht unbedingt sexy. Die Reaktionen: Für den einen ist es eben ein Auto, der andere wird zunehmend verständnisloser für meinen „Fachbesuch“.

Gentlemen, start the…

Na warte, denk’ ich mir und dreh den Zündschlüssel um. Dezent bullernd springt der Fünfzylindermotor an und säuselt leise vor sich hin. Mein Nebenmann zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. Beim Spiel mit dem Gaspedal werden seine Augen noch größer: Klingt alles ein bisschen nach dem legendären Audi Urquattro, vor allem unter Last.

Galerie: Test Ford Focus STDie Beschleunigung steht dem famosen Sound in nichts nach. Keine sieben Sekunden nach dem Start zeigt die Tachonadel Tempo 100, und auf der Autobahn wandert der Zeiger zügig bis 240 km/h. Beeindruckend ist auch der Durchzug des 2,5-Liter-Turbomotors. Ab 1.600 U/min stehen die maximalen 320 Nm Drehmoment an und bleiben konstant bis 5.000 Touren. So lässt es sich schaltfaul und trotzdem zügig reisen.

Oder lieber doch schalten?

Doch auch derjenige, der auf hohe Drehzahlen und viel Schaltarbeit steht, wird bestens bedient. Das Sechsganggetriebe mit dem griffigen Stummel-Knauf ist knackig kurz und sehr exakt geführt. Spontan setzt der Motor Gasbefehle um und jubelt freudig hoch bis an den roten Bereich - stets begleitet vom leisen Pfeifen des Turboladers.

Einziges Manko des sportlichen Betriebs ist der hohe Verbrauch. Statt durchschnittlich 12 Liter, was ohnehin nicht eben sparsam ist, schluckt der ST im Spaßbetrieb locker seine 16 Liter. Bei einem Tankvolumen von 55 Litern meldet sich die Warnlampe alle 300 Kilometer.

Galerie: Test Ford Focus STDass Ford Fahrwerke bauen kann, ist hinlänglich bekannt. Trotzdem gebührt dem ST-Unterbau besondere Erwähnung, denn hier wurde der optimale Kompromiss zwischen straffer Sportlichkeit und alltagstauglichem Komfort erzielt. Nicht einmal Gullideckel - die natürlichen Feinde von Sportfahrwerken - gehen besonders schlimm ins Kreuz. Bei hohen Geschwindigkeiten bügelt der souverän geradeaus spurende ST nahezu alles glatt. Und in Kurven legt er die erwartete Agilität an den Tag. Diese Ausgewogenheit sucht ihresgleichen in der Nische der Sport-Kompakten.

Bestnoten gibt es auch für die sehr präzise und angenehm straff gehaltene Lenkung. Die 225er Gummis rollen immer genau da hin, wo sie der Fahrer haben will. Ganz ohne Zerren am Lenkrad geht es zwar nicht, schließlich ist der ST ein Fronttriebler. Doch angesichts der hohen Motorleistung fallen die Antriebseinflüsse angenehm gering aus.

Fazit

Mit dem kräftigen und wunderbar soundstarken Motor, dem souveränen Fahrwerk und der hervorragenden Lenkung überzeugt der Ford Focus ST all jene, die in ihm den Kompaktsportler sehen. Dank seines wenig martialischen Äußeren, den rundum guten Platzverhältnissen und dem ansehnlichen Kofferraum (regulär 385 Liter) taugt er ebenso gut für den alltäglichen Einsatz als Familienauto. Mit einer Ausnahme: dem zu hohen Verbrauch.

24.500 Euro kostet der dreitürige Ford Focus ST, inklusive Recaro-Sportsitze, Lederlenkrad, Klimaanlage, 18-Zoll-felgen, Regen- und Lichtsensor, ESP, Front-, Seiten- und Kopf-Schulterairbags. Ein schwächerer VW Golf GTI (200 PS) kostet ebensoviel, der etwas potentere Opel Astra OPC (240 PS) rund 4.000 Euro mehr. Da macht Ford mit dem Focus ST ein wirklich faires Angebot, das müssen wohl auch die konkurrierenden Hersteller neidlos anerkennen.

 
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