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Galerie: Test Honda Legend

Test: Honda Legend

Komplettpaket

02.10.2007

Bereits seit Ende der 1980er-Jahre versucht Honda hierzulande im Premiumsegment Fuß zu fassen. Wohl nur wenige haben davon überhaupt Notiz genommen. Das einzige Highend-Modell, der Legend, vegetierte abgeschlagen im Stückzahlen-Nichts. Um im Prestige-trächtigen Markt künftig mehr mitreden zu können, haben die Japaner ihr Flaggschiff für 2007 mächtig aufgerüstet. Hondas neuer Nobel-Hobel ist voll gestopft mit imposanter Technik und als All-inclusive-Paket zudem relativ preiswert.

Sein gelungenes Design lässt den Legend trotz seiner 4,96 Meter Länge beinahe grazil erscheinen. Obwohl nicht protzig, wirkt der Legend dennoch repräsentativ und trotz Sufenheck-Layout modern und dynamisch. Geringe Spaltmaße, große Alufelgen, Metallic-Lackierung und Chromzierleisten lassen ihn zudem wertig erscheinen. Mit etwas gutem Willen möchte man einen Hauch von Mercedes in der Legend-Blechhaut erkennen. So ausnehmend eigenständig wie der kompakte Civic ist der große Honda in jedem Fall nicht.

Trotz konventioneller Architektur bietet der Innenraum ein wohnliches Edelambiente. Viel Leder, Holz, Alu und hochwertig anmutende Kunststoffe kommen zum Einsatz. Einige Plastikteile in Metall-Look halten haptisch nicht ganz, was sie optisch versprechen. Dennoch ist die Verarbeitung beeindruckend. Hier kann sich mancher Premium-Hersteller noch ein Scheibchen von abschneiden.

Einfach und doch kompliziert

Galerie: Test Honda LegendDrei schmuckvoll beleuchteten Rundinstrumente hinterm Lenkrad und ein großes Farbdisplay in der Mittelkonsole zeigen alle wichtigen Infos. Viele Funktionen lassen sich über einen großen zentralen Bedienknopf auf dem Monitor anwählen. In der Mittelkonsole und am Lenkrad finden sich zahlreiche weitere Schalter. Trotz der vielen Schalter ist alles Wichtige recht einfach bedienbar. Will man hingegen sämtliche Funktionen zum Beispiel für die Audioanlage beherrschen, wird die Gebrauchsanweisung zur Pflichtlektüre.

Apropos Audio: Hier hat Honda zusammen mit den Akustik-Experten von Bose aus dem Legend einen fahrenden Konzertsaal gemacht. Insgesamt zehn Lautsprecher sorgen für einen hervorragenden Klang. Resonanzen sind kaum auszumachen, allgemeine Störgeräusche werden durch eine Gegenschallanlage eliminiert. Wie alles im großen Honda, so gehört auch dieses Soundsystem zur Serienausstattung.

Kein Raumwunder

Galerie: Test Honda LegendEntsprechend genussvoll lässt es sich auf bequemen, elektrisch einstellbaren Vordersitzen reisen. Angesichts der Fahrzeuglänge ist das Raumangebot im Fond etwas knapp. Auch der 452-Liter-Kofferraum ist kein Wunder der Raumökonomie. Richtig eng wird es aber erst beim Einparken. Dafür vermittelt eine Rückfahrkamera ein gutes Bild davon, was in der Nähe des Hecks im Wege steht.

Ein echter Handschmeichler ist der Gangwahlhebel der veralteten Fünfstufenautomatik mit hochwertigem Alukopf. Allzu oft bekommt die rechte Fahrerhand allerdings nicht das Vergnügen, das sanft schaltende Getriebe in seiner Arbeit stören zu müssen. Auch manuelle Gangwechsel per Schaltwippen hinterm Lenkrad sind selten. Der kultivierte 3,5-Liter-V6 verrichtet seinen Dienst unauffällig.

Schneller Gleiter

Galerie: Test Honda LegendDank der 295 PS ist der Legend nicht nur ein ruhiger Gleiter, sondern auf Wunsch auch ein sehr schneller. Den 100-km/h-Sprint erledigt die mit intelligentem Allradsystem gerüstete Limousine in 7,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit endet bei 250 km/h. Selbst bei Top-Speed liegt der Legend noch satt auf der Straße und braucht selbst deutsche Konkurrenz auf der Autobahn nicht zu scheuen. Das eigentlich den hiesigen Marken vorbehaltene Label „Autobahn prooved“ hat sich der Legend durchaus verdient. Allerdings: Trotz geringerer Leistung fahren ein BMW 530xi oder auch ein Audi A6 3.2 FSI Quattro dem Legend davon.

Soll der V6 im Legend richtig Druck machen, sind Drehzahlen gefragt. Seine 353 Newtonmeter Drehmoment liegen erst bei 5.000 Touren an. Das drehzahlhungrige Triebwerk bedient sich dann freizügig am Spritvorrat und hält die Tanknadel so stets in Bewegung. Gut fahrbar ist der Benziner zwar bereits bei niedrigen Drehzahlen. Dennoch liegt laut Honda der Normverbrauch bei 12,0 Litern. In unserem Praxistest ermittelten wir 12,7 Liter. Damit ist der Legend eindeutig zu durstig. So bescheidet sich ein BMW 530xi mit Automatik trotz besserer Fahrleistungen im Schnitt mit nur 8,1 Litern.

Souveräner Kurvenkünstler

Galerie: Test Honda LegendAuch beim Federungskomfort erreicht der recht sportlich ausgelegte Legend nicht ganz das Niveau deutscher Mitbewerber. Über dicht gedrängten Bodenwellen stuckert der Japaner. Bei groben Unebenheiten ist zudem ein deutliches Nachkorregieren der Lenkung nötig. Dafür überzeugt der Honda mit neutralem Einlenkverhalten sowie hoher Präzision. Den Richtungsvorgaben folgt der Legend mit faszinierender Genauigkeit. Es braucht schon viel Mut, um den Wagen in Kurven in den Grenzbereich zu manövrieren. Beginnt der 1,9-Tonner quietschend über die Vorderräder zu schieben, hat man bereits viel gewagt. Selbst in sehr schnellen Kurven gibt der Fahrersitz ausreichend Seitenhalt.

Technischer Höhepunkt des Legend ist das Allradsystem SH-AWD (Super-Handling-All-Wheel-Drive). Stets wählt der Antrieb blitzschnell die beste Kraftverteilung, egal bei wie viel Gas und auf welchem Untergrund – stets ist sein Antritt dynamisch. Die Verteilung des Drehmoments ist hochvariabel. Bei normaler Fahrt liegen 70 Prozent an den Vorderrädern an, bei starker Beschleunigung und hohen Geschwindigkeiten gehen 70 Prozent auf die Hinterachse. Eine weitere Besonderheit ist die variable Kraftverteilung zwischen den Rädern der Hinterachse: Bei schneller Kurvenfahrt wird die Drehzahl des kurvenäußeren Hinterrades erhöht, was Bremseingriffe des ESP erst spät nötig macht und den Wagen agiler einlenken lässt.

Nichts fehlt

Galerie: Test Honda LegendIm Legend steckt also viel feine Technik, dass eine entsprechend stolze Preisansage nicht wundert. Vergleicht man zunächst den Basispreis des Top-Hondas von 56.600 Euro mit denen von Audi A6 3.2 FSI (ab 47.050 Euro) oder BMW 530xi (ab 51.920 Euro), so ist der Japaner zwar deutlich höher angesiedelt. Doch lässt sich für den Legend keine Zusatzausstattung ordern: Automatik, Allradantrieb, Leder, Abstandsregelautomatik, DVD-Navigation, Rückfahrkamera, Metallic-Lackierung, Echtholz-Applikationen, Audioanlage, Xenon-Licht mit adaptiver Kurvenfunktion, Klimaautomatik, klimatisierte Sitze und 17-Zoll-Alufelgen – alles ist bereits inklusive. Mit all diesen Extras müsste man für die vergleichbaren Modelle der Baureihen Audi A6 oder BMW 5er gut 10.000 Euro mehr bezahlen.

Fazit

Viel Ausstattung zum relativ günstigen Preis: Mit dieser Strategie gehen die Japaner bereits seit vielen Jahrzehnten in Deutschland erfolgreich auf Kundenfang. Beim Legend treibt Honda dieses Prinzip auf die Spitze. Mit seinem Rundum-Sorglos-Paket ist das neue Honda-Flaggschiff ausstattungsbereinigt deutlich günstiger als die deutschen Mitbewerber. Der schicke Luxuswagen ist randvoll mit allen erdenkbarem Schnickschnack und bietet zudem viel State-of-the-Art-Technologie. Bemerkenswert ist vor allem der moderne Allradantrieb, der mehr Traktion als konventionelle Systeme bietet. Würde der sehr kultivierte und drehfreudige V6 des Legend noch bessere Fahrleistungen bei weniger Verbrauch ermöglichen … der große Honda wäre ein perfektes Highend-Mobil.

 
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