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Galerie: Test Hyundai ix55

Test: Hyundai ix55

Attacke aus Fernost

10.09.2009

Beispielhaft profitierte Hyundai mit seinen handlichen Modellen i10, i20 und dem Golf-Gegner i30 von der Abwrackprämie. Doch  die Koreaner können mehr, als nur Kleinwagen bauen. Das beweisen sie mit ihrer SUV-Palette, angefangen beim kompakten Tucson, über den Santa Fe bis hin zum neuen Dickschiff ix55, dass den Hyundai Terracan beerbt und die deutsche Premium-Konkurrenz mit einem Kampfpreis attackiert.

In den USA, wo der ix55 schon seit geraumer Zeit unter dem Namen Veracruz unterwegs ist, fällt er mit seinen 4,80 Meter Länge noch in die Kategorie Kompaktautos. Für europäische Verhältnisse gehört er eindeutig zu den größeren, zumal er Platz für bis zu sieben Passagiere bietet. Die sitzen in der ersten und zweiten Reihe kommod auf straff gepolsterten Sesseln (vorne serienmäßig elektrisch einstellbar), wenngleich mit nur wenig Seitenhalt.

Platz in drei Reihen

Galerie: Test Hyundai ix55In der Breite und nach oben herrscht ausreichend Platz, die Beinfreiheit ist dagegen nicht gerade üppig, aber dennoch für längere Strecken ausreichend. Auf den beiden ausklappbaren Plätzen im Kofferraum herrscht dagegen für diese Sitzkategorie überraschend viel Bewegungsfreiheit nach vorne. Hier wird es allerdings für Passagiere über 1,80 Meter zum Dach hin etwas eng.

Den Einstieg in die dritte Reihe erleichtert die verschiebbare Rücksitzbank, wenngleich immer noch ein wenig turnerisches Geschick nötig ist. Werden die serienmäßigen Notplätze nicht benötigt, verschwinden sie ebenerdig im Kofferraumboden. Dann schluckt das einfach zu beladende Gepäckabteil 600 Liter, die sich bei Bedarf mit wenigen Handgriffen auf 1.750 Liter erweitern lassen.

Langsame Heckklappe

Galerie: Test Hyundai ix55Ein zusätzliches Unterboden-Fach und das Gepäcknetz gehören zur Basisausstattung, in der besseren Premium-Version kommt auch noch die elektrisch öffnend und schließende Heckklappe hinzu. So praktisch diese Funktion sein kann, wenn man mit vollbepackten Händen kommt, so nervig ist es, wenn das Auf und Zu wie im ix55 viel zu langsam geschieht und man schnell zur Überzeugung kommt, das ganze per Hand viel flotter erledigen zu können.

Im Straßenbild fällt der Hyundai durchaus auf, wenn auch nicht durch besonders stylisches Design, sondern eher durch seine massige, fast schon plumpe Karosserie. Mit seinen großen, schnörkellosen Flächen wurde er auf den amerikanischen Markt zugeschnitten. Damit erklärt sich auch das hausbackene Interieur, das sich auch nicht wirklich durch ein hochtrabend Mood-Light genanntes, blaues Lamperl am Dachhimmel aufpeppen lässt. Doch Materialauswahl und Verarbeitung bieten kaum Anlass für Kritik.

Galerie: Test Hyundai ix55Einfach zu bedienen

Ein Vorteil des eher schlichten Designs ist die gute Bedienbarkeit. Im ix55 findet sich jeder Fahrer schnell zurecht, wenngleich es für die Bedienung der Klimaautomatik mehr Tasten gibt als in den meisten anderen Autos. Alle großformatigen Schalter sind logisch angeordnet, nur die Entriegelung für die Tankklappe in der Armauflage der Fahrertür muss man zunächst suchen.

Die oft komplexe Bedienung eines Entertainment-Navi-Systems umschifft Hyundai damit, dass so etwas vorerst gar nicht im Angebot ist. Für den Musikgenuss gibt es ab Werk ein CD-Radio mit Aux- und USB-Eingang, Fahrzeuginformationen liefert ein zweizeiliger Bordcomputer im auch für Brillenträger gut abzulesenden Tacho und die Navigation übernimmt der Beifahrer mit der Landkarte. Allerdings will Hyundai noch im Herbst 2009 ein entsprechendes Multimediasystem nachlegen.

Diesel für Europa

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Zwar tritt der Hyundai hierzulande im amerikanischen Design auf, doch haben die Koreaner für den hiesigen Markt den in den USA und Asien eingebauten 3,8-Liter-Benziner ausgemustert und durch einen speziell für den europäischen Markt entwickelten Drei-Liter-V6-Diesel ersetzt. Der ist zwar mit Sicherheit deutlich sparsamer als der Ottomotor, doch auch der 239 PS starke Selbstzünder gönnt sich im Durchschnitt über 13 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer (Herstellerangabe 9,4).

Fast 240 PS klingt nach viel, doch müssen immerhin 2,3 Tonnen in Bewegung gesetzt werden. Und das geschieht gleichmäßig und entspannt. Die neu entwickelte Sechs-Gang-Automatik raubt dem Motor zwar etwas seines Temperaments, doch vollzieht sie die Schaltvorgänge sanft und kaum merklich. Allerdings passt sich das Getriebe mitunter übereifrig der Fahrweise an. So ordnet es nach einem flotten Überholmanöver zu lange hohe Drehzahlen an oder springt bei jedem Gasstoß unkontrolliert zwischen den Gängen.

Galerie: Test Hyundai ix55200 km/h mit Anlauf

Mit seinen zwischen 1.700 und 3.500 Umdrehungen anliegenden 450 Newtonmeter Drehmoment sprintet der ix55 in gemessenen 9,8 Sekunden auf Tempo 100 - die Werksangabe spricht sogar nur von 10,4 Sekunden. Um die 140 km/h haben sich als angenehme Reisegeschwindigkeit herausgestellt, bei Tempo 200 wird der Hyundai automatisch abgeregelt. Es dauert allerdings einige Zeit, bis dieses Tempo erreicht ist. Zumal wenn man dem Automaten freie Hand lässt und der sich für den extrem langen, aufs Spritsparen trainierten, sechsten Gang entscheidet. Wer händisch über den Wählhebel die fünfte Fahrstufe einlegt, kommt der Höchstegeschwindigkeit deutlich schneller näher.

Erfreulich: Die Kraftentfaltung erfolgt angenehm leise. Vom Brennverfahren des Motors ist nur wenig zu hören und vor allem bei höheren Tempi wird der Diesel von den Windgeräuschen übertönt. Weniger erfreulich: Die Bremsen, die generell fester zu packen dürften und mitzunehmender Beanspruchung auch noch in ihrer Leistung nachlassen. Bei unserer ersten Messung brauchte der Hyundai schon weite 42,9 Meter um von Tempo 100 zum Stillstand zu kommen und nach drei Durchgängen waren es über 45 Meter.

Straff gefedert

Galerie: Test Hyundai ix55Der ix55 liegt satt auf der Straße und gefällt auf langen Autobahnetappen durch seinen tadellosen Geradeauslauf. Das vom kleineren Bruder Santa Fe abgeleitete Fahrwerk ist für ein SUV aber überraschend straff ausgelegt. Die Ingenieure hatten bei der Adaption an die europäischen Bedürfnisse wahrscheinlich Bedenken, der Hyundai könnte zu weich geraten. Dies kommt dem ix55 auf kurvigen Wegen zu Gute, trotz spürbarer Seitenneigung bleibt er stabil und erlaubt in Kombination mit der präzisen Lenkung einen sauberen Kurvenstrich. Der Preis dafür ist das mitunter harte Durchschlagen von Unebenheiten, das die Passagiere unfiltriert am Zustand des Straßenbelags teilhaben lässt.

Wie es sich für ein SUV gehört ist der ix55 freilich mit Allradantrieb ausgestattet. Während die Mitbewerber wie Mercedes ML, BMW X5 und Audi Q7 in dieser Kategorie durchgehend auf permanenten Vierradantrieb setzen, wird er im Hyundai nur im Bedarfsfall aktiviert. Erst wenn an den Vorderrädern schlupf Auftritt, werden über eine elektromagnetisch betätigte Mehrlamellenkupplung bis zu 50 Prozent des Antriebsmoments an die Hinterachse geleitet. Bis zu 38 km/h lässt sich dies auch per Knopfdruck erzwingen, was vor allem beim Anfahren mit Hänger Sinn hat. Schließlich darf der Hyundai bis zu zweieinhalb Tonnen an den Haken nehmen und bis maximal acht Prozent Steigung sogar 3.200 Kilogramm.

Keine Offroad-Technik

Galerie: Test Hyundai ix55Als Zugtier wird der Hyundai sicherlich auch häufiger eingesetzt denn für den harten Offroadeinsatz. Zwar beerbt er mit dem Terracan einen vollwertigen Geländewagen, doch reagierte Hyundai auf die veränderten Ansprüche der Kundschaft. Und die zieht die gemütliche Landpartie nunmal dem Felsenklettern vor. So findet sich im ix55 auch keine speziellen Offroad-Technik wie etwa Untersetzungsgetriebe oder Bergan- und Abfahrassistent. Noch nichtmal robuste Plastik-Planken haben die Koreaner ihrem SUV spendiert.

Mag der Hyundai ix55 seinen Mitbewerbern ML, X5und Q7hinsichtlich Fahrleistung, Komfort und technischer Raffinesse hinterherfahren, so kauft er ihnen beim Preis klar den Schneid ab. Denn mit 42.490 Euro kostet die bereits gut ausgestattete Basisvariante über 10.000 Euro weniger als bei den Händlern der Konkurrenz bezahlt werden muss. Und für 46.990 Euro gibt es die Premium-Linie, die mit Leder, Sitzheizung auf allen Plätzen, Drei-Zonen-Klimaautomatik und vielem mehr kaum Wünsche offen lässt. Einzige Extras auf der Aufpreisliste: Metallic-Lack für 790 Euro und ein Glas-Hub-/Schiebedach zu 1.090 Euro, auf das zu Gunsten der Kopffreiheit aber verzichtet werden sollte.

Fazit

In einem Markt mit steigender Nachfrage nach Kleinwagen schien der ix55 bei seiner Europa-Premiere im Frühjahr 2009 fehl am Platz. Doch offeriert Hyundai damit ein großes, ausgereiftes SUV zum günstigen Preis und kam so vielleicht in Zeiten nicht mehr ganz so üppiger Budgets gerade recht. In Anbetracht des gegenüber den Konkurrenzmodellen gesparten Geldes verzeiht man dem Koreaner gern den etwas behäbig wirkenden Antrieb, das mitunter zu straffe Fahrwerk und den altbackenen Charme des Cockpits. Und der mit rund 13 Litern nicht gerade niedrige Verbrauch ist zwar nur schwer mit dem Öko-Gewissen vereinbar, doch bewegt sich der Koreaner damit im Umfeld der Mitbewerber.

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