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Galerie: Test Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6

Test: Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6

Wenn Geiz geil ist

04.02.2011

Plötzlich und unerwartet explodiert Moritz: „Boah, ein Sportwagen!“ jubelt der stark erregte Racker, als wir uns am Auto von seinen Eltern verabschieden. In der Wertewelt des Fünfjährigen ist unser Genesis Coupé ein ultracooler Racer. Aber auch Erwachsenen fällt der große rote Kraftkeil auf, können Coupéform, der große Hecklügel, die kraftvollen Schultern, die mächtigen Auspuffendrohre oder die Riesenräder Eindruck schinden. Nicht so recht ins Bild passt allerdings der Markenname: Hyundai.

Kritiker und Neider könnten das Genesis Coupé leichtfertig als Ferrari für Arme abtun. Doch genau dieser Umstand macht den starken Korea-Feger so interessant. Denn die Fahrleistungen der von uns getesteten V6-Version sind formidabel, die konsequent dynamische Auslegung ein Garant für gehobene sportliche Fahrfreuden und: Die Power-Kiste ist im Segment starker Luxus-Coupés ein Tiefpreisler.

Freilich, 37.000 Euro für die Top-Version sind ein Batzen Geld, doch der Kunde bekommt dafür viel Auto und Fahrspaß. Allein der bärige 3,8-Liter-V6-Saugbenziner mit 303 PS qualifiziert das Genesis Coupé zum lustbetonten Dynamiker. Über die ausreichend schnell und sanft schaltende Sechs-Gang-Automatik von ZF geht die Kraft zudem exklusiv an die Hinterräder. Fans der gepflegten Heckschleuder-Gaudi kommen also voll auf ihre Kosten.

Luxusausstattung mit Lücken

Galerie: Test Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6Neben diesen Spaßzutaten bietet der Koreaner noch eine umfangreiche Luxusausstattung. So verfügt die Top-Version 3.8 V6 serienmäßig über ein Premium-Audio-System, einen Tempomat, Parkpiepser hinten, eine Klimaautomatik, das Smart-Key-System und einen elektrisch einstell- und beheizbaren Sportledersitz für den Fahrer. Doch weist die Vollausstattung auch Lücken auf. So gibt es keine Xenon-Scheinwerfer, dem Radio fehlt eine RDS-Funktion und das Lenkrad lässt sich allein in der Höhe, nicht jedoch in der Länge justieren.

Doch dank der großzügigen Platzverhältnisse vorn und dem vielfach verstellbaren Fahrersitz sollte eigentlich jeder eine passende Sitzposition finden. Die sportlich konturierten Vordersitze sind zudem angenehm langstreckentauglich, was man von der engen Rückbank hingegen nicht sagen kann. Diese ist allein Kindern vorbehalten. Oder man klappt die Rückbanklehne um und erweitert so den normal über 300 Liter fassenden, recht flach bauenden Kofferraum.

Start per Power-Knopf

Galerie: Test Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6Ansonsten lässt sich das alltagstaugliche Genesis Coupé einfach bedienen und hinterlässt das Interieur mit Leder und schicken Softoberflächen einen wohnlichen, soliden Eindruck. Wenn man allerdings die feingeschliffene Edel-Anmutung deutscher Premium-Hersteller als Referenz hernimmt, wirkt im Hyundai einiges eher grobschlächtig. Mit der Nobel-Anmutung eines Audi kann der Komfortrenner nicht mithalten. Wer nicht ganz so detailversessen ist, wird sich im Genesis Coupé dennoch wohlfühlen können.

Ein Druck auf den Power-Knopf und mit einem heiseren Röcheln und Wummern erwacht der hubraumstarke V6, der akustisch allerdings eine feine Hightech-Note vermissen lässt. Der bassige Krach lässt Umstehende unweigerlich an hohe Benzinrechnungen und schwarze Donuts denken. Gleich beim ersten Gasstoß legen die 303 PS und 360 Newtonmeter wild los. Der Wagen marschiert brachial nach vorne und lässt sich der V6 willig, bisweilen sogar etwas ungestüm bis kurz vor dem roten Bereich hochjubeln. Auf den winterlich feuchten Straßen hatten die Antriebsräder entsprechend viel mit der Traktion zu kämpfen und keilte das Heck beim Abbiegen gerne auch mal ungewollt seitlich aus.

Wilder Stürmer

Galerie: Test Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6Erst wenn man etwas Fahrt aufgenommen hat, setzen die breiten 19-Zoll-Räder den Gasbefehl weitgehend sauber in Vortrieb um. Unter Idealbedingungen stürmt der Gran Turismo nach knapp sechs Sekunden auf Tempo 100 und wandert die Tachonadel recht kurzweilig bis zur 200er-Marke. Mit den enormen Leistungsreserven bei Zwischensprints kann man die meisten anderen Verkehrsteilnehmer beeindrucken und locker hinter sich lassen. Erst jenseits von 200 km/h lässt der Vorwärtsdrang zwar etwas nach, doch der Marsch auf die maximal angesagten 240 km/h ist dank üppiger Kraftreserven keine Geduldsprobe.

Jenseits der 200 km/h trübte die Fahrfreuden auf der Autobahn allerdings ein bisweilen etwas unruhiges Fahrverhalten. Bis dahin liegt der 1,6-Tonner satt auf dem Asphalt, zieht unbeirrt seine Bahn. Doch nahe der Topspeed reagierte der Wagen auf leichte Unebenheiten ungeschmeidig. Vom Flackern der ESP-Leuchte begleitet nahm der Schleuderschutz mehrfach wie aus heiterem Himmel Geschwindigkeit raus. Kritisch waren die Situationen wohl nicht, doch vermutlich hatte bei der Entwicklung des Genesis Coupés die deutsche Autobahn-Performance geringe Priorität. Vergleichbare Sportwagen deutscher Hersteller machen bei solchen Geschwindigkeiten keine Mätzchen. Vielleicht liegt hier der Grund für die ungewöhnliche Begrenzung auf 240 km/h.

Für Kurven gemacht

Jenseits der 200 km/h mag man das Hyundai Genesis Coupé auch aufgrund der recht hohen Geräuschkulisse und des enormen Verbrauchs nur ungern führen. So mit 160 bis 180 km/h auf der Autobahn dahingleiten, dann bewegt sich das Genesis Coupé im Wohlfühlbereich. Auch der Komfort geht angesichts der sportlichen Auslegung noch in Ordnung, sänftenartiges Dahingleiten darf man allerdings nicht erwarten. Die sportliche Grundhärte und das eher hölzerne Anfedern sorgen für viel Unruhe. Und per Knopfdruck in einen Komfortmodus zu wechseln geht hier nicht.

Galerie: Test Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6Die wahre Bestimmung der Fernost-Flunder ist ohnehin das kurvige Geläuf. Dem verwindungssteifen Wagen geht angesichts von 2,80 Meter Radstand und dem fast schon nautischen Wendekreis zwar etwas Handlichkeit ab, doch die Lenkung fühlt sich präzise an und lässt sich der Wagen mit angenehm sportlicher Härte dirigieren. Hinzu kommen fast schon übermotiviert zupackende Bremsen und natürlich der Heckantrieb mit serienmäßigem Sperrdifferenzial. So erfreut das Genesis Coupé mit einer von Antriebseinflüssen freien Lenkung, leicht provozierbaren und dennoch gut kontrollierbaren Übersteuerungstendenzen und einer für den flotten Kurvenstrich vorteilhaften Achslastverteilung.

Wer ungezügelte Quer-Gaudi erleben will, kann per Knopfdruck das serienmäßige ESP deaktivieren und dem Boliden dann auf abgesperrter Strecke zügellos die Sporen geben. Bei aktivem ESP kann man immerhin mit einem forschen Tritt aufs Gaspedal in Kurven das Heck ein wenig tänzeln lassen. Doch wird der Wagen sogleich wieder sicher auf Kurs gebracht.

Durstig aber günstig

Galerie: Test Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6Bei all den quer- wie längsdynamischen Freuden: 300 PS wollen gefüttert werden und der Durst nach teurem Benzin ist beim Genesis Coupé mit V6 erheblich. Die 9,9 Liter Normverbrauch sind ein für sich gesehen schon hoher Wert, doch in der Praxis lag der Spritkonsum gut drei Liter darüber. Wer etwas vorsichtiger mit dem Gasfuß agiert, dürfte auf Autobahn- und Landstraßen-Touren mit elf bis zwölf Litern hinkommen. Im Stadtverkehr muss man hingegen deutlich über fünfzehn Liter akzeptieren. Ein Effizienz-Meister ist das Hyundai Coupé mit V6 gewiss nicht.

Allerdings sind auch bei ähnlich starken Coupés anderer Hersteller in der Regel zweistellige Verbrauchswerte angesagt und dann der Anschaffungspreis noch deutlich höher. Selbst der recht günstige Nissan 370Z kostet mit vergleichbarer Antriebstechnik und ähnlich guter Komfortausstattung rund 5.000 Euro mehr als das Hyundai Genesis Coupé V6. Wem 37.000 Euro immer noch zu viel sind, kann den rassigen Hyundai alternativ auch mit einem 214 PS starken Vier-Zylinder-Turbo schon ab 30.000 Euro bestellen. Für Schnäppchen-orientierte Autokäufer ist das Genesis Coupé also ein besonders attraktives Angebot.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Hyundai Genesis Coupé
    3.8 V6
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   3.778 / V6
Leistung (kW / PS)   223 / 303
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   361 / 6.300
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   Sechs-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.630 / 1.865 / 1.385
Radstand (mm)   2.820
Wendekreis (m)   11,4
Leergewicht (kg)   1.615
Kofferraum (Liter)   332
Bereifung Testwagen   225/40 R19 vorne, 245/40 R19 hinten
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   9,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   235 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   13
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   6,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   240
Preise    
ab (Euro)   36.965,00
Empfohlene Extras   Metallic-Lack Lime Green für 590 Euro
 
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Fazit

Mit dem Genesis Coupé hat Hyundai ein eindrucksvolles Statement auf die Straße gebracht. Derart aufregend haben sich die Koreaner in Deutschland bisher nicht präsentiert. Die Flunder bietet sportliche Fahrfreuden auf hohem Niveau, ist dabei voll alltagstauglich und das Grinsen des Fahrers wird umso breiter, wenn er den vergleichsweise niedrigen Preis sieht.

Doch für diesen Preis muss man auch ein paar Abstriche hinnehmen. So fehlt dem Innenraum ein feiner Premium-Schliff, der grobe Antrieb ist zudem etwas durstig und kann die Flunder auf der Autobahn im Hochgeschwindigkeitsbereich nicht ganz überzeugen. Starke Windgeräusche und eine nicht ganz perfekte Straßenlage trüben den Geschwindigkeitsrausch, den der Wagen durchaus auszulösen vermag. Zumindest technisch fährt der Gran Turismo aus Korea den deutschen und japanischen Mitbewerbern noch etwas hinterher.

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