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Galerie: Test Infiniti Q50S Hybrid AWD

Test: Infiniti Q50S Hybrid AWD

Spritsparer und Spaßgranate

13.06.2014

Wer an Hybrid denkt, denkt zunächst an Spritspar-Technik, die dynamisch orientierten Fahrern oft als wenig verheißungsvoll erscheinen mag. Doch Hybrid geht auch anders: hart, wild, druckvoll. Wie beim Infiniti Q50, der noch mit einer Reihe weiterer Finessen ein ziemlich interessanter Konkurrent zum BMW 3er ist.

Interessant macht den Mittelklasse-Japaner allein sein Äußeres. Zumindest erregt der Q50 Aufmerksamkeit mit seiner dynamisch akzentuierten, klassisch-eleganten Form. An Zapfsäulen oder Parkplätzen schleichen immer wieder Herren mittleren Alters um den Nippon-Beau, der mit seinem feschen Lichtkantenspiel im Vergleich zum Vorgänger G37 groß in Form gebracht wurde. Beim genauen Hinschauen fällt allerdings auch eine Unfeinheit auf, denn das erfrischende Blau ist auf Kunststoff- und Blechteilen unterschiedlich nuanciert. Dieses Phänomen ist auch bei vielen anderen Herstellern zu beobachten, doch bei einem Premium-Fahrzeug hat das ein Geschmäckle.

Und wer etwas penibler den Innenraum erkundet, könnte sich auch an der ein oder anderen Stelle über etwas einfach anmutende Plastikoberflächen in einem ansonsten recht noblen Ambiente stören. Oder er könnte sich einfach auf den sportlich-bequemen Fahrersitz niederlassen, den vielfach einstellbaren Arbeitsplatz justieren und sich an der weitgehend gediegenen Pracht erfreuen. Die Kommandozentrale hat Stil, keine Frage; schick sind vor allem die Metall-Applikationen in der Mittelkonsole, oder die schwarzen Hochglanz-Oberflächen, die ebenfalls gehobene Wertigkeit vermitteln, allerdings auch die Anwesenheit eines Staubtuchs im Ablagefach nötig machen.

Display im Stapel

Galerie: Test Infiniti Q50S Hybrid AWDZentraler Blickfang der Kommandozentrale ist das Navi-Entertainment-System mit zwei übereinander gestapelten 8-Zoll-Displays, die es gleichzeitig ermöglichen, beim Navigations-Vollbildmodus im oberen Display sich parallel im unteren Display das Radio-Menü anzeigen zu lassen oder über den unteren Touchscreen das Navi zu bedienen. Das ist durchaus praktisch, bisweilen aber auch etwas verwirrend und vielleicht nicht immer ganz logisch. Dennoch hat man im System schnell die Orientierung gefunden, was man vom Navi selbst allerdings nicht immer sagen kann. So hat der digitale Wegweiser die Routenführung mehrfach hintereinander von selbst beendet und haben wir uns entnervt auf unseren eigenen Orientierungssinn verlassen. Meistens konnten wir allerdings das Navi samt dynamischer Routenführung nutzen, wobei wir uns dann häufiger mit wenig hilfreichen Stauumfahrungen rumplagen mussten.

Neben dem klassischen Infotainment-Portfolio bietet Infiniti noch eine App für das Smartphone, die allerdings mit ihren Funktionen keinen wirklich großen Mehrgewinn zu bieten scheint. Insofern würden wir vom immerhin 3.200 Euro teuren Multimedia-Paket eher abraten. Ein deutlich günstigeres Stand-alone-Navi aus dem Zubehör dürfte überzeugender arbeiten. Immerhin hat der Kunde hier die Wahl. Allerdings muss man beim Verzicht auf das Multimedia-Paket auch auf die durchaus gut klingende Bose-Anlage verzichten.

Sanft stromern oder wild brennen

Galerie: Test Infiniti Q50S Hybrid AWDEin anderer klanglicher Höhepunkt des Q50 Hybrid ist der 3,5-Liter-V6-Benziner. Wer mit dem serienmäßigen Startknopf das Antriebssystem aktiviert, wird zunächst allerdings nichts hören, und beim ersten Anfahren lediglich ein leichtes E-Antriebs-Sirren vernehmen. Dank des Doppelherzantriebs kann die Limousine mit einem immerhin 67 PS und 270 Newtonmeter starken E-Aggregat auch rein elektrisch fahren. Dieses allein vermag längsdynamisch zwar wenig imponieren, dafür kann der Q50 dank der üppig dimensionierten Lithium-Ionen-Batterie über kleinere Distanzen bis zu 80 km/h schnell rein elektrisch fahren. Das ist schön für das Grüne Gewissen und hilft auch beim Spritsparen – zumindest, wenn man das Potenzial, welches der zusätzliche E-Antrieb bietet, konsequent zu nutzen weiß. Sofern man außerdem nur mäßig viel Leistung vom Benziner abfragt, sollen nach Aussage von Infiniti knapp unter sieben Liter Verbrauch möglich sein. Praktisch werden selbst Sparnaturen im Stadtverkehr, also dort wo der Hybrid sein größtes Effizienzpotenzial einbringen kann, allerdings ein bis zwei Liter mehr akzeptieren müssen.

Und der Verbrauch kann noch steigen, denn der bärenstarke V6 bietet verführerisch viel Power. Mit seinen 306 Benziner-PS und 350 Newtonmeter Drehmoment summiert sich das Systempotenzial auf 364 PS und 546 Newtonmeter, die ein Allradantrieb traktionsstark in brutalen Vortrieb umsetzen kann. Verblüffend harmonisch ist das Zusammenspiel beider Aggregate mit der geschmeidig arbeitenden, serienmäßigen Siebengang-Automatik. 5,4 Sekunden für den Standardsprint und 250 km/h Topspeed sind angesichts des Leistungsniveaus allerdings keine Topwerte. Das liegt auch an dem Dynamik absorbierenden Allradantrieb, der den Q50 um 70 Kilogramm schwerer und beim Sprint um 0,3 Sekunden langsamer macht. Wer das Gaspedal ans Bodenblech pinnt, wird dennoch vom wilden Treiben überwältigt sein. Die Tachonadel lässt sich sogar deutlich jenseits der offiziellen Topspeed-Marke pushen und liegt der Japaner selbst dann noch angenehm präzise auf der Straße. Vermutlich haben die japanischen Ingenieure auch einige Abstimmungsfahrten auf der deutschen Autobahn absolviert.

Mit Sparpotenzial

Galerie: Test Infiniti Q50S Hybrid AWDWer volles Rohr dem herzhaft kernig klingenden V6 Leistung abfordert, kann sogar Verbrauchswerte um 15 Liter provozieren. Ansonsten ist der Durst auf der Autobahn angesichts der Leistung noch moderat: Bei konstant 120 km/h haben wir 8,4 Liter gemessen und bei 160 km/h Reisegeschwindigkeit stieg dieser Wert auf immer noch akzeptable 10,6 Liter.

Für lange Touren eignet sich der Q50 unter anderem auch dank seiner straff-bequemen Sitze, seiner mäßigen Windgeräusche und eines entlastenden Technikarsenals, zu dem als ein Höhepunkt der gut justierbar und fein regelnde Abstandstempomat zählt. Auch das straffe Fahrwerk lässt trotz der 19-Zoll-Räder mit Niederquerschnittsreifen noch einen ordentlichen Komfort zu, eine Sänfte ist der Q50 allerdings nicht.

Sicherheit rundum

Dafür hat der Infiniti eine gehobene Links-Rechts-Kompetenz zu bieten. Das übrigens ohne mechanische Verbindung den Lenkbefehl recht präzise und direkt umsetzende Drive-by-Wire-Volant bietet dabei eine gute und nur dezent synthetische Rückmeldung. Mit Schmackes lässt sich die 4,79 Meter lange Limousine eng durch Kurven führen und sorgt dabei der Allradantrieb für ein Gefühl des Fahrens wie auf Schienen. Das kann man allerdings auch etwas bedauerlich finden, denn irgendwie bekommt man andererseits das Gefühl, der reine Heckantrieb könnte die Kurvengaudi auf ein höheres Spaßniveau für diejenigen hieven, die eine hecklastige Übersteuerungstendenz zu nutzen wissen. Dank Allrad wirkt der Q50 in Kurven besonders neutral, weder kopflastig, noch mit nervös zuckendem Hinterteil. Manche Fahrer mögen das.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Infiniti Q50S
Version / Ausstattung   Hybrid AWD
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   3.498 / V6-Benziner + Elektromotor
Leistung (kW / PS)   268 / 364
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   546 / 5.000
Antriebsart   permanenter Allrad
Getriebeart   Siebengang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.790 / 1.820 / 1.445
Radstand (mm)   2.850
Wendekreis (m)   11,2
Leergewicht (kg)   1.901
Kofferraum (Liter)   400
Bereifung Testwagen   245/40 R19
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,8
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   159 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   9,2
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,4
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   53.856,00
Empfohlene Extras   Safety-Shield-Paket mit Abstandstempomat, Tot-Winkel-Warner etc. (2.600 Euro)
 
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Und wenn der Fahrer eine Tendenz hat, auf Nummer sicher gehen zu wollen, hat er auch aus anderer Sicht viele Gründe, sich im Q50 wohl zu fühlen. So wird das Fahrzeug automatisch in der Spur gehalten, vor Fahrzeugen im Toten Winkel wird gewarnt und ein Notbremsassistent kann Auffahrunfälle verhindern oder die Unfallschwere mildern. Praktisch übrigens: Mit einem Knopf am Lenkrad lassen sich diese Akteure des Safety Shield genannten Sicherheitspakets von einem aktiven in einen passiven Modus versetzen.

Teure Preisalternative

Galerie: Test Infiniti Q50S Hybrid AWDDynamisch orientierte Familienväter mit einem gehobenen Sicherheitsanspruch sind mit dem Q50 also bestens bedient. Praktisch hat der Hybrid allerdings eine Alltagsschwäche: seinen Kofferraum. Zunächst muss man die Heckklappe mit ungewöhnlich hohem Kraftaufwand hoch drücken und ist das Gepäckabteil für lediglich 400 Liter gut. Aufgrund der Batterie lässt sich zudem die Rückbanklehne nicht nach vorne klappen und stellen so längere Gegenstände ein Transportproblem dar. Eine bei deutschen Kunden beliebte Kombiversion gibt es ohnehin nicht.

Während der Q50 in der Basisversion mit Dieselmotor bereits für knapp über 34.000 Euro zu haben ist, muss man für den Hybrid mit Allradantrieb gut 20.000 Euro mehr investieren. Wer dann noch ein paar Extras wie das Safety Shield ordert, wird die 60.000-Euro-Marke touchieren. Das ist ein zwar schon gehobenes Preisniveau, allerdings kostet bei BMW der 3er als Active Hybrid gut 1.500 Euro mehr, bietet dann allerdings noch kein Allradantrieb und eine nicht ganz so umfangreiche Ausstattung. Insofern ist der Q50 selbst in seiner Topversion eine auch preisliche Alternative zu den etablierten Modellen der sportlich-luxuriösen Mittelklasse.

 
Fazit

Mario Hommen

Mit dem Q50 hat Infiniti eine in mehrfacher Sicht erfrischende Premium-Alternative zu den deutschen Mittelklasse-Stars BMW 3er, Audi A4 und Mercedes C-Klasse neu im Programm. Einerseits beeindruckt der Japaner mit einer gefälligen Aura und einen zudem angenehm noblen Innenraum, der allerdings bei der Hybridversion einen recht kleinen und nicht erweiterbaren Kofferraum bietet.

Im Gegenzug beeindruckt die Hybridversion mit Fahrfreuden auf hohem Niveau. Der extrem starke Doppelherz-Antrieb liefert mächtig viel PS und ermöglicht dennoch kurzeitig emissionsfreies Stromern und insgesamt manierliche Verbrauchswerte. Die enormen Kraft wird zudem lustbetont auf die Straße gebracht, wenngleich die Heckantriebsversion mehr dynamischen Fahrspaß als die von uns getestete Allradversion bieten dürfte.

Insofern sollte man besser auf den Allradantrieb verzichten, wie auch auf das nicht so recht überzeugende Navigations-Entertainmentsystem und stattdessen das Geld in das die Sicherheit erhöhende Safety Shield mit praktischem Abstandstempomat ordern. Dann ist der Infinti Q50 eine technisch, optisch und preislich fraglos interessante Alternative zu den bekannten Platzhirschen.
 
 

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