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Galerie: Test Porsche Cayenne Diesel

Test: Porsche Cayenne Diesel

Reisebegleiter

23.07.2012

Zuffenhausener Geländewagenhersteller mit sieben Buchstaben? Richtig: Porsche. Der Autobauer, der einst mit stattlichen Sportwagen und kraftvollen Boxer-Benziner sein Geld verdiente, macht inzwischen den Großteil seines Umsatzes mit Geländewagen. Und nicht wenige davon treibt ein Dieselmotor an. Genau diese Kombination qualifiziert den Allradler zum optimalen Reisebegleiter.

Auch hartgesottene Traditionalisten müssen sich wohl oder übel mit dem Gedanken anfreunden, dass Porsche mittlerweile zu den Geländewagenherstellern zählt: Jeder zweite verkaufte Porsche ist ein Cayenne und wenn der Macan demnächst das Angebot an hochbeinigen Allradlern nach unten erweitert, wird sich diese Quote weiter erhöhen. Dem Unternehmen beschert dieser Bruch gut gefüllte Auftragsbücher; wie seinerzeit die ebenfalls vielfach skeptisch beäugte Einführung des Hausfrauen-Porsches Boxster.

Enge Verwandtschaft

In Anbetracht der schwarzen Zahlen ist es grad egal, dass mit dem Cayenne auch der Dieselmotor Einzug ins Portfolio gehalten hat. Zwar sind in den Hauptmärkten USA, China und Arabien weiterhin die teils großvolumigen Benziner gefragt, hierzulande jedoch macht der Selbstzünder den Umsatz; zwei Drittel der in Deutschland registrierten Cayenne fahren mit Diesel. Dass es sich dabei nicht einmal um ein Porsche-Triebwerk handelt, sondern der Sechszylinder aus dem Audi-Regal stammt, stört die zahlungsbereite Kundschaft ebenso wenig, wie die Tatsache, dass der Cayenne im VW-Werk Bratislava zusammen mit dem Touareg und Audi Q7 vom Band rollt.

Mit 245 PS ist der Diesel zwar nicht einmal halb so stark wie der Turbo-Cayenne und von dessen 280 km/h Spitze kann der Selbstzünder auch nur träumen. Doch sind 220 km/h mit dem mindestens 2,1 Tonnen schweren SUV mehr als genug und jenseits der deutschen Staatsgrenze ohnehin nicht realisierbar. Statt mit Hochleistung beeindruckt der geschmeidige V6 mit 550 Newtonmeter Drehmoment, die für satten Durchzug, eine Sprintzeit von respektablen 7,1 Sekunden und einen Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h in 5,3 Sekunden sorgen - respektabel, schließlich stellt sich da eine gut zwei Meter breite und 1,70 Meter hohe Schrankwand in den Wind.

Agil wie eine Limousine

Galerie: Test Porsche Cayenne DieselDie Achtgang-Automatik, die unauffällig wie ein guter Butler arbeitet, stellt sicher, dass stets ausreichend Kraft an das selbstsperrende Mittendifferenzial geht, welches selbige wiederum zwischen den Achsen verteilt. Wer sich von möglichen Kratzern und Dreck nicht abschrecken lässt und seinen Cayenne auch in unwegsameres Gelände manövrieren will, sollte die optionale Luftfederung ordern, die nicht nur die meisten Unwegsamkeiten komfortabel wegbügelt, sondern auch eine Anhebung der Bodenfreiheit auf für die meisten Übungen ausreichende 27,3 Zentimeter erlaubt.

Bei flotter Fahrt dagegen senkt sich der Cayenne automatisch etwas näher zur Straße, um Fahrdynamik und Stabilität zu erhöhen und fährt sich fast schon wie ein Sportwagen, mindestens aber wie eine Mittelklasselimousine – den Ingenieuren ist hier eine formidable Abstimmung geglückt. Dass ein Elfer agiler und handlicher ist – geschenkt. Aber in Relation zu Masse, Gewicht und Bauart legt der Cayenne 1A-Fahreigenschaften an den Tag. Der Zwei-plus-X-Tonner lässt sich dank seiner im Sportmodus noch direkteren Lenkung zielgenau um die Kurve scheuchen und weicht mit gestrafften Federn kaum vom vorgegebenen Kurs ab.  

Mehr als 1.000 Kilometer

Galerie: Test Porsche Cayenne DieselDer größte Trumpf des Diesels, der im Fahrbetrieb so gut wie gar nicht als solcher auszumachen ist, zumal ab Tempo 120 ohnehin die Abrollgeräusche der mindestens 18 Zoll großen Räder und Windverwirbelungen die Geräuschkulisse bestimmen, ist der niedrige Verbrauch. Nur 7,2 Liter verbrennt der Porsche mit Stopp-Start-Automatik im europäischen Normtest. Das ist zum einen schön, weil es den Geldbeutel schont. Zum anderen, und das dürfte der vornehmlich solventen Klientel noch besser gefallen, sorgt der zurückhaltende Durst zusammen mit dem 85-Liter-Tank für eine sagenhafte Reichweite von bis zu 1.180 Kilometern.

Theoretisch kommt der Zuffenhausener Ölbrenner also von München bis an die französische Atlantikküste, praktisch sollte man einen Tankstopp kurz vor Le Mans einplanen: Rund achteinhalb Liter werden tatsächlich im Durchschnitt in den sechs Brennkammern verfeuert, was immer noch einen Aktionsradius von ziemlich genau eintausend Kilometern bedeutet. Mit einem 911er undenkbar.

Perfekt für die Reise

Galerie: Test Porsche Cayenne DieselAls Reisemobil eignet sich der 4,85-Meter-Porsche, der in der zweiten Auflage zierlicher als bisher wirkt, in der Tat aber gewachsen ist, ohnehin hervorragend. Nicht nur in der ersten Reihe sitzt es sich prima, auch die Hinterbänkler kommen entspannt ans Urlaubsziel. Und für das Gepäck stehen bei voller Bestuhlung satte 670 Liter bereit. Fährt man nur zu zweit in die Bretagne, lassen sich auf 1.780 Liter Stauraum neben den Golfbags auch noch ein paar Kisten Wein unterbringen. Und wenn auch das nicht reicht: An den Haken dürfen bis zu 3,5 Tonnen.

Nur wenig Platz für Kleinkram hat es dagegen im Cockpit, dass von einer raumgreifenden, mit vielen Tasten, Schaltern und Hebeln bestückten Mittelkonsole dominiert wird. Praktisch sind die beiden Haltegriffe links und rechts des Mitteltunnels und Porsches Instrumententafel, mit einem Multifunktionsdisplay als Rundinstrument neben Tacho und Drehzahlmesser ist einmalig. Dort kann der Fahrer nicht nur den Bordcomputer abrufen oder den Radiosender wählen, sondern sich auch eine Landkarte anzeigen lassen.

Teure Sonderausstattung

Galerie: Test Porsche Cayenne DieselFreilich ist das exzellente Navigationssystem nicht im Grundpreis von knapp 62.000 Euro enthalten, dafür nimmt Porsche 3.200 Euro extra. Und auch viele weitere Annehmlichkeiten, die den Cayenne erst richtig wohnlich machen, müssen gesondert bestellt und bezahlt werden. Zum Beispiel die Frontscheibenheizung für rund 500 Euro, die das Fenster im Winter blitzschnell eisfrei macht. Oder die äußerst komfortablen Sportsitze mit 18-facher Einstellmöglichkeit für gut 1.900 Euro.

Für die erwähnte Luftfederung kommen 3.500 Euro auf die Rechnung, das Panoramadach kostet 1.900 Euro und die Xenon-Scheinwerfer 1.700 Euro; damit auch die Rückleuchten in LED-Technik erstrahlen werden allerdings weitere 500 Euro fällig und 880 Euro kosten die Parksensoren, die aufgrund der eingeschränkten Übersicht empfehlenswert sind. Packt man noch die Keramikbremsen zu 8.000 Euro, den Abstandstempomaten für 2.000 Euro und das Burmester-Soundsystem (4.800) drauf, hat man schnell noch einmal die Hälfte oder mehr des Grundpreises für Sonderausstattung ausgegeben.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Porsche Cayenne
Motor / Ausstattung   Diesel
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   2.967 / V6-Turbo
Leistung (kW (PS) / U/min)   180 (245) / 3.800 - 4.400
Drehmoment (Nm / U/min)   550 / 1.750 - 2.750
Antriebsart   Allradantrieb
Getriebeart   8-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.846 / 1.939 / 1.705
Radstand (mm)   2.895
Wendekreis (m)   k. A.
Leergewicht  (kg)   2.080
Kofferraum (Liter, nach DIN)   670 - 1.780
Serienbereifung   255/55 R 18
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
EU-Zyklus (l/100km)   7,2
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   189 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   8,5
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   7,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   220
Preise    
ab (Euro)   61.976,00
Ausgewählte Extras (Euro)   Xenon-Licht (1.714), LED-Rückleuchten (506), Parksensoren (881), Panoramadach (1.898), beheizbare Frontscheibe (476), Luftfederung (3.499), Abstandstempomat (2.035), Sportsitze (1.892), Sitzheizung (434). Navigationssystem (3.171), Burmester,Soundsystem (4.748)
 
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Fazit

Michael Gebhardt

Mit dem Cayenne hat Porsche das scheinbar Unmögliche möglich gemacht: Ein über zwei Tonnen schweres, hochbauendes SUV, dass sich agil und leichtfüßig wie eine Mittelklasselimousine bewegen lässt. Von dem Gewicht ist während der Fahrt kaum was zu spüren, der Wagen lenkt präzise ein und folgt der vorgegebenen Spur tadellos. Gleichzeitig bietet der Porsche reichlich Platz und Komfort für die große Reise. Eine perfekte Kombination.

Zusammen mit dem Dieselmotor, der zwar nicht zu den sportlichsten Aggregaten zählt, mit stattlichem Drehmoment aber kraftvollen Durchzug bietet und respektable Fahrwerte ermöglicht, ist der Cayenne erst recht der optimale Reisebegleiter. Mit einer Reichweite von über 1.000 Kilometern gehören lästige Tankstopps der Vergangenheit an und der Geldbeutel wird geschont. Gut so, denn der wird schon bei der Anschaffung ausreichend strapaziert; zumindest wenn man sich von den vielen Extras in der Preisliste verleiten lässt.
 
 

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