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Galerie: Test Lexus RC-F

Test: Lexus RC-F

Der Starke macht schwach

16.12.2014

Lexus kann einem gefallen oder nicht - handwerklich aber sind die noblen Produkte aus Japan auf Augenhöhe mit dem hiesigen Wettbewerb. Nur angesprochen haben die Autos vor allem die deutsche Klientel wenig, die im Premiumbereich erstens gerne zu Hause einkauft und zweitens emotional berührt werden will, was Marken wie BMW, Mercedes oder Porsche virtuos beherrschen. Doch jetzt kommt der RC-F um die Ecke geprescht und fegt selbst die größten Aufreger aus Bayern oder Schwaben mit sattem Bollern vom Asphalt. Was ist denn da los?

Erstmals in der Markenhistorie geht Lexus mit einem packenden Performance-Coupé auf die Kunden los. Okay, da ist ja der LFA, doch dieser fast unbezahlbare und weltweit auf wenige hundert Exemplare limitierte Supersportwagen zählt nicht wirklich. Mit einem Basispreis von 74.900 Euro ist zwar auch der RC-F kein Schnäppchen, doch erschwinglich genug, dass man ihn wohl künftig häufiger im Straßenbild antreffen wird .

Sichtbare Kraft

Galerie: Test Lexus RC-FUnter der Haube steckt ein fünf Liter großer Achtzylinder ohne Zwangsbeatmung, und die 477 PS heizen den Hinterrädern ein – ein deutlicher Wink in Richtung BMW, Audi und Mercedes. Obendrein haben die Verantwortlichen die Antriebstechnik auch noch in ein unverschämt gut aussehendes Kleid verpackt. Da kann man nicht widerstehen, auch wenn der Japaner an der Tankstelle den einen oder anderen Euro mehr kostet als mancher Turbo-V6.

Und obwohl man dem Coupé seine bärigen Kräfte ansieht, wirkt er nicht prollig. Klar, die einschlägige Auspuffanlage fällt schon auf, wurde aber harmonisch in den Stoßfänger integriert. Die großmaulig geratene Front darf zwar als extrovertiert bezeichnet werden – aber ist definitiv ein gelungener Hingucker. Dass die Techniker den Boliden nicht bei 250 Sachen abregeln würden, war ja zu erwarten. Mit 270 km/h orientiert man sich am früheren IS-F und hat dabei einen Kompromiss zwischen japanischem Understatement und dem Verlangen der Leistungs- und Tempo-Gesellschaft geschlossen.

Für die Rennstrecke

Galerie: Test Lexus RC-FGenug der Theorie, jetzt wird gefahren. Die mächtigen Sportsitze empfangen den Fahrgast mit anschmiegsamem Leder und halten ihn fest im Griff. Sie deuten an, dass der Hecktriebler am liebsten auf die Rennstrecke möchte; aber auch kurvige Landstraßen gehen in Ordnung. Dort sollte man allerdings drauf verzichten, anspruchsvolle Kehren quer zu nehmen - eine Disziplin, die der RC-F hervorragend beherrscht, wenn man ihn nur lässt. Wer den Lexus vorwiegend forciert einsetzen will, sollte übrigens zum so genannten Torque-Vectoring-Differenzial greifen, das den Kraftfluss zwischen linkem und rechtem Hinterrad aktiv per Lamellenkupplung steuert. Ab Werk verfügt der Japaner immerhin über ein passives Torsen-Differenzial. Das Drehmoment fließt über eine geschmeidig, aber je nach Bedarf auch blitzschnell agierende Achtstufen-Wandlerautomatik, so dass ein wenig GT-Charakter gewahrt bleibt.

Auch Geraden machen mächtig Laune. Süffig und leichtfüßig erreicht der umfangreich modifizierte (vergrößerter Drosselklappen-Durchmesser, überarbeitete Einspritzung und optimierte Werkstoffe) Drehzahl-Profi die 7.000 Touren-Marke und überschreitet sie bei Bedarf sogar. Einen zweiten Punch erlebt man fest an der Sitzlehne klebend jenseits der 4.000 Umdrehungen – abhängig vom Fahrmodus erscheint der variabel darstellbare Drehzahlmesser auf der TFT-Fläche mit zornig-gelben Ziffern oder aber in einem blauen Display-Umfeld bei aktiviertem Eco-Modus.

Klingt nicht nach Eco

Galerie: Test Lexus RC-FNach Eco hört sich der Achtzylinder so gar nicht an; und als ob er es nicht ohne Unterstützung könnte, haben die Ingenieure in puncto Sound nachgelegt und greifen ihm akustisch per Generator unter die Arme. Mit bassigem Timbre zeigt er an, welcher Gattung er entstammt und macht innen fast mehr Ton als außen. Doch keine Sorge, auch Passanten bekommen etwas von der Maschine mit, die in dieser Form wohl zu den letzten ihrer Art gehört. Doch die elektrische Servolenkung weist darauf hin, dass der jüngste Lexus kein Technik-Dinosaurier und sehr wohl um Effizienz bemüht ist und sei es auch nur des Images wegen.

Ein bisschen Männer-Spielerei wird selbstredend auch geboten beispielsweise in Form eines G-Kräftemessers oder einer Stoppuhr im Kombiinstrument. Dieselbe Einheit kann ab sofort auch Navigationspiktogramme ausgeben: bei Lexus ist das Infotainment 2.0. Für angemessene Sicherheit sorgen neben den Klassikern ebenso ein autonomes Bremssystem, das aber erst in Verbindung mit höheren Ausstattungslevels geliefert wird – dann kratzt der RC-F schon an der 90.000-Euro-Grenze. Darüber hinaus gibt es die üblichen Assistenten, die vor dem versehentlichen Verlassen der Spur genauso warnen wie vor herannahendem Verkehr beim rückwärtigen Ausparken.

Solide Burg

Galerie: Test Lexus RC-FIn Sachen Verarbeitung gibt es keine Klagen, da mimt der Japaner ganz die solide Burg. Ein verlässlicher Partner ist er indes auch, wenn es um das Thema Bedienung geht: Knöpfchen in rauen Mengen (nach dem Gießkannen-Prinzip verteilt) sowie das spezielle Touchpad zur Steuerung des komplexen Menüs sind des einen Freud und des andren Leid. Nach etwas Eingewöhnung liegen sämtliche Schalter jedoch gut zur Hand. Dann kann man das Coupé in vollen Zügen genießen, das trotz grundsätzlich straffer Note auch wunderbar als kommoder Cruiser taugt, wenn es im achten Gang knapp über Leerlaufdrehzahl dahinschippert. In diesem Fall leuchtet im Kombiinstrument sogar das grüne Eco-Symbol, ganz politisch korrekt. (mg/sp-x)

 
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