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Galerie: Test Mazda2

Test: Mazda2

Wie ein Großer

05.11.2014

Kaum eine Fahrzeuggattung legt derzeit eine derart rasante Entwicklung in Sachen Design, Qualitätsanmutung, Komfort und Assistenzsysteme hin wie die Kleinwagen-Klasse. Der neue Skoda Fabia, der Kia Rio oder der (fast neue) Opel Corsa haben hier schon gezeigt, das klein inzwischen ganz schön erwachsen sein kann. Jetzt legt Mazda mit dem 2er nach. Die Erwartungen an das ab Ende Februar nächsten Jahres in Deutschland erhältliche Fahrzeug sind hoch, denn mit dem Mazda3 haben die Japaner bereits in der Klasse darüber ein sehr ansehnliches und technisch anspruchsvolles Fahrzeug auf die Räder gestellt. Kann der ab 12.790 Euro erhältliche Mazda2 bei den Kleinwagen ähnlich reüssieren?

Schauen wir uns den kleinen Japaner zunächst mal an: Wir sehen einen sehr ansprechenden, fast schon sportlich wirkenden Kleinwagen. Das liegt vor allem an der geschickt gestalteten Karosserie. Im Vergleich zum Vorgänger wanderte die Vorderachse um 8 Zentimeter nach vorne und die A-Säule wurde um ebenfalls 8 Zentimeter zurückversetzt. Zusammen mit den kurzen Karosserieüberhängen und der breit wirkenden Spur ergibt dies einen maskulinen und doch eleganten Gesamteindruck. Hinzu kommen die heute häufig üblichen Zutaten: nach hinten abfallendes Dach, ein leicht dreidimensionaler Grill mit stumpfer Nase, eine moderne Lichtsignatur und die sich über die gesamte Fahrzeugseite ziehenden Konturlinien. Das alles ist hier aber besonders gut aufeinander abgestimmt und mit insgesamt zehn Außenfarben kombinierbar - davon sind allerdings neun aufpreispflichtig. Trotz allem, Respekt: Was das Außendesign angeht, ist der Mazda2 ab sofort unser Favorit unter den Kleinwagen.

Auch Innen merkt man sofort die besondere Mühe, die sich die Designer gegeben haben, dem Fahrzeug einen gewissen Premium-Anstrich zu verleihen. So sehen die großen Lüftungsdüsen fast so aus wie in einem Mercedes. Und zumindest in den höchsten Ausstattungsstufen Exklusive und Sport wirkt das Interieur auch insgesamt edel, selbst wenn statt echtem Leder eine Nachbildung verwendet wird. Die Sitze passen perfekt, wenn man nicht allzu viele Extra-Pfunde mit sich rumschleppt oder zu den ganz Großen im Lande zählt. Die Sitzauflage könnte ein wenig länger ausfallen, der Beifahrersitz ist wie in dieser Klasse üblich nicht höhenverstellbar, womit der durchschnittliche Mitteleuropäer auch hier wieder mehr thront als sitzt. Das dürfte nicht jedem missfallen, uns aber schon.

Mazda offeriert zum Marktstart als einzige Motorisierung den 1,5-Liter-Benzinmotor mit – und das muss heutzutage ja deutlich gesagt werden – vier Zylindern. Den Ottomotor gibt es allerdings in gleich drei Leistungsstufen mit 75 PS (ab 12.790 Euro in der Basisausstattung Prime Line), mit 90 PS (ab 15.290 Euro in der zweiten Stufe Center Line) und mit 115 PS (18.790 Euro nur in der höchsten Stufe Sports-Line). Erst im Juni 2015 folgt der ganz neue Dieselmotor, mit ebenfalls 1,5 Litern Hubraum, 105 PS, einem Verbrauch von nur 3,4 Litern (CO2-Ausstoß: 105 g/km) aber auch einem Grundpreis von 17.290 Euro (Center Line). Mehr als zehn Prozent Anteil an den Mazda2-Verkäufen trauen ihm die Marketing-Strategen von Mazda Deutschland daher nicht zu.

Wir fuhren eine Runde im wahrscheinlichen Volumenmodell, dem 90-PS-Benziner, den es übrigens als einzige Variante auch mit einer Sechsgang-Automatik (Aufpreis: 1.500 Euro) gibt. Knapp 150 Newtonmeter Drehmoment bei 4.000 Umdrehungen, das hört sich nach nicht besonders viel an. Aber der Otto dreht ohne Umschweife nach oben und zusammen mit dem, wie stets bei Mazda, sehr knackig zu schaltendem Fünfgang-Getriebe ergibt sich doch eine gehörige Portion Fahrspaß. Etwas aufgesetzt wirkt allerdings die Aufteilung des Armaturenbretts mit einem großen Drehzahlmesser, in dessen unterer rechter Ecke relativ klein die Geschwindigkeit digital eingeblendet wird. Das ist im Alltag – und der wird ja beim Mazda2 eher in der Stadt als auf Alpenpässen stattfinden – wenig praktikabel.

Da der Mazda2 stets mit vier Türen und recht großer Heckklappe daherkommt, ist er in dieser Beziehung schon sehr praktisch. Der Einstieg auf die hinteren Plätze durch den schmalen Türausschnitt wird nicht jedem Erwachsenen leicht fallen. Dafür haben zwei normal gewachsene Menschen anschließend genügend Platz im Japaner. Allerdings fordert die sportliche Linie ihren Tribut: Mit der Kopffreiheit ist es dank abfallender Dachlinie nicht so weit her und die ansehnliche Gestaltung lässt hinten zu wenig Licht rein. Dafür sind 280 Liter Gepäckvolumen ein guter Wert in dieser Klasse, auch wenn die Koffer erst über eine recht hohe Ladekante gewuchtet werden müssen.

Die inzwischen vierte Generation des Mazda2 ist für die Marke ein riesiger Sprung. Neben vielen, überwiegend in den höheren Ausstattungsniveaus versteckten Assistenzsystemen gibt es so auch erstmals in dieser Klasse ein Head-up-Display. Das versteckt sich allerdings in einem Technik-Paket für 900 Euro, zu dem unter anderem auch ein Spurwechselwarner und Fernlichtassistent gehört, das aber nur in Verbindung mit der höchsten Ausstattungsstufe Sport erhältlich ist.

Aber was soll´s. Das Fahrzeug fühlt eine ganze Klasse hochwertiger an als der jetzt auslaufende Vorgänger. Schön, dass sich dies nicht in den Preisen niederschlägt. Der neue Mazda2 kostet im Grundpreis 100 Euro mehr als bisher. Dafür sind jetzt Dinge wie ein Radio mit USB/Aux-Anschluss, elektrische Fensterheber hinten, Bordcomputer und Berganfahrassistent immer schon an Bord. Mazda berechnet daraus einen Preisvorteil von rund 600 Euro. Viel wichtiger als diese Rechnung ist: Der Mazda2 ist ein in jeder Beziehung viel besseres, in seiner Klasse ganz vorne mitfahrendes Auto geworden.

 
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