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Galerie: Test Mercedes-AMG GT

Test: Mercedes-AMG GT

Heißes V

26.11.2014

Handcrafted by Racers – unter diesem Motto vermarktet AMG, die Sportwagen-Schmiede von Mercedes-Benz, den neuen GT. Was Wort-Blödeleien provoziert, die jedoch fehl am Platze sind: Die im schwäbischen Affalterbach beheimatete Dynamik-Abteilung hat kein Auto zum Rasen entwickelt, sondern einen gleichermaßen alltags- wie rennsporttauglichen Zweisitzer.

Auf öffentlichen Straßen, zwischen anderen Autos eingeklemmt, benimmt sich der Mercedes-AMG GT wie ein wohlerzogener Spitzensportler, der weiß, dass er auch dann als Leistungsträger zu erkennen ist, wenn er nicht die Muskeln spielen lässt. Der Fahrer, hinter einer ewig langen Motorhaube sitzend, ist’s, der entscheidet, ob der Biturbo-V8 vor sich hinbrabbelt oder kraftvoll röhrend zur Sache geht.

Außer beim Betätigen des Startknopfes: In diesem Moment signalisiert der GT grundsätzlich und immer, dass er jederzeit in der Lage ist, wild zur Sache zu gehen. Ansonsten offenbart das Antriebsaggregat seine Extremsportler-Gene nur, wenn eines der Sport-Fahrprogramme aktiviert ist oder - auch im Comfort-Modus möglich - per Knopfdruck die Abgasablage auf Dynamik-Sound umgestellt werden.

Was er kann

Galerie: Test Mercedes-AMG GTIn der - vor dem 462-PS-Basis-GT - im Frühjahr 2015 startenden 510-PS-Version gehört diese Klangklappen-Steuerung zur Serienausstattung: Der GT S ist in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen, wird bei 310 km/h abgeregelt und stellt zwischen 1.750 und 4.750 Touren ein Drehmomentmaximum von 610 Newtonmeter bereit - ein Menge Zahlen, die beweisen, dass ein GT S wie Usain Bolt aus den Startlöchern schnellt, aber auch auf der Langstrecke beeindrucken kann.

Um auch nur in die Nähe des offiziellen Verbrauchswerts von 9,4 Liter je 100 Kilometer zu kommen, muss man allerdings die explosiven Charakterzüge des Achtzylinders konsequent ignorieren. Das setzt ein Maß an Zurückhaltung voraus, das am Lenkrad eines GT S aufzubringen, selbst ausgeprägt gleichmütigen Fahrzeuglenkern schwer fällt. Nur ein Rückenleiden mindert das Vergnügen, denn selbst im C(omfort)-Modus teilt der GT der Wirbelsäule auf sehr direkte Weise mit, dass sich bandscheibenschonende Federwege und hohes Dynamikpotenzial nicht miteinander vertragen.

Ideal für schnelle Runden

Dass der 4,55 Meter lange Zweisitzer in allen Geschwindigkeitsbereichen gut beherrschbar bleibt, obwohl nur die Hinterräder die Antriebskräfte auf die Straße übertragen, ist nicht allein das Verdienst zahlloser, Fahrfehler verhindernder oder ausgleichender Assistenzsysteme. Mindestens genauso wichtig sind die Achskonstruktionen aus dem Motorsport, das serienmäßige, elektronisch geregelte Sperrdifferenzial an der Hinterachse, die Abstimmung von Fahrwerk, Lenkung und Drei-Stufen-ESP, ein extrem tief liegender Schwerpunkt und das Transaxle-Antriebskonzept: Der Motor ist hinter der Vorderachse platziert, das Getriebe vor der Hinterachse. Diese Anordnung und die daraus resultierende Gewichtsverteilung von 47 zur 53 Prozent (vorn/hinten) ist ideal für schnelle Runden auf Rundkursen, aber auch lustvolle Kurven-Slaloms auf der Landstraße. Die Bodenhaftung kann der Fahrer per Knopfdruck erhöhen, denn der GT verfügt über einen ausfahrbaren Heckflügel.

Für den GT S weist AMG ein Leistungsgewicht von 3,08 Kilogramm pro PS aus, was ihm einen Spitzenplatz im Segment sichert. Von den 1.570 Kilogramm, die dieses Modell fahrfertig (also ohne Fahrer und Gepäck, mit zu 90 Prozent gefülltem Tank) auf die Waage bringt, entfallen dank eines gezielten Mix von Leichtbau-Werkstoffen lediglich 231 Kilogramm auf die Rohkarosserie. Das Chassis besteht ebenso wie die Karosserie aus Aluminium, das Front-Deck aus Magnesium und nur der Heckdeckel aus Stahl. Darunter verbirgt sich ein flacher, aber immerhin 350 Liter fassender Kofferraum.

Was ihn antreibt

Galerie: Test Mercedes-AMG GTDas Herzstück des GT, der 4,0-Liter-Biturbo-Achtzylinder, ist eine Neuentwicklung der Affalterbacher Dynamik-Spezialisten; er wird in Handarbeit zusammengesetzt, weshalb jedes Aggregat die Unterschrift seines Monteurs trägt. Außergewöhnlich an diesem V8 ist, dass die beiden Lader nicht außen an den Zylinderbänken, sondern dazwischen angeordnet sind, was die Fachleute vom „heißen Innen-V“ sprechen lässt. Diese Bauform bewirke unter anderem, dass der V8 die Euro-6-Abgasnorm erfülle „inklusive der ab 2016 geltenden Regelung für den maximalen Partikelausstoß“. Und damit dieser Motor auch unter extremen Bedingungen mit hohen Querbeschleunigungskräften zuverlässig mit Öl versorgt wird, verfügt der GT über eine Trockensumpfschmierung.

Die Kraftübertragung erfolgt über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das über Schaltpaddel am Lenkrad zu bedienen ist. Sie erlauben, das alltagsgerecht breit angelegte Drehmoment-Plateau wie auch das nur auf Rennstrecken voll abrufbare Leistungsangebot des Turbomotors ganz individuell zu nutzen.

Was nicht perfekt ist

Wer sein Geld in einen AMG GT investiert, kann sich bewundernder Blicke sicher sein. Sollte der Besitzer allerdings spät in der Nacht oder am frühen Morgen seine Renn-Pferde satteln, provoziert er die Störung gutnachbarschaftlicher Beziehungen, denn beim Starten verkündet der V8 immer lautstark, wieviel Kraft in ihm steckt.

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Der Raum zwischen Fahrer und Beifahrer ist bis in den Dachbereich hinein ausgefüllt mit Bedienelementen, doch die am häufigsten benötigten finden sich nicht unbedingt da, wo sie ergonomisch sinnvoll untergebracht, sprich gut erreichbar wären. Nur ein Beispiel: Klein geratene Fahrer sind gezwungen, weit hinter sich zu greifen, wenn sie den Getriebehebel auf der Mittelkonsole bedienen wollen.

Was er kostet

Knapp 135.000 Euro beträgt der Grundpreis für den GT S, den die AMG-Leute als ersten ins Rennen schicken. Die Edition 1-Ausführung mit einer laut Hersteller „außergewöhnlichen Komposition aufregender sportlicher Exterieur- und Interieur-Details“ wird für 148.512 Euro offeriert, während die etwas später startende 456 PS-Variante  ohne S 115.430 Euro kosten soll. Plus x Euro für all die Extras, die zusätzliche Sportlergene enthüllen und Fahrspaß wie auch Puls-Frequenz steigern, beispielsweise das AMG Dynamik-Plus-Paket, das unter anderem dynamische Motor- und Getriebelager, eine straffere Feder/Dämpfer-Abstimmung, einen höheren negativen Sturz an der Vorderachse sowie eine adaptierte Sport-Parameterlenkung enthält.

Ebenfalls in Angebot: Eine Keramik-Hochleistungsbremsanlage, Schmiederäder, Sportreifen, AMG Performance-Sitze, Surround-Sound-System, Abstandsregel-Tempomat, Fernlicht-, Spurhalte- und Totwinkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Rückfahrkamera...und so weiter und so fort: Nicht nur die Heckpartie, sondern auch die reich bestückte Optionen-Liste erinnert an den Porsche 911, dem im AMG GT mit und ohne S ein ernstzunehmender Konkurrent erwachsen ist.

 

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