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Galerie: Test Honda Insight

Test: Honda Insight

Zum Sparen verdammt

21.12.2009

Honda und Toyota sind Pioniere der automobilen Hybridtechnik, die sich nun auch bei deutschen Herstellern durchsetzt. Während BMW, Mercedes und Co mit Hybridantrieben zunächst nur Luxusmodelle im Durst zügeln, bietet Honda mit dem 20.000 Euro teuren Insight bereits einen günstigen Volks-Hybriden an. Welches Spar- und Alltags-Potenzial der Öko mit Familiensinn hat, haben wir in der Praxis erfahren.

Trotz des relativ günstigen Preises und 4,4 Liter Normverbrauch: Der Insight ist keine spartanische Mönchshöhle. Der immerhin 4,40 Meter lange Fünftürer bietet Raum für fünf Passagiere und viel Gepäck. Bereits die Basisversion kann zudem mit einigen attraktiven Komfortdetails aufwarten, die bei anderen Herstellern Aufpreis kosten.

Sein vielseitig nutzbares Interieur wurde allerdings in eine wenig aufregende Form gegossen. Obwohl die Insight-Silhouette irgendwie anders aussieht und eigentlich nur dem neuen Toyota Prius verblüffend ähnlich ist, wirkt der Spar-Honda im Straßenbild unauffällig, ist ohne besondere Ausstrahlung.

Innen bietet der Honda ein hingegen deutlich spannenderes Styling. Die Hartplastiklandschaft wirkt zwar stellenweise etwas billig, verschiedene Farbtöne und Oberflächen sowie samtige Sitzbezüge sorgen für ein dennoch wohnliches Ambiente.

Farbenfroh und futuristisch

Galerie: Test Honda InsightBeeindrucken kann das farbenfrohe, futuristisch gestaltete Cockpit. Durchs Lenkrad schaut der Fahrer auf einen analogen Drehzahlmesser mit zentralem Digitaldisplay, das rechts von einer Tank- und links von einer Verbrauchsanzeige des E-Motors flankiert wird. Darüber und weiter in Richtung Frontscheibe befindet sich der digitale Tacho, dessen Hintergrundbeleuchtung zwischen Grün und Blau changiert. Grün signalisiert dem Fahrer eine effiziente Fahrweise, Blau das Gegenteil.

Rechts vom Lenkrad befinden sich noch die elegant gestalteten Bedieneinheiten für die Klimaautomatik und das CD-Radio. Ersteres ist bereits für die Basisversion Serie, während das durchaus hörenswerte MP3-CD-Radio erst ab der von uns gefahrenen, mittleren Ausstattung Comfort dazu gehört.

Tolle Raumökonomie

Galerie: Test Honda InsightHinsichtlich der Raumökonomie beeindruckt der Insight mit einigen gar vorbildlichen Lösungen. So lässt die Mittelkonsole dem rechten Fahrerknie erstaunlich viel Bewegungsfreiheit und ist der Fußraum im Fond zudem nahezu eben. Dank des fehlenden Kardantunnels kann man zudem auf dem mittleren Platz der Rückbank mit normal angewinkelten Beinen sitzen. Lediglich die Kopffreiheit im Fond ist knapp bemessen. Gäste ab 1,80 Meter streicheln hier zwangsweise mit ihrem Haupt am Dachhimmel.

Auch der gut zugängliche Kofferraum kann mit Platz für über 400 Liter Gepäck überzeugen. Dank der geteilt umlegbaren Rückbank ist dieser auf über 1.000 Liter erweiterbar. Praktisch ist außerdem ein herausnehmbarer Zwischenboden, der die Ladeschwelle egalisiert. Allerdings fehlt es an zusätzlichen Befestigungsmöglichkeiten wie einem Gepäcknetz oder Haken. Ebenfalls unpraktisch: Das Heckfenster macht zusammen mit der Kofferraumklappe einen Knick im 90-Grad-Winkel, was die Sicht nach hinten beeinträchtigt.

Galerie: Test Honda InsightZwei Herzen

Per Knopfdruck wird der 1,3-Liter-Benzinmotor zum zunächst kaum hörbaren Leben erweckt. Legt man den Wahlhebel der stufenlosen CVT-Automatik auf D, kann man auch weiterhin erstaunlich geräuscharm anfahren. Bei sanftem Gasfuß operiert der 88-PS-Benziner bei stets niedrigen Drehzahlen mit teilweise sanfter Unterstützung des 14 PS starken Elektromotors.

Der Insight kann aber auch wilder: Wird viel Leistung per Gasfuß gefordert, wirft der E-Motor sein gesamtes Drehmoment in den Vortrieb und sorgt für einen spürbaren, kurzen Punch. Über 200 Newtonmeter Gesamtleistung lassen die Vorderräder kurzweilig um Traktion kämpfen. Parallel erreicht der Vierzylinder ein sehr hohes Drehzahlniveau. Statt eines linearen Anstiegs der Drehzahlen nach jeder neuen Gangstufe, dreht beim stufenlosen CVT-Getriebe der Motor beim starken Beschleunigen so lange auf hohem Niveau, bis die gewünschte Geschwindigkeit erreicht wird.

Fahrspaß bringt das nicht mit sich und wird der Motor bei hoher Leistungsabfrage akustisch ziemlich aufdringlich. Immerhin sprintet der 1,3-Tonner nach Werksangabe und unseren Messungen in knapp über 12 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Auto-Stopp und Rekuperation

Beim nächsten Ampelstopp kehrt wieder absolute Ruhe ein, denn eine Start-Stopp-Automatik schaltet bereits kurz vorm Stehenbleiben an der Ampel den Motor aus. Nimmt man den Fuß von der Bremse, oder verlangen Nebenverbraucher wie Klima- und Audioanlage mehr Strom als die Batterie liefern kann, springt der Motor sofort wieder an.

Galerie: Test Honda InsightNoch deutlich mehr Sprit spart der Insight durch die Umwandlung von Bremsenergie in elektrischen Strom. Während der E-Motor beim Beschleunigen den Vortrieb unterstützt, generiert er beim Abbremsen elektrischen Strom, der in einer kleinen Nickel-Metallhydrid-Batterie mit gerade einmal 0,6 kW/h Speichervermögen landet. Während bei konventionell getriebenen Fahrzeugen durchs Bremsen Energie vernichtet wird, wird diese beim Insight so wieder für den Vortrieb genutzt, mit positiven Effekten für Effizienz und Umwelt.

Praktisch bekommt man den als Generator fungierenden E-Motor beim Ausrollen deutlich zu spüren, denn dann verlangsamt sich ohne Bremseingriffe die Fahrt des Insight deutlich stärker als bei Nicht-Hybriden. Lädt der E-Motor die Batterie, leuchtet zudem der Tacho besonders Grün und sprießen die virtuellen Blumen im Kombiinstrument.

Im Eco-Modus noch sparsamer

Galerie: Test Honda InsightEin grüner Knopf links am Armaturenbrett hilft zusätzlich beim Sparen. Aktiviert man hierüber den sogenannten Eco-Modus, sinkt das Drehmoment leicht, ist die Gasannahme träger und die Rekuperation wird verstärkt. Außerdem verlängern sich die Motor-aus-Phasen und arbeitet die Klimaautomatik häufiger im Umwälzmodus.

Doch selbst mit Eco-Modus und bei betont sparsamer Fahrweise pendelte sich unser Praxisverbrauch um fast einen Liter über dem Normverbrauch ein. Zwar zeigte der Bordcomputer zeitweilig Werte von nur etwas über vier Liter an, doch war dies nur bei konstanter Fahrt so zwischen 80 und 100 km/h möglich. Die meiste Zeit sind wir allerdings normal im Verkehr mit geschwommen, was letztlich den Spritkonsum auf über fünf Liter drückte. Dieser nach unserer Praxiserfahrung also problemlos realisierbare Wert ist im Vergleich zu konventionell angetriebenen Mitbewerbern fraglos gut. Ähnlich motorisierte und ähnlich große Fahrzeuge anderer Hersteller mit 100 PS starkem Benzinmotor und Automatik brauchen meist rund zwei Liter mehr.

Auch schnell kein Säufer

Auch bei forcierter Fahrweise mutiert der Insight nicht zum Säufer. Wer mit 160 Sachen auf der Autobahn dahin brettert, wird dennoch nur acht Liter verfahren. Ein ebenfalls ordentlicher Wert. Der Insight kann sogar schneller. Souveräner Durchzug bietet der Hybrid-Honda auf der Autobahn zwar nicht und die Windgeräusche sind recht ordentlich, dennoch schafft der Wagen bergab und mit viel Anlauf gelegentlich sogar über 190 Spitze. Meist wird der Spritspar-Honda allerdings ein paar km/h vorher recht unsanft vom Drehzahlbegrenzer abgeregelt.

Galerie: Test Honda InsightSelbst bei Top-Speed liegt der Insight noch angenehm ruhig auf der Straße. Dennoch bietet das Fahrwerk kein gehobenes Komfortniveau. Der straff ausgelegte Unterbau federt etwas trocken ab, die Lenkung wirkt zudem synthetisch und animiert kaum zur spaßigen Kurvenhatz. Solche Ambitionen werden ohnehin durch eine hohe Wankneigung und ein zeitiges Einbremsen des serienmäßigen Stabilitätsprogramms VSA unterbunden.

Apropos VSA: Besonders gut schneidet der Insight bei der Sicherheit ab. Mit einem Fünf-Sterne-Ergebnis beim EuroNCAP-Crashtest konnte er sein hohes Sicherheitsniveau praktisch unter Beweis stellen. Unter anderem sechs Airbags, aktive Kopfstützen, ABS, elektronische Bremskraftverteilung und das Stabilitätsprogramm VSA verhelfen bereits der Basisversion zu diesem lobenswerten Sicherheitsniveau.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Honda Insight
Ausstattungsvariante   Comfort
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.395/ 1.695 / 1.425
Radstand (mm)   2.545
Wendekreis (m)   11,1
Leergewicht (kg)   1.276
Kofferraum (Liter)   408 - 1.017
Bereifung Testwagen   175/65 R15
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.339 / 4, Reihe
Leistung (PS)   88 Otto + 14 Elektro
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   121 bei 4.500 + 92 bei 0 - 500
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   CVT-Automatik
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,4
CO2-Emissionen (g/km)   101
AS24-Verbrauch (l/100km)   5,3
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   12,4
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   12,6
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   182
Preise    
ab (Euro)   20.950
Empfohlene Extras   Metallic-Lack (480 Euro), Einparkhilfe hinten (380 Euro)
 
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Preis

Bereits in der 20.000 Euro teuren Basis bietet der Insight viele Ausstattungsdetails, die man bei anderen Herstellern teuer bezahlen muss. Doch etwas mehr Komfort als bei der Basis darf es schon noch sein und deshalb empfiehlt sich die lediglich 1.000 Euro teurere Ausstattung Comfort. Noch gediegener ist die 22.600 Euro teure Top-Ausstattung Elegance, die sich maximal noch um Xenonlicht (750 Euro) und ein vollintegriertes Highend-Navi (2.400 Euro) erweitern lässt.

Hat man alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die Hondas Zubehörliste bietet, ist der Insight auf dem Preisniveau des einzigen direkten Mitbewerbers angelangt: den Toyota Prius. Zwar hat dieser in der Basis einiges mehr zu bieten als der Insight, doch auch ausstattungsbereinigt bleibt der Honda noch deutlich günstiger. Allerdings verfügt der Prius über die aufwändigere Hybridtechnik. Diese sorgt für einen um 0,5 Liter niedrigeren Verbrauch, bietet einen stärkeren Durchzug und sogar die Option, auf kurzen Strecken rein elektrisch und damit emissionsfrei zu fahren.

Eine andere Alternative zum Insight ist ein Kompaktmodell mit sparsamen Diesel, wie zum Beispiel der VW Golf 1.6 TDI BlueMotion Technology. Dieser hat mit Sieben-Gang-DSG einen um 0,2 Liter geringeren Normverbrauch wie der Honda-Hybrid. Jedoch ist auch hier der Basispreis mit knapp 23.000 Euro deutlich höher als beim Insight. Ausstattungsbereinigt kostet der fünftürige Golf sogar 5.000 Euro mehr als der Basis-Insight.

Fazit

Effizienz ist das derzeit bestimmende Thema in der Autowelt. Und hier leistet der Insight einen bemerkenswert positiven Beitrag. Der Wagen ist zudem voll alltags- und familientauglich, gut ausgestattet und in vielen Aspekten komfortabel. Trotz seiner aufwändigen Spritspar-Technik ist der Honda-Hybrid auch preislich eine Alternative, vor allem im Vergleich zu Dieselfahrzeugen. Ein vergleichbarer VW Golf 1.6 TDI BlueMotion Technology ist rund 5.000 Euro teurer als der Insight, der Hybrid-Konkurrent Toyota Prius ebenfalls noch um einige 1.000 Euro.

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