Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Test Porsche 911 Carrera S

Test: Porsche 911 Carrera S

Der Sportwagen

25.10.2012

Viele Sportwagen-Modelle werden von Generation zu Generation immer schwerer, knapp zwei Tonnen sind keine Seltenheit mehr. Um diese Massen flott zu bewegen, greifen die meisten Hersteller zur Turboaufladung. Und entsagen damit endgültig der reinen Sportwagen-Lehre. Porsche hingegen hat es geschafft, mit weniger Gewicht und klassischem Saugmotor einen ehrlichen Sportwagen zu bauen. Vielleicht sogar den Sportwagen.

Keiner weiß genau, wie die das machen. Doch was aus dem Porsche-Entwicklungszentrum in Weissach kommt, füllt das Adjektiv „perfekt“ mit Leben. Selbst Rallye-Legende und Markenbotschafter Walter Röhrl tut sich schwer, das Erfolgsrezept der Zuffenhausener in Worte zu fassen: „Die haben‘s halt einfach drauf“. Vielleicht liegt es einfach daran, dass Porsche seit Jahrzehnten auf dem Königsweg bleibt und nicht in Versuchung gerät, nach Abkürzungen zu suchen, um dann doch nur auf einem Umweg zu landen.

Porsche baut Sportwagen schlichtweg so, wie man sie schon immer gebaut hat. Keine Experimente, keine Spielereien. Nur nicht zu viele Kilos auf den Rippen, ein Saugmotor im Heck, der Antrieb hinten und kraftvoll zupackende Bremsen reichen für Fahrvergnügen auf höchstem Niveau aus. Gut, auch Porsche bietet Turbo-Versionen und Allrad-Modelle an, die bedienen allerdings eher die Ich-will-noch-mehr-haben-Kundschaft als den wahren Sportsfreund. Und nötig ist dieser Schnickschnack erst recht nicht, wie der 911 Carrera S in unserem Test eindrucksvoll zur Schau stellte.

Bescheiden

Galerie: Test Porsche 911 Carrera SWo andere Hersteller vier, fünf oder sechs Liter Hubraum unter die schier endlosen Motorhauben quetschen, gibt sich unser knallgelber Test-Porsche mit seinen nur 3,8 Litern recht bescheiden. Und wo die Konkurrenz noch einen Turbo drauf packt, setzt Porsche klassisch auf hohe Drehzahlen. Erst bei 7.400 Umdrehungen rückt der Sechszylinder-Boxermotor seine 400 PS raus, bei 5.600 Touren liegen die maximal 440 Newtonmeter an.

Beim Vorgänger lagen Leistung und Drehmoment ein paar Runden eher an, was an sich für besseren Durchzug steht. Doch im Verbund mit Porsches blitzschnell schaltendem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist von einer Anfahrschwäche nichts zu spüren. Wie eine strenge Gouvernante treibt das Getriebe den Motor vom Stand weg zu hohen Drehzahlen an und wechselt dabei die Übersetzungen so geschmeidig und kraftschlüssig, dass meistens nur die Ganganzeige zwischen den Rundinstrumenten Auskunft über die Schaltvorgänge gibt; und die Klangkulisse.

Strikte Diät

Galerie: Test Porsche 911 Carrera SSchaltfaul wird das PDK-Getriebe nur im Sport-Plus-Modus, dann nämlich hängt der Elfer extrem bissig am Gas und der Automat wechselt erst bei der Maximaldrehzahl in den nächsthöheren Gang - die ist in der Stadt aber kaum zu erreichen. Sowohl die auf Dauer störende Geräuschkulisse, wenn man im zweiten Gang mit sechzig dahin rollt als auch die irritierten Blicke der Fußgänger lassen einen freiwillig nach wenigen Minuten wieder in den Sport- oder Normal-Modus wechseln und das Plus-Erlebnis für die Autobahn- und Landstraße aufsparen.            

Dass der Elfer jenseits der Stadtmauern nach nur 4,1 Sekunden die 100-km/h-Marke reißt und so zum Teil deutlich stärker motorisierte Mitbewerber im Rennen um den ersten Platz zu Statisten degradiert, liegt vor allem an der strengen Diät, die die Ingenieure ihrem Flaggschiff auferlegten. Nicht einmal 1.500 Kilogramm müssen im Falle unseres Carrera S mit PDK bewegt werden, und mit der Launch Control ist es ein Kinderspiel, den zum Großteil aus Aluminium bestehenden Porsche mit 20 Zoll großen Rädern in eben jenen gut vier Sekunden schlupffrei auf Landstraßentempo zu bringen. Und weit darüber hinaus: Nach wie vor setzen sich die Stuttgarter nicht die 250-km/h-Grenze, sondern lassen den Elfer bis fast an die 300 Sachen weitermarschieren, ehe ihm der Luftwiderstand klar macht, dass auch ein gelber Elfer sich der Physik zu unterwerfen hat.

Durchtrainierter Gentlemen

Galerie: Test Porsche 911 Carrera SViel mehr Spaß als die auch in einem Porsche trotz tadellosem Geradeauslauf nach kurzer Zeit anstrengenden Vmax-Eskapaden bietet das ungezügelte Kurvenräubern mit dem Leichtgewicht. Unmittelbar wie kein anderer Sportwagen folgt der durchtrainierte Elfer artig dem Fahrerwunsch, den ihm die superdirekte Lenkung diktiert. Präziser arbeitet wohl nur ein Schweizer Uhrwerk, verlässlicher ist nur das Amen in der Kirche. Wenn die Naturgesetze schon seinem ungehemmten Vortrieb Einhalt bieten, so scheint der 911er mit seiner herausragenden Neutralität wenigstens dem Kammschen Kreis ein Schnippchen schlagen zu wollen. Wie bei einer vornehmen Dame bedarf es schon großer Anstrengung, um das Heck, auf dem ab Tempo 120 zusätzlich die Kilos des ausfahrbaren Spoilers lasten, zum Tänzchen aufzufordern.

Ist der Spieltrieb befriedigt und sind die beim Carrera S serienmäßig elektronisch gesteuerten Dämpfer wieder in den Komfort-Modus versetzt, zeigt der Porsche sein Alter Ego. Besser als alle Elfer bewahrt die neueste Generation ihre Insassen in den vermeintlich maßgeschneiderten Sportsitzen vor der Unwirtlichkeit maroder Straßen, das Getriebe legt im Normal-Modus auch in der Stadt schon mal den siebten Gang ein, das Gaspedal reagiert nicht mehr ganz so scharf und an der Ampel schaltet der Porsche, ganz Gentleman, sogar den Motor ab. Auch das herzhafte Röhren, mit dem sich der idealerweise mit einer Sportabgasanlage ausgestatte Elfer auf der Landstraße schon von weitem ankündigte, weicht im Komfortbetrieb ruhigen, aber nicht weniger markanten Tönen. Nur auf das freche Frotzeln der provozierten Fehlzündungen verzichtet der Porsche nun.

 
Fazit

Michael Gebhardt

So baut man Sportwagen! Der Porsche 911 ist alles andere als ein Hexenwerk, seine Ingenieure folgten schlichtweg strikt den Vorgaben der reinen Sportwagenlehre, ohne sich auf Umwegen zu verirren. Dank konsequentem Leichtbau bringt der Elfer nicht einmal anderthalb Tonnen auf die Waage und seinem drehfreudigen Saug-Boxer reichen weniger als vier Liter Hubraum, um die meisten zwangsbeatmeten Mitbewerber auf die Plätze zu verweisen.

Wer meint, dass Fortschritte wie die zehn Zentimeter mehr Radstand oder die Stopp-Start-Automatik den 911er verweichlichen würden, den straft Porsche mit der neuesten Generation lügen. Kein Elfer zuvor war so präzise, keiner war so direkt und keiner war so komfortabel und so vernünftig. Der gewachsene Radstand sorgt für mehr Stabilität, ohne Agilität einzubüßen und die Motor-Aus-Technik beschert dem Elfer einen vorbildlichen Normverbrauch von nur noch 7,8 Litern; zusammen mit dem PDK beherrscht der 911 sogar das Segeln, der Motor wird also unter bestimmten Umständen komplett entkoppelt.

Zugegeben: Der 911 macht einfach zu viel Spaß, um ihn nach den Vorgaben des europäischen Messzyklus zu bewegen. Doch auch die elf, zwölf Liter Testverbrauch sind mehr als akzeptabel. Das größte Manko des mindestens 102.436 Euro teuren Carrera S ist trotzdem der zu kleine Tank: Denn wer es richtig krachen lässt, verbraucht nun mal gut und gern 20 Liter und kann dabei zusehen, wie die nur 64 Liter in den sechs Brennkammern verschwinden.
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.