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Galerie: Test Ford Kuga 2.0 TDCi

Test: Ford Kuga 2.0 TDCi

Zu früh gefreut?

05.02.2009

Sommer 2008: Ford steigt, als letzter der Großen, in das Segment der Kompakt-SUV ein und will VWs Tiguan so Paroli bieten. Spät, vielleicht zu spät. Sind beim Volkswagen-Rivalen noch immer Wartezeiten von mehreren Monaten die Regel, will den Kuga so recht niemand haben. Warum? Das fragen wir uns auch …  

… denn schlecht ist der Kölner nicht, ganz im Gegenteil. Dennoch belegte er im Dezember 2008 nur Platz sechs der SUV-Verkaufshitliste. Erster – wie soll es anders sein – der Tiguan. Mit knapp 3.000 Neuzulassungen konnten die Wolfsburger fünfmal so viele Tiguan absetzen wie Ford vom Kuga. Ja sogar BMW X5, Mercedes GLK und Audi Q5 rangierten deutlich vor dem Kölner, obwohl teils doppelt so teuer.

Dabei sind die ersten Reaktionen der Betrachter meist positiv. Einige stört jedoch, dass er im Vergleich zum Ford C-Max keinen wirklichen Mehrwert bietet, aber trotzdem rund 5.000 Euro teurer ist. Andere vermissen eine gewisse Detailverliebtheit, aber dazu später mehr.

Geht ab?

Galerie: Test Ford Kuga 2.0 TDCiAber fangen wir beim Herz an. Der 136-PS-Diesel stammt aus einer Kooperation mit dem PSA-Konzern. Im Kuga erwacht das Kraftwerk auf Knopfdruck zum Leben. Der herkömmliche Zündschlüssel hat ausgedient – leider. Denn intelligente Produktmanager haben beschlossen, dass der schlüssellose Motorstart das Maß der Dinge sei. Uns nervt es. Um das System abzurunden, muss nämlich für satte 405 Euro der schlüssellose Zugang geordert werden. Denn erst dann entriegeln die Türen bei Berührung des Griffes und das Schlüsselsuchen entfällt. Ohne dieses Extra kann der Wagen lediglich per Knopfdruck geöffnet werden, nur muss dieser danach irgendwo verstaut werden – ein Schlüsselloch gibt es ja nicht mehr. Jetzt „Power“-Knopf unter dem Warnblinkschalter drücken und endlich losbrummen.

Brummen ist wohl die treffendste Bezeichnung für den Sechzehnventiler, zumindest beim Kaltstart. Das legt sich schon nach kurzer Fahrt, auch wenn der Zweiliter generell nicht zu den Leisetretern im Segment gehört. 136 PS und 320 Newtonmeter sind eine gute Ausgangsbasis für einen kraftvollen Antritt. Allerdings müssen hier mal eben 1,7 Tonnen bewegt werden. Da relativiert sich das Gebotene schnell. Das Werk sagt 10,7 Sekunden für den Standardsprint; wir haben 11,8 Sekunden gemessen. Egal. Das Werk sagt jedoch auch 6,4 Liter pro 100 Kilometer; wir haben 8,3 gemessen. Nicht egal. Zieht man den Winterzuschlag ab (bei kalten Temperaturen verbraucht ein Motor mehr) benötigt der Euro-4-Diesel noch immer knapp unter acht Litern – eigentlich ein angemessener Wert, jedoch fernab der Prophezeiung.

Unbedingt Allrad

Galerie: Test Ford Kuga 2.0 TDCiEinen Extraschluck genehmigt sich der optional erhältliche Allradantrieb (2.000 Euro). Mittels Lamellenkupplung wird die Antriebskraft bedarfsgerecht zwischen Vorder- und Hinterachse portioniert. Maximal gelangen 100 Prozent nach vorne, jedoch nur 50 Prozent nach hinten. Mit dieser Auslegung verhält sich der Kuga meist wie ein Untersteuerer. Zu forsche Gangart stoppt das ESP, das umständlich im Untermenü des Bordcomputers deaktiviert werden kann. Ohne ESP, hui siehe da, ist das Heck bei schlüpfrigen Bodenverhältnissen durchaus zum kecken Schwenk bereit. 2.100 Kilogramm (Frontantrieb 2.000 Kilogramm) Anhängelast dürfen übrigens an den aufpreispflichtigen Haken. Nicht unwichtig in diesem Segment und ein guter Wert zudem, der dank Allradantrieb auch jederzeit nutzbar ist.

Als exzellent erweist sich die Lenkung. Sehr zielgenau und mit perfekter Leichtgängigkeit lässt sich der Kuga damit dirigieren und fast auf den Millimeter ums Eck zirkeln. Und das, obwohl auf unserem Testwagen 16-Zoll-Winterpneus montiert waren. Ab Werk steht der Kuga auf 17-Zöllern. Die Grundabstimmung des Fahrwerks tendiert in Richtung straff und fahragil, und das trotz der rund 19 Zentimeter Hochbeinigkeit. Schön: Auch lange Autobahnetappen nimmt man mit dem Kölner sehr gelassen.

Gut verarbeitet

Galerie: Test Ford Kuga 2.0 TDCiEinen Teil zur Gelassenheit tragen die komfortablen Sitze bei. In Verbindung mit dem Volant ergibt sich eine ordentliche Position. Dennoch wünschen sich Großgewachsene eine längere Sitzfläche mit Neigungsverstellung. Perfekt liegt dagegen der Schalthebel des sauber zu schaltenden Sechsgang-Getriebes in der Hand. Eine Automatik oder das Powershift-Getriebe (Doppelkupplung bei Ford und Volvo) gibt es bislang nicht.

Der gesamte Armaturenträger wird Ford-Kennern übrigens sehr vertraut vorkommen. Hier werden die C-Max-Teile verwendet – zur Freude der Nutzer. Denn alles ist übersichtlich, bedienerfreundlich und qualitativ hochwertig. Lediglich die sieben verschiedenen Materialien sind zu viel des Guten. Hier wäre weniger mehr.

Galerie: Test Ford Kuga 2.0 TDCiIn der zweiten Reihe geht es deutlich intimer zu. Störend sind auch die Klapp-Tischchen, die aufgrund ihrer Labilität sowieso funktionslos sind. In der Breite finden auf der dezent ausgeformten Sitzbank selbst auf längeren Etappen drei Erwachsene ausreichend Platz.

Kleiner Kofferraum

Galerie: Test Ford Kuga 2.0 TDCiDas Frachtabteil bietet ein nettes Gimmick: Heckscheibe und Heckklappe öffnen auf Wunsch getrennt. So lassen sich kleinere Gegenstände schnell mal durch die Fensterluke einladen – theoretisch. Praktisch nutzt man diese Funktion selten, denn meist ist der Sichtschutz ohnehin zugezogen und stört dann wiederum beim Beladen. Mit rund 350 Litern Ladekapazität bietet der Kuga übrigens nicht mehr Stauraum als ein Golf. Erst wer die zusätzlichen 60 Liter unter dem Kofferraumboden nutzt, hat eine annähernd adäquate Ladekapazität. Wer alles umklappt kann maximal 1.400 Liter einpacken. Für ein gut 4,40 Meter langes Fahrzeug mit Kombi-/Vanheck ist das allerdings wenig.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Ford Kuga 2.0 TDCi
Ausstattungsvariante   Titanium 4x4
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.443/ 1.842 / 1.710
Radstand (mm)   2.690
Wendekreis (m)   12
Leergewicht (kg)   1.615
Kofferraum (Liter)   410 - 1405
Bereifung Testwagen   235/60 R16 Pirelli Sooto Zero
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.997/ 4, Reihe
Leistung (PS)   136
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   320 / 2.000
Antriebsart   Allrad
Getriebeart   manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,4
CO2-Emissionen (g/km)   169
AS24-Verbrauch (l/100km)   8,3
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   10,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   11,9
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   Wegen Nässe nicht ermittelbar
AS24-Höchstgeschwindigkeit (km/h)   181
Preise    
ab (Euro)   30.500
Empfohlene Extras   Dachreling (200 Euro), Einparkhilfe vorne und hinten ( 505 Euro), Metalliclack (510 Euro)
 
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Verbesserungspotenzial bieten auch andere Kleinigkeiten: Die Brillenablage im Dach wird mit billigem Schaumstoff ausgelegt, die variable Beleuchtung des DVD-Navis korrespondiert in keiner Einstellung mit der des Kombiinstruments, nutzbare Flaschenhalter fehlen (Türtaschen), die Motorhaube lässt sich nur mit dem Bart im Schlüssel öffnen. Zu allem Übel fehlt der Motorhaube auch noch ein Stoßdämpfer, so dass nach Oldtimer- Manier der Haubenaufstellstab herhalten muss. Ebenso unverständlich: Die Heckscheibenheizung schaltet sich beim Motorstart und Temperaturen um die null Grad selbsttätig ein, auch wenn kein Anlass dazu besteht.

Preis

Galerie: Test Ford Kuga 2.0 TDCiBei 26.500 Euro beginnt der Kuga mit 2.0 TDCi-Motor. Dann allerdings nur mit Frontantrieb und in der Ausstattungslinie Trend. 2.000 Euro kostet der unbedingt empfehlenswerte Allradantrieb - wer ein SUV kauft, sollte auf Allrad nicht verzichten. Nochmals 2.000 Euro kostet der Titanium mit 17-Zoll-Alus, Klimaautomatik, Stoff-Leder-Sitzen, automatisch abblendbarem Innenspiegel, Tempomat und anderen Spielereien – nicht notwendig, aber angenehm.

Fazit

Woran es liegt, dass der Kuga nicht einmal in die Reichweite des Bestsellers aus Wolfsburg kommt? Auf der Habenseite: ausreichend starker Motor, superagiles und sicheres Fahrverhalten, nahezu perfekte Lenkung (für SUV-Verhältnisse), gut schaltbares Getriebe, gute Ergonomie, hohe Anhängelast. Auf der Sollseite: Eigentlich nur Detailschwächen wie nerviges Schlüsselsystem, Motorstart auf Knopfdruck, schlechte Raumökonomie und eventuell ein Design, an dem man sich bald satt gesehen hat.

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