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Galerie: Test Jaguar XF R

Test: Jaguar XF R

Billige Mieze

17.07.2009

Es ist vermessen, bei einem 90.000-Euro-Automobil von einem Billig-Fahrzeug zu sprechen. Und dennoch erscheint die Bezeichnung für die neuste UK-Power-Mieze nicht ganz abwegig. Denn der Jaguar XF R deklassiert die etablierte Konkurrenz um rund 20.000 Euro. Und das ist nicht bloß in Krisen-Zeiten ein Pro-Argument.

Ich sitze mit Freunden in einem Münchener Wirtshaus, und wir philosophieren über Autos, denn nicht nur ich, sondern auch sie haben Benzin im Blut. Kurzentschlossen – vielleicht in einem Moment der geistigen Umnachtung – bezeichne ich den Jaguar XF R als mein neues Lieblings-Auto. Eine krasse Aussage, die einige die Augen verdrehen lässt und prompt die Frage aufwirft, woran ich das denn festmache. Gute Frage! Wie wild suche ich in meinen Gehirnwindungen nach einer Antwort auf diese im Affekt und ziemlich gedankenlos getroffenen Aussage.

An der Vielfalt

Galerie: Test Jaguar XF RSpontan fallen mir Design, Motor und Fahrwerk ein. Denn das XF-Design hat nichts mehr mit der angemotteten Gentleman-Attitüde früherer Modelle zu tun. Dank Jaguar Chef-Designer Ian Cullum und seiner Mannschaft. Ein XF sieht nicht mehr aus, als müsse man mit ihm vor einem vor einem Schloss in den schottischen Highlands vorfahren; mit dem XF kann es auch die Hightech-Design-Immobilie in der Hamburger Speicherstadt sein. Der neue Jaguar XJ zeigt, wie die britische Marke in Zukunft neue Kunden gewinnen und die alten halten kann.

Mit behutsamen Änderungen hat Jaguar den XF-Normalo zum XF R umgestaltet. Keine Krawall-Montur lautete dabei die Prämisse, als sie die technisch notwendigen Lufthutzen auf der Motorhaube installierten, Front- und Heckschürze veränderten und ein Spoilerchen sowie exklusive 20-Zöller montierten. Nur die zu auffällige Vierrohr-Abgasanlage ist als Stilbruch zu vermelden.

Galerie: Test Jaguar XF RNeben dem dezent eigenständigen Design ist aber vor allem der komplett neue V8-Motor eine Waffe mit vielen Gesichtern, die der Konkurrenz das Fürchten lehren wird. Bei Standgas grummelt der Fünf-Liter-Direkteinspritzer beruhigend vor sich hin, bei Vollgas beginnt er frivol zu zischen, untermalt von einem eindrucksvollen Trompeten. An den Sound eines C 63 kommt er zwar nicht ran, aber das muss auch nicht sein. Es ist gerade dieser stets eindringliche, aber niemals aufdringliche Motorklang, der die gewaltige Kraft von mehr als 500 PS und weit über 600 Newtonmeter Drehmoment akustisch perfekt darstellt.

Längsdynamik-Terror

Visuell und physisch äußert sich seine Längsdynamik darin, dass der XF R – trotz geruchsintensiver Traktionsverluste – lediglich 4,8 Sekunden nach dem ersten Antippen des Gaspedals Landstraßen-Geschwindigkeit aufgenommen hat. Nur 2,5 Sekunden später steht er auf Wunsch schon wieder. Die 380-Millimeter-Stopper an Vorder- und Hinterachse vernichten die Energie sozusagen doppelt so schnell, wie der Kompressor-Motor sie erbringen kann.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Jaguar XF R
Ausstattungsvariante    
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.961 / 1.877 / 1.460
Radstand (mm)   2.909
Wendekreis (m)   11,5
Leergewicht (kg)   ab 1.891
Kofferraum (Liter)   500
Bereifung Testwagen   VA 255/35 R 20; HA 285/30 R 20 Dunlop SportMaxx
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   5.000 / 8, V
Leistung (PS)   510
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   625 / 2.500 - 5.500
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   6-Gang-Automatik
Verbrauch    
Krafstoffart   Super
Kombiniert laut Werk (l/100km)   12,5
CO2-Emissionen (g/km)   292
AS24-Verbrauch (l/100km)   14,1
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   4,8
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   36,5
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250 abgeregelt
Preise    
ab (Euro)   89.900
Empfohlene Extras   USB-, iPod- und Aux-Anschluß (810 Euro), Digitalradio DAB (360 Euro), Rückfahrkamera (820 Euro), Navigantionssystem mit Europa-Karten inklusive Sprachbedienung (2.180 Euro)
 
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Noch beeindruckender ist aber, wie die Tachonadel bei Vollgas von 160 auf 250 eilt. Selbst ein Porsche Turbo ist in dieser Situation machtlos. Eine Sünde ist jedoch, den XF R bei Tempo 250 elektronisch einzubremsen. Denn seit dem Loslösen aus dem Ford-Konzern im Frühjahr 2008 müsste sich Jaguar nicht mehr unbedingt an diese 250-km/h-Vereinbarung der großen Automobilhersteller halten. Störend ist in diesem Zusammenhang der mit rund 70 Litern zu kleine Tank. Zwar lässt sich der XF R problemlos mit etwas mehr als zwölf Litern bewegen – meistens fließen aber doch 14 und mehr durch die Leitung. In der Stadt genehmigt er sich bei Gleitfahrt ermittelte 21,3 Liter.

Geschmeidig wie eine Wildkatze?

Galerie: Test Jaguar XF R

Das Fahrwerk des XF R beschreibe ich mal so: Es ist perfekt. BMW M5, Audi RS 6 und Mercedes E 63 können sich (in dieser Reihenfolge) eine Scheibe vom Engländer abschneiden. Kein anderer Unterbau federt so geschmeidig, keine anderen Dämpfer sind so langstreckentauglich und auf Knopfdruck so verbindlich  sportlich. Der Einsatz der Zielflaggen-Taste (Veränderung der Dämpferkennlinie) auf der Mittelkonsole bei gleichzeitiger Bedienung des ultraflinken Sechsgang-Getriebes via Lenkrad-Schalthebel (aus Plastik) macht auf einsamen Landstraßen Spaß – ohne wirklich sinnvoll zu sein. Denn der XF R ist bei all seinen fahrdynamischen Talenten kein Rennwagen. Aber wer hat, der hat. Und der XF R hat viel und hat gut.

Zum Beispiel auch das bei Brachialfahrt hilfreiche aktive Hinterachsdifferenzial, das die Kraft der Antriebsräder in Kurven zu egalisieren versucht. Ausprobieren lässt sich das nur nach langem Druck auf die DSC-Taste (Stabilitätsprogramm), denn sonst unterbindet das ESP Vorstöße dieser Art ziemlich rigoros. Ist es ausgeschaltet, raucht dennoch kein Kurveninnenrad, beim Schub aus der Kehre. Bedeutet praktisch: Auf der Ideal-Linie in die Kurve rein, in der Quer-Spaß-Linie aus der Kurve raus, und die 285er-Hinterreifen reiben reichlich Strichcodes in den Teer – Könner schaffen's zentimetergenau und ganz entspannt.

Schöne Neue Weltordnung

Galerie: Test Jaguar XF RDeutlich kühler präsentiert sich das Interieur im schlicht-edlen XF-Stil. Nichts erinnert an das Opulent-Schwülstige, das früher so Jaguar-typisch war. Unterscheidungsmerkmale des R zu den Normal-Brüdern gibt es wenige: Die serienmäßigen 18-Wege-Sitze sind Spitze und sollten daher für alle XF-Modelle erhältlich sein. Sie lassen sogar die Verstellung der Sitzflächenlänge und der für den Seitenhalt wichtigen Sitzlehnenweite zu. Dunkles Alu-Dekor sowie Alu-Pedalkappen und ein geändertes Lenkrad sind weitere Sportmodell-Indikatoren, sonst nichts.

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Die nicht immer akkurate Verarbeitung kann auch der Zusatz R nicht verhindern. So besaß unser Testwagen ein riesiges Spaltmaß zwischen Türarmlehne und Türverkleidung, eine schlecht sitzende und billig wirkende Kofferraumdeckel-Verkleidung und eine lummelige Warndreieck-Halterung. Kleinigkeiten, die Jaguar-Freunde aber nicht beeindrucken.

Fazit

Es sind gute Argumente, finde ich, die mir so auf die Schnelle eingefallen sind. Und damit bekräftige ich gerne nochmals die eingangs getroffene Aussage: Der Jaguar XF R besitzt in seinem Fahrzeugsegment das mit Abstand beste Preis/Leistungsverhältnis. Für 90.000 Euro erhält man nirgendwo sonst so viel Leistung, ein so ausgewogenes Fahrwerk und ein so elegantes Fahrzeug. Über die kleinen Macken bei der Verarbeitung und das zu kleine Sprit-Fass sieht man da ganz Gentleman-like hinweg. Und daher bleibt derXF R bis auf Weiteres mein persönlicher Favorit.

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