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Galerie: Test Lancia Musa Facelift

Test: Lancia Musa Facelift

Stile ed Eleganza

07.02.2008

Italiener sind stylisch: Egal ob bei Kleidung (Brioni und Missoni), bei Yachten (Riva und Wally) oder bei Automobilen (alle?!) – was aus Bella Italia kommt, hat  meistens Stil. Diesem positiven Vorurteil fügt sich auch Lancia’s Musa. Und dabei sind kubusartige Vans meist frei von Design-Attitüden. Im Test, die schnieke Platino-Version mit 90 PS starkem Diesel.

Lancia Musa: Eine Autobezeichnung, die nur von Italienern kommen kann und eigentlich auch nur für ein italienisches Fahrzeug taugt. Musa heißt auf Deutsch die Muse und passt zum kleinen Lancia wie die vielbeschworene Faust aufs Auge. Und obwohl allein der Name schon Käufer in Scharen locken müsste, ist die Muse in Deutschland ein richtig seltenes Exemplar. Letztes Jahr wurden weniger Lancia Musa zugelassen als Audi R8. Dementsprechend unbekannt ist dieser schicke Mini-Design-Transporter bei der Bevölkerung.

Zu schick für einen Van?

Gleich beim ersten Blick sehen auch Menschen ohne automobilen Background, das es sich hier um ein italienisches Baby handeln muss. Wer sonst könnte so virtuos die „rossinigraue“ Außenlackierung mit der „schokobraunen“ Leder-Alcantara-Auskleidung im Innenraum kombinieren. Zudem stehen nicht weniger als 84 Farbkombinationen zwischen Interieur und Exterieur zur Wahl.

Galerie: Test Lancia Musa FaceliftDezenter Einsatz von Chrom und Mini-Van untypisch weiche Formen unterstreichen den distinguierten Luxus, den der 4,03 Meter lange Italiener aussendet. Besonders edel wirken die LED-Heckleuchten. Nicht weniger als 18 Dioden pro Rücklicht funkeln wie kleine Diamanten und sorgen zugleich für eine entzückende Nachtgrafik.

Dass Design in Italien oftmals Vorrang hat, beweist der Musa aber mit seinen unpraktischen Klapptürgriffen und den mickrig kleinen Außenspiegeln. Zum Leidwesen des Piloten, der nur noch wenig Überblick hat. Dieser wird nach vorne zusätzlich durch die stämmigen A-Säulen beeinträchtigt. Hinten verhindern die breiten C-Säulen eine gute Rundumsicht.

Designtempel

Galerie: Test Lancia Musa FaceliftIm Innenraum verströmt das handschmeichelnde Alcantara in Kombination mit feinem Leder echte Luxusatmosphäre. Passend dazu sind die Sitze sehr komfortabel, die Armauflagen dick gepolstert und mit eingesticktem Musa-Schriftzug in der Kopfstütze versehen. In solch einem Ambiente fühlt Mann und Frau sich auf Anhieb wohl. Hilfreich sind auch die vielen Ablagen, die übersichtliche, mittig platzierte Tachoeinheit und das große, zweigeteilte Sonnendach mit dem bezaubernden Namen „granluce“, dessen vorderer Teil elektrisch geöffnet werden kann.

Perfekter Ausstieg

Galerie: Test Lancia Musa FaceliftDurch das riesige Glasdach wird auch das geräumige Interieur des kompakten Musa geflutet und das subjektive Raumgefühl steht dem objektiven kaum nach. Egal ob vorne oder hinten, über Platzmangel kann sich keiner beschweren. Vier Erwachsene kommen perfekt unter. Superbequem ist auch das Aussteigen. Vor allem Fondpassagiere erfreuen sich über die großen, weit öffnenenden Türen und die recht hohe Sitzposition.

Sehr praxisgerecht ist auch die extrem niedrige Kofferraum-Ladekante. Sie ist so tief, dass manch einer sich beim Beladen bücken muss, um die 390 Liter Gepäckraum zu füllen. Das ist übrigens der Wert, den auch ein Golf Plus bietet. Werden die Fondsitze umgeklappt, erweitert sich das Ladevolumen bis unters Dach auf satte 1.488 Liter.

Italienische Verarbeitung

Galerie: Test Lancia Musa FaceliftBeim Musa ist nicht nur das Design italienisch, teilweise ist es auch die Verarbeitung. Und bei Automobilen ist das, anders als bei Rotwein, nicht unbedingt ein Prädikatsurteil. Zwar sehen und fühlen sich die Oberflächen und Materialien durchweg angenehm an, aber Feinheiten sind es, die hier enttäuschen. Riesige Spaltmaße am Armaturenbrett, teilweise nicht entgratete Kunststoffteile, ein etwas gakeliger Sonnenschutz für das Glasdach und die zweiteilige Gepäckraumabdeckung sind Dinge, die Verbesserungspotenzial in sich bergen.

Multijet bedeutet Diesel

Verbesserungsfähig ist auch der kleine Multijet, der unseren Test-Musa prinzipiell sehr flott vorantreibt. 90 PS leistet das mit lediglich 1.248 Kubizentimeter Hubraum gesegnete Turbo-Dieselchen. Der Selbstzünder geht noch aus einer „Motorenehe“ mit General Motors hervor und treibt in gleicher Konfiguration auch den aktuellen Corsa an. Er ist schon bei mittleren Drehzahlen ein Nagler vor dem Herrn. Laut beim Kaltstart, laut nach dem Kaltstart und immer noch laut selbst wenn das Motoröl richtig heiss ist. Die Krux an der Geschichte: Der Motor will auch noch gedreht werden.

Diesel-Bumms fehlt

Unter 2.500 Umdrehungen tut sich nämlich so ziemlich gar nichts. Dabei stehen 200 Newtonmeter im Datenblatt, die bereits ab 1.750 Umdrehungen in gesammelter Formation antreten sollen. Davon ist nichts zu spüren. Erschwerend kommt ein langer erster Gang hinzu. In Verbindung mit dem riesigen Turboloch ist das für den Stadtverkehr unschön und Anfahren am Berg wird zur Kupplungstortur. Zum Glück besitzen alle Musa eine Berganfahrhilfe – hierbei wird der Bremsdruck etwa zwei Sekunden aufrecht gehalten, nachdem man den Fuß vom Bremspedal nimmt.

Dennoch flott

Galerie: Test Lancia Musa FaceliftBei freier Fahrt verliert er erst bei 173 km/h den Kampf gegen die Fahrwiderstände, der obligate Spurt gelingt ihm in kurzweiligen 12,5 Sekunden. Beim Schalten vermiest das manuelle Fünfgang-Getriebe die Freude am Gangwechseln. Und das, obwohl der Schalthebel perfekt platziert wurde. Rasten die Gänge noch ordentlich ein, nerven gleichzeitig die langen Schaltwege und die unpräzise Führung.

Wenigsten sparsam

Positiv am kleinen Vierzylinder ist seine Knausrigkeit. Im Test stieß er rußgefilterte 143 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das entspricht etwa einem Dieselverbrauch von 5,4 Litern auf 100 Kilometern. Laut Lancia begnügt er sich mit 4,7 Litern. Im Stadtverkehr nippte er moderate 6,5 Liter.

Feines Fahrwerk

Galerie: Test Lancia Musa FaceliftKaum besser kann man das Fahrwerk eines Minivans abstimmen. Mit den vorhandenen Gegebenheiten, also typischer McPherson-Vorderachse und Verbundlenker-Hinterachse, haben die Ingenieure ein gutes Gesamtpaket erstellt, was bei kurzen Fahrzeugen nicht ganz einfach ist. Der Musa bügelt grobe wie feine Fahrbahnhindernisse gekonnt glatt.

Fahrdynamisch muss sich der Kleine auch nicht verstecken. Mit deutlicher Schräglage durcheilt er schnell gefahrene Kurven, was sich auf die Fahrsicherheit aber nicht negativ auswirkt. Er zickt auch bei abrupten Richtungswechseln nicht rum und vermittelt somit viel Vertrauen. Das ESP setzt nur ein, wenn man es am Volant richtig übertreibt. Abschalten lässt sich der Wächter übrigens nicht. Apropos Volant. Auf Knopfdruck vor dem Schalthebel wird der City-Modus aktiviert, der die Servounterstützung noch einmal kräftig aufpumpt.

Klingt schön

Galerie: Test Lancia Musa FaceliftSchon bei der Fahrzeugbezeichnung schafften die Italiener einen Volltreffer. Lancia Musa. Noch besser klingen aber die drei Ausstattungslinien, die schon puren Luxus verströmen. Die Bezeichnung gibt Aufschluss über die Rangfolge: Argento (Silber), Oro (Gold) und Platino (Platin). Bereits die Grundversion wartet unter anderem mit einer Klimaanlage, einem Bordcomputer und ESP mit integrierter Berganfahrhilfe-Funktion auf.

Bose Soundsystem, 16-Zoll-Aluminiumfelgen, Tempomat, Einparkhilfe, Panorama-Schiebedach, Sitzheizung Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Navigationssystem, Reifendrucksensor und automatisiertes Schaltgetriebe sind nur einige Optionen von vielen. Klar, dass sich das summiert. Die von uns gefahrene Version ohne Bose Soundsystem und  elektronischen Lotsen kommt auf rund 23.000 Euro.

Fazit

Billig gibt’s also woanders. Das wird auch ein Grund sein, warum „die“ Deutschen lieber zum eher konservativ gestylten Touran 1.9 TDI mit 105 PS greifen. Den gibt’s auch ab etwa 23.000 Euro (nackt), er ist deutlich größer, praktischer, hat mehr PS und ist eben ein VW. Mann oder Frau muss also schon ein wenig italophil sein, um sich für die elegante Art eines Minivans zu entscheiden. Einen groben Fehler begeht man dabei nicht.

Galerie: Test Lancia Musa Facelift

 
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