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Galerie: Test Jaguar F-Type S Coupé

Test: Jaguar F-Type S Coupé

Brav war gestern

17.12.2014

Noch heute bekommen viele Automobilisten feuchte Hände, wenn sie den Jaguar E-Type zu Gesicht bekommen. Der Sportwagen aus den 60ern, der auch in der AutoScout24-Börse zu Höchstpreisen gehandelt wird, gilt zurecht nicht nur als Design-Ikone, sondern vermochte auch mit überragendem Fahrspaß zu begeistern - ganz anders als das, was Jaguar bislang in den letzten Jahren im Sportwagensegment anzubieten vermochte: Der XK war ein eher wenig dynamischer Gleiter. Doch 50 Jahre nach dem E-Type macht der F-Type wieder Schluss mit allzu braver Zurückhaltung.

Das Design.

Galerie: Test Jaguar F-Type S CoupéZuerst warf Jaguar, im Mai 2013, den schnittigen F-Type Roadster auf den Markt, der zweifelsohne eine gute Figur abgibt. Noch schicker aber ist das atemberaubende Coupé, das ein Jahr später folgte, und statt der straffen Stoffmütze ein flach nach hinten auslaufendes Blechdach trägt. Anders als eine erste Studie versprach, geht die Heckklappe (unter der sich ordentliche 400 Liter Stauraum verstecken) zwar konventionell nach oben und nicht - wie einst beim E-Type - zur Seite auf, doch braucht der Jaguar solchen Schnickschnack nicht, um zu begeistern. Kurze Überhänge, lange Motorhaube, große Räder: Die Briten haben keine Experimente gewagt, sondern sich strikt an das Sportwagen-Rezept gehalten - und das mit Erfolg.

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Das gilt auch im Innenraum. Die beiden bequemen Sessel sind tief angebracht und vermitteln nicht nur Rückengeschädigten schon beim Einsteigen echtes Sportwagen-Feeling. Dazu trägt auch das eng geschnittene Cockpit mit niedrigem Dach und breiter Mittelkonsole bei. Letztere beherbergt einen großen Touchscreen, über den die meisten Funktionen - teilweise etwas umständlich - angesteuert werden; darunter gibt es die Klimaanlagenregler und die beiden wichtigsten Tasten: den Startknopf und den Sportschalter, der die Systeme schärft und das Kombiinstrument in rot erstrahlen lässt.

Galerie: Test Jaguar F-Type S CoupéWeniger Freude hat man dagegen an den Materialien, die billiger wirken, als der F-Type eigentlich ist. Und auch die Verarbeitung ist hier und da verbesserungsfähig: Das man zum Beispiel nach dem Besuch der Waschstraße den Schaum innen auf den Einstiegsleisten mit beluchtetem Jaguar-Schriftzug wiederfindet, ist nicht die feine englische Art.

Die Gegner.

Richtig einsortieren lässt sich der 4,47 Meter lange Jaguar nicht: Er liegt zwischen Hausfrauen-Roadstern wie Mercedes SLK oder Porsche Cayman (die er leistungs- und platzmäßig deutlich übertrifft) und Edel-Sportlern nach SL- oder 911-Manier. Das gilt allerdings auch preislich: Mit mindestens 65.000 Euro ist der Jaguar zwar fast doppelt so teuer wie ein Audi TT, aber auch gut 30.000 Euro billiger als ein Elfer. Das scheint für viele Kunden ein Argument zu sein: Drei von vier F-Type-Roadster-Käufern haben vorher keinen Jaguar gefahren, und vom Coupé erhoffen sich die Verantwortlichen eine noch höhere Eroberungsrate.

Galerie: Test Jaguar F-Type S CoupéHinzu kommt eine ordentliche Serienausstattung: In den 77.000 Euro, die der etwas stärkere F-Type S kostet, sind etwa 19-Zoll-Räder, Audioanlage, das adaptive Fahrwerk, elektrisch einstellbare Sitze, Bi-Xenonlicht, Audioanlage und Klimaautomatik inklusive. Möglichkeiten, mehr Geld auszugeben, hat man freilich trotzdem noch zahlreiche, die Ausstattungsoptionen reichen vom Abstandstempomat bis zum Kurvenlicht, von Carbon-Spiegelkappen bis zu Sportsonnenblenden; an Assistenzsystemen gibt es allerdings nur den Tot-Winkel-Warner. Und getrost verzichten kann man auf das Navigationsystem, das schlichtweg (mindestens) eine Generation hinter dem Stand der Technik ist. Und auch die Parkpiepser arbeiten ziemlich ungenau und warnen oft erst im letzten Moment - schade, denn die Sicht nach hinten ist quasi nicht vorhanden.

Der Motor.

Der von uns getestet Jaguar F-Type S stellt die potentere Ausbaustufe des Basismotors dar. Sein drei Liter großer V6-Kompressor kommt auf 380 PS; 40 Pferdestärken mehr, als das Grundmodell. Wer noch mehr will, muss auch deutlich mehr zahlen: Der stärkere F-Type R mit 550-PS-V8 fängt bei 106.800 Euro an.

Galerie: Test Jaguar F-Type S CoupéBrauchen tut es den V8, sieht man vom tiefen Bollerklang ab, allerdings nicht, schon der willig am Gas hängende S-Motor beschleunigt den trotz Alukarosserie erstaunliche anderthalb Tonnen schweren Briten in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 - vorausgesetzt, man hat die 2.500 Euro teure Achtgang-Automatik geordert, die die Übersetzungsstufen mit sportlicher härte wechselt; mit dem Handschalter dauert es 5,5 Sekunden. Sogar der Verbrauch sinkt durch den Wandler: 8,6 statt 9,8 Liter je 100 Kilometer gibt Jaguar für die Automatik-Version an.

Ein Wert, den wir auf der Autobahn auch erzielt haben - wenn wir brav mit Tempo 130 dahin gerollt sind. In der Praxis zeigt der Bordcomputer eher Werte zwischen 13 und 14 Liter an; erst recht, wenn man ausprobiert, ob der Jag wirklich 275 Sachen läuft - tut er. Die 72 Liter Benzin, die in den Tank passen, reichen also für etwas über 500 Kilometer, das ist konkurrenzfähig, aber auf längeren Reisen trotzdem störend.

Galerie: Test Jaguar F-Type S CoupéWer 1.750 Euro für die Sportabgasanlage mit Klappensteuerung auszugeben bereit ist, und dann noch 240 Euro in die Sound-Taste investiert, kann auch dem Sechszylinder markerschütterndes Klang entlocken: Unter der Motorhaube surrt der Kompressor während aus dem mittig platzierten Doppelendrohr tiefes Gebrüll ertönt. Das kommt im Stadtverkehr so gut, dass der Druck auf die Klangtaste genauso schnell zum Standardprozedere nach dem Motorstart gehört, wie das Ausschalten der Stopp-Start-Automatik - die ist zwar ökologisch sinnvoll, passt aber nicht wirklich zum bissigen Charakter des Kätzchens.

Die Dynamik.

Das Coupé ist noch einmal 50 Prozent steifer als der Roadster und liegt satt auf der Straße, das Lenkrad liegt locker in der Hand und gibt die Richtungswünsche des Fahrers direkt weiter und Seitenneigung ist dank des niedrigen Schwerpunkts kein Thema - aber dennoch: 1.577 Kilogramm Leergewicht lassen sich nicht einfach so wegdiskutieren. Auch wenn der Motor auf der Geraden leichtes Spiel mit dem Ballast hat, in der Kurve sind die Pfunde spürbar und treiben den Briten nach außen.

Galerie: Test Jaguar F-Type S CoupéInsgesamt aber ist der F-Type ein ausgesprochen dynamischer Flitzer, wenngleich er an die Präzision eines Porsches nicht ganz heran reicht. Das trifft auch in schnellen Kurven zu, wo der F-Type seinem Sportwagenanspruch alle Ehre macht und die angetriebenen Hinterräder - wenn man nochmal beherzt aufs Gas tritt oder herunterschaltet - hin und wieder die Haftung verlieren; die meisten Fahrern dürften darüber aber eher erfreut als entsetzt sein! Und es ist ja auch dieses etwas aufmüpfige Verhalten, das den Jaguar emotionaler macht als einen 911er, der stoisch, nüchtern und sachlich (fast) immer das tut, was er soll. Trotzdem: Es empfiehlt sich die Finger vom ESP-Schalter zu lassen, denn ohne den Helfer gerät der F-Type doch leicht außer Kontrolle. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann mittlerweile aber auch Allradantrieb ordern.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Jaguar hat wieder einen emotionalen Supersportler im Angebot, der dazu preislich noch einigermaßen attraktiv ist. Das war nach vielen Jahren, in dem die Briten einzig mit dem wenig dynamischen XK das Sportwagensegment besetzten, auch dringend nötig. Ob der F-Type nun der E-Type-Nachfolger ist, für den er oft gehalten wird, oder nicht, sei dahingestellt. Muss er aber auch nicht sein: Sein  schnittiges Design, der kräftige Motor und auch die nicht immer ganz brave Gangart machen den Jaguar unabhängig seiner Vorfahren begehrenswert.  
 
 

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