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Galerie: Test Ford Focus ST

Test: Ford Focus ST

Moderner Fünfkampf statt 100-Meter-Sprint

22.01.2015

Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, steht bei Ford nicht besonders hoch im Kurs. Statt auf 100-Meter-Sprint stehen die Kölner mehr auf Modernen Fünfkampf, wo sich Alleskönner im Fechten, Schwimmen, Reiten, Schießen und Laufen messen. Entsprechend vielfältig formulierten sie die Entwicklungsziele für den neuen Focus ST: Balance, Präzision, Effizienz, Kraft und Rückmeldung sollte der Neue beherrschen – in keiner Einzeldisziplin vorne, aber in Summe der Champ. Passend dazu zieht erstmals neben dem 250-PS-Benziner auch ein Diesel mit 185 PS die sportliche Fuhre übers Asphaltband. Ab sofort sind die Focus ST-Modelle bestellbar, wahlweise auch als Kombi-Version „Turnier“. Die Jagd auf Golf GTI & Co. ist also eröffnet.

Die Dynamik.

Galerie: Test Ford Focus STSelten ist ein Hersteller-Statement so treffend wie dieses zum neuen Focus ST: „Direktes, ausbalanciertes und präzises Fahrverhalten“ verspricht der Pressetext für den neuen Breitensportler aus Köln. Und genau dieses Versprechen hält er eindrucksvoll, wie unsere ausgiebigen Testfahrten über kurviges und kuppenreiches Straßengeläuf durchs Hinterland von Barcelona gezeigt haben. Zwischen der katalanischen Hauptstadt und Montserrat machen ständig wechselnde Fahrbahnbeläge, enge Haarnadelkurven und wechselhafte Topografie die Straße zur extrem fordernden Achterbahn. Hier zeigt der neue ST sein Können, das er dem Ford Team RS verdankt, dem europäischen Ableger der globalen Ford Performance.

Galerie: Test Ford Focus STEhe die Dynamik-Spezialisten noch in diesem Jahr ihren über 300 PS starken Spitzensportler Focus RS enthüllen dürfen, haben sie zum ST-Facelift das Potenzial des Breitensportlers nochmals erhöht – mit neuen Federn an Vorder- und Hinterachse sowie passender Dämpferabstimmung. Außerdem erhöhen steifere Fahrwerkslager und die variable, neu kalibrierte Lenkung den Fahrspaß im Kölner Alleskönner. Kritik ruft ein im Vergleich zum Standard-Focus spürbar größerer Wendekreis hervor, bedingt durch die variable Auslegung. Und die Sechsgang-Handschaltung, die durchaus knackiger sein könnte.

Die Motoren.

Galerie: Test Ford Focus STTemperamentvoller gibt sich von beiden ST-Motorvarianten der 2,0-Liter-Ecoboost-Benziner, der bei gleichgebliebenen 250 PS sechs Prozent weniger Sprit konsumiert. Normverbrauch: 6,8 l pro 100 Kilometer. Satte 360 Nm Drehmoment sind schon eine Ansage, aber sie liegen noch dazu konstant bei 2.000 bis 4.500 Umdrehungen pro Minute an. Trotzdem giert der Ecoboost für volle Performance nach Drehzahl. Und die gönnt ihm der Pilot auch, quittiert der Vierzylinder doch das Hochschnellen der Drehzahlmessernadel mit gewaltiger Leistungsexplosion und sonorem Sound. Das Spitzentempo kratzt mit 248 km/h fast an der magischen 250. Der Sprint auf 100 ist in 6,5 s erledigt und fühlt sich noch kürzer an.

Die Ausgewogenheit auf Rädern ist der Focus ST 2,0 l TDCi-Diesel. Bei ihm lässt sich die Papierform direkt auf die Praxis übertragen, denn sein massives Drehmoment-Plateau von 400 Nm zwischen 2.000 und 2.750 Touren erlaubt ausgesprochen schaltfaules Kurvenräubern. Bei legalem Landstraßentempo reicht fast immer der dritte Gang, mit dem der Turbodiesel geschmeidig von gut 50 km/h und 2.000 Umdrehungen bis auf 100 km/h und knapp 4.000 U/min hinaufzieht. Wie vom Gummiband gezogen drückt der TCDi seine geballte Kraft auf die Vorderräder, die mehr als beim Benziner regelmäßig nach Traktion wimmern. Zwar dauert der Null-auf-hundert-Sprint mit 8,1 s eine ganze Weile, und mehr als Tempo 217 ist nicht drin, aber subjektiv fühlt sich der Diesel-ST deutlich dynamischer an, als diese Zahlen zunächst befürchten lassen. Und all das bei 4,2 Liter Normverbrauch und entsprechend üppigen Reichweiten.

Galerie: Test Ford Focus STEgal ob Benziner oder Diesel: Die erweiterte Fahrwerksregelung „Enhanced Torque Vectoring Control“ (eTVC) hält den Kompaktsportler auch aus engen Kehren heraus im agilen Fahrzustand. Schon in der ESP-Einstellung „Standard“ greifen Stabilitäts- und Traktionskontrolle nur unaufdringlich und kompetent ins Fahrverhalten ein, ohne voreilig den Spaß zu trüben. In der Einstellung „Sport“ sitzen die Zügel nochmals lockerer, im Rennstrecken-Modus „Off“ agiert nur noch eTVC in höchster Not. So bietet der Focus ST viel Freude an der beherzten Kurvenjagd, und das zum relativen Schnäppchen-Kurs.

Das Design.

Das weit aufgerissene Maul in Form eines vergrößerten Sechseck-Kühlergrills bestimmt bereits das Design des allgemeinen Focus-Facelift. Die Sportvarianten des Focus-ST unterscheiden sich zusätzlich durch schmalere Scheinwerfer, kantige Nebelleuchten und eine neu modellierte Motorhaube. Zum lackierten Karosserie-Kit in Wagenfarbe gehören Seitenschweller, Aerodynamik-Elemente rundum sowie ein Heckspoiler. Im Detail betrachtet sind die optischen Eigenheiten des neuen Focus ST zwar nicht gerade dezent und passen sich teils dem auffälligen Doppelauspuffrohr im Stealth-Bomber-Stil an. In der Gesamtansicht tritt der flotte Kölner dennoch nicht marktschreierisch auf, sondern verkörpert zurückhaltende Dynamik – wie es sich für das Mittelding zwischen Focus normal und künftigem Focus RS gehört.

Galerie: Test Ford Focus STInnen blinzeln zur Außenlackierung passende Farbakzente hervor – unter anderem an den eng, aber ausreichend komfortabel konturierten Recaro-Sitzen. Das gesamte Armaturenbrett wirkt jetzt sehr aufgeräumt, denn Befehle bis hin zur Klimatisierung kann der ST-Pilot dank neuem Konnektivitätssystem „Sync2“ jetzt über Sprachsteuerung geben. So belässt er seine Hände fast immer am neuen Sportlenkrad, wo sie auch hingehören. Optisch gefällig und lang ersehnt: Der jetzt acht Zoll große Touchscreen ist wesentlich bedienerfreundlicher als bisher. Darüber thronen drei sportliche Zusatzinstrumente für Öldruck und -temperatur sowie Ladedruck.

Der Modellmix.

Galerie: Test Ford Focus STIn der Regel kennen die Hersteller ihre Papenheimer recht gut. Umso mehr überrascht, dass Ford immerhin zur Hälfte die Kombi-Variante Turnier unter den künftigen ST-Modellen, die ab 28.850 Euro beim Händler stehen, erwartet. Der Dieselanteil soll sich voraussichtlich bei einem guten Drittel bewegen. Das ist weniger erstaunlich, denn wer beide ST-Versionen getestet hat, fährt zwar meist emotional auf den heißblütigeren Ecoboost-Benziner und seine 250 PS ab. Wer aber nicht nur aus reinem Spaß an der Fahrfreude über kurvige Landstraßen fetzt, sondern ein dynamisches Kompaktauto für den Alltag sucht, der ist mit dem Focus ST 2,0 l TDCi sehr gut bedient. Bezeichnend: Ford Performance-Chef Tyrone Johnson, der geistige Vater des neuen Ford Focus ST, hat sich seine Modellvariante schon bestellt. Und zwar den Diesel.

 
Fazit
 

Ralf Schütze

Ford hat auf die zunehmende Konkurrenz unter den Kompaktsportlern reagiert und den neuen Focus ST mit wichtigen Verbesserungen auf den Weg gebracht. Diesel und Turnier sind sicherlich Geschmackssache. Aber wie sich der neue ST bei hohem Landstraßentempo in Szene setzt, ist sehr überzeugend. Und wie er sich in allen anderen Fahrsituationen gibt, fast noch mehr. Am meisten überrascht der Spaß, den man mit dem besonders familien- und alltagstauglichen Diesel Turnier hat – gerade auch im Grenzbereich. Moderner Fünfkampf mag nicht so spektakulär sein wie Usain Bolts Paradedisziplin Sprint, aber auf Dauer liefern die Allround-Athleten die imposantere Vorstellung ab.
 
 
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