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Galerie: Test Mitsubishi Evo IX

Test: Mitsubishi Evo IX

Reifer Quertreiber

03.07.2006

Stars werden zu Legenden, wenn sie es schaffen, sich zeitlebens selbst treu zu bleiben. Voraussetzung ist freilich ein Grundstock an Unangepasstheit. Mick Jagger ist so ein Kandidat, auch Maradona und der gerontopotente Playboy-Gründer Hugh Hefner. Der „Evo“ von Mitsubishi lässt sich nahtlos einreihen in diese illustre Auswahl, denn selbst in seiner neunten Auflage ist er ein Quertreiber geblieben.

Dass der Evo nicht mehr der Jüngste ist, verheimlicht er genauso wenig wie seine Wurzeln im Rallyesport. Die kantige Karosserie mit den aufgeblähten Radhäusern und dem riesigen Karbonflügel (Sportpakt € 2.500) stammen aus einer Zeit, in der es noch nicht verpönt war zu zeigen, was man hat. Ganz ohne Schönheits-OP ging es dann doch nicht (neue, rundere Schürzen), doch alles in allem ist der Evo in Würde gealtert.  

Galerie: Test Mitsubishi Evo IXInnen gab es ebenfalls kaum Veränderungen. Das nüchterne Cockpit wirkt gut und gern zehn Jahre alt, verzichtet ebenso konsequent auf Luxus wie auf übertriebene Sport-Accessoires. Ein Arbeitsplatz eben. Zentral im Blickfeld des Fahrers liegt der Drehzahlmesser, das wunderbar griffige Momo-Sportlenkrad steht weit in den Raum. Verstellbar ist es nicht, es passt auch so perfekt.

Reinrassiges Sportgerät

Ebenso makellos sind die Recaro-Schalensitze, die den Piloten schraubstockartig im Griff haben. Mit „makellos“ ist freilich der Sporteinsatz gemeint, denn auf lange Strecken killt die rundbuckelige Sitzhaltung die Bandscheiben. Aber wer kauft schon einen Evo, um damit groß in den Urlaub zu fahren?

Der Motor - nach wie vor ein zwangsbeatmeter Vierzylinder mit 2,0 Liter - leistet inzwischen 280 PS und damit 15 Pferde mehr als in der Vorgänger-Generation. Das Drehmoment ist unverändert, beträgt maximal 350 Nm und liegt bereits bei 3.500 Touren an.

Galerie: Test Mitsubishi Evo IXEgal ob Last oder hohe Drehzahl, der Sound ist nie schön. Untenrum unspektakulär, oben hinaus heiser kreischend und beim Beschleunigen dominiert vom lauten Pfeifen des Turboladers macht das Aggregat eben seinen Job: Powern ohne Ende! Sobald der Ladedruck voll aufgebaut ist, reißt der Evo an wie ein Wildpferd vor dem Streitwagen. Ehe man sich versieht, steht die Drehzahlnadel am Begrenzer. Klack-Tack, und der nächste Gang sitzt. Das neue Sechsgang-Schaltgetriebe mit seinen ultrakurzen Wegen macht das Gänge sortieren zum Vergnügen. Die spontane Gasannahme des Motors fordert geradezu nach Zwischengas beim Herunterschalten.

Je kurviger die Strecke, desto reizvoller ist der Sportbetrieb. Die extrem direkte und straff gehaltene Lenkung erlaubt millimetergenaues Navigieren. Die brettharte Fahrwerksabstimmung mit den Bilstein-Dämpfern nagelt den Evo auf die Fahrbahn. Das Festkrallen, auch beim beherzten Beschleunigen aus der Kurve heraus, besorgt der aktive permanente Allradantrieb.

Galerie: Test Mitsubishi Evo IXAktiv bedeutet hier, dass das AWC genannte System anhand verschiedener Parameter wie Gaspedalstellung, Lenkeinschlag und Traktion erkennt, welche Achse und welches Rad wie viel Antriebskraft verträgt. Die Aufteilung zwischen den Rädern der Hinterachse übernimmt ein elektrohydraulisches Hinterachsdifferenzial.

Hightech ohne Bevormundung

Galerie: Test Mitsubishi Evo IXPer Taste lässt sich zudem die Leistungsverteilung des elektrohydraulischen Mittendifferenzials vorwählen. Je nach Fahrbahnbelag (Asphalt, Schotter oder Schnee) wird mehr oder weniger Antriebskraft auf die Vorder- bzw. Hinterachse geleitet. Trotz aller Technik ist latente Wachsamkeit gefragt: Denn der Evo ist ein Wildfang ohne elektronische Abflugverhinderer wie ESP. Grobmotorikern rät er mit ausbrechendem Heck zu gefühlvollerer Beinarbeit. Könnern lässt er alle Freiheiten bis hin zum Dauerdrift. Der Evo ist eben ein Rallyewagen mit Straßenzulassung und kein 08/15-Auto im Rennanzug.

Höchste Konzentration ist auch auf der Autobahn gefragt. Hier kommt die eben gepriesene, superdirekte Lenkung als Boomerang zurück: Der Geradeauslauf ist sehr nervös, das Volant will richtig fest gehalten werden. In diesem Auto fühlen sich 250 km/h wirklich noch an wie 250 km/h.

Fazit

Ein Evo ist ein wunderbares Spielzeug, eine Fahrmaschine für anspruchsvolle Puristen mit einem hohen Maß an fahrerischem Können. Der kantige Mitsubishi hat mit den Jahren nichts von seiner Unangepasstheit eingebüßt, ist zwar reifer geworden, aber nicht weniger wild. Und noch eine legendentaugliche Tradition hat er beibehalten, den vertretbaren Preis: Evo der Neunte ist für gut 40.000 Euro zu haben.

Galerie: Test Mitsubishi Evo IX

 
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