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Galerie: Test Lada Priora

Test: Lada Priora

Einer wie Bentley

27.05.2009

Glauben Sie, ein einziger Bentley-Kunde hat seinen Wagen gekauft, weil er ihn braucht? Nein, sicher nicht! Für die meisten Autos gibt es keine rationalen Gründe. Der Bentley-Fahrer will einfach nur einen Bentley haben, und der Ferrari-Fahrer will einen Ferrari. Punkt. Und der Lada Priora? Den muss man auch wollen...

Bisweilen galt immer der Preis als unschlagbares Argument, sich einen Lada zuzulegen, kostet doch keines der hierzulande angebotenen Fahrzeuge mehr als 11.000 Euro. Doch seit sich Renaults Billig-Tochter Dacia auf den Markt drängt, haben die Russen einen Mitbewerber, der mit vergleichbar niedrigen Preisen um die Gunst der Kundschaft buhlt.

Trotzdem konnte Lada das Jahr 2008 als einer der besten Hersteller in Deutschland abschließen. 15 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahr hat der in Buxtehude beheimatete Importeur unters Volk gebracht - davon träumen andere Autobauer derzeit nur. Freilich spielt Lada mit nicht einmal zweieinhalbtausend Autos deswegen noch keine große Rolle auf dem hiesigen Markt. Doch auch 2008 wollen die Russen ihren Absatz weiter steigern.

Anders als die Anderen

Galerie: Test Lada PrioraRichten soll's zum einen die Abwrackprämie, die Lada in den ersten vier Monaten des Jahres schon 1.800 Verkäufe beschert hat. Zum anderen will man mit dem seit Beginn des Jahres erhältlichen Lada Priora - offiziell 2170 beziehungsweise 2172 genannt - in der Kompaktklasse punkten. Und das wahlweise mit einer Stufen- oder Fließheckvariante. Ein nicht zu unterschätzendes Verkaufsargument, haben die meisten Mitbewerber doch nur würfelförmige Steilheckmodelle im Angebot.

Äußerlich setzt der von uns getestete Lada Priora Fließheck nicht auf aktuelle Design-Trends sondern bewahrt traditionelle Formen und frischt so die langsam zu verblassen drohende Erinnerung an Opels Kadett oder frühere Ford-Fiesta-Generationen wieder auf. Nur dem derzeitigen Run auf die Lackfarbe Grau konnte man sich im russischen Togliatti, wo die Ladas gebaut werden, nicht ganz entziehen. Unter anderem sind aber auch California-Rot, Regatta-Blau und Robin-Hood-Grün im Angebot.

Steingraue Plaste

Galerie: Test Lada PrioraWenngleich graue Autos momentan beliebt sind, ist der kontrastarme Farbton im Innenraum bei den meisten Herstellern weitgehend verschwunden. Nicht so beim Priora: Das steingraue Plaste-Cockpit erinnert an vergangene Jahre und umgarnt mit seinem Retro-Charme die Freunde gepflegter Nostalgie. Details wie die Klettstreifen am sonst wahrscheinlich nicht richtig schließenden Brillenfach - ja, sowas gibts -, die LED-Beleuchtung oder der zweizeilige Bordcomputer zeigen, dass Old-School-Optik und moderne Technik sich nicht ausschließen.

Farblich perfekt abgestimmt sind die drei Rundinstrumente in fahlem Grün illuminiert, ein Scheinwerfer-An-Summer ersetzt die Lichtautomatik und die Klimaanlage (1.200 Euro) lässt sich über leicht verständliche, gut erreichbare Drehregler dosieren. Elektrische Fensterheber gehören bei jedem Priora ebenso zum Standard wie eine Wisch-Wasch-Anlage, Heckscheiben-Heizung, Drehzahlmesser und Kopfstützen vorne.

Komfort-Extras

Galerie: Test Lada PrioraGreift man zu dem getesteten Fließheck-Modell, steigern elektrisch einstellbare Außenspiegel, Kopfstützen hinten, Radzierblenden, Schmutzfänger, die Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung und vor allem das ABS zusätzlich den Komfort und die Sicherheit. Weitere Extras wie Sitzheizung, Nebelleuchten, Radio-CD-Anlage oder Schutzleisten an den Türen hält die Aufpreisliste parat.

Die ebenfalls grau bezogenen, weich gepolsterten Sitzmöbel des Priora wünschte man sich früher nur zu gern in seine Datsche; auf Seitenhalt hat man ob der Bequemlichkeit lieber verzichtet. Auch die eingeschränkten Verstellmöglichkeiten der Vordersitze haben ihren Vorteil: Zwar müssen sich größere Fahrer irgendwie hinter das nicht in der Höhe justierbare Lenkrad klemmen, dafür herrschen im Fond aber großzügige Platzverhältnisse.

Jetzt 16 Ventile

Galerie: Test Lada PrioraIn Gang setzt den Priora ein 1,6 Liter großer Benziner - mit vier Zylindern und mittlerweile 16 Ventilen -, der es auf eine Leistung von 98 PS und ein Drehmoment von 145 Newtonmetern bringt. Mit dem nicht einmal 1,1 Tonnen schweren Lada hat das gegen 2.350 Euro Aufpreis auch Autogas schluckende Aggregat kein Problem: Nach knapp über 13 Sekunden hatten wir Tempo 100 auf dem Tacho stehen, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 184 km/h. Passable Werte, mit denen der Russe problemlos im Verkehr mitschwimmen kann.

Allerdings braucht das Triebwerk Drehzahlen jenseits der 3.000 Touren, sonst geht nicht allzu viel voran. Daran, dass das Fünf-Gang-Getriebe ein wenig hakelig ist, mit Nachdruck bedient werden will und so genau arbeitet wie in Moskau die Verkehrsregeln eingehalten werden, gewöhnt man sich schnell. Zudem setzt sich Lada für den Erhalt der fast ausgestorbenen Praxis des Zwischengas-gebens ein, wodurch die Gangwechsel mitunter etwas geschmeidiger ablaufen.  

Galerie: Test Lada PrioraSchluss mit lustig

Mehr als geschmeidig federt das butterweiche Fahrwerk Unebenheiten hinweg, so dass die Passagiere auch auf schlechtesten sibirischen Straßen noch kommod reisen können. Und da es in der Taiga ohnehin nur selten Kurven gibt, fallen auch die indirekte, gefühllose Lenkung und das nachgiebige Fahrwerk nicht weiter ins Gewicht. Dass allerdings die Bremsen weit über 40 Meter brauchen, um den Priora aus 100 km/h zum Stehen zu bringen, kann nicht verziehen werden.

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Denn beim Thema Sicherheit hört der Spaß auf: Und hier rasselt der nur über Fahrer- und Beifahrerairbag sowie ABS (in der Basis aufpreispflichtig!) verfügende Lada mit Pauken und Trompeten durch die Prüfung. Die Sicherheitsausstattung entspricht in etwa dem technischen Stand Mitte der Neunziger Jahre und kann auch gegen Geld nicht aufgebessert werden.

Fazit

Der Preis allein kann es nicht sein: Für die knapp 10.000 Euro, die Lada für den 2172 aufruft, sind mittlerweile auch andere Autos erhältlich. Ähnlich wie bei den Anfangs erwähnten Luxusfahrzeugen muss man einfach Liebhaber der russischen Marke sein, um sich für das Abenteuer Lada zu entscheiden - man muss es eben wollen. Doch in Anbetracht der mageren Sicherheitsausstattung sollte man sich die Liebhaberei genauestens überlegen. Denn bei aller Ostalgie setzt man sich und seine Beifahrer mit dem Lada faktisch unnötigen Gefahren aus. Und das unterscheidet den Priora nämlich vom Bentley...  

Ihre Meinung ist gefragt: Sind Sie ein Lada-Fahrer? Schreiben Sie uns warum! E-Mail an redaktion@autoscout24.com

Galerie: Test Lada Priora

 
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