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Galerie: Test Jaguar F-Type S

Test: Jaguar F-Type S

Mr. Hyde

31.10.2013

Modernen Autos kann man oft eine gespaltene Persönlichkeit attestieren. Doch der Jaguar F-Type hat keine Persönlichkeitsstörung, er macht aus seiner Tugend ein Laster. Ständig.
Dr. Jeckyll sitzt nur am Steuer.

Fangen wir gleich mit den Schwächen an: Der F-Type ist ein Cabrio, ein Mädchenauto, wenn auch eines für böse. Er hat keinen Kofferraum, sondern einen Taschenraum. Es gibt keine nennenswerten Ablagen im Innenraum und nur zwei Sitze. So.

Mädchenauto

Galerie: Test Jaguar F-Type SSeine größte Stärke ist sein Design. Obwohl das Team um Chefgestalter Ian Callum mit einem auf der Vorderachse platzierten Motor kämpfen musste, ist ihm eine lange Motorhaube geglückt, die sie durch die wohl gelungenste Heckansicht seit dem BMW Z8 kompelettierten. In der Seitenansicht gefällt die schmale Taille, die durch die kleine Stoffhaube nicht gestört und von den selbstbewusst ausgeformten Hüften unterstrichen wird. Kleine Überhänge vorne und hinten resultieren aus weit an den Ecken des Autos positionierten Rädern, die damit größtmöglichen Radstand und breite Spur realisieren. Die Kabine sitzt weit hinten, kurz vor der angetriebenen Hinterachse. Der F-Type sieht klasse aus.

Layout

Galerie: Test Jaguar F-Type SDas Layout ist jedoch nicht so kompromisslos sportlich, wie es die knackigen Porportionen erwarten lassen: Die Platzierung des Motors wurde schon erwähnt und auch das Getriebe ist konventionell direkt am Motor angeflanscht, einer sportlichen, hecklastigeren Gewichtsverteilung steht das im Wege. Doch ehrlicherweise würde ein Transaxle-Getriebe an der Hinterachse und ein Front-Mittelmotor die Kosten in die Höhe und die Dimensionen in die Länge treiben.

Für die Jaguar-Entwickler weist der F-Type daher eine "optimale Gewichtsverteilung von 50:50” auf. Zumindest hat es ihnen den Job erleichtert, dem ersten echten Sportwagen von Jaguar seit Jahrzehnten ein weitgehend neutrales Handling anzuerziehen.

Mittelding

In der von uns getesteten, mittleren Ausbaustufe mit Kompressor-V6 und 380 PS Leistung bietet der F-Type S einen guten Kompromiss zwischen dem nochmals brachialeren V8S mit knapp 500 PS und der mit 340 PS zwar flotten aber nicht ganz so zackigen Basis. Auch preislich liegt er mit knapp 85.000 Euro dazwischen. Dank umfangreicher Optionsliste bleibt der Grundpreis trotz üppiger Serienausstattung (19-Zoll Felgen, gute Sportsitze, Sperrdifferenzial, große Bremsen, adaptive Dämpfer) graue Theorie, denn vor allem in Bezug auf Farben, Belederung und Audio gibt es begehrenswerte und teure Dinge in der Liste.

Optionen

Galerie: Test Jaguar F-Type SBei Bremsen und Rädern hat man die Option zu mehr Sportlichkeit: Die “Super-Hochleistungsbremse” bietet gegenüber der serienmässig verbauten “Hochleistungsbremse” nochmals mehr Reibfläche (376 Millimeter hinten statt 325 für 1.240 Euro), bei den 20-Zoll Felgen (ab 1.520 Euro Aufpreis) besteht die Option auf Sportreifen (2.180 Euro). Doch steht vor allem die große Sportbereifung dem Alltag (Komfort, Nasshandling) im Wege, wenn auch die Optik davon deutlicher profitiert als vom “Exterieur Design-Pack mit Exterieur Black-Pack 2” (2.650 Euro), das mit mehr Aerodynamikteilen auffallen möchte. Dass ein Navigationssystem nicht zur Serienaussattung gehört und mit 3.000 Euro Extra zu Buche schlägt, ist unverständlich.

Tempo

Galerie: Test Jaguar F-Type SDie Fahrleistungen sind beträchtlich: 275 km/h Spitze, und eine Beschleunigung auf 100 in unter fünf Sekunden sind Werte, die glaubhaftes Sportwagenniveau liefern. Dabei ist das Handling des Jaguar F-Type wegen der Gewichtsverteilung beim Einlenken recht zackig, im Grenzebreich dagegen etwas kopflastig. Der spontan zupackende Kompressormotor - Turboloch ist ihm ein Fremdwort - erleichtert jedoch das Heck bei sachgerecht eingesetztem Gasfuß.

Auch das wirksame Sperrdifferenzial kann der kopflastigen Gewichtsverteilung durch die gripstarke Beschleunigung am kurvenäußeren Antriebsrad entgegenwirken, was den 1,92 Meter breiten und 1.600 Kilogramm schweren Sportler recht agil zu Werke gehen lässt. Bei  deaktiviertem ESP gehen die Antriebskräfte an den 295er-Breitreifen wohltemperiert von der Haft- in die Gleitreibung über, wobei neben provozierten Lastwechseln auch Leistungsübersteuern dank der spontanen Kraftentfaltung jederzeit als Option zur Quertreiberei bereit steht.

Party

Galerie: Test Jaguar F-Type SAkustisch wird das Ganze durch den zwangsbeatmeten V6 vorne und die wunderbaren Doppelendrohre hinten untermalt. Wobei “wunderbar” hier deren optischer Gestaltung gilt. Denn ab 4.000 Touren werden die Auspuffklappen geöffnet und eine Lautstärke produziert, die weder an einen englischen Gentleman, noch an einen Sportwagen, sondern vielmehr an ein Punkkonzert erinnert: Das Getöse ist so unverschämt, dass die meisten Landstrassennutzer nicht nur von der Schnelligkeit der orangenen Flunder überrascht sind, sondern diese als vielmehr ungebührlich rasend empfinden, was allerdings nur wenig mit den vom Piloten abgelesenen Fahrdaten übereinstimmen muss.

Doch auch wenn man die (für 240 Euro optionale) Loudnesstaste für die Heckrohre ausschaltet, ist der F-Type nur mit einem sensiblen rechten Fuß akustisch zu zähmen: Wie von einem sequentiellen Getriebe gelernt, lupft man kurz vor dem Gangwechsel, um das aggressive Auspuffsprotzen zu vermeiden. Schaltet man dagegen unter Last in die nächste Gangstufe, wird das pubertäre Ballern derart ungefiltert an die Umgebung abgesondert, dass einem die Betätigung der Hupe noch als höfliche Geste vorkäme.

 
Fazit
 

Thomas Weiss

Die Fahrleistungen des Jaguar F-Type liegen auf Augenhöhe mit dem (200 Kilogramm leichteren und 20.000 Euro billigeren) Porsche Boxster S und knapp unter denen des (20.000 Euro teureren) Porsche Carrera Cabrio. Dafür verbindet er wesentlich mehr klassisches Sportwagenflair mit einem Maß an Unvernunft, das jeden Porschefahrer als vernunftgetriebene Spaßbremse outet und einen Vergleich dieser Modelle auch gleich als völlig umnpassend erscheinen lässt: Der Jaguar ist so unpraktisch wie möglich für ein so unverschämt schönes Auto.

Der Jaguar F-Type will es niemandem recht machen, außer seinem Besitzer, der lieber mit einer leichten Tasche als einem Koffer ins Wochenende fährt, der sich lieber an betörenden Proportionen ergötzt als ein gesundgeschwurbeltes Sportcabrio zu fahren. Politische Korrektheit ist ihm ein unzulässiger Kompromiss. Die von Schamgefühl befreite Außenakustik ist daher Geschmacksache und dem F-Type-Aspiranten sei eine entsprechend ausgelegte Probefahrt wärmstens empfohlen.

Doch auch wer noch mehr Laustärke oder Sportwagen möchte, hat Optionen. Er kann zum nochmals zügelloseren F-Type V8S greifen oder auf das Coupé warten, das mit den selben Motoren 2014 beim Händler stehen wird und nochmals agileres Handling verspricht.
 
 

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