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Galerie: Test Nissan Qashqai

Test: Nissan Qashqai

Was bin ich?

13.08.2008

Er sieht aus wie ein SUV, hat – optional – Allradantrieb und gaukelt damit Geländegängigkeit vor. Was der Nissan Qashqai mit 150-Diesel-PS und Allrad am besten kann, haben wir herausgefunden.

Von außen verströmt der Japaner in der Tat SUV-Charme, ohne dabei aufdringlich oder grob zu wirken. Der gefällige Qashqai hebt sich dennoch angenehm von der Masse ab. Nicht zuletzt die Zulassungszahlen bestätigen, dass Nissan einiges richtig gemacht haben muss. Aber kann der Kompaktallradler mehr als hübsch?

Hochsitz

Galerie: Test Nissan QashqaiDer Einstieg ist SUV-typisch hoch. Bequem ist das, sehr bequem sogar. Das Interieur empfängt einen in der getesteten Tekna-Ausstattung mit Leder. Auffällig ist jedoch, dass sich das Naturmaterial nicht wirklich hochwertig anfühlt. Setzt man sich auf das vordere Gestühl, merken größere Menschen, dass trotz Europa-Ausrichtung – der Qashqai wurde in der EU designt und wird in England gebaut – eher Asiaten das Maß der Dinge waren. Sitzlehne und –fläche sind zu kurz. Der obere Bereich der Schulter hat keinen Kontakt und die Seitenwangen sind null ausgeformt. Dass der Beifahrer keine Höhenverstellung hat, ist zu verschmerzen.

Im Interieur erinnert nichts an Geländewagen, eher an gewöhnliche Kompaktlimousine. Kompakt ist der Qashqai nämlich. Gerade etwas über 4,30 Meter misst er. Das ist kaum eine Handbreit mehr als beim Opel Astra. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Platzangebot stimmt. Vorne wie hinten gibt es ausreichend Raum um Kopf, Schultern und Beine zu verstauen.

Schlüsselloser Motorstart

Galerie: Test Nissan QashqaiDie Bedienung ist einfach und logisch. Lediglich das schlüssellose Motorstartsystem nervt. Bevor man nicht die Bremse tritt, dreht sich der Drehschalter – der genau da sitzt, wo sonst der Schlüssel ist – nicht und beim Abstellen ist zusätzlich ein Knopf zu drücken.

Ein hilfreiches Goodie, das allerdings mit 2.000 Euro zu Buche schlägt, ist das Europa-Navi. Es sitzt sehr prominent auf dem Armaturenbrett und ist mit einer Rückfahrkamera gekoppelt, die millimetergenaues Einparken erlaubt.  An der Verarbeitung gibt es grundsätzlich nichts zu mäkeln. Premiumniveau erwartet niemand. So verzeiht man die günstig wirkenden Luftausströmer im Dacia-Style und die teilweise nicht perfekt entgrateten Kunststoffe rund um Navi und Radhausblenden.

Galerie: Test Nissan QashqaiNicht wirklich zu verzeihen ist der geringe Öffnungswinkel der Heckklappe. An Personen über 1,80 Meter verteilt diese flux eine Kopfnuss. Dafür passen in das Ladeabteil mehr als 400 Liter Gepäck und bei voller Transportkapazität gehen mehr als 1.500 Liter rein. Das sind Golf Variant-Werte, und der ist 25 Zentimeter länger.

Großer Tank

Wie das Gepäckabteil, so überzeugt auch der Tankinhalt des Qashqai. 65 Liter sucht man in dieser Fahrzeuggröße sonst vergeblich. Auf unserer Verbrauchsrunde genehmigte sich der Dieselmotor nur 6,7 Liter. Im Testmittel – fast ausschließlich im 2-WD-Modus – liefen respektable 8,0 Liter durch die Common-Rail-Leitung. Für ein rund 1.700 Kilogramm schweren und 150 PS starken Hochbeinwagen ein sehr guter Wert.

Überzeugende Vorstellung

Galerie: Test Nissan QashqaiÜberhaupt überzeugt der 320 Newtonmeter kräftige, kettengetriebene Motor mit Laufruhe und eigentlich gutem Ansprechverhalten. Lediglich nach dem Kaltstart nagelt er. Gut zehn Sekunden benötigt der 2.0 dCi bei vollem Ausdrehen der ersten drei Gänge, um die 100 km/h-Grenze wegzusprengen. Als Top-Geschwindigkeit gibt Nissan 190 km/h an. Hier machen sich der hohe Aufbau und die große Stirnfläche bemerkbar. Da klebt ein Seat Ibiza mit 105 PS am Qashqai-Po, ob man will oder nicht.

Aber zum Heizen ist dieser Nissan nicht gemacht. Dafür haben die Japaner den 350 Z (...mehr) und den GT-R (...mehr) im Portfolio. Der Qashqai ist zuständig für entspanntes Cruisen. Die Federung spielt mit und ist komfortabel abgestimmt. Danke Nissan, denn ein solches Auto verdient kein Fahrwerk, mit dem man um die Ecken feuern kann. Sicher fährt er sich auch so. Okay, frei von Kritik ist die Abstimmung nicht, kurze Querfugen teilt er den Insassen ungeniert mit, aber das war’s.

Langstreckentauglich

Galerie: Test Nissan QashqaiZur hohen Langstreckentauglichkeit trägt auch das niedrige Geräuschniveau bei. Pfeifender Wind entsteht erst jenseits der 160 km/h und vom Motor ist dann sowieso nichts mehr zu vernehmen. Das Sechsgang-Schaltgetriebe lässt sich knackig und präzise bedienen. Es kaschiert jedoch nicht das vorhandene Turboloch. Zudem genehmigt sich diese Kombination nach jedem Schnell-Schaltvorgang eine Verschnaufpause, um den Ladedruck neu aufzubauen. Wer den Komfortgedanken weiterspielen möchte, sollte zur Automatik (plus 1.500 Euro) greifen. Zu beachten ist jedoch, dass dann die Anhängelast von 1.400 Kilogramm auf 1.200 sinkt.

Traktion gibt es reichlich. Voraussetzung: Der Drehknopf auf dem Mitteltunnel steht auf 4WD. So gewappnet ist auch mehr Dynamik in Kurven machbar, da sich die Untersteuertendenz verringert. Sicheres Halten versprechen die 296-Millimeter-Bremsen an der Vorderachse, die den Qashqai in Verbindung mit den Bridgestone-Dueller-Reifen im Format 215/50 R17 in unter 40 Meter zum Stillstand bringen.

Ab in die Walachei

Galerie: Test Nissan QashqaiDie Reifen sind aber ein Problem, wenn es ins Gelände geht. Um die Grenzen zu erfahren, muss man nicht bis nach Rumänien fahren. Auch im Münchner Umland gibt es Möglichkeiten, legal eine geringe Offroad-Kompetenz zu überprüfen. Gleich vorweg: Der Lamellen-Allrad mit variabler Kraftverteilung macht auf losem Untergrund Spaß. Hecklastig lassen sich mit deaktiviertem ESP herrliche Drifts zaubern und die Traktion ist über jeden Zweifel erhaben. Ende der Offroad-Treibjagd setzen erstens die Straßenbereifung und zweitens die geringe Bodenfreiheit. Der Allradler ist daher eher ein Allradkombivan als ein SUV. Das ist gut so, denn im Gelände ist sowieso fast niemand unterwegs.

Drei Jahre Garantie

Genauso gut ist die dreijährige Garantie. Weniger gut: Der starre Inspektionsintervall von 20.000 Kilometern oder ein Mal im Jahr – je nachdem, was zuerst eintritt. Als akzeptabel erscheint der Preis unseres Testwagens. Der Nissan Qashqai 2.0 dCi 4x4 in der luxuriösen Tekna-Version kostet mindestens 30.640 Euro. Mit an Bord sind dann beispielsweise Mono-Xenonlicht, Sitzheizung und Leder sowie Parkpiepser und 17-Zoll-Räder.

Galerie: Test Nissan QashqaiDer günstigste Qashqai mit Allrad ist der Visia 2.0 mit 140-Benzin-PS für 22.840 Euro. Der 1.6er mit Frontantrieb und 115 PS kostet ab 20.000 Euro. Extras in der gehobenen Tekna-Ausstattung? Keine! Die Liste ist leer. Nur das Navi mit Rückfahrkamera steht in der Liste. Das muss es jedoch nicht sein, eher schon die Zubehör-Standheizung für etwa den gleichen Betrag.

Fazit

Der Nissan Qashqai 4x4 ist ein Großstadt-Cowboy, der auch abseits der asphaltierten Strecken nicht dumm da stehen muss. Allerdings ist er dort etwas. Der variable Allrad lohnt nur, wenn man mit übermäßig viel Schnee rechnen muss oder oft bis zu 1,4 Tonnen am Anker hat.

Für die Meisten tut es also die 2.000 Euro günstigere Frontantriebvariante. Eine Empfehlung stellt der souveräne 2.0 dCi dar. Ansonsten ist der Qashqai ein grundsolides Automobil, das sich keine echten Schwächen leistet. Wer nicht über 1,90 Meter ist, kann mit ihm glücklich werden.

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