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Galerie: Test Mercedes-Benz CLS 350 BlueEfficiency

Test: Mercedes-Benz CLS 350 BlueEfficiency

Das Opa-Auto, das keins sein will

28.09.2011

Eigentlich wollte die Hülle zum Chassis gar nicht so recht passen, und doch zwangen Mercedes-Designer 2004 der damaligen E-Klasse eine viertürige Coupé-Karosserie auf. So widersprüchlich dieser zugleich ergreifend schicke Entwurf auch anmutete, so leidlich gut verkaufte er sich und wurde die Nachfolger-Frage des zudem noch margenträchtigen E-Klasse-Ablegers also reine Formsache. Bei dieser jüngst gestarteten Neuauflage wurde der fundamentale Optik-Widerspruch zwar entschärft, doch polarisiert auch hier das Design. Und obwohl so manches Detail der neuen Blechhaut schwer verdaulich erscheint, kann auch der herrlich schwülstige Auftritt des neuen CLS letztlich doch begeistern.

Galerie: Test Mercedes-Benz CLS 350 BlueEfficiencyGestreckt, flach und mit ausladenden Schwüngen versprüht der neue CLS nämlich Eleganz und Sportlichkeit auf gehobenem Niveau, und auch seine auffällige LED-Armada in den Scheinwerfer-Einheiten verleiht ihm eine prominente Aura. Dies ist kein Auto von der Stange, sondern ein durchgestyltes Schmuckstück, das zusätzlich aufgewertet mit Riesenrädern und Metallic-Lack den Eindruck von außergewöhnlicher Klasse und Dynamik vermittelt. Sein Besitzer, so sollte man meinen, ist ein sportlich orientierter Innovator mit Geschmack und Geld. Ach ja, und eigentlich möchte man erwarten, dass dieser außerdem noch jünger als der typische E-Klasse-Fahrer ist.

Der CLS-Besitzer sollte aber auch einen Hang haben, sich in extrovertierter Weise inszenieren zu wollen. Manche Proportion der eleganten Karosse wirkt überzeichnet, verlaufen einige Lichtkanten übertrieben schwungvoll und hat es Mercedes auch mit den vielen LEDs in den Scheinwerfern etwas zu gut gemeint. Und auch die Proportionen wollen nicht aus jedem Blickwinkel überzeugen: So baut die Schnauze etwas zu hoch und wirkt das Heck mit seinem eigenwilligen Hüftschwung etwas pummelig. Und doch wird das neue Design dem Ansinnen des CLS gerecht: Sich vom vergleichsweise biederen Technik-Bruder E-Klasse als ausdrucksstarke Alternative abzuheben und auch dem sonstigen Einerlei mit aristokratischer Distinguiertheit die kalte Schulter zu zeigen.

Edel und etwas eng

Galerie: Test Mercedes-Benz CLS 350 BlueEfficiencySeine eigenwillige, sportiv-elegante Aura geht aber auch mit Sportwagen-typischen Nachteilen einher: Der Einstieg ist etwas eng und für die tendenziell betagtere Klientel fast schon eine Zumutung. Auch das Platzangebot ist für ein Auto dieser Größe insgesamt etwas dürftig und der Kofferraum soll zwar 520 Liter fassen und ist dank der umklappbaren Rückbanklehne sogar erweiterbar, doch andererseits fällt das Gepäckabteil sehr flach aus, was einige Gegenstände vom Transport ausschließt.

Doch zählen weniger die rein praktischen inneren Werte als vielmehr die gediegene Atmosphäre, mit der der CLS seine Insassen umgarnt und verwöhnt. Das Highend-Luxus-Interieur des CLS empfängt seinen Gäste mit exquisiter Wohlfühl-Atmosphäre. Materialien wie auch Technik sind allerfeinster Güte und kann man sich von Komfort-Extras, noblen Accessoires und den vielen Helfern umfassend verwöhnen lassen.

Dem autonomen Fahren schon recht nahe

Galerie: Test Mercedes-Benz CLS 350 BlueEfficiencyApropos Helfer: Der immer noch in seiner Funktionsweise etwas unbefriedigend arbeitende Abstands-Tempomat bremst und beschleunigt den Wagen selbstständig, es gibt zudem einen Tote-Winkel-, Abstands- und Spurverlassens-Warner, sogar ein Müdigkeits-Detektor ermahnt den Fahrer zu einer Kaffeepause, während das vorbildlich bedienbare Navigationssystem souverän den Weg weist. Mit diesen Technik-Schmankerln kommt der hochgerüstete CLS dem Ideal des autonomen Fahrens schon bemerkenswert nahe.

Doch als Pilot eines CLS 350 BlueEfficiency übernimmt man gerne selbst die Führung. Den Wagen mit harter Hand und beherztem Gasfuß nahe ans Limit zu bringen, bereitet nämlich ganz besonders viel Laune. Obwohl es sich Benziner-seitig beim 350 um die „Basis“motorisierung handelt, versorgt dieses potente Aggregat den 1,7-Tonner mit sensationell viel Power, die zudem noch in formidablen Vortrieb umgesetzt wird.

Flotter Gleiter

So kommen dank Heckantrieb die 306 PS und die bei 3.500 U/min  anliegenden 370 Newtonmeter Drehmoment an die richtigen Räder und schieben den Riesen in kurzweiligen sechs Sekunden auf Tempo 100. Ab 250 km/h wird den längsdynamischen Freuden ein elektronischer Riegel vorgeschoben, doch bis dahin marschiert das spritzige Dickschiff mit verblüffender Leichtigkeit voran. Was noch mehr beeindruckt: Selbst bei Top-Speed liegt der CLS toleranzfrei satt auf dem Asphalt, weicht der Sternengleiter nicht um einen Millimeter vom vorgegebenen Kurs ab und rauscht man selbst am Limit mit entspannter Innenraum-Akustik dahin. Weltklasse.

Galerie: Test Mercedes-Benz CLS 350 BlueEfficiencyWie geschmeidig und gelassen dabei der Drei-Liter-Sechs-Zylinder werkelt und die Automatik mit sanfter Kurzweile die Gänge wechselt, ist unnachahmlich. Nur ein Beispiel: Beim entspannten Dahingleiten mit Tempo 180 per Geschwindigkeitsregler wechselten wir in einer Mischung aus Langeweile und Spieltrieb per Wipptaste hinterm Lenkrad vom siebten in den sechsten Gang….und nichts passierte. Die Motorakustik blieb konstant, nichts ruckelte, die Tachonadel verharrte auf ihrer Position. Nur am Drehzahlmesser schnellte die Nadel von 3.000 auf 3.500 Touren und wechselte die Gang-Anzeige von D auf 6. Mit derart feinen Manieren ist der durchaus auch mal kernig klingende Sechsender der Marke Mercedes und vor allem dem feudalen CLS ein besonders würdiger Antrieb. V8? Braucht man nicht.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Mercedes-Benz CLS-Klasse
Version / Ausstattung   350 BlueEfficiency
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   3.498 / V6-Benziner
Leistung (kW / PS)   225 / 306
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   370 / 3.500 - 5.250
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   Sieben-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.940 / 1.881 / 1.416
Radstand (mm)   2.874
Wendekreis (m)   11,3
Leergewicht (kg)   1.735
Kofferraum (Liter)   520
Bereifung Testwagen   255/40 R18 vorne/ 285/35 R18 hinten
Verbrauch    
Krafstoffart   Benziner
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,8 - 7,0
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   159 - 164 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   10,2
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   6,1
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   64.617,00
Empfohlene Extras   Fahrassistenz-Paket Plus bestehend aus Distronic Plus, Totwinkel-Assistent und Spurhalte-Assistent 2.678 Euro
 
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Und obwohl es sich beim 350 um eine zu zügelloser Lust animierenden Fahrmaschine handelt, soll sich das Aggregat laut Normverbrauch als halbwegs gesitteter Säufer empfehlen. Theoretisch sollen 6,8 Liter möglich sein, praktisch haben wir allerdings über zehn Liter verheizt. Angesichts der meist schnellen Autobahntouren ist dieser eigentlich happige Expresszuschlag sogar akzeptabel.

Teurer Spaß

Galerie: Test Mercedes-Benz CLS 350 BlueEfficiencyAuch querdynamisch macht unser sportlich ausgelegter CLS eine erstaunlich gute Figur. Den komfortorientierten Unterbau der E-Klasse spürt man nur noch andeutungsweise, gibt sich unser Exemplar vielmehr direkt und hart und erstaunlich kurvengierig. Die von Antriebseinflüssen freie Lenkung und das bisweilen keck übersteuernde Heck unterstreichen das spaßorientierte Ansinnen. Manch rückengeplagter Silberlocke dürfte allerdings das extraharte Setup unseres Testexemplars wohl nicht mehr ganz zusagen, doch der Kunde hat ja die Wahl zwischen verschiedenen Fahrwerks-Varianten. So gibt es unter anderem die gut 2.000 Euro teure Luftfederung Airmatic, bei der man spontan auf Knopfdruck sogar verschiedene Federungs-Szenarien anwählen kann.

Umwelttechnisch darf man den in der Praxis doch etwas durstigen CLS 350 durchaus in die Kritik nehmen, kostentechnisch muss er sich ohnehin einer objektiven Beurteilung entziehen. Ein Designer-Mercedes ist ganz einfach teuer, in der Anschaffung wie auch im Unterhalt. Doch der CLS-Kunde wird ja auch keine Supermarkt-Jeans tragen, sondern eher den feinen Zwirn eines französisch klingenden Mode-Labels. 65 Riesen kostet die Basis, mit vielen Extras könnte man den Preis sogar fast auf ein sechsstelliges Niveau treiben. Angesichts dieser Tarife dürften sich wohl nur wenige jüngere Autofahrer für einen CLS entscheiden.

 
Fazit

Mario Hommen

Wie schon beim Vorgänger ist auch der neue CLS fraglos Geschmackssache, doch wer ihn sich leisten kann, beweist damit Geschmack.
 
 

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