Cabrio-Special 2013
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Galerie: Test Infiniti G37 Cabrio

Test: Infiniti G37 Cabrio

Seltenheitswert

12.03.2012

Mit nur ein paar Dutzend verkauften Fahrzeugen jährlich zählt das Infiniti G37 Cabriolet zu den Raritäten in Deutschland; in Sachen Seltenheit stellt der japanische Audi-A5- und BMW-3er-Konkurrent jeden Porsche, Aston Martin oder Bentley in den Schatten. Und macht dabei noch eine außerordentlich gute Figur.

Beim Stichwort Infiniti blickt man in Deutschland größtenteils in fragende Gesichter. Einige vermeintlich Wissende antworten altklug, dass das doch die mit den Lautsprechern wären. Prinzipiell ist das auch richtig, doch geht es beim Infiniti G37 nicht um eine neue Stereoanlage, sondern um ein viersitziges Cabriolet aus Fernost – das übrigens wohlklingende Lautsprecher von Bose an Bord hat.

Infiniti ist Nissans Nobeltochter, also das, was Lexus für Toyota ist. Und bis die Töchter aus dem Gröbsten raus sind, ist es oft eine schwierige Zeit. Dass merkt Nissan weniger im Heimatmarkt, umso mehr aber hierzulande, wo sie seit Jahren versuchen, die Premiummarke zu etablieren. Nach eigenen Angaben durchaus erfolgreich, doch in freier Wildbahn sind Infinitis äußerst rar – vor allem außerhalb der Metropolen. Denn wenn der Infiniti irgendwo zu Hause ist, dann dort, wo die Devise "Auffallen um jeden Preis" gilt.

Ein Hintern, der auffällt

Galerie: Test Infiniti G37 CabrioDas muss man den seltenen Japanern lassen: Zum Auffallen sind sie bestens geeignet. Vor allem das etwas krude anmutende SUV FX ist dafür prädestiniert, aber auch die G-Baureihe, ein Vertreter der oberen Mittelklasse, zieht die Blicke auf sich; besonders ohne Dach. Da setzt sogar die Münchner Schickeria, die bei einem offenen BMW, Porsche oder Freiluft-Bentley nicht einmal aufblicken würde, die Prada-Sonnenbrille ab und schaut von ihrem Latte Macchiato auf – und überlegt, was da wohl exotisches an der Ampel vor Schuhmanns Bar steht.  

Das Aufsehen ist nur recht und billig, denn der japanische Sonnenanbeter macht trotz seines dreiteiligen Metallfaltverdecks eine hervorragende Figur. Geschlossen präsentiert er eine schwungvolle, wie mit einem einzigen feinen Pinselstrich gezogene Dachlinie; offen gefällt er durch seine hohe Schulterpartie und vor allem glänzt er durch etwas, das ihm fehlt: Das pummelige Heck anderer Klappdachcabrios sucht man vergebens, stattdessen wartet der knapp 4,70 Meter lange G37 mit einem wohlproportionierten Hintern auf, auf dem nur die altmodische Antenne wie ein Pickel wirkt.

Schönheitsfehler

Galerie: Test Infiniti G37 CabrioDass das schicke Ende allerdings keine Zauberei, sondern einfach ein schön anzusehender Kompromiss ist, offenbart der Blick in den Kofferraum. Ist das Dach zu, schlucken die 366 Liter mit Müh und Not das Gepäck der bis zu vier möglichen Passagiere. In den knapp 30 Sekunden, die das Öffnen per Tastendruck dauert, Schrumpft der Laderaum hingegen zu einer kleinen Ablage für den Reiseatlas. Infiniti selbst verzichtet daher gleich ganz darauf, dass Volumen zu beziffern.   

Dass man zu viert verreist, dürfte aber nur selten der Fall sein. Zwar lassen sich auf der bequemen Fondbank kurzzeitig zwei Mitfahrer unterbringen, die äußerst eingeschränkte Bein- und bei geschlossenem Dach auch Kopffreiheit lässt die Hintensitzer aber schnell wieder aussteigen und freiwillig für etwaiges Reisegepäck Platz machen. Vorne hingegen lädt das vielfach elektrisch verstellbare und selbstredend klimatisierbare, sesselähnliche Gestühl zu längerem Verweilen ein; nicht aber zur Kurvenhatz, denn so bequem die Sitze sind, so wenig Seitenhalt bieten sie.

Flotter Gleiter

Galerie: Test Infiniti G37 CabrioDass allzu schnelle Richtungswechsel ohnehin nicht oberstes Ansinnen der Ingenieure war, merkt nach wenigen Metern Fahrt. Der serienmäßig mit 19-Zoll-Rädern ausgestattete Infiniti wartet zwar mit einer recht straffen Abstimmung auf, doch kann er in Kurven seine 1,9 Tonnen Leergewicht nicht verbergen. Kleinere Unebenheiten im Asphalt werden gut neutralisiert, bei groben Schnitzern, Querfugen oder Bahnschienen reagiert der G allerdings etwas ungehobelt. Das hohe Gewicht ist übrigens nicht zuletzt den Karosserieversteifungen geschuldet, die wiederum dafür sorgen, dass beim Offenfahren nichts vibriert oder sich der Infiniti unschön verwindet.  

Und nur weil der Infiniti in Kurven gern nach außen drängt, ist er noch lange keine schaukelige Sänfte. Es wäre schlimm, ließen sich mit dem Hecktriebler Biegungen nicht auch flott durcheilen – mit etwas Seitenneigung zwar, doch ohne Furcht um Leib und Leben. Einzig die Lenkung dürfte für einen präzisen Kurvenstrich noch etwas direkter arbeiten. Für das Cabrio ist die aus Coupé und Limousine bekannte Allradlenkung nicht erhältlich.

Kraftvoller Vorwärtsdrang

Galerie: Test Infiniti G37 CabrioWenn auch kurviges Geläuf nicht zu den Paradedisziplinen des Infiniti G37 zählt, so beeindruckt er auf der Geraden doch mit ordentlichem  Vorwärtsdrang. 6,4 Sekunden dauert es laut Hersteller, bis der kultivierte, drehfreudige 320-PS-V6 das Cabrio auf Landstraßentempo gebracht hat. Der Sechszylinder ist dabei durchaus gut zu hören, doch weit weniger laut als die Leistungsdaten es vermuten lassen. Beendet wird der Vorwärtsdrang bei 250 km/h vom elektronischen Begrenzer.

Einen Hauch Sportlichkeit verleiht Infiniti auch dem sehr gut verarbeiteten und mit weichem Leder und kühlem Aluminium auf nobel getrimmten Cockpit – mit den Magnesium-Lenkradpaddeln für den manuellen Gangwechsel. Die allerdings waren selten überflüssiger, denn die Siebengang-Automatik verrichtet ihren Dienst unauffällig und vorbildlich und verwaltet die 360 Newtonmeter Drehmoment des 3,7 Liter großen Sechszylinders mit links. Händische Eingriffe würden beim entspannten Dahingleiten nur stören.

Alles an Bord

Galerie: Test Infiniti G37 CabrioDass Exklusivität ihren Preis hat, ist hinlänglich bekannt, doch spielt der Japaner auch hier einen Trumpf aus. Zwar ist er mit knapp unter 60.000 Euro alles andere als ein Schnäppchen und durchaus auf dem Niveau der deutschen Mitbewerber, dafür ist das Cabrio bei diesem Tarif schon nahezu komplett ausgestattet. Viele Extras, die bei der Konkurrenz teuer bezahlt werden müssen, sind serienmäßig an Bord: die Automatik, ein Licht- und Regensensor, eine Rückfahrkamera, Bi-Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht, ein Tempomat, der den Abstand zum Vordermann hält, die elektrisch einstellbaren, beheiz- und kühlbaren Ledersitze mit Speicherfunktion, das Festplatten-Navigationssystem mit Touchscreen, ein Bose-Soundsystem, und, und, und. Andere Hersteller lassen sich diese Komfortextras gut und gern zusammen mit rund 15.000 Euro oder mehr bezahlen.

Geld ausgeben kann man bei Infiniti nur noch für den Metalliclack und eine gewagte, rote Lederausstattung. Und an der Tankstelle müssen G-Fahrer etwas tiefer in die Tasche greifen. Das Triebwerk ist nicht gerade auf dem neuesten Stand der Spritspartechnik, von einer Stopp-Start-Automatik, Benzindirekteinspritzung oder Bremsenergierückgewinnung hat es noch nichts gehört. So liegt der Verbrauch im europäischen Mittel bereits bei 11,4 Litern und in der Praxis sind es um die vierzehn Liter Benzin, die auf 100 Kilometer verbrannt werden.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Infiniti G37 Cabriolet
Motor / Ausstattung   GT Premium
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   3.696 / V6
Leistung (kW (PS) / U/min)   235 (320) / 7.000
Drehmoment (Nm / U/min)   360 / 5.200
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   7-Gang-Automatikgetriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.660 / 1.850 / 1.391
Radstand (mm)   2.850
Wendekreis (m)   k. A.
Leergewicht  (kg)   1.898
Kofferraum (Liter, nach DIN)   366
Serienbereifung   v: 225/45 R 19, h: 245/40 R 19
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
EU-Zyklus (l/100km)   11,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   264 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   13,9
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   6,4
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   57.830,00
Ausgewählte Extras (Euro)   Metalliclack (850), rotes Leder (1.050)
 
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Fazit

Michael Gebhardt

Auffallen lässt es sich mit dem Infiniti G37 Cabrio vortrefflich und vor allem äußerst angenehm, Zum einen, weil mit dem Wagen nicht zwingend ein Proll-Image mitgeliefert wird. Zum anderen, weil der Infiniti mit einer breiten Armada serienmäßiger Komfortextras seinem Fahrer das Leben versüßt. Mit bequemen Sitzen und einer straffen, aber nicht zu harten Abstimmung taugt er zudem als Langstrecken-Reisemobil. Einzig ausgeprochene Querdynamiker könnten nicht ganz auf ihre Kosten kommen.

Dass man hingegen beim Kofferraumvolumen Abstriche machen muss, sei dem offenen Japaner verziehen. Wirklich vorwerfen kann man ihm eigentlich nur seinen etwas verschwenderischen Umgang mit dem Treibstoff. Wer sich allerdings beim Tanken in Erinnerung ruft, wie viel Geld er dank der umfangreichen Serienausstattung gespart hat, wird auch hier ein Auge zu drücken können. Und außerdem darf einem die Gewissheit, der Blickfang auf der Straße zu sein, das auch ruhig Wert sein.
 
 

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