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Galerie: Test Maserati Spyder

Test: Maserati Spyder

Dolce Vita

16.06.2005

Manchen treibt bereits ein Schlüsselband oder eine Kappe die Freudentränen in die Augen - vorausgesetzt, die Utensilien sind mit dem filigranen Dreizack und dem Schriftzug “Maserati” bestickt. Erzählt man dann von der Ausfahrt mit dem Spyder an einem sonnigen Freitag entlang des Starnberger Sees, hängen sie einem begeistert an den Lippen. Doch wehe man übt Kritik, dann gehen die Schotten dicht.

Die Rede ist von echten Fans, von leidenschaftlichen Anhängern einer Marke, oder eines ganz bestimmten Modells. Die wenigsten hatten je die Möglichkeit, das Objekt ihrer über die Jahre und Jahrzehnte gewachsenen Begierde zu fahren. Trotzdem kennen sie dieses Automobil in allen Details - von Fotos, Texten, Erzählungen, haben es in Natura gesehen, auch gehört - und nie bewegt.

Galerie: Test Maserati SpyderSo stellen sie sich die Erfüllung vor: Mit dem 390 PS starken Spyder auf kurvigen Landstraßen über die Hügel des Voralpenlandes brausen, eingebettet in feinstes Leder, den Wind im Haar, den rotzig-heiseren Achtzylinder-Sound in den Ohren. Und wenn frei ist, gehörig Gas geben, Kurven wie auf Schienen durcheilen, die G-Kräfte mit allen Fasern des Körpers spüren, eins zu sein mit dem Dreizack.

Der Schreiber dieser Zeilen gehörte zu dieser Kategorie Fans, denen bereits ein pseudo-italienisch gehauchtes „Maserati“ freudig erregte Gänsehaut bescherte. Dann wurde er Motorjournalist und lernte, Autos nüchterner zu betrachten. Schließlich ergab sich die Gelegenheit, den Spyder zu fahren.

Rückfall

Galerie: Test Maserati SpyderUnd bereits der Anblick des knackig kurzen Zweisitzers mit dem in der Sonne blitzenden Dreizack in der Schnauze und den vier, von infernalen Fanfaren kündenden Endrohren weckt die alte Begeisterung. Mehr noch der Innenraum, der - farblich frei nach dem Wunsch des Käufers - komplett mit Leder bespannt eine Oase des Luxus darstellt. Als zentrales Designelement funkelt einem die traditionelle Analoguhr in der Mittelkonsole entgegen.

Dabei spielt Zeit in diesem Auto keine Rolle.

Galerie: Test Maserati SpyderSobald der 4,2-Liter-V8-Saugmotor böse fauchend zum Leben erwacht, beim ersten Gasstoß flirrend hochdreht und dann, untermalt von kehligem Auspuffgrollen, sich wieder im Leerlauf einpendelt, werden aus Sekunden unvergessliche Momente. Momente voller Verlangen, das kurz vor der Befriedigung steht.

Hinein ins Cockpit und los! Per Schaltwippen erhält das sequentielle Sechsganggetriebe (optional) den Befehl, den ersten Gang einzulegen. Klack - drin ist er. Etwas Gas und der Bolide setzt sich in Bewegung. Ein Zug an der Schaltwippe - Klack - und der Zweite ist drin. Nun mehr Gas, und der Dreizack geht ab wie die Sau vom selbigen angepiekst.

Einfach brutal

Galerie: Test Maserati SpyderAus dem Stand bis Tempo 100 braucht der Spyder läppische 5 Sekunden respektive einen Zug an der Schaltwippe. Der Gangwechsel hat es ebenfalls in sich, scheppert und schüttelt die Karosse durch. Brutaler als erwartet, doch nicht von ungefähr heißt das Getriebe „Cambiocorsa“: Rennschaltung. Bleibt man voll auf dem Gas, presst es einen in den Sessel, bis die Tachonadel kurz vor Tempo 290 stehen bleibt. Die Musik dazu: infernalisch.

Auf der Landstraße macht man so was natürlich nicht. Einerseits, weil es verboten ist, andererseits, weil der Spyder nicht die Art Sportwagen ist, für den ihn viele halten.

Nüchtern gesehen

Galerie: Test Maserati SpyderUnd hier beginnt die Kritik: Zwar erlauben das hart abgestimmte Fahrwerk und die bauartbedingt optimale Gewichtsverteilung (Transaxle = Getriebe an der angetriebenen Hinterachse) außerordentlich hohe Querbeschleunigungen. Doch ruhig liegt der Spyder nur auf Erste-Klasse-Asphalt. Unebene Straßen erschüttern die augeschnittene Karosserie in ihren Grundfesten. Kommen noch Bodenwellen hinzu, beschleicht einen das Gefühl, man verliere temporär den Bodenkontakt. Das können andere offene Sportwagen vom Schlage eines Porsche 911 Carrera Cabrio deutlich besser.

Galerie: Test Maserati SpyderHinzu kommt beim Maserati ein weiteres Manko, mit dem viele zum Cabrio mutierten Coupés leben müssen: Das hohe Gewicht aufgrund der zusätzlichen Karosserie- versteifung. Obwohl 22 Zentimeter kürzer als sein Blechdachbruder, ist der Stoffhauben-Spyder schwerer. Fahrbereit bringt er mehr als 1,7 Tonnen auf die Waage. Das hohe Gewicht macht sich in zu schnell gefahrenen Kurven dann auch Respekt einflößend bemerkbar. Gerne lässt man es etwas ruhiger angehen im Maserati.

Fazit

Das ist es dann auch, wozu der Maserati Spyder geschaffen ist: Genussvolles Autofahren. Gerne auch schnell, schließlich handelt es sich um einen Sportwagen. Nur nicht zu schnell, denn ein Rennwagen ist er nicht.

Echten Fans ist das egal, genau wie der immense Verbrauch: Auf weniger als 20 Liter im Schnitt lässt sich der Dreizack kaum drücken. In der Stadt genehmigt er sich gerne 30 Liter und mehr. Echte Fans stehen vielmehr auf besondere Automobile, nicht auf perfekte. Und jenen Fans, die sich einen 98.800 Euro teuren Zweitwagen leisten können, treiben auch die hohen Unterhaltskosten ihres italienischen Schmuckstückes keine Tränen in die Augen.

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