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Galerie: Test Lancia Thesis 2.4 Multijet

Test: Lancia Thesis 2.4 Multijet

Extravaganz, die keiner kennt

25.10.2007

Mit dem extravaganten Lancia Thesis sollte alles besser werden, nachdem sich der Vorgänger Kappa hierzulande nur sehr schleppend verkauft hat. Doch mit gerade mal vier Neuzulassungen im September 2007, einem Fahrzeugbestand von nur knapp 1.300 Fahrzeugen und einem nur sehr niedrigen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung verfehlt auch der 2002 auf den Markt gekommene Thesis bei weitem die gesteckten Ziele.

Importeure haben es in der oberen Mittelklasse nicht leicht, zu stark ist das Triumphirat von Mercedes E-Klasse, BMW Fünfer und Audi A6. Die drei deutschen Premiumhersteller teilen fast 80 Prozent des Segments unter sich auf. Diese Vormachtstellung bekommt Lancia deutlich zu spüren, der Thesis lässt sich hierzulande nur schleppend unter das Volk bringen.

Augenweide

Galerie: Test Lancia Thesis 2.4 MultijetWer den eleganten Italiener doch auf deutschen Straßen erblickt, traut oft seinen Augen nicht. Das extravagante Design sticht aus der Alltagsmasse heraus, stellt so manchen Porsche in den Schatten. Neben der stark konturierten Motorhaube mit den diamantenförmigen Scheinwerfern fällt vor allem das hohe Heck auf. Hier stechen die bogenförmigen Rückleuchten in Neon-Technik ins Auge.

Nobel geht es im Interieur zu: Der Innenraum ist mit hellbraunem Leder ausgeschlagen, das von keinem geringeren stammt als dem italienschen Edel-Möbelhersteller und Fahrzeugausstatter Poltrona Frau. Die Kombination mit naturbelassenem Holz, Metall und flauschiger Auslegeware sorgt für Wohlfühlambiente auf hohem Niveau. Selbst der Kunststoff rund um die Mittelkonsole passt ins Gesamtbild.

Tastenvielfalt

Galerie: Test Lancia Thesis 2.4 MultijetWas den Eindruck ein wenig zu trüben vermag sind die vielen Tasten, die sich dazu nur äußerst schwer drücken lassen. Sie machen die Bedienung des ohnehin komplexen Navigations- und Entertainmentsystems nicht leichter. Um sich in den zahlreichen Untermenüs auf dem großen Bildschirm zu Recht zu finden, bedarf es durchaus einer längeren Lektüre der Bedienungsanleitung.

Auf allen Plätzen bietet der Thesis ausreichend Platz, vor allem die Kopffreiheit im Fond ist vorbildlich. In der ersten Reihe wartet er mit Schmankerln wie Massagefunktion und Sitzklimatisierung auf. Praktisch: Der Beifahrersitz lässt sich von der Rückbank aus verstellen. Mit einem Kofferraumvolumen von 480 Litern braucht sich der Thesis auch nicht vor der Konkurrenz zu verstecken, das Reisegepäck passt problemlos in den Laderaum.

Nur noch mit Diesel

Galerie: Test Lancia Thesis 2.4 MultijetDer Fünfzylinder-Diesel, übrigens das einzig verfügbare Aggregat im Programm, macht keinen Hehl aus seinem Brennverfahren: Munter tuckert das 2,4 Liter große Aggregat vor sich hin. Maximal entwickelt der Common-Rail-Diesel 185 PS, mit denen der fast 1,9 Tonnen schwere Thesis jedoch keinesfalls übermotorisiert ist. Für den Standardsprint benötigt der drehfreudige Italiener auf dem Papier knapp zehn Sekunden - gefühlt dauert es ein wenig länger.

Dafür setzt sich der frontgetriebene Lancia fast ohne Turboloch in Bewegung, schon bei 1.750 Touren liegen seine 330 Newtonmeter an der Vorderachse an. Nach einigem Anlauf zeigt die Tachonadel 220 km/h an - wer den Thesis jedoch bis an diese Grenze ausreizt, überschreitet den angegebenen Durchschnittsverbrauch von 8,2 Litern deutlich. In der Praxis zeigte der Bordcomputer einen Wert um die neun Liter Diesel je 100 Kilometer an.

Wenig sanft

Galerie: Test Lancia Thesis 2.4 MultijetEine Fünfgang-Automatik nimmt dem Fahrer die Gangwechsel ab, das manuelle Getriebe hat Lancia im Zuge einer Modellpflege aus der Preisliste verbannt. Dieser allerdings könnte mitunter sicher sanfter schalten als der hin und wieder etwas ruppige Automat. Nach dem Einbremsen vor einer Kurve kann sich das System zudem manchmal nicht gleich entscheiden, welche Fahrstufe es wählen soll.  

Zum Standard zählt auch das unter anderem bei Maserati zum Einsatz kommende Skyhook-Fahrwerk mit variabler Dämpfereinstellung. Auf der Geraden holt der Thesis Punkte, gleitet die Autobahn entlang und federt die meisten Unebenheiten sauber weg. Ihn abseits der Autobahn etwas sportlicher zu bewegen ist aber nicht immer eine Freude. Zum einen stört die etwas gefühllose Lenkung, zum anderen gibt das Fahrwerk bei schnellen Richtungswechseln nach. Der kopflastige Thesis wirkt schwerfällig und schiebt mit den Vorderrädern zum Kurvenrand.

Serienausstattung auf hohem Niveau

Galerie: Test Lancia Thesis 2.4 MultijetIn diesem Fall greift frühzeitig das serienmäßige ESP ein und pfeift sowohl den Thesis zurück in die Spur, als auch den Fahrer zur Raison. Lässt sich ein Crash nicht mehr vermeiden, werden die Insassen von acht Airbags geschützt: zwei vorne, vier auf der Seite und zwei Kopfairbags. Diese sind im Basispreis von 48.900 Euro inbegriffen.

Neben diesen Sicherheitsfeatures wartet der - zugegeben nicht günstige - Lancia mit einer umfangreichen Serienausstattung auf. Die Basisversion „Emblema“ ist mit Bi-Xenon-Licht, elektrisch einstellbaren Ledersitzen, Klimaautomatik, Bose-Soundsystem, Tempomat, Sonnenblenden, Navi, 16-Zoll-Leichtmetallrädern und vielen weiteren Annehmlichkeiten bestückt.

Galerie: Test Lancia Thesis 2.4 MultijetDie höherwertigere „Sportivo“-Linie unterscheidet sich vor allem optisch. Für 2.650 Euro Aufpreis gibt es eine zweifarbige Lackierung, 18-Zoll-Aluräder, rotes Leder und Wengeholz - einem der edelsten Hölzer der Welt. Aufpreispflichtig sind dagegen unter anderem Parksensoren (680 Euro), selbstabblende Spiegel (450 Euro), TV-Empfänger (1.400 Euro) oder Nebelscheinwerfer (200 Euro).

Fazit

Nein, der deutschen Konkurrenz kann der Lancia Thesis nicht ganz das Wasser reichen, in Sachen Motor, Fahrwerk und Dynamik hängen ihn die drei Publikumslieblinge ab. Allein optisch stiehlt der extravagante Italiener den sachlichen Deutschen die Show - ganz gleich, ob man die schwülstigen Formen nun mag oder nicht. Auch der Komfort kommt beim Thesis nicht zu kurz, mit allerlei Annehmlichkeiten lädt der Lancia auch zu längeren Reisen ein. Wer ihm seine kleinen Mängel verzeiht, findet eine gute Alternative zu Mercedes und Co., mit der man sich deutlich von der Masse absetzt.

 
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