Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Test Mercedes-Benz GL

Test: Mercedes-Benz GL

Ganz entspannt

26.11.2013

Der Verkehr ist dicht, zur Rushhour in Münchens Innenstadt. Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Autos die Leopoldstraße entlang. Wer sich auskennt, sucht sein Glück auf Schleichwegen. Die verwinkelten Schwabinger Einbahnstraßen sehen auf dem Stadtplan aus, wie ein Spinnennetz - nachdem eine Fliege mit Karacho dagegen geprallt ist. Hier, wo sich Smarts und Minis einen immerwährenden Kleinkrieg um freie Parkplätze oder die Poleposition an der Ampel liefern, wirkt er wie ein Fremdkörper; ein Außerirdischer, der sich auf dem Weg durch die Galaxie verirrt hat, und nun in München im Weg steht.

Zugegeben, für einen Außerirdischen sieht der Mercedes-Benz GL recht unspektakulär aus. Wessen blühende Phantasie Bilder von grünen Männchen oder Prinzessin-Lillifee-ähnlichen Kreaturen vor das geistige Auge zaubert, der ist zu Recht enttäuscht, wenn plötzlich dieser Klotz vor ihm steht. Design zu beschreiben ist keine leichte Sache - normalerweise. Im Falle des GL gelingt dies aber ganz einfach: Eine große Schuhschachtel mit Motorhaube und vier Rädern, fertig ist das Über-SUV.

Überragt alles

Galerie: Test Mercedes-Benz GLWobei Über-SUV nur unsere deutsche Sichtweise entlarvt; auf amerikanischen Highways oder arabischen Boulevards wirkt der Benz mit seinen 5,12 Metern Länge höchstens angemessen. Hierzulande dagegen überragt er so ziemlich alles - in jeder Richtung. Denn mit 1,85 Zentimeter Höhe tun sich auch Großgewachsene schwer, das Dach ohne Trittleiter zu reinigen und wie breit 1,93 Meter wirklich sind, merkt man, wenn man das Dickschiff in hiesige, meist nur kleinwagenfreundliche Parkhäuser manövriert. Wobei letzteres dank einer Armada von Parkpiepsern und Kameras tatsächlich ein Kinderspiel geworden ist.

So hat die moderne Technik vielleicht den letzten Grund, der noch gegen die Vorgänger-Generation gesprochen hat, geschluckt. Warum um alles in der Welt, sollte man sich keinen GL kaufen. Gut - weil man mindestens 73.126 Euro auf den Tisch legen muss. Doch für wen der schnöde Mammon nicht mehr als ebendieser ist, der kann, ja sollte sich getrost auf das Abenteuer XXL einlassen. Vielleicht flucht man am ersten, vielleicht auch noch am zweiten Tag, wenn man an drei Parkplätzen vorbeigefahren ist, die alle zu klein waren.

Unendliche Gelassenheit

Galerie: Test Mercedes-Benz GLDoch spätestens nach 72 Stunden stellt sich ein Gefühl unendlicher Gelassenheit ein, wie sie wohl auch ein Außerirdischer haben muss, der abertausende von Lichtjahren auf der Milchstraße unterwegs war. Der GL schenkt seinem Fahrer Ruhe und Entspannung, ein fahrendes Hammam sozusagen, in dem sich hervorragend die Seele baumeln lässt. Die hektische Welt, außerhalb der dicken Fensterscheiben, die einen Großteil des störenden Straßenlärms absorbieren, verliert gleichermaßen ihren Schrecken und an Bedeutung.

Stau im Berufsverkehr? Kein Grund zum Aufregen: Schnell die Massagefunktion angestellt, im Radio feine Musik ausgewählt und schon kann man es sich auf dem wohltemperierten Sofasesseln gemütlich machen und mit lockerer Miene die cholerischen Mitstreiter um einen herum beobachten - im wahrsten Sinne des Worte von oben herab. Und auch die vielen kleinen Parklücken, die eines GLs nicht ebenbürtig sind, darf man gelassen an sich vorbeiziehen lassen. Denn sie verlängern nur die Reisezeit in diesem wundervollen Automobil. Jede Ehrenrunde durch die Innenstadt wird förmlich zur Wohltat; nur zu gerne lässt man die ein oder andere vielleicht doch passende Lücke links liegen, nur um dieser Oase nicht zu früh enteilen zu müssen.

Kein Grund zur Eile

Galerie: Test Mercedes-Benz GLApropos Eile: Dazu gibt es im GL wahrlich keinen Grund. Tempo 140 auf der Autobahn erscheint plötzlich als völlig ausreichend, das nervenzehrende Gedrängel auf der linken Spur überlässt man lieber den BMW- und Audi-Fahrern und gibt sich voll und ganz den gemütlichen Dahingleit-Künsten des Sternenwagens hin. Über drei Meter Radstand sowie eine äußerst komfortable Luftfederung sorgen dafür, dass die Unbill des Asphalts draußen bleibt. Wozu das Fahrwerk einen Sportmodus braucht, bleibt mir auch nach zwei Testwochen unerklärlich. Denn niemand wird auf die Idee kommen, zweieinhalb Tonnen Leergewicht besonders dynamisch bewegen zu wollen.

Dabei bietet der GL – wenigstens in der Geradeausrichtung – sogar reichlich Kraftpotential; zumindest wenn man den über 95.000 Euro teuren 500er geordert hat. Dann verrichtet ein doppelt aufgeladener Achtzylinder seinen Dienst unter der hohen Haube und entlässt beim Tritt aufs Gas 435 PS aus 4,7 Litern Hubraum in die Freiheit. Bei 1.800 Umdrehungen schieben 700 von einer Siebengang-Automatik verwaltete Newtonmeter Drehmoment alle vier Räder an und den Benz in 5,4 Sekunden auf Tempo 100; Schluss ist – technisch - erst bei 250 km/h, doch dürften die meisten Fahrer vorher vom Gas gehen. Spätestens ab 180 Sachen hat man das Gefühl, mit einer Schrankwand gegen den Wind zu fahren und besinnt sich freiwillig wieder auf die gemütliche Gangart. Und spätestens in Kurven gelangen auch Autobahn-Hasardeure zu dieser Einsicht.

Das passt noch rein

Galerie: Test Mercedes-Benz GLNicht zuletzt zögert ein mit Bedacht eingesetzter Gasfuß auch den Tankstopp hinaus und verlängert damit die Phase genussvollen Reisens. 100 Liter schluckt der Benzinbehälter, macht rechnerisch eine Reichweite von 870 Kilometern. Dumm nur, dass der Normverbrauch von 11,5 Litern auch ohne Volllast-Eskapaden nur schwer zu erreichen ist. Gerne steht eine 15 auf dem Bordcomputer und sollte man nach spätestens 600 Kilometern die Suche nach einer Tankstelle beginnen, damit in der entspannten Urlaubsreise-Atmosphäre am Ende nicht doch noch Hektik aufkommt.

Die wird übrigens auch schon vor Fahrtbeginn vermieden, wenn man auf die Frage: „Passt das noch rein“ ohne zu zögern mit ja antworten kann. Egal, wie groß es ist, in der Regel passt es rein. 2.300 Liter Gepäck schluckt das Monstrum, klappt man alle Fond-Sitze um. Derer hat der GL immer fünf; drei in der zweiten, zwei in der dritten Reihe. Das mittlere Gestühl lässt sich per Hebel umlegen, die beiden hinteren Sitze – wahrscheinlich die einzigen in einem Siebensitzer, auf denen auch Erwachsene Platz nehmen können – verschwinden per Tastendruck elektrisch und ebenerdig im Kofferraumboden; und erheben sich auch auf gleiche Weise wieder. Dass auch die Heckklappe ganz entspannt von alleine auf und zu schwingt, versteht sich da von selbst.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Einsteigen und Wohlfühlen – hier bietet der Mercedes-Benz GL ein eindrucksvolles Topniveau. Das übergroße SUV dürfte das wohl entspannteste Gefährt auf dem hiesigen Markt sein, und auch eines der geräumigsten. Wo sonst können selbst Erwachsene auf den Plätzen sechs und sieben einigermaßen kommod reisen? Alternativ schluckt der im amerikanischen Tuscaloosa gebaute Benz jede Menge Gepäck.

Und er schluckt die Hektik des Alltags: Der Stress des Großstadtdschungels dringt kaum durch die dicken Scheiben, der Fahrer entrückt innerlich dem Gedrängel der Innenstadt und der Raserei auf der Autobahn. Er gleitet in seinem Refugium auf vier Rädern sanft dahin, ohne sich dabei von anderen zur Hast treiben zu lassen. Nur die hin und wieder nötigen Tankstopps holen ihn in die Realität zurück. Und die immense Lastschriftsumme beim Kauf des Über-Suvs.  
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.