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Galerie: Test Porsche Cayenne Turbo S

Test: Porsche Cayenne Turbo S

Schnell an die Tanke

25.07.2013

Ein Modell in möglichst vielen Variationen anzubieten hat bei Porsche System; wobei die neuen Derivate in der Regel über den bisherigen positioniert werden, und nicht darunter. So auch beim Cayenne, der als Turbo S die derzeitige Speerspitze des Zuffenhausener SUVs-Modells markiert – in Sachen Leistung, Preis und auch Verbrauch.  

Selbst wer in der Schule Physik abgewählt hat, wird merken, dass beeindruckende 550 PS, 2.215 Kilogramm und 283 km/h nur schwer mit einem Verbrauch von 11,5 Litern vereinbar sein können; auch wenn das die EU-Experten auf ihrem Prüfstand ermittelt haben wollen. Fünfzehn Liter Benzin je 100 Kilometer sind in der Praxis das Minimum, das in den zusammen 4,8 Liter fassenden acht Zylindern verbrannt wird – bei gemütlicher Fahrweise.

Zu der animiert der Turbo S aber weiß Gott nicht; dafür hat Porsche den Diesel im Portfolio, der sich mit 7,2 Litern richtig bescheiden gibt. Allein das markerschütternde Gebrüll beim Anlassen des noch kalten V8-Turbos macht dem Fahrer unmissverständlich klar, dass unter der Haube ein Biest sitzt, das nicht auf Schmusekurs ist, sondern auf Krawall getrimmt. Lässt man ihm freien Lauf, rauschen gerne mal zwanzig Liter pro 100 Kilometer durch die Benzinleitungen und der 100-Liter-Tank leert sich im Nu; ihn wieder aufzufüllen kostet derzeit mehr als die monatliche Finanzierungsrate mancher Kleinwagen-Modelle.  

50 PS für 30.000 Euro

Galerie: Test Porsche Cayenne Turbo SAngestachelt wird der Motor übrigens größtenteils von der Software, denn im Grunde handelt es sich um das gleiche Triebwerk wie im „normalen“ Turbo. Etwas mehr Ladedruck und ein neues Motormanagement genügen, schon kommen 50 PS mehr und satte 750 Newtonmeter Drehmoment an der Kurbelwelle an – und bei Porsche 30.000 Euro mehr auf dem Firmenkonto. Dass die Serien-Ausstattung dafür um das Sport-Chronopaket und den Wankausgleich ergänzt wurde ist nett, fällt aber nicht wirklich ins Gewicht.

Apropos Gewicht: Das scheint der Cayenne beim Tritt aufs Gaspedal zu vergessen und schnellt in 4,5 Sekunden auf Tempo 100; genauso schnell wie ein 911 Carrera S. Auf der Geraden kann dieser seinen großen Bruder so auch nur schwer abschütteln, in Sachen Kurvendynamik aber muss sich das SUV dann doch geschlagen geben. Zwar lässt sich die Luftfederung im Sport-Plus-Modus gefühlt gänzlich ausbauen, doch bleiben es trotzdem zwei-plus-X brettharte Tonnen, die ums Eck gehievt werden müssen. Während der 911 elegant durch enge Kehren schnürt, fallen dem SUV dann trotz Torque-Vectoring und Wankausgleich seine mächtige Masse und der hohe Aufbau plötzlich wieder ein.

Straff und laut

Galerie: Test Porsche Cayenne Turbo SAußerdem haben die Passagiere in diesem Extrem-Modus wenig zu lachen, kriegen sie doch in ihren straffen Sportsitzen selbst kleinste Unfeinheiten im Asphalt unverblümt mitgeteilt. Wem das zu unbequem ist, der kann für die Federung den immer noch ausreichend straffen Komfortmodus wählen und den Antriebsstrang mit formidabler Achtgang-Automatik separat Vorspannen; gleichzeitg lässt sich zudem der Sound noch ein weniger lauter aufdrehen, damit auch die Spieler auf der hintersten Golfbahn wissen, wer gerade beim Clubhaus vorfährt.

Dass er sich lautstark ankündigt, ist auch gut, denn stehen nicht gerade seine zivilen Brüder direkt neben ihm auf dem Parkplatz, sieht der Laie nicht unbedingt, dass es sich um die über 150.000 Euro teure Top-Version handelt. Eine leicht modifizierte Frontschürze, ein dezenter Heckspoiler und etwas breitere Kotflügel bieten zurückhaltenden Kunden einen nur leicht sportlicheren Auftritt und den Tunern genügend Spielraum, den Turbo S auch optisch ordentlich aufzumotzen.

Zuviel Sport

Deutlich ausgeprägter sind die Insignien im Innenraum. Die eng geschnittenen Sportsitze haben wenig mit den sonst in einem SUV üblichen kommoden Sesseln zu tun und erinnern in der Tat eher an einen Elfer, und auch die reichlich verbauten Karbonzierteile tragen ihren Teil zum schnittigen Auftritt bei. Das soll auch das Dreispeichen- Sport-Volant tun, das allerdings eher durch fehlende Lenkradtasten als ausgesprochene Griffigkeit auffällt. Dass ist dann schon ein bisschen zu viel Sport, denn gerade jenseits der 250 km/h wäre es schon schön, das Radio lauter drehen zu können, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Mehr geht immer, das hat Porsche mit dem Cayenne Turbo S ein weiteres Mal bewiesen. Ob die 50 Extra-PS tatsächlich 30.000 Euro wert sind, sei dahingestellt ist. Fakt ist: Die 911er-gleiche Beschleunigung ist in einem 2,2 Tonnen schweren SUV im wahrsten Sinne des Wortes schwer beeindruckend. Dass er sich nicht ganz so elegant wie der Carrera um die Kurve schmiegt, sei dem Koloss verziehen und wer mehr Wert auf Quer- als Längsdynamik legt, greift ohnehin, wenn es denn ein Cayenne sein soll, besser zum GTS.

Zum Posen allerdings ist der Turbo S freilich das Maß der Dinge, und so dürfte er seinen Weg vor allem in die Märkte finden, wo die Kunden gerne zeigen, was sie haben: Asien, Arabien, Russland. Geht man von einer ähnlichen Stückzahl wie beim Vorgänger aus - nur rund zweieinhalbtausend Einheiten wurden gebaut - dürfte die Zuffenhausener Wuchtbrumme auch weiterhin ein ziemlich exklusiver Anblick sein. Nur der Tankwart des Vertrauens wird ihn gut kennenlernen....   
 

 

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