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Galerie: Test Hyundai i20

Test: Hyundai i20

Mit deutschen Tugenden

27.11.2014

Thomas Bürkle kann echt sauer werden, wenn er einen Falschspieler ertappt. Hyundais Chefdesigner für die europäischen Fahrzeuge sagt, dass manche Konkurrenten da den Kunden mit einem simplen Trick mehr Schein als Sein vortäuschen: „Bei deren Autos sieht es auf dem Foto oft so aus, als ob da richtig üppig Fußraum vorhanden wäre – aber dabei haben die bloß die Sitzfläche der Rückbank verkürzt, damit es luftiger aussieht.“

Die Folge: Der Passagier zweiter Reihe kauert auf einem Hocker, die Oberschenkel schweben in der Luft. Aua; das nervt auch den Tester in vielen brandneuen Kleinwagen - selbst aus der Premium-Fraktion. Bürkles jüngster Sprössling, der subkompakte i20, sieht denn auch beim Blick in den Fond nicht wie ein Paradies für Großfüßige aus.

Doch zunächst zu den harten Fakten des Autos, das ab Dezember zu haben sein wird: Der Einstiegspreis liegt mit 11.950 Euro um 400 Euro unter dem des Vorgängers. Praktisch gehen selbst die Hyundai-Verkäufer indes nicht davon aus, dass mehr als zwei, drei Prozent der Kunden diese schlicht „i20“ genannte Basisversion kaufen werden. Denn Klimaanlage oder Radio gibt es dafür nicht mal als Option.

Realistischer rollt der i20-Käufer daher er mit einem Modell vom Hof, das mindestens 13.450 Euro gekostet hat. Dafür gibt es den kleinsten 75-PS-Benziner in „Classic“-Ausstattung. Heizbare elektrische Außenspiegel, Radio mit USB- und Aux-Buchsen oder Klimaanlage sind da schon an Bord.

Wohlgefühl stellt sich beim Fahren mit dem i20 in seinem angestammten Revier ein: der Innenstadt. Die Koreaner haben den Kleinwagen weiter Richtung Komfort getrimmt – und in einer zweiten Ausbaustufe dem 1,2er noch neun PS mehr rausgekitzelt (ab 13.950 Euro). Der Wagen ist im Cityverkehr sehr laufruhig und gleitet sanft und wendig durch das Gewusel der Altstadt von Malaga.

Es sitzt sich auch ausgezeichnet auf den nicht zu harten, aber gut konturierten Plätzen – auch hinten, wohlgemerkt. Vorn ist der Raum in der spürbar gewachsenen Breite sogar gefühlt eine Klasse höher. Der Fahrersitz ist zudem immer höhenverstellbar und auch hochaufgeschossene Passagiere stoßen trotz der leicht flacheren Karosse nicht an die Decke; es sei denn, sie sitzen hinten und es ist das riesige Panoramadach (ab 1200 Euro) eingebaut. Dann wird es für den 1,90 Meter großen Fondpassagier schon enger.

Wer einen rollenden Einkaufskorb mit Potenzial zum Wochenendausflug möchte, ist schon mit der zweitbilligsten Version gut beraten – auch wenn trotz aller Motorenüberarbeitung die versprochenen 4,7 Liter Verbrauch im Drittelmix wohl nicht zu erreichen sind. Es waren auf ersten Testfahrten eher 6,7 Liter. Allerdings führte die im andalusischen Hinterland auch so manche Kurve hinauf ins Hügelige. Und da zeigen sich die Grenzen des kleinen Benziners.

Auch, wer eifrig aus dem höchsten fünften in den vierten Gang herunterschaltet – was knackig vonstatten geht – und noch eifriger das Gaspedal bemüht: ein Serpentinenfresser wird der Basisbenziner nicht. Obwohl die Straßenlage und die nur in der Mittellage etwas schwabbelige elektrische Servolenkung schon Freude an der Kurven-Kurbelei vermitteln könnten. Der 1,1-Liter-Diesel (ab 15.950 Euro) ist bei erforderlichen Zwischensprints schon agiler, braucht bis dahin aber erst mal Anlauf.

Galerie: Test Hyundai i20Doch Hyundai spendiert dem i20 ja auch den 1,4er-Benziner mit 100 PS (ab 15.750 Euro). Das Drehmoment liegt nun deutlich früher an – und der Koreaner wird mit diesem Motor wie auch dem Diesel gleicher Größe (ab 17.700 Euro) zum agilen Kilometerfresser. Wenn auch nicht zum Preisbrecher.

Dafür bekommt der Kunde allerdings in beiden Fällen schon die zweithöchste Ausstattung „Trend“, bei der Spurhaltewarner, beheizbares Lenkrad, Sitzheizung vorne, CD-Spieler mit Bluetooth-Freisprecher oder Einparkhilfe das Fahren sicherer und komfortabler machen. Beim „Style“ kommen Leichtmetallrädern, Licht- und Regensensor oder Klimaautomatik hinzu. Dann kratzen die beiden Topmotoren aber auch schon an der 20.000-Euro-Marke – die sich mit Ledergestühl (750 Euro für Style) oder der Vierstufen-Automatik (1.400 Euro für 1,4-Liter-Benziner) auch leicht reißen lässt. Ab kommendem Frühjahr hält ein brandneuer Einliter-Turbobenziner mit 120 PS Einzug in den Hyundai. Und auch das eingebaute Navi mit Siebenzoll-Display ist erst dann zu haben.

Im Innenraum hat Bürkles Mannschaft zu einem eigenen Schwung gefunden, der prima die Balance zwischen frischem Schwung und Funktionalität hält. Falls gewünscht auch zweifarbig, nicht aber poppig verspielt. Ernsthaft, solide, irgendwie deutsch. Die Materialien und deren Verarbeitung können es auch mit Polo oder Fabia aufnehmen.

Galerie: Test Hyundai i20Auch bei der Lademöglichkeit machen die Koreaner keine stylingbedingten Zugeständnisse. Wer die stets 60:40 umlegbare Rücksitzbank flach klappt, kann durch die breite Heckklappe mehr als 1.000 Liter Gepäck über die niedrige Ladekante schieben. Mit fünf Insassen sind es noch 326 Liter.

Gar nicht auf deutschem Niveau ist dagegen die Garantie – im positiven Sinn. Fünf Jahre Fahrzeuggarantie ohne Kilometerbegrenzung geben die Koreaner, und die Mobilitätsgarantie läuft bis zu 15 Jahren.

Üblicher ist da schon der Frühbucher-Tarif. Auch Hyundai hat dazu ein Paket namens „Intro-Edition“ geschnürt, das auf der bisher beliebtesten Trend-Version basiert. Leichtmetall, Klimaautomatik, Licht- und Regensor und Mittelarmlehne gibt es obendrauf – und das Ganze für alle Motoren außer dem großen Benziner. 1.200 Euro lassen sich so sparen. (sp-x)

 
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