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Galerie: Test Mercedes-Benz S 500 4Matic Coupé

Test: Mercedes-Benz S 500 4Matic Coupé

Ein Auto, zwei Ansichten

25.03.2015

V8-Motor, 4,7 Liter Hubraum, 455 PS, 700 Newtonmeter, in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Grundpreis 125.961,50 Euro - beim S 500 4Matic Coupé hat Mercedes-Benz in die Vollen gegriffen und Leistungs- wie auch Preisschwelle extrem hoch gelegt. Darum haben auch wir uns dem Superlativ aus Stuttgart von zwei Seiten genähert.

Gerlinde Fröhlich-Merz: Um von A nach B zu fahren, braucht niemand 455 PS, denn ein Großteil des dynamischen Potenzials liegt verkehrsbedingt brach. Und für den Kauf eines Coupés statt einer Limousine gibt es erst recht keine überzeugende Begründung: Der Mehrpreis - rund 15.000 Euro - geht mit einem ebenso enormen Verlust an Alltagstauglichkeit einher. Das S-500-Coupé, diese hochwertige Mobilitätslösung, durch den schnöden Alltagsverkehr zu lenken, ist nicht immer ein Genuss: Schmale Straßen erscheinen noch schmaler, wenn man sie in einem 5,03 Meter langen und mit Außenspiegeln 2,11 Meter breiten Fahrzeug durchfährt, innerstädtische Parklücken noch kürzer, als sie sowieso schon sind. Rückfahrkamera und Parksensoren sind bei diesem Auto ein Muss.

Michael Gebhardt: Ja, der dicke Benz ist im Stadtverkehr ein bisschen unhandlich. Aber wer es mit Gemütlichkeit angeht, verliert selbst im Großstadtgewusel nicht die Nerven. Ihm ist nicht daran gelegen, hektisch die Spuren zu wechseln und ständig vorne dran zu sein. Als Coupé-Fahrer kann man sich erlauben, gelassen dahinzugleiten und die Hektik den anderen zu überlassen. Dafür sorgen schon die doppelt verglasten Scheiben, die alle Unbill der Außenwelt von den S-500-Coupé-Insassen fern hält. Und für die engen Gassen gibt es die 360-Grad-Kamera, die das gesamte Fahrzeugumfeld erfasst und so das Rangieren erheblich vereinfacht. Sogar das Einparken, das man aber auch der Technik ganz überlassen kann.

Galerie: Test Mercedes-Benz S 500 4Matic CoupéGFM: Gegen den typischen Coupé-Nachteil, die überlangen Türen, ist allerdings kein technisches Hilfsmittel gewachsen – doch wer den Gegenwert einer Einzimmer-Wohnung in ein Auto investiert, verfügt vermutlich über eine Garage im XXL-Format. Ob er fern von zuhause die zwingend erforderliche extrabreite Abstellfläche vorfindet, darf jedoch bezweifelt werden. Fehlt sie, muss sich der Fahrer aus dem beziehungsweise ins Auto winden und riskiert trotz aller Verrenkungen doch, dass sein teures Blechle an der Nachbarkarosserie aneckt.

MG: Praktisch? Danach fragt, wer ein Coupé kauft, sicherlich nicht. Natürlich steigt es sich in eine Limousine leichter ein, passt in einen Kombi mehr Gepäck und ist ein Kleinwagen übersichtlicher. Aber schöner ist sicher kaum ein Automobil. Gordon Wagner, Daimlers Chef-Kreativem, ist es gelungen, die Formensprache der S-Klasse-Limousine beim Coupé noch besser in Szene zu setzen: Elegant und sportlich, gediegen und aufregend zugleich präsentiert sich der Zweitürer und ist damit mehr als ein Auto; er ist ein Statement. Das große Coupé vom Daimler fahren nicht Geschäftsleute und Manager, das fahren diejenigen, die es geschafft haben, nicht mehr arbeiten zu müssen.

GFM: Außerorts und in Bewegung ist das S 500 Coupé ein Genuss, der bei maßvollem Umgang mit dem dynamischen Potenzial nur um die zehn Liter je 100 Kilometer aus dem Tank entschwinden lässt. Langstreckentauglich ist der Zweitürer natürlich auch; optional mit Rückenmassage-Einrichtung für Langstrecken-Bezwinger. Doch spätestens wenn man diese Annehmlichkeit in Anspruch nimmt, beginnt man zu grübeln: Wieviel Elektromotoren wohl in diesem Auto stecken? Vermutlich noch mehr, als man - großzügig - schätzt, denn irgendwo müssen sie ja herkommen, die vielen Hilfskräfte, die dem Viersitzer mit allem Komfort-und-zurück versorgen. Und sie alle tragen zum immensen Gewicht von über zwei Tonnen bei.

MG: Über zwei Tonnen? Ja, das ist eine ganze Menge, doch haben die 455 PS damit leichtes Spiel. Und die viereinhalb Sekunden für den Standardsprint sprechen eine deutliche Frage. Zugegeben, zum Sportwagen machen sie das Coupé nicht, auch wenn man das Fahrwerk per Tastendruck straffer einstellen kann. Doch will der Benz auch gar kein Kurven-Wusler werden - er ist ein Gleiter, der zwar mit Vehemenz nach vorne preschen kann, sich aber dann doch schnell wieder seiner anderen Tugenden besinnt und lieber sanft Bodenwellen und Unebenheiten wegbügelt. Und dank des hervorragenden Allradantriebs verliert er selbst auf Eis und Schnee nicht die Bodenhaftung.

Galerie: Test Mercedes-Benz S 500 4Matic CoupéGFM: Riesengroß ist das S 500 Coupé übrigens nur von außen. Innen liegt es eng an, zum einen weil die Sitze besten Seitenhalt bieten (und ihn auf Wunsch selbst in harmlosen Kurven und bei mäßigem Tempo sogar noch verstärken), zum anderen weil die Mittelkonsole extrem breit ist und sich bis in den Fondbereich ausdehnt - Seitenwechsel unmöglich. Das Gepäckabteil ist von passabler Größe, wenn auch mit hoher Ladekante. Eine elektrische Schließhilfe gehört zu Serienausstattung, und auch die Bedienung per Fußschwenk unter der Heckschürze ist selbstredend an Bord.

MG: Zugegeben: Die Bedienung der S-Klasse ist nicht ganz einfach und auch der Umgang mit dem Touch-Pad, das es zusätzlich zum Dreh-Drück-Knubbel auf dem Mitteltunnel gibt, muss geübt werden. Doch hat man sich einmal damit befasst, sind die Möglichkeiten, die der Benz bietet, schlichtweg faszinierend. Nicht nur die feinfühlige Rückenmassage überzeugt, auch das in zahlreichen Farben einstellbare Ambientelicht oder der ganz auf das persönliche Gehör einstellbare Klang der Burmester-Soundanlage können ebenso begeistern wie die beheizte Mittelarmlehne oder das Raumparfum.

Galerie: Test Mercedes-Benz S 500 4Matic CoupéGFM: All die elektronischen Assistenzsysteme auszuprobieren, erfordert allerdings Tage - und zwar im Stillstand, mit der Gebrauchsanleitung in der Hand. Und auch die Möglichkeiten der Comand-Zentrale samt Navigationssystem auszuloten, frisst Zeit und gibt Leuten, die keine frischen MB-Erfahrungen haben einige Rätsel auf. Die Empfehlung, sich daheim, vorm PC, schlau zu machen, klingt vielleicht komisch, ist aber sinnvoll, denn während der Fahrt ist das Ablenkungspotenzial einfach zu groß. Mercedes-Benz hält für Trockenübungen extra eine interaktive Betriebsanleitung bereit.

MG: Technische Helfer gibt es im S-500-Coupé in der Tat sonder Zahl. Die meisten sind sinnvoll - wie das Head-up-Display, das Nachtsichtgerät mit Personenerkennung und nicht zuletzt der Staufolgeassistent, der das Coupé im Stop-and-Go-Verkehr dem Vorderwagen ohne Zutun des Lenkers hinterherfahren lässt. Wer sich für das S-Coupé entscheidet, bekommt die neueste Technik und ist damit so komfortabel und sicher wie nur möglich unterwegs. Und dass das Radarauge mitunter ein Hindernis erfasst, das gar nicht da ist, oder ausfällt, weil es schnee- oder schmutzbedeckt ist – das muss man mit dem nötigen Pioniergeist und der dem großen Coupé angemessenen Contenance einfach übersehen.

 
Fazit

Gerlinde Fröhlich-Merz und Michael Gebhardt

GFM: Das S-Klasse-Coupé ist ein Auto, das nicht Nützlichkeit verspricht, sondern einfach nur schön anzusehen, auf das Feinste ausgestattet und auf Angenehmste zu fahren ist. Diesen Luxus muss man sich allerdings leisten können.
 

MG: Sind nicht oft die sinnlosesten Dinge die schönsten im Leben? Wer mit rationalen Überlegungen an das S-Klasse-Coupé rangeht, wird sie nicht kaufen. Der Zweitürer ist nicht für die Pragmatiker und kühlen Rechner gemacht, die im feinen Zwirn den ganzen Tag Zahlen verschieben. Sie finden in der Limousine sicher die bessere Alternative, wo sie auf kleinen Tischchen auch noch beim Nachhause-gefahren-werden arbeiten können. Diejenigen jedoch, denen es erlaubt ist, sich den schönen Seiten des Lebens zuzuwenden, werden sich auf den ersten Blick in das Coupé verlieben - wenn auch nicht immer erwerben können.

 

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