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Galerie: Test Lexus LS 600h L

Test: Lexus LS 600h L

Prestige-Frage

29.05.2009

Die automobile Oberklasse ist hart umkämpft und gerade in Deutschland gewinnt zu 97 Prozent einer der drei hiesigen Premiumhersteller das Buhlen um die Chefetage. Lexus konnte in diesem Wettstreit vor allem durch seine Hybrid-Limousine punkten - doch auch dieser Vorteil ist bald passé, wenn nämlich Mercedes den S 400 Hybrid auflegt. Wir wollten wissen: Hat der Lexus noch eine Chance?    

Trotz Wirtschaftskrise konnte Mercedes in den ersten vier Monaten 2009 noch 2.200 S-Klassen verkaufen, BMW setzte fast ebenso viele Einheiten des neuen 7er ab und Audi kommt - zwar stark abgeschlagen aber immerhin - noch auf knapp 800 verkaufte A8. Und Lexus? Die Japaner konnten von ihrer Luxuslimousine LS im gleichen Zeitraum gerade mal 27 Einheiten unters deutsche Volk bringen - gut 70 Prozent der Käufer haben sich dabei für das Hybrid-Topmodell LS 600h entschieden.

Immerhin verlangt Lexus für den 110.000 Euro teuren Hybrid-LS in der Langversion gut 27.000 Euro mehr als für den 4,6 Liter großen V8 im LS 460, der mit 380 PS alles andere als untermotorisiert ist. Für den happigen Aufpreis gibt‘s einen nur 14 PS stärkeren Fünf-Liter-Achtzylinder und einen Elektromotor, der weitere 225 PS zusteuert, was in der Summe eine Leistung von 445 PS ergibt.

Prestige-Frage

Galerie: Test Lexus LS 600h LDabei ist die Mehr-Leistung wohl kaum ein Kaufanreiz und auch der Umweltschutz - schließlich soll der Hybrid ja Sprit sparen - dürfte nur eine untergeordnete Rolle spielen. Nein, wer einen LS 600h kauft, tut dies meist aus Prestigegründen; um der Einzige zu sein, der mit einem Hybrid, lautlos, über den Parkplatz des Golflclubs rollt...

Allerdings droht dem Lexus-Prestige ab diesem Sommer Konkurrenz aus Stuttgart, dann nämlich bringt Mercedes den S 400 Hybrid auf den Markt. Und mit ihren effizienten Dieselmodellen haben die Deutschen Alternativen im Programm, die man bei Lexus vergebens sucht. Was also spricht noch für den Japaner?

Zwölf zu sechs

Galerie: Test Lexus LS 600h LDer Reihe nach: Mit der Kombination aus V8-Benziner und Elektromotor will Toyota zwölfzylinderähnlichen Fahrkomfort mit dem Verbrauch eines Sechszylinders bieten. Nach dem Drücken der Start-Taste passiert allerdings erst einmal gar nichts: Der Verbrennungsmotor bleibt aus, nur der E-Antrieb geht in den Bereitschaftsmodus.

Streichelt man das Gaspedal nur sanft, setzt sich der 5,15 Meter lange LS 600h L lautlos in Bewegung und fährt rein elektrisch. Lange währt der Strombetrieb allerdings nicht, im E-Modus kommt der Lexus nur wenige Kilometer und sobald man Tempo 50 überschreitet oder stärkere Beschleunigung abruft, wird der Achtender schnell und unauffällig angeworfen. Begleitet von dezentem, tiefen Grollen katapultiert die kombinierte Antriebseinheit den Zweieinhalb-Tonner dann in knapp unter sieben Sekunden auf Tempo 100.

Nicht schneller

Galerie: Test Lexus LS 600h LSp sind die für unter 100.000 Euro zu habenden konventionellen Achtzylinder der Konkurrenz antrittsstärker, obwohl der Elektromotor im Lexus seine 300 Newtonmeter aus dem Stand beisteuert. Und auch der nicht einmal 300 PS starke S 400 Hybrid mit Sechszylinder schafft den Standardsprint ebenfalls in etwa dieser Zeit.

Auf der Autobahn, also im Langstreckenbetrieb, trägt der E-Motor nur wenig bis gar nichts dazu bei, den Benziner zu entlasten. Zwar hilft sein zusätzlicher Schub beim Überholen und Beschleunigen und kann dabei auch den Verbrauch ein wenig senken. Sein volles Potential spielt der Hybrid allerdings nur im Stadtverkehr aus, wo häufig Gas gegeben und gebremst wird (dabei wird die Batterie geladen) und beim Ampelstopp der Ottomotor ganz ausgeht.

Sparsamer, aber nicht sparsam

Galerie: Test Lexus LS 600h LLaut Hersteller sollen im Durchschnitt nur 9,3 Liter je 100 Kilometer durch die Benzinleitung fließen, in der Realität sind es - nicht zuletzt wegen meist längerer Autobahnetappen - zwischen zwölf und vierzehn Liter. Und obwohl das absolut gesehen immer noch viel ist, geht dieser Punkt an den Lexus. Die Mitbewerber versprechen zwar Werte von um die elf Liter für ihre V8-Modelle, liegen in der Praxis aber weit darüber. Nur der neue Hybrid-Benz macht mit gut zehn Litern dem Lexus Konkurrenz beim Sparen.

Im Kapitel Fahrkomfort überzeugt der Lexus zwar durch seine variable Luftfederung, die im Komfortmodus alle Unebenheiten bereinigt. Trotzdem hat die Konkurrenz hier die Nase ein kleines Stückchen weiter vorne: Hin und wieder wirkt der Lexus ein wenig hölzern und in der Summe nicht ganz so harmonisch wie die Limousinen der Mitbewerber. Außerdem schiebt der allradgetrieben LS 600h bei schnellerer Kurvenfahrt lustvoll über die Vorderräder, was vor allem der schweren Masse anzukreiden ist.

Viel Komfort und Tasten

Galerie: Test Lexus LS 600h LDie Passagiere selbst können sich im Interieur über viel Platz freuen, vor allem in der von uns getesteten Langversion ist auch im Fond reichlich Beinfreiheit vorhanden. Greift man zur Wellness-Ausstattung, bietet der linke der beiden hinteren Einzelsitze zahlreiche Massagefunktionen, die den gestressten Manager-Rücken entspannen sollen. Das kann die Konkurrenz nicht bieten, und auch die formidable Liegefunktion der weich gepolsterten Sessel spricht für den Lexus.

Von Vier-Zonen-Klimaanlage über Rund-Um-Entertainment-System, Sonnenrollos an allen Fondscheiben oder eben die vielseitige Sitzverstellung - für jedes erdenkliche Komfortextra finden sich Schalter, Tasten oder Drehregler, vorn im Cockpit wie auch hinten. Nicht nur, dass der Lexus damit leicht überfrachtet wirkt, nein, er ist auch nicht ganz so einfach zu bedienen. Es empfiehlt sich also, dass über 700 Seiten starke Handbuch im Vorfeld gut zu studieren. Hier haben die Mitbewerber intuitivere Bedienkonzepte vorzuweisen.

Kaum Stauraum

Galerie: Test Lexus LS 600h LSchlechte Karten hat der Lexus auch in Sachen Transportmöglichkeiten. Sein Kofferraum schluckt gerade einmal magere 325 Liter - in jeden VW Golf passt mehr Gepäck. Schuld daran ist die platzraubende Nickel-Metallhydrid-Batterie, die den Elektromotor mit Strom versorgt. Ein Problem, dass die nur mit Verbrennungsmotor betriebenen Konkurrenzmodelle nicht kennen und  selbst der S 400 Hybrid hat hier keine Einbußen: Mercedes setzt als erster Hersteller auf eine kompakt bauende Lithium-Ionen-Batterie

Fassen wir zusammen: Der Lexus ist gut, sehr gut sogar. Aber ein 100.000 Euro teures Auto sollte nicht nur sehr gut, sondern perfekt sein und bei Fahrverhalten, Bedienbarkeit und Qualität liegen  die deutschen Premiumhersteller jedoch vor dem Japaner.

Fazit

Für den Lexus spricht zum einen der hohe Komfort und die technischen Spielereien, die vor allem den Fondpassagieren den Aufenthalt äußerst angenehm gestalten. Zum anderen liegt der Hybrid-Antrieb, im Vergleich zu konventionellen Achtzylindern bei vergleichbaren Fahrleistungen im Verbrauch vorne, wenngleich er immer noch kein Sparmeister ist. Bleibt die Exklusivität: Als einer von nur wenigen Hunderten werden Sie mit Ihrem Lexus LS 600h garantiert auffallen.  

Galerie: Test Lexus LS 600h L

 
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