Elektromobilität-Special
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Galerie: Test Nissan Leaf

Test: Nissan Leaf

Angstmacher

25.07.2012

Viele trauen der Energiewende noch nicht, doch sie nimmt immer konkretere Formen an und hat man schon jetzt die Möglichkeit, CO2-neutral mit dem Auto zu fahren. Zum Beispiel mit einem Nissan Leaf, der nebenbei noch ein spaßbetontes und erwachsenes Fahrgefühl bietet, extrem leise ist, seinen Passagieren bisweilen aber auch Angst machen kann.

Um es gleich vorwegzunehmen: Billig ist der Leaf nicht. Hierzulande werden für den Stromer der Golfklasse stolze 37.000 Euro fällig. Trotz guter Serienausstattung, dem Sparpotenzial dank der derzeit niedrigen Energiekosten und der Steuerersparnis dürfte sich diese Investition auch langfristig nicht amortisieren. Selbst wenn die vielfach geforderten staatlichen Subvention bei der Anschaffung von E-Autos kämen, müsste den Käufer wohl immer noch eine altruistische Investitionsbereitschaft zum Kauf eines Leaf treiben.

Starker Antritt

Galerie: Test Nissan LeafWer der Umwelt zuliebe diesen Beitrag leisten will, wird nicht nur mit einem grünen Gewissen, sondern außerdem noch mit dem erhabenen Gefühl des rein elektrischen Fahrens belohnt. Dieses geht im Fall des Leaf mit einer nahezu lautlosen, von unten raus recht flotten und linearen Beschleunigung einher. Manchmal stört ein leichter Antriebseinfluss in der Lenkung, doch das trübt den Fahrspaß nur geringfügig. Bereits vom Stand liegen nämlich die 280 Newtonmeter an, lästiges Schalten entfällt und der 1.642 Kilogramm schwere und 109 PS starke Stromer erreicht in immerhin 11,9 Sekunden die 100 km/h-Marke.

Ein wenig nachteilig wirkt sich das relativ hohe Gewicht der Batterien auf das Fahrwerk aus, denn der unterdämpfte Unterbau bekommt schon mal Verdauungsschwierigkeiten bei eigentlich noch harmlosen Unebenheiten. Doch die schweren Akkus haben einen Vorteil: Im Fahrzeugboden untergebracht sorgen sie für einen tiefen Fahrzeugschwerpunkt, weshalb sich der Leaf mit viel Schwung durch Kurven scheuchen lässt - sehr zielgenau und mit geringer Wankneigung.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Nissan Leaf
Motor / Ausstattung    
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   Wechselstrom-Synchronmotor
Leistung (kW (PS) / U/min)   80 (109) / 2.730 - 9.800
Drehmoment (Nm / U/min)   280 / 0 - 2.730
Antriebsart   Frontantrieb
Akku / Kapazität (kWh)   Lithium-Ionen / 24
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.445 / 1.770 / 1.550
Radstand (mm)   2.700
Wendekreis (m)   10,4
Leergewicht  (kg)   1.525
Kofferraum (Liter, nach DIN)   330 - 680
Serienbereifung   205/55 R 16
Verbrauch    
Krafstoffart   Strom
EU-Zyklus (Wh/100)   173
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   lokal emissionsfrei / -
Reichweite (km)   175
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100 km/h (s)   11,9
AS24-Sprint 0-100 km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0 km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   145
Preise    
ab (Euro)   36.990,00
Ausgewählte Extras (Euro)   Solarspoiler (300), Winter Pack (330), Metallic-Lack (550)
 
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Reichweiten-Implosion

Doch der längs- und kurvendynamische Fahrspaß kann auch Unbehagen auslösen, denn bei der Reichweite können Theorie und Praxis weit auseinander klaffen. Bei Leaf-Neulingen kann dieser Umstand bisweilen sogar leichte Angst auslösen, da man die praktische Reichweite noch nicht so recht einschätzen kann. So starteten wir auf einer Tour von der Münchener Innenstadt zum Flughafen und zurück mit vollen Akkus und also mit 180 Kilometer Reichweite, was eigentlich ein gediegenes Polster für den 80-Kilometer-Ritt sein sollte. Doch als wir auf der Autobahn die leicht erreichbaren 145 km/h Topspeed testen wollten, schmolz dieses Polster brutal zusammen.

Galerie: Test Nissan LeafEntsprechend mussten wir auf Nummer sicher gehen und den Rest der Strecke auf der Autobahn mit nur knapp über 100 km/h (schneller als die LKWs muss man schon sein) schleichen. Bei sommerlichen Temperaturen und deaktivierter Klimaanlage blieben am Ende noch gut 30 Kilometer Reichweite übrig. Diese große Varianz des Aktionsradius macht deutlich, wie sehr Streckenprofil und Gasfuß den Energiebedarf eines Fahrzeugs beeinflussen. Wer es darauf ankommen lässt, könnte aus den Leaf-Batterien auch 200 Kilometer pro Ladung rausholen, zum Beispiel wenn man immer schön gleichmäßig mit 90 Sachen dahin stromern würde. Mit Topspeed auf der Autobahn bricht die Reichweite hingegen zusammen.

Entsprechend ist der schick eingerichtete und gut ausgestattete Leaf ein Auto des Verzichts. Längere Fahrten sind nicht drin, zumal ein enges Netz an Schnellladestationen nicht in Sicht ist und man an der heimischen Steckdose auch schon mal zehn Stunden warten muss, bis die Akkus voll sind. Der Spontanität sind da Grenzen gesetzt. Wer sich weiter wagt als der Strom reicht, muss abgeschleppt werden. Bis der ADAC flächendeckend mit mobilen Ladestationen Elektro-Havaristen spontan Strom zur Weiterfahrt einhaucht, wird es noch einige Zeit dauern.

Galerie: Test Nissan LeafDer Nissan Leaf elektrisiert. Unter anderem auch Mitarbeiter von AutoScout24. Rashid Elshahed, PR Manager, ist nach einer Spritztour zu folgender Erkenntnis gekommen:

Der Nissan Leaf schafft das Unmögliche: Er macht das Autofahren in der Stadt zur wahren Freude. Und auch wenn er nicht so aussieht: Als Vollblut-Elektrofahrzeug legt er aus dem Stand heraus eine satte Beschleunigung hin, Ampeln verlieren ihren Nerv-Faktor. Knapp 160 km/h schafft er auf der Autobahn und bleibt dabei, wieder typisch Elektroauto, angenehm leise. Ein echtes Plus an Lebensqualität. Dabei bietet er genug Platz für drei Passagiere im Fond und ein Wocheneinkauf lässt sich ebenfalls problemlos im Kofferraum verstauen.

Für mich ist der Nissan Leaf trotzdem nicht das Richtige. Als Stadtbewohner brauche ich kein Stadtauto, so viel Spaß dieses Gefährt auch macht. Wenn ich ein Fahrzeug benötige, dann für längere Strecken - und die sind bei einer Reichweite von circa 150 Kilometern leider mein KO-Kriterium für den Leaf. Um von München etwa nach Frankfurt oder Wien zu kommen, müsste man ihn unterwegs theoretisch zwei Mal aufladen. Da muss der Fahrspaß einer Leidensbereitschaft weichen. Für Pendler dagegen, die über einen Garagenstellplatz mit Lademöglichkeit verfügen, kann der Nissan Leaf durchaus Sinn machen.

Vier Euro auf 100 Kilometer

Obwohl grundsätzlich für Überlandfahrten einsetzbar, passt der Leaf unserer Meinung nach derzeit am besten in den urbanen Verkehr und eignet sich besonders gut für Pendler. Ampelstopps sind übrigens keine Reichweitenfresser, denn dank der Rekuperation wird die Bremsenergie zumindest teilweise wieder in Strom zum Vortrieb gewandelt.

Galerie: Test Nissan LeafWer den Leaf effizient fährt, kann mit dem Normverbrauch von 17,4 Kilowattstunden pro 100 Kilometer hinkommen. Dann würde der Leaf mit Strom aus der Steckdose für 100 Kilometer rund vier Euro Energiekosten verursachen. Insofern ist das Sparpotenzial im Vergleich zu einem Kompakten mit Verbrennungsmotor im Augenblick recht ordentlich.

Wer den Kauf eines Leaf allerdings aus ökologischen Beweggründen heraus erwägt, sollte idealerweise den Strom aus regenerativen Quellen beziehen, denn erst damit ist das Auto weitgehend CO2-neutral unterwegs. Doch das ist eine andere Diskussion.

 
Fazit

Mario Hommen

Beim Nissan Leaf handelt es sich um einen innen sehr hübsch eingerichteten, voll alltagstauglichen und recht komfortabel ausgestatteten Fünfsitzer mit variablem Gepäckraum, der für den Alltag ausreichend groß dimensioniert ist.

Dank des üppigen Drehmoments und des extrem niedrigen Geräuschniveaus bietet der Stromer zudem ein Fahrerlebnis, das viel Freude bereiten kann.

Doch damit ist der batterieelektrische Leaf noch kein großer Wurf, denn andererseits machen sein hoher Kaufpreis und seine eingeschränkte und zudem hochvariable Reichweite es nicht wirklich leicht, sich für diesen ansonsten fraglos gelungenen und faszinierenden Stromer zu entscheiden.
 
 

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