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Galerie: Test Land Rover Discovery Sport

Test: Land Rover Discovery Sport

Das Beste aus zwei Welten

22.12.2014

Landläufig betrachtet ist ein Land Rover etwas fürs Große und Grobe. Wie der raubeinige Klassiker Defender, der einst zusammen mit dem US-Jeep Europa befreite und immer noch auf keiner Safari fehlen darf. Oder das Riesenschiff Discovery, das mit seinem Gardemaß von 4,83 Metern bis zu sieben Plätze bietet und durch sein angehobenes Hinterteil unverwechselbar ist. Dagegen war der kleine Brite mit Namen Land Rover Freelander ein richtiger „Normalo“, gerade mal 4,50 Meter kurz, vergleichsweise erschwinglich und auch mit reinem Frontantrieb zu haben. Ausgerechnet der fliegt jetzt aus dem Programm der Traditionsmarke. Doch keine Sorge, der Nachfolger ist um vieles besser. Weil er in einem Auto das Beste aus beiden Land Rover-Welten bietet.

Galerie: Test Land Rover Discovery Sport

Island im Dezember. Die Sonne zeigt sich verschämt gegen 10.30 Uhr, um kurz nach 16.00 Uhr wieder hinter dem Horizont zu verschwinden. Dazu ein eisiger Wind, Schneeverwehungen und spiegelblanke Straßen.  Das unwirtliche Terrain der Insel im hohen Norden erschien den Marketingexperten von Land Rover wohl als ideales Testfeld für den neuen Discovery Sport, wie der neue „Freelander“ jetzt heißt.

Keine Gemeinsamkeiten

Dabei hat er weder mit seinem Vorgänger noch mit seinem großen Bruder etwas gemein. Sein Gen-Spender ist vielmehr der trendige Kassenschlager Evoque, der allerdings den Familiennamen der Edelmarke Range Rover tragen darf. „Bis zur zweiten Dachsäule haben beide Modelle viele Gemeinsamkeiten“, erklärt Baureihen-Chef Paul Cleaver, der vom Rücksitz aus die Fahrt durch den Winter begleitet. „Die Heckpartie wirkt völlig anders, weil der Discovery Sport um mehr als 23 Zentimeter länger ist als der Evoque und auch eine andere Hinterachse hat, die mehr auf Komfort als auf Sportlichkeit ausgelegt ist“. Gemeinsam ist beiden das deutlich nach hinten abfallende Dach.

Galerie: Test Land Rover Discovery SportKomfort ist aber zweitrangig, wenn es darum geht, den Discovery auf mit festgefrorenen Schneerillen übersäten Bergstraßen nicht zu dicht in Richtung der schroffen Abhänge geraten zu lassen. Hier greift das schon aus den anderen Modellen bekannte Terrain-Response-System ein, mit dessen Hilfe sich das Auto auf verschiedene Situationen (Schnee, Eis, Sand oder Matsch) einstellen lässt; es versorgt den Discovery Sport mit der jeweils idealen Reaktion des Allradantriebs, der Neungang-Automatik und der Lenkung.

Für Gelände und Straße

Das ist ein wesentlicher Teil der hervorragenden Geländeeigenschaften, die die Marke von jeher auszeichnen. Nichts anderes als souveränes Fortkommen auch bei autofeindlichem Wetter ist von einem echten Land Rover zu erwarten, also auch vom Disco Sport. Zudem kann unter zwei Allradsystemen gewählt werden: Permanent oder variabel.

Galerie: Test Land Rover Discovery SportDa sich jedoch auch typische Kunden nur selten abseits fester Straßen bewegen, kommt die andere Seite des Discovery Sport ins Spiel. Frei nach dem Motto: „Ich bin zwei Autos“ ist er reinrassiger Geländewagen und Familienkombi zugleich. Denn trotz des großstadttauglichen Außenmaßes von 4,59 Metern kann er wie der große Discovery mit einer dritten Sitzreihe geordert werden.

Galerie: Test Land Rover Discovery SportDeren beiden versenkbaren Plätze sind zwar gerade noch für Halbwüchsige geeignet, aber dennoch höchst praktisch, wenn ein Shuttle zum Kindergeburtstag oder auf den Sportplatz ansteht. „Wichtig war uns, dass wir einen in dieser Klasse nicht üblichen Komfort bieten können“, betont Paul Cleaver und nennt die in der Länge verschiebbare zweite Sitzreihe, den variablen Kofferraum und einen netten Gag: Jeder Sitz hat einen eigenen USB-Anschluss. Außerdem haben die Fondpassagiere besseren Durchblick nach vorne: Reihe zwei steht 5 Zentimeter höher als das Frontgestühl, Reihe drei sogar 7 Zentimeter. Mit diesem „Theatergefühl“ punktet bereits der große Discovery.

Nicht unter zehn Liter

Unter der Motorhaube des Testwagens begegnet man einem guten Bekannten. Der 2,2-Liter-Diesel mit 190 PS wirkt wie auf den Discovery Sport zugeschnitten, auch wenn das Zusatzversprechen „Sport“ nur begrenzt eingehalten wird. Die 8,9 Sekunden auf Tempo 100 werden leistungshungrige Fans noch für gerade ausreichend halten. Die Spitze von 188 km/h klingt auf den ersten Blick dagegen enttäuschend.

Galerie: Test Land Rover Discovery SportAber: Auch ein gleichstarker Audi Q5 ist nur 4 km/h flotter. Außerdem müssen fast 1,9 Tonnen Leergewicht gestemmt werden, obwohl diverse Karosserieteile aus Aluminium sind. Im Testbetrieb unter den erwähnten Bedingungen kam dennoch dank präziser Neungang-Automatik und üppiger Durchzugskraft (420 Nm) jede Menge an Fahrspaß auf. Der so motorisierte Discovery Sport genehmigte sich rund 8,5 Liter je 100 Kilometer. Im deutschen Normalverkehr wird die Marke von 10 Litern sicher schwer zu unterbieten sein.

Allrad ist ein Muss

Und die Preise? Das Einstiegsmodell (2,0-Liter-Diesel, 150 PS) mit Frontantrieb kostet 32.250 Euro. „Sein Anteil an den Verkäufen wird unter fünf Prozent liegen“, meint Deutschland-Chef Peter Modelhart. „In den Augen der Kunden muss ein Land Rover einfach Allradantrieb haben“. Der von uns gefahrene Discovery Sport kostet in der einfachsten Version 34.400 Euro, mit Automatik nochmal 2.350 Euro mehr. Packt man auch nur einen Teil der zahllosen Feinheiten aus der dicken Preisliste in seinen Wunsch-Landy, werden schnell über 50.000 Euro fällig.

Galerie: Test Land Rover Discovery SportDann allerdings gibt es reizvolle Extras wie Rundumkamera, feinstes Leder, eine Anbindung von Smartphone-Apps, viele Assistenzsysteme oder die erwähnten Zusatzsitze. Ein nützliches Extra allerdings ist serienmäßig und in der SUV-Klasse nur beim Land Rover zu haben: Im Falle eines Falles enthaltet sich – ähnlich wie bei Volvo - zwischen 24 und 48 km/h unterhalb der Windschutzscheibe ein Fußgänger-Airbag. Ein nachahmenswertes Beispiel. (mg/sp-x)

 
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