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Galerie: Test Peugeot 208 GTi

Test: Peugeot 208 GTi

Formidabel schnell

20.01.2014

Schick ist er und darüber hinaus auch noch eindrucksvoll schnell. Stolze 240 km/h waren laut Tacho bisweilen drin. Für ein Unter-vier-Meter-Zwerg ein atemberaubend hoher Wert. Doch für den muskelbepackten 208 GTi reicht das nicht, um sich von seinen Mitbewerbern absetzen zu können. In einigen Punkten patzt der Franzose.

In jedem Fall steht der Giftzwerg, der sich namentlich mit seinem GTi-Schriftzug auf den einst legendären 205 GTI bezieht, verblüffend gut da. Wohlproportioniert, mit eleganten Details, reichlich Chrom und klassischen Power-Devotionalien ist er eine gefällige und selbstbewusste Erscheinung. Etwas diletantisch wirken allerdings die Radhausverbreiterungen, bei denen es sich um nicht ganz passgenau aufgeklebte Plastikstreifen handelt. Schöner wäre es, würde dieser Breitbau aus dem Kotflügelblech selbst kommen.

Ebenfalls mit klassischen Details wie Sportlederlenkrad, Sportsitzen, einem Vollalu-Schaltknauf (Vorsicht, im Winter Handschuhe tragen!) oder roten (LED-)Farbakzenten vermittelt der starke Kleinwagen auch innen ein sportives Ansinnen. Ansonsten hat Peugeot das schicke Ambiente mit unkonventionellen Lösungen inszeniert. Vor allem mit dem kleinen Lenkrad und der Positionierung des Kombiinstruments über dem Lenkradkranz wollen sich die Franzosen vom Einerlei abheben. Der praktische Vorteil: Die Blick auf die Fahrinformationen muss nicht sonderlich weit vom Verkehrsgeschehen abschweifen.

Schick und günstig

Galerie: Test Peugeot 208 GTiEine gestalterisch recht hübsch inszenierte Lösung ist das Multimedia-Navisystem mit einem fast freischwebend wirkenden Touchscreen in der Mittelkonsole. Die Menüführung ist in einigen Punkten gewöhnungsbedürftig, dennoch kann man sich hier nach einigen Fehlversuchen ohne die Lektüre der Bedienungsanleitung durchaus zurechtfinden. Und am Ende zählt auch das: Mit 490 bis 750 Euro (je nach Ausbaustufe) ist der Wegweisende-Vielkönner eine vergleichsweise günstige Offerte.

Großzügig gibt sich der 208 beim Platzangebot, das vor allem vorne mit guten Verstellmöglichkeiten und ordentlicher Beinfreiheit überzeugt und außerdem noch verblüffend viel Entfaltungsspielraum nach links und rechts bietet. Eng wird es allerdings beim Einstieg in den Fond des ausschließlich als Dreitürer angebotenen GTis. Dort haben die Gäste zwar eine respektable Bein-, jedoch eine etwas eingeschränkte Kopffreiheit. Der Kofferraum ist mit 285 Litern gut dimensioniert und dank der normal umlegbaren Rückbanklehne auf immerhin 1.076 Liter erweiterbar.

Power satt

Galerie: Test Peugeot 208 GTiDoch im Kern geht es beim 208 GTi selbstredend um den Motor, einen Vierzylinder, der längsdynamisch ordentlich was losmachen kann. Immerhin 200 PS und 275 Newtonmeter kitzelt Peugeot hier aus 1,6 Liter Hubraum. Eine Turboaufladung sorgt im Zusammenspiel mit einer Benzindirekteinspritzung für packenden als auch effizienten Vorwärtsdrang. Die Geräuschkulisse ist etwas verhalten, dafür aber ehrlich und nicht auf synthetische und gelegentlich auch nervende Krawall-Allüren wie beim Fiesta ST getrimmt. Wer Understatement-Auftritte bevorzugt, findet mit dem 208 GTi einen akustisch angemessenen Wegbegleiter.

6,8 Sekunden dauert der Standardsprint mit dem 1,3-Tonner, 230 km/h lautet die offizielle Höchstgeschwindigkeit, wobei, wie eingangs erwähnt, die Tachoanzeige noch deutlich höhere Werte rauswerfen kann. Ebenfalls verblüffen kann der kleine Muskelfranzose mit seinem satten Durchzug, denn in eigentlich jedem seiner sechs Gänge sorgt der Gasbefehl mit kleiner Turboverzögerung für gierigen Vorwärtsdrang. Im Gegenzug soll der Spritkonsum bei rund sechs Litern liegen, was für wahre GTi-Treiber ein praktisch allerdings unerreichbar niedriger Wert ist. Ein 200-PS-Zwerg ist nicht für verbrauchsoptimiertes Fahren gedacht, selbst wenn Start-Stopp-Automatik und Direkteinspritzung an Bord sind, und folglich wird man, wie in unserem Fall, eher mit immer noch moderaten Werten zwischen acht und neun Litern leben müssen.

Irgendwie nicht rund ums Eck

Galerie: Test Peugeot 208 GTiEtwas enttäuscht waren wir beim 208 GTi allerdings von der Fahrwerksabstimmung. Zwar ist der Komfort erstaunlich gut und liegt der Wagen bei Höchstgeschwindigkeit angenehm satt und sicher auf der Straße, doch die Traktionsschwäche der immerhin 17 Zoll großen Räder, die Antriebseinflüsse in der Lenkung und das Kurvenverhalten ließen keinen rechten Fahrspaß aufkommen. Vor allem die Lenkung mit ihrer verstörend synthetischen Rückmeldung nervt. Statt linear reagiert sie eckig und verlangt nach immerwährendem Nachkorrigieren. Außerdem neigt sich die Karosserie in flotteren Kurven mehr als nötig zur Seite.

Zudem hatten wir gelegentlich das Gefühl, dass der 208 auf gewagtere Kurventempi etwas unwirsch reagiert. Ein Grund hierfür könnte auch sein, dass unser Testexemplar bei spätherbstlicher Witterung mit schon reichlich ramponierten Sommerreifen bestückt war. Zumindest hat uns eine unerwartet frühe Untersteuerungstendenz Respekt eingeflößt und haben wir doch recht schnell die Lust am Kurvenräubern verloren. Sollte es vordergründig um Handlichkeit und Fahrspaß im Grenzbereich gehen, dann sollte man wohl besser die Finger vom 208 GTi lassen und stattdessen auf den Polo GTI oder besser noch den Fiesta ST setzen. Die bieten für ambitioniertere Fahrstile die überzeugenderen Setups.

Stolzer Preis

Galerie: Test Peugeot 208 GTiPreislich hat Peugeot den 208 GTi mit rund 23.000 Euro für die Basis recht hoch angesiedelt. Im Gegenzug ist die Ausstattung üppig, denn Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Sitzheizung, Parkpiepser hinten, Lichtautomatik, Tempomat, Regensensor, Bluetooth- und USB-Anschluss sind bereits Serie. Wer etwas über 1.000 Euro drauflegen kann, sollte noch DAB-Radioempfang, Navisystem und einen Sonderlack ordern.

Ein Schnäppchen ist der Franzose aber selbst ausstattungsbereinigt nicht. So muss man für einen vergleichbar ausgestatteten Polo GTI zwar rund 2.000 Euro mehr hinblättern, doch bietet der Wolfsburger dann schon das stets serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe. Insofern bietet der 208 ein nur marginal besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als der VW. Ein Schnäppchen in diesen Segment ist hingegen der besonders performante Ford Fiesta ST, der bereits ab 19.900 Euro zu haben ist und mit einem 1.000 Euro teuren Zusatzpaket schon nahezu vollständig ausgestattet ist.

 
Fazit

Mario Hommen

Fesch ist er, vergleichsweise geräumig und komfortabel und mit dem besonderen Etwas gesegnet. Für letzteres sorgt auch der Antrieb, denn mit 200 PS ist der Peugeot 208 GTi mächtig motorisiert und kann sich damit längsdynamisch ziemlich eindrucksvoll in Szene setzen. Dank der Kombination aus Turboaufladung und Direkteinspritzung ermöglicht der druckvolle 1,6-Liter-Benziner ein zudem vertretbares Effizienzniveau, was selbst bei flotter Fahrweise noch halbwegs moderate Verbrauchswerte ermöglicht.

Es gibt aber einen entscheidenden Haken: Der 208 GTi kann nicht die Pistenperformance bieten, mit der andere in diesem Segment brillieren. Mit der fein austarierten, spaßorientierten Handlichkeit eines Fiesta ST kann der plumper agierende Franzose in Kurven nichts mithalten. Für Spaßgranaten gehört das allerdings zur Kernkompetenz und insofern fährt der Peugeot derzeit nur als Statist im Segment der kleinen Krawollos mit. Da wäre es eigentlich nur gerecht, wenn Peugeot sein Muskelpaket preislich besonders attraktiv positionieren würde, was allerdings auch nicht der Fall ist.
 
 

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